Titel: Neumann, über die Zukerfabrication aus einheimischen Gewächsen.
Autor: Neumann, Karl August
Fundstelle: 1838, Band 67, Nr. LXXX. (S. 277–304)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj067/ar067080

LXXX. Ueber die bei der Zukerfabrication aus einheimischen Gewächsen hinsichtlich der Erzeugungskosten zu berüksichtigenden Umstände; von K. A. Neumann, k. k. wirklichem Gubernial- und Kommerzrathe etc.29)

A. Zukerfabrication aus Runkelrüben.

1) Beschaffenheit und Bestandtheile der Runkelrüben.

Die Menge und Beschaffenheit des in den Runkelrüben enthaltenen Saftes, und die Quantität des daraus zu gewinnenden Zukers sind, so wie bei dem Zukerrohr, unter verschiedenen Umständen sehr ungleich, nach Verschiedenheit der Spielarten, ihrer Kultur, des Bodens, worin sie gewachsen, der Zeit ihres Wachsthums und ihrer Aufbewahrung, und dem Verfahren bei der Darstellung des Zukers. Unter einerlei Umständen gewachsen liefern nach den neuesten Erfahrungen Rüben mit rother Schale und Ringen, aber weißem Fleische, |278| den meisten Zuker, nach ihnen die weißen und gelben; kleine Rüben sind fast immer reicher an Zuker, als die großen; jedoch compensirt dieser größere Reichthum das geringere Gewicht der ersteren nicht in allen Fällen.

Die Beschaffenheit der Runkelrüben ist eigenthümlich, von anderen Pflanzen und Pflanzentheilen verschieden. Mikroskopische Betrachtungen des Inneren der Runkelrüben zeigen, daß sie aus einem Gewebe von Fasern und Häuten bestehen, in welchem Saft, in kleinen wie Bläschen erscheinenden Zellen eingeschlossen ist; in demselben lassen sich aber nicht wie bei anderen Pflanzen einzelne in ihm befindliche Stoffe sichtbar nachweisen. Man sieht darin keine festen oder krystallinischen Bestandtheile, keine verschiedenartige Säfte führende Behälter oder Zellen, wie im Gewebe vieler anderen Pflanzen, welche für Stärke, Gummi, Harze, Kautschuk, Milchsäfte, Färbestoffe (Pigmente), Schleim, Zuker und krystallinische Salze, besondere Behälter oder Gefäße besizen. Ihre Masse erscheint nur zum geringsten Theile fest, der größte Theil derselben ist mehr oder weniger flüssig- oder dem flüssigen Zustande sich nähernd.

Durch Versuche Pelouze's 30) ist nachgewiesen, daß 100 Gewichtstheile der Runkelrübe, wenn sie zerrieben ausgepreßt werden, einen Rükstand geben, der im Marienbad getroknet, nur 2,5 Gewichtstheile beträgt. Demnach sind in 100 Gewichtstheilen Runkelrüben 97. 5 Gewichtstheile im flüssigen oder nur geronnenen Zustande, und nur 2,5 Gewichtstheile als fester Faserstoff vorhanden, der nach Kuhlmann 31) aus gallertsaurem Kalk besteht. Werden 100 Gewichtstheile frischer Runkelrüben aufs schärfste, in heißer Luft, getroknet, so verbleiben 14 bis 16 Gewichtstheile trokene Pergamentähnliche Masse, welche beim Auslaugen mit Weingeist, Wasser u.a. Auflösungsmitteln, nur zwei bis sechs Gewichtstheile reinen Zuker, und den übrigen, zehn oder mehr Gewichttheile betragenden Theil, als eben so viel wasserfreie Stoffe von verschiedener Beschaffenheit liefern.

In dem Gewebe der Runkelrübe scheinen alle Funktionen und verschiedenartigen Absonderungen möglich zu werden, je nachdem durch Kultur und physisch dynamische äußere Einflüsse, eine oder die andere ihrer Lebensrichtungen gesteigert und die anderen unterdrükend, vorwiegend wird. So sehen wir den Saft gefärbt oder farblos, und zwar vom dunkelsten Roth durch alle Nuancen laufend bis ins helle und wasserklare Weiß, und dabei nur einen kleinen Theil außerordentlich |279| feine Körnchen, welche sich nicht, wie bei anderen Pflanzen, als besondere Stoffe nachweisen lassen. Nach dem Austroknen der Rübe ist aber eine gleichförmige Masse, welche schon Marggraf als kleine weiße krystallinische Zukerkörnchen wahrgenommen hat, aber keine bestimmbare krystallinische Form zu erkennen.

Pelouze will in 25 auf ungleichem Boden im nördlichen Frankreich gewachsenen Spielarten der Runkelrübe 5, 8 bis 10 Procent, Hermann 32) in 11, in verschiedenen Gegenden Rußlands gewachsenen, 6, 7 bis 12, 13 Proc., und Deyeux 33) sogar über 13 Proc. krystallisationsfähigen Zuker gefunden haben.

Werden die Beschaffenheit der Rüben, die verschiedenen sehr abweichenden Resultate chemischer Analysen, und die Erscheinungen bei den in Anwendung kommenden Operationen zusammen aufgefaßt, so ist es höchst wahrscheinlich, daß die Behandlung der Rüben nicht nur Einfluß auf die Bildung der daraus dargestellten verschiedenen Stoffe, sondern auch auf die Erhaltung des darin vorhandenen Zukers, insbesondere auf dessen Veränderung in solchen Zuker habe, der nicht krystallisationsfähig ist. Aus dieser Ansicht ergeben sich Erklärungsgründe, weßhalb bei der technischen Bearbeitung der Runkelrüben, der Zukerfabrication, unter dem unvermeidlichen Einflusse der Wärme, der Luft, des Wassers u.a. chemischer Potenzen, so sehr verschiedene Resultate erlangt werden. Die Verschiedenheit dieser Resultate gestattet nicht, die bestimmtesten Angaben hierüber als Normalmaaßstab anzunehmen; um so weniger, da die von Fabrikanten herrührenden sich nur auf eine Zukermasse beziehen, die Rohzuker genannt wird, und nicht als reiner Zuker betrachtet werden kann.

2) Wieviel und in welcher Beschaffenheit der Zuker aus den Runkelrüben erhalten wird.

Von den hier angeführten Umständen und Einflüssen ist jedoch die Zukerfabrication aus Runkelrüben nicht allein, sondern auch die aus dem Zukerrohre abhängig. Es kann deßhalb kein hinreichender Grund hergenommen werden, die noch nicht den höchsten Grad der Vollkommenheit erreicht habende Darstellung des Zukers aus Runkelrüben in Europa zu unterlassen oder wieder aufzugeben, nachdem vielfältige Erfahrungen beweisen: Die Darstellung sey in einer Art möglich, welche Vortheile gewährt, wenn sie nicht unter ungünstigen Umständen unternommen wird; nachdem sich hieran die Aussicht knüpft, noch andere und zwekmäßigere Verfahrungsarten aufzufinden, |280| die den Erfolg mit größerer Sicherheit als die bisherigen verbürgen. Wenn nur erst richtigere Ansichten der Sache gewonnen und solche verdrängt sind, unter denen sich Verbesserungen als überflüssig darstellen; wenn insbesondere die Meinung aufgegeben ist: eine unsterbliche, die sicherste und vollkommenste Verfahrungsweise sey bereits in Anwendung. Wenn schon jezt nicht mehr bezweifelt werden kann: es könne durch bekannte und übliche Verfahrungsarten aus den Runkelrüben Zuker dargestellt werden, der bei der ersten Operation zwar gelb oder bräunlich gefärbt, durchaus aber nicht klebrig, sondern körnig ist, der im trokenen Zustande mit der Hand ohne besondere Anstrengung zerdrükt und wie Sand ausgestreut werden kann, dessen aus 100 Pfd. Runkelrüben gewonnene Quantität 5 Pfd., aus 100 Pfd. Saft 6 2/3 Pfd. betrage, vielfältig aber auch behauptet wird, dessen Qualität könne noch besser und die Quantität viel bedeutender seyn, beide seyen nur bei fehlerhaftem Verfahren geringer: so erscheint die Annahme einer durchschnittlichen Ausbeute von 5 Pfd. Rohzuker, von der hier bezeichneten Beschaffenheit, gerechtfertigt, und kann einstweilen weder übertrieben noch zu gering geachtet werden. Diese Annahme wird so lange wenig von der Wahrheit abweichen, als die Preisfrage nicht gelöst ist, welche die Société d'encouragement in Paris im vorigen Jahre aufgegeben hat, worin gesagt wird: daß ungeachtet Rüben, welche auf geeignetem Boden gebaut werden, und, wann ihr Saft an Beaumé's Aräometer 7 Grad zeigt, dem Gewichte nach 10 Proc. krystallisirbaren Zuker enthalten, unsere (die französischen) Fabriken im Durchschnitte in den ersten 2 bis 3 Monaten nach dem Einsammeln der Rüben nicht mehr als 5 bis 6, und in den späteren Monaten nicht mehr als 3 bis 4 Proc. gewinnen. Vielfältig wird in Deutschland versichert, der von französischen Zukerfabriken in den Handel kommende Rohzuker besize nicht die bezeichnete Beschaffenheit, sey geringer, zusammenbakend und klebrig, deßhalb die Angabe größerer Ausbeute illusorisch. Die Annahme einer Ausbeute von 5 Proc. scheint aber auch in Frankreich das Maximum zu seyn, weil von der französischen Regierung bei der Bestimmung der Auflage auf einheimischen Runkelrübenzuker angetragen wurde, daß, wenn ein gegenseitiges Uebereinkommen über das Abonnement nicht zu Stande kommt, der Betrag der Auflage durch Annahme von 41/2 Kilogr. Zuker von 100 Kilogr. Rüben gerechnet werde.

3) Ertrag des Bodens an Runkelrüben.

Der Ertrag des Bodens an Runkelrüben, beziehungsweise Zuker, auf einer bestimmten Landfläche, ist, wie beim Zukerrohr, höchst ungleich: |281| nach der Beschaffenheit des Bodens, nach dessen Bearbeitung, insbesondere aber der Witterung des Sommers und des Klimas. Die Erzeugung zukerreicher Runkelrüben fordert einen tiefen, humusreichen und lokern Boden, und dessen sorgfältige Bearbeitung; sand- und torfartiger oder magerer Boden qualifiziren sich nicht zu deren Anbau. Eine trokene Witterung macht Bewässerung und eine hiezu geeignete Lage des Bodens nothwendig. Ein mildes Klima ist dem Gedeihen der Rüben angemessener als ein heißes; in Frankreich die nördlichen Departements mehr als die südlichen.

Die Natur scheint in Tropenländern den Zuker im Zukerrohr über der Erde, – in nördlichen in der Runkelrübe unter der Erde, in größter Menge zu produciren, beide Gewächse aber zur Gewinnung des Zukers bestimmt zu haben. Neuere Erfahrungen haben dargethan, daß in kälteren und höheren Ländern gewachsene Rüben mehr Zuker liefern, als die in niedriger liegenden; daß die Rüben süßer sind, wenn sie aus in Schweden und Schlesien erzeugten Samen in Frankreich gewachsen sind. Deßhalb ist in neuester Zeit die Samenerzeugung und dessen Ausfuhr aus jenen Ländern nach Frankreich bedeutend. In Böhmen wurde wahrgenommen, daß in der Nähe von Deutschbrod und Iglau, auf einer Höhe von 230 bis 300 Klaftern über der Meeresfläche gewachsene Rüben zukerreicher sind, als die bei Außig, auf einer Meereshöhe von nur 60 bis 70 Klaftern gewachsenen. Hermann hat in den in Sibirien, unter mehr als 60 Grad nördlicher Breite gewachsenen Rüben einen größeren Gehalt an Zuker nachgewiesen, als Pelouze in den in Frankreich unter 50° n. Br. gewachsenen.

Die Anführung vieler Autoritäten zur Angabe des Ertrags einer bestimmten Landfläche an Runkelrüben ist überflüssig, weil dieselben sehr abweichend gefunden, für unseren Zwek aber folgende genügen werden.

Achard gab bereits im Jahre 180934) den Ertrag eines Magdeburger Morgen Landes in Brandenburg, mit 175 Berliner Centnern, für die Fläche eines österreichischen Joches (1600. 175. 91⅔)/710 = 36280 Wiener Pfund an. Nach dieser Angabe wachsen 100 Pfd. Rüben auf 4,4 Wiener Quadratklaftern.

Krause gibt35) den Ertrag eines niederösterreichischen Joches, in Oesterreich, an: im Durchschnitt in einem Jahre mit 21600 im anderen mit 24900 Wiener Pfund; im günstigen Falle sey aber |282| auf 25,000 bis 30,000 Pfd. zu rechnen. Diesen Angaben zufolge wachsen 100 Pfd. Rüben auf 7,4 oder auf 6,5 Quadratklaftern.

In Frankreich, zufolge des Berichtes eines Ausschusses der Deputirtenkammer im Jahre 1836, beträgt die Production nach einem mäßigen Durchschnitte auf einer Hektare in den nördlichen Departements 40 Tausend Kilogrammen: in anderen Departements könne man sie kaum auf 25 Tausend schäzen. Nach diesen Angaben werden in Frankreich auf der Fläche eines n. ö. Joches producirt: in nördlichen Departements

(1600. 40,000 1,786)/2780 = 41116 W. Pfund

in anderen Departements

(1600. 25000. 1,786)/2780 = 25700 W. Pfund

und 100 Pfund Rüben wachsen auf 3,9 oder 6 Quadratklaftern.

In Sibirien wachsen nach Hermanns Angabe bei Baktomirsk, auf einer Dessätine gedüngten Landes 12800 Rüben von 10 Unzen Durchschnittsgewicht. Mithin, da eine Dessätine 1800 W. Quadratklaftern ist, auf der Fläche eines W. Joches:

(1600. 12800. 10)/(1800. 16) = 7111 Wiener Pfunde,

und 100 Pfd. Rüben auf 22,5 Quadratklaftern.

In Rußland,36) wuchsen in Michaelowsky, im Gouvernement Tula, auf 382 Hektaren 4,243200 Kilogr. Rüben. Demnach auf der Fläche einer Hektare 11108 Kilogr. und auf der eines n. ö. Joches (11108 17,786. 1600)/2780 = 11416 W. Pfd., und 100 Pfund Rüben wachsen auf 14 W. Quadratklaftern.

In Böhmen achtet man es seit mehreren Jahren für ein völliges Mißrathen der Runkelrüben, wenn auf einem nied. öst. Joche weniger als 180 Cntr., für eine gewöhnliche und Durchschnittsernte, wenn 240 Cntr., und für eine reichliche, wenn mehr als 300 Cntr. von zu deren Kultur geeignetem Boden gewonnen werden.

Nach diesen sehr verschiedenen Angaben ist nur zu bemerken:

Auf wie viel Quadratklaftern Land 100 Pfd. Runkelrüben wachsen, wenn 180 bis 400 Cntr. auf 1 n. öst. Joche geerntet werden; und wie viele Quadratklaftern Akerland erforderlich sind, wenn 100 Pfd. Rüben 5 Pfd. Zuker liefern, um 100 Pst. Rohzuker zu gewinnen.

|283|

Wenn geerntet werden:

auf der Fläche eines so wachsen 100 Pfund
Rüben auf:
und 100 Pfund Zuker
werden gewonnen, von:
Joches, Mezen
v. 1600 □° v. 533 1/3□°
180 Cntr. 60 Cntr. 8,8 W. Quadratklst. 177,6 Quadratklaftern
210 – 70 – 7,62 – 152,4 –
240 – 80 – 6,69 – 133,3 –
270 – 90 – 5,92 – 118,4 –
300 – 100 – 5,33 – 106,6 –
350 – 116 2/5 – 3,57 – 91,3 –
400 – 133 1/3 – 4,00 – 80,0 –

Nach diesen Verhältnissen sind günstigere oder ungünstigere Resultate zu beurtheilen und zu berechnen, hier aber noch zu bemerken, auf wie vielen W. Quadratklaftern 100 W. Pfund Zuker unter der Bedingung, daß 100 Pfund Rüben 5 Pfund Zuker liefern, gewonnen werden:

1) in Preußen, wenn auf 1 Verl. Morgen 175 preußische Centner Rüben wachsen, von

(100. 100. 710)/(5. 91. 6. 175) = 88,5 W. Quadratklaftern.

2) in Oesterreich:

in einem Jahre von (100. 100. 1600)/(5. 21600) = 144 W. Quadratklaftern,

im anderen von (100. 100. 1600)/(5. 24. 900) = 128,0 W. Quadratklaftern.

3) in Frankreich:

in nördlichen Departements

von (100. 1600/5. 41116) = 77,74 W. Quadratklaftern,

in andern Departements

von (100. 1600)/(5. 25700) = 124,51 W. Quadratklaftern.

Ein ausgezeichneter Landwirth (Dombasle) sagt, daß gewisse Bodengattungen nur 2100 Kilogr. Zuker vom Hektare liefern, während andere 4 bis 6000 Kilogr. von derselben Fläche abwerfen.

4) im russischen Gouvernement Tula:

In Michaelowsky.

von (100. 100. 1600)/(5. 11416) = 180 Quadratklaftern.

5) in Sibirien:

von (100. 100. 1600)/(5. 7111) = 465,6 W. Quadratklafter.

|284|

4) Wie viel Brennmaterial zur Darstellung des Zukers aus Runkelrüben erforderlich ist.

Hinsichtlich des Brennmaterials wird hier im Allgemeinen bemerkt: Als allgemeiner Maaßstab desselben werden die überall, wo Zukererzeugung gedenkbar ist, vorkommenden, das Holz, Stein- und Braunkohlen, Torf u.a. nach ihrem Vermögen Wärme zu erregen, unter einander verglichen angeführt, und nach Peclet angenommen:37)

Gleiche Gewichte folgender Brennmaterialien erregen oder entwikeln Wärme, im Verhältnisse der nebenstehenden Zahlen:

Vollkommen trokenes Holz 35
Holz, im gewöhnlich trokenen Zustande, mit ungefähr 25 Proc.
Wassergehalt

26
Holzkohlen 73
Steinkohlen, ziemlich bakende 60
Kohks, mit 0,15 Asche 65
Torf, von guter Qualität 30
Torfkohlen, mit 0,18 Asche 64

Stein- und Braunkohlen, Lignit und Torf kommen in sehr ungleichen Qualitäten vor. Das Wärme-Erzeugungsvermögen der meisten Steinkohlen ist nur 2/3 von dem, welches dasselbe Gewicht Holzkohlen besizt, und das der Braunkohlen ist gewöhnlich nicht stärker als das des Holzes.

In Beziehung auf den Verbrauch von Brennmaterial bei der Zukerfabrication müssen aber, wegen der dabei vorkommenden vielfältigen und sehr verschiedenen Operationen und Erwärmungen, so wie bei allen Fabricationen, direkte Erfahrungen zu Grunde gelegt, und die hierüber erlangten hier angeführt werden.

Crespel 38) bearbeitet in Frankreich 1 Million Kilogramme Runkelrüben, oder 750,000 Kilogr. Saft, mit 2400 Hectolitre, zu 75 Kilogrammen Steinkohlen; also mit 1 Kilogramm Steinkohlen 75000/(2400.75) = 4,166 Kilogr. Saft; oder eben so viele Pfunde Saft mit 1 Pfd. Steinkohlen, und nach dem angenommenen Verhältniß mit 1 Pfd. Holz 1,80 Pfd. Saft.

Ueber den Verbrauch an Brennmaterialien bei der Zukerfabrication aus Runkelrüben in Böhmen gesammelte und verglichene Angaben |285| fallen sämmtlich zwischen zwei Extreme. Nach den günstigsten Angaben werden die Rüben mit dem dritten Theile ihres Gewichtes, nach weniger günstigen mit der Hälfte ihres Gewichtes trokenen Brennholzes bis zum fertigen Zuker bearbeitet, und damit auch alle vorkommenden Erwärmungen der Arbeitsräume bestritten. Der Zuker wird entweder aus dem durch Auspressen gewonnenen Safte, dessen Quantität in den meisten Fällen 75 Proc. der Rüben beträgt, oder aus der durch Macerirung frischer oder getrokneter Rüben bereiteten Auflösung desselben dargestellt. Demnach werden mit 1 Pfd. trokenen Brennholzes höchstens 75/33 1/3 = 2,25 Pfd. Saft, aber auch nur 75/50 = 1,50 Pfd. Saft bis zum fertigen Zuker bearbeitet. Der Durchschnitt dieser drei Angaben ist:

(1,80 + 2,25 + 1,50)/3. = 1,85 Pfund Saft. Diese Quantität ist zwar den meisten hierüber erlangten Angaben entsprechend, jedoch nur, weil die Erhizungsapparate nicht die zwekmäßigste Einrichtung haben. Wenn diese nur einigermaßen Ersparung des Brennmaterials bezweken, so ist zur Bearbeitung von zwei Pfund Saft ein Pfund Brennholz hinreichend. Es wird deßhalb unbedenklich angenommen und den weiteren Berechnungen zum Grunde gelegt: mit einem Pfunde trokenen Brennholzes können zwei Pfunde, und mit einem Pfunde guter Steinkohlen 4,5 Pfunde, durch Auspressen oder Maceriren, von gleichem specifischem Gewichte, erhaltener Saft der Runkelrüben, bis zum fertigen Zuker bearbeitet werden.

Aus der Runkelrübe kann, so wie aus dem Zukerrohr, der Zuker nicht unmittelbar in fester, sondern nur in flüssiger Gestalt, mit einem größeren Antheile Wasser u.a. Stoffen verbunden, abgeschieden werden. Hiezu sind drei Wege einzuschlagen:

1) Mechanische Absonderung des Saftes von den mehr oder weniger festen Theilen, das Auspressen des Saftes;

2) Abscheidung des süßen Saftes durch Vereinigung mit Wasser, die Maceration, und

3) Troknung der Rüben und Absonderung des Zukers durch neue Vereinigung desselben mit einer Flüssigkeit; das Auslaugen.

Diese verschiedenen Operationen fordern besondere Würdigung in Beziehung auf das bei jeder derselben erforderliche Brennmaterial.

Von durch Auspressen zerriebenen Rüben sollen nach mehreren Angaben 90 bis 95 Proc. Saft, nach anderen aber auch nur 60 Proc. gewonnen werden können. Mittelst zwekmäßigen Schraubenpressen |286| werden aus Rüben guter Qualität gewöhnlich 75 Proc., durch starke hydraulische Pressen 80 und mehr Procent Saft erhalten. Nachdem aber gefunden worden ist, der zulezt ausgepreßte Saft sey vom geringsten Zukergehalte, dessen Werth dem auf sehr starke Pressen zu verwendenden Anlagskapitale nicht entsprechend, so begnügen sich erfahrene Fabrikanten mit 75 Proc. Saft, und diese Quantität wird auch den weiteren Berechnungen zu Grunde gelegt.

Bei diesem Verfahren sind von 100 Pfd. Rüben 75 Pf. Saft mehrmals zu erhizen, abzudampfen und auf fertigen Zuker zu bearbeiten. Wenn davon 5 Pfd. Rohzuker als gewöhnliche Ausbeute angenommen werden, so sind zur Darstellung von 100 Pfd. Rohzuker 1500 Pfd. Saft zu behandeln und hiezu, nach dem durch Erfahrung gefundenen Verhältnisse des Bedarfes 750 Pfd. Brennholz erforderlich.

Beim Maceriren frischer in Scheiben oder Nudeln geschnittener, oder zu Brei zerriebener Rüben, mittelst bloßem Wasser, ist nach den wahrscheinlichsten Angaben hierüber, zur Ausziehung des meisten Zukers ein größeres Gewicht Wasser erforderlich, als die in den Rüben enthaltenen flüssigen Theile betragen. Durch Erfahrungen ist dargethan: der Extract des mit dem Zuker vereinigten Wassers müsse wenigstens um den dritten Theil mehr betragen, als der ausgepreßte Saft, wenn die größte Quantität Zuker erhalten werden soll. Hienach müssen bei der Bearbeitung von 100 Pfd. Rüben wenigstens 100 Pfd. Flüssigkeit mehrmals erhizt und abgedampft werden, wozu 50 Pfd., und da zur Darstellung von 100 Pfd. Zuker 2000 Pfd. Saft zu behandeln sind, so sind hiezu 1000 Pfd. Brennholz erforderlich.

Wird der Zuker aus getrokneten Rüben mittelst Weingeist, bloßem Wasser, oder Wasser mit irgend einem tauglichen Stoffe geschwängert, ausgezogen, so sind zwei Operationen vorzunehmen.

1) Das Troknen der Rüben. Könnte dieses in freier Luft bewirkt werden, so wäre hiezu kein Brennmaterial erforderlich. Da dieß aber jedenfalls weitläuftige Anlagen erfordern und Verlust an Zuker veranlassen würde, so kann das Troknen zwekmäßiger mittelst erhizter Luft bewirkt werden, zu deren Erhizung aber eine der zu verdampfenden Feuchtigkeit angemessene Quantität Brennmaterial erforderlich ist. Wenn 100 Pfd. Rüben so weit getroknet werden, daß davon nicht mehr als 15 bis 20 Pfd. trokene Masse verbleibt, so sind 80 bis 85 Pfd. Wasser zu verdampfen. In zwekmäßigen, die Entfernung mit Wasserdampf beladener Luft begünstigenden Troknungsapparaten, kann diese Operation mit 60 bis 80 Proc. Brennmaterial, die Verdampfung von 80 Pfd. Feuchtigkeit aus 100 Pfd. Rüben also mit 50 bis 60 Pfd. Brennholz bewirkt werden.

|287|

2) Das Abdampfen der mit Zuker beladenen Flüssigkeit. Durch Extrahiren trokener Rüben wird nach Göttling 39) die Flüssigkeit weit stärker mit Zukertheilen beladen, als man den durch die Auspressung erhaltenen Saft damit angeschwängert findet. Wird berüksichtigt, daß, um aus 75 Pfd. Saft 5 Pfd. Zuker darzustellen, 37 1/2 Pfd. Brennholz erforderlich sind, hier aber wahrscheinlich nicht mehr als zwei Drittheile Flüssigkeit, also nur 50 Pfd. Saft zu behandeln sind, so ergibt sich hienach der Bedarf an Brennmaterial bei allen folgenden Operationen, für 100 Pfund Zuker nur mit 500 Pfund Brennholz.

Es sind demnach bei diesem Verfahren zur Darstellung von 100 Pfd. Zuker überhaupt zu verwenden:

1) zum Troknen von 2000 Pfd. Rüben 1000 bis 1200 Pfd.
2) zur Bearbeitung von 1000 Pfd. Saft 500 – 500 –
–––––––––––––––
Zusammen 1500 bis 1700 Pfd.

Brennholz, mithin wenigstens doppelt so viel, als beim ausgepreßten und 500 bis 700 Pfd. mehr, als bei dem durch Maceration dargestellten Safte.

Wenn jedoch die Angabe Schutzenbachs gegründet ist: zur Ausziehung des Zukers aus getrokneten Rüben sey nur das dreifache Gewicht des Zukers an Flüssigkeit erforderlich, so wären zur Darstellung von 100 Pfd. Zuker nur 400 Pfd. Flüssigkeit der weiteren Bearbeitung zu unterziehen, hiezu nur 200 Pfd. Brennholz, und nach diesem Verfahren überhaupt nur 1200 Pfd. Brennholz zur Darstellung von 100 Pfd. Zuker erforderlich. Und wenn, wie derselbe in einem unterm 31. März v. I. verbreiteten gedrukten Schreiben verkündigt, sich bestätigt: der Extract habe mindestens die doppelte, auch die dreifache Dichtigkeit des rohen Rübensaftes, d.h. er sey zwei bis drei Mal so reich an Zuker, und es sey weniger als die Hälfte Wasser zu verdunsten: so wäre dieses Verfahren zwar nicht mit Ersparung an Brennmaterial verbunden, aber um so vortheilhafter, wenn sich bewährt, daß die Ausbeute an festem krystallisirtem Zuker viel größer ist, als bei Anwendung der besten französischen Methoden, auch der Zuker weit reiner, und nach dem Ausspruch eines der ersten pariser Raffineurs, von dem dort im Handel vorkommenden Rübenzuker sehr verschieden und 10 Proc. mehr werth.

5) Allgemeine Erfordernisse und Erzeugungskosten bei der Fabrication des Zukers aus Runkelrüben.

Um die Erzeugungskosten des Runkelrübenzukers auszumitteln, ist der erforderliche Aufwand für eine bestimmte Quantität Rohzuker, |288| für diese aber wenigstens 100,000 Pfd. oder 1000 Cntr., deßhalb zu Grunde zu legen, weil eine solche Quantität den Verhältnissen vieler Landwirthe, die sich damit befassen könnten, am meisten angemessen ist, eine geringere Erzeugung nur in besonderen Fällen einen lohnenden Erfolg haben kann.

Der Aufwand bei der Runkelrübenzuker-Fabrication zerfallt, wie bei allen Gewerbsbetrieben 1) in das Einrichtungskapital und 2) in die laufenden Unkosten.

Das Einrichtungskapital begreift den Aufwand für Gebäude und diejenigen Geräthschaften, welche für die ganze Dauer der Fabrikation beigeschafft werden, und zwar der Abnüzung unterworfen sind, aber doch mit zeitweiligem Aufwande unterhalten werden können.

Die Kosten eines Fabrikgebäudes, in welchem 1000 Cntr. Rohzuker fabricirt werden können, wurden in den Verhandlungen der k. k. Landwirthschaftsgesellschaft in Wien für das Jahr 1831 mit 10,000 fl. CM. angeschlagen; Krause überzeugte sich aber später, es sey dafür nur 8000 fl. in Anschlag zu bringen. Ist ein bereits vorhandenes Gebäude zu benuzen, so kann der hiefür in Rechnung zu bringende Theil des Einrichtungskapitals zwar in den meisten Fällen geringer, selbst nur mit 6000 fl. angenommen werden, dieser Umstand hier aber unbeachtet bleiben, weil es sich um Ausmittlung des in den meisten Fällen erforderlichen Einrichtungskapitals handelt.

In Böhmen.

Ein Gebäude zu diesem Gebrauche ist Beschädigungen unterworfen, deßhalb sind für dessen Unterhaltung außer den landesüblichen Zinsen noch einige Procente in die laufenden Unkosten aufzunehmen. Die Annahme von 500 fl. für landesübliche Zinsen von 10,000 fl. Kapitalswerth, und 200 fl. für die jährliche Erhaltung desselben, werden in Böhmen ausreichend gefunden.

Die Kosten der erforderlichen Einrichtungsgeräthschaften werden, nach Krause's Angaben, in folgender Rechnung dargestellt:

fl. kr.
für eine Waschmaschine 30 –
– ein Treibwerk 200 –
– die Reibmaschine 200 –
– zwei hydraulische Pressen à 800 fl. 1600 –
– einen mit Kupfer beschlagenen Tisch, um die Säke zu
füllen.

30 –
– den Saftbehälter 105 –
– zwei Läuterungskessel à 260 fl 520 –
|289|
fl. kr.
für Gestell zum Filtriren des Schaums 30 –
– sieben Pfannen, à 110 fl. 770 –
– acht Dümont'sche Filter, à 40 fl. 320 –
– einen Behälter zur Clairce, sammt Pumpe 200 –
– einen Kochapparat, mit Dampfen zu kochen 400 –
– zwei Kühlpfannen, à 120 fl. 240 –
– tausend Formen 2000 –
– den Dampferzeuger sammt Zugehör 800 –
– kupferne Rinnen, um den Saft in die verschiedenen
Pfannen zu leiten

30 –
– drei große Schaumlöffel, à 2 fl. 6 –
– vier Schöpfer, à 5 fl. 20 –
– eine große Brükenwaage 200 –
– eine kleinere, um den Kalk etc. abzuwägen 30 –
– vier Aräometer, à 2 fl. 8 –
– zwei Beken, um den gekochten Zuker zu übertragen,
à 10 fl.

20 –
– einen Bottich, um die Armen zu tranken 60 –
– das Mauerwerk, zu den Oefen sammt Schmiedarbeit 250 –
– Feuergeräth 20 –
– zwei gewöhnliche Thermometer, à 2 fl. 4 –
– ein Thermometer mit einer Skala bis 130° C. in einer
Fassung.

8 –
– Heizöfen 100 –
– verschiedenes Geräthe von Binderarbeit 50 –
– einen Behälter zur Melasse und verschiedene kleinere
Geräthe

1000 –
–––––––
Summa 9251 –
– die erste Aufstellung. 749 –
–––––––
Summa 10,000 –

Da die Geräthe einer größeren Abnüzung als die Gebäude unterliegen, so bringt Krause hiefür jährlich 10 Proc. also jährlich 1000 fl. CM. in Rechnung.

In die laufenden Ausgaben sind zuförderst die Anschaffungskosten der Runkelrüben und die Anschaffungskosten solcher Geräthe, welche nicht viel länger, als durch ein Jahr brauchbar sind, der Arbeitslohn, die Unterhaltung des Gebäudes und der Geräthschaften, und die Zinsen für das in dem Geschäfte benöthigte Betriebeskapital zu bringen.

Die Anschaffungskosten der Rüben sind in dieser Rechnung deßhalb abzusondern, weil sie entweder von den Landwirthen |290| angekauft oder durch eigenen Kulturaufwand beigeschafft werden, und deren Werth in die landwirthschaftlichen Rechnungen einzubeziehen ist.

In Böhmen werden zufolge abgeschlossener Vertrage, von Landwirthen 100 Pfd. von den Köpfen und Wurzeln abgesonderte Runkelrüben, an Zukerfabrikanten um 20, aber auch um 15 kr. CM. geliefert, und, wenn sie auf eigenen Gründen der Fabrikbesizer erbaut sind, in deren Rechnungen als Kulturauslagen, ebenfalls zu diesen Preisen einbezogen. Da hievon aber 20 bis 25 Proc. Preß- oder Macerirungsrükstände abfallen, wovon erstere gewöhnlich um den Preis der Rüben, leztere noch höher verwerthet werden können, so entfallt für den aus 100 Pfd. Rüben gezogenen Zukergehalt in den meisten Fällen zwar ein geringerer Preis, wie für die Rüben, der jedoch eben so hoch angenommen wird, weil man allgemein behauptet, der Preis von 15 kr. CM. per 100 Pfd. umfasse zwar den Aufwand bei der Kultur der Rüben hinreichend lohnend, sey aber wegen deren Beischaffung und anderer Auslagen auch von den Fabrikanten anzunehmen, und von denselben die Rükstände außer der Rechnung zu lassen.

Es wird deßhalb derselbe auch bei folgender Rechnung zu Grunde gelegt.

Es sind demnach in die laufenden Auslagen einzubeziehen:

fl. kr.
Kulturskosten: für 2,000,000 Pfd. Rüben, à 15 kr.
per 100 Pfd.

5000

Alljährlich neu anzuschaffende:
10 Körbe, zum Uebertragen der Rüben à 10 kr. 1 40
112 Weidengeflechte, à 12 kr. 22 24
112 Preßsäke, à 18 kr. 33 36
16 Filtrirkörbe, à 20 kr. 5 20
30 Filtrirsäke, à 24 kr. 12
Filtrirtücher 20
–––––––
5095 fl.
Materialien: für 200 Cntr. oder Mezen Kalt, à 30 kr. 100
Materialien: 500 für Beinschwarz, à 2 fl. 1000
– 3 Cntr. Butter, à 30 fl. 90
– Erde zum Deken 30
– 750,000 Pfd. Brennholz, à 10 kr. per 100 Pfd. 1250
–––––––
2470 fl.
|291| fl. kr.
Uebertrag 7565 fl.
Arbeitslohn: Zugkraft bei der Reibmaschine. 400
für das Herbeischaffen, Waschen, Reiben und
Pressen der Rüben

366

– – Läutern des Saftes 56
– – Concentriren des Saftes 96
– – Filtriren des Saftes 32
– – Einsieden des Saftes 48
– – Krystallisiren und die Reinigung, 4
Arbeitern durch 180 Tage à 20 kr.

240

– den Heizer sammt Gehülfen 60
– einen Hausknecht 120
–––––––
1418 fl.
Regiekosten: Gehalt für den Werkführer 1000
– dessen Gehülfen 500
Gebühren beim Verkauf u. w. 200
Unterhaltung der Gebäude. 200
–––––––
1900 fl.
Zinsen: von den Gebäuden, 10,000 fl. à 5 Proc. 500
– Einrichtungskosten, 10,000 fl. à 10 Proc. 1000
– 10,883 fl. Betriebskapital à 6 Proc. 653
–––––––
2153 fl.
–––––––––––––––
Die Erzeugungskosten per 100,000 Pfd. Zuker betragen also 13,036 fl.

und ergeben sich: für 100 Pfd. Rohzuker = 13 fl. 2 1/4 kr. CM.

Der Werth von beiläufig 1000 Cntr. abfallender Melasse wird deßhalb nicht in Rechnung genommen, weil sie bei größerer Konkurrenz schwer anzubringen; daher als besonderer Gewinn des Unternehmers betrachtet wird, wenn dieselbe zu verwerthen ist. Wenn jedoch weniger als 5 Proc. Zuker aus den verarbeiteten Rüben gewonnen werden, so stellen sich die Erzeugungskosten im Verhältnis der geringeren Ausbeute höher. Würden nur 4 Proc., also aus 2 Millionen Pfund Rüben nur 80,000 Pfd. Zuker gewonnen, so sind die Erzeugungskosten von 100 Pfd. Zuker:

13036./(80000. 100) = 16 fl. 18 kr. CM. u.s.w.

In Frankreich.

In Frankreich berechnete Crespel 40) die Einrichtungs-Unterhaltungs- und |292| übrigen Kosten, bis zum Verkauf der Producte, von einer Million Kilogrammen Runkelrüben auf folgende Weise:

A. Ein Gebäude, 150 Fuß lang, 25 Fuß
breit, mit Keller, Erdgeschoß, einem Stokwerke und
Boden

36,000 Franken
Verschiedene innere Einrichtungen 9000 –
B. Geräthe zum Fabricationsbetrieb
Eine Treibmaschine für eine Reibemaschine. 2500 –
Eine Reibmaschine 2000 –
Ein Tisch, um die Sake zu richten 300 –
Hydrostatische Presse 3300 –
4 Saftbehälter, mit Blei ausgefüttert 1200 –
Eine Pumpe 300 –
Ein vollständiger Apparat, mit Dampf zu heizen
und abzudampfen

20,000 –
1200 Krystallisirgefäße, à 6 Fr. 7200 –
1 Cylinderpresse 400 –
2 Hydrostatische Pressen 5000 –
Behälter für die Melasse 600 –
Oefen für die Krystallisirstuben 1000 –
Holzgerüste in den Stuben 1500 –
Uebrige Geräthe 6000 –
Aufstellungskosten 1500 –
––––––––––––
52,800 Franken
C. Jährliche Ausgaben:
Ein Werkführer 1000 Franken
Ein Gehülfe 600 –
6 Arbeiter für das ganze Jahr 1800 –
3 – für 120 Tage 480 –
6 – zum Waschen der Rüben 720 –
7 – beim Reiben und Pressen 840 –
4 – bei der Läuterung 480 –
2 – beim Eindampfen 240 –
1 Heizer und Gehülfe 300 –
1 Arbeiter um den klaren Saft in die Krystallisirstuben
zu bringen

120 –
2 Arbeiter für die Hausreinigung 240 –
Brennstoff, wobei man einen gestrichenen Hectoliter
(75 Kilogr.) für 3 Hectoliter Saft zu rechnen
hat, also für 60 Hectoliter Saft täglich 20,
2400 Hectoliter Steinkohlen à 2 Franken



4800 –
––––––––––––
11,620 Franken
|293| Uebertrag 11,620 Franken
Schwefelsäure 1/2 Pfd. für 1 Hectoliter Saft, 360
Pfd. à 16 Cent

600 –
Beinschwarz, Kalt, Blut, Milch 1250 –
Reisekosten 2000 –
Eine Million Kilogramme Rüben, das Tausend zu
18 Franken

18,000 –
––––––––––––
33,470 Franken
D. Zinsen von 45,000 Fr. für:
Gebäude und dessen Einrichtung, à 5 Proc. 2250 –
Geräthe, 52,800 Fr., à 10 Proc. 5280 –
Betriebscapital, 33,470 Fr. à 6 Proc. 2011 –
––––––––––––
Es betragen also die Erzeugungskosten von den
gewonnenen 50,000 Kilogr. Zuker

43,011 Franken,
für 100 Kilogr. 80 Frs. 6 Cent.,
– 100 W. Pfd. 17 fl. 55 kr. CM.

Dieser Aufwand betrifft die Bearbeitung von 1 Million Milogr. = 1,786,000 W. Pfd. Rüben; derselbe wird verhältnismäßig mehr betragen, wenn 2,000,000 W. Pfd. Rüben bearbeitet werden, und zwar für:

1 Mill. Kilogr. 2 Mill. W. Pfd. fl. CM.
Kulturskosten 18,000 Fr. 20,160 Fr. = 8064
Fabrikationskosten 5220 – 5800 – = 2320
Verwaltungskosten 3600 – 4032 – = 1612
Materialien 6650 – 7446 – = 2978
Zinsen für Gebäude 2250 – 2518 – = 1007
Geräthe 5280 – 5912 – = 2364
Betriebscapital 2011 – 2250 – = 900
–––––––– –––––––– –––––––––
43,011 Fr. 48,118 Fr. = 19,245 fl.

Im Jahre 1628 gab Crespel zufolge des Berichtes eines Ausschusses der Deputirtenkammer seinen Fabricationspreis zu 86 Cent. per Kilogr., d. i. für 100 W. Pfd. 19 fl. 36 kr. CM., andere Fabrikanten aber höher an; im Jahre 1836 schäzte Crespel denselben nur auf 60 Cent. für 100 Pfd. 13 fl. 30 kr. CM.; und nach dem gegenwärtigen Stande könne derselbe auf 70 bis 75 Cent. festgesezt werden, also für 100 W. Pfd. 15 fl. 40 kr. bis 16 fl. 15 kr. CM. betragen. In einem Vortrage in der Pairskammer bemerkte der Vicomte Dubouchage, 1 Pfd. in Frankreich gewonnener Runkelrübenzuker könne wir 40 Cent. verkauft werden, demnach 100 Pfd. um 18 fl. 20 kr. CM.

|294|

B. Zukerfabrication aus Kürbis.

Ludwig Hoffmann, ein Ungar, war Erfinder eines Verfahrens, aus dem Safte des gemeinen Kürbis, Cucurbita Pepo L., festen Zuker darzustellen, und gab hievon in einer vor Kurzem erschienenen Schrift41) Nachricht, wovon aber, da dessen Verfahren noch unbekannt und ausschließend privilegirt ist, hier nur folgende, von demselben angegebene Thatsachen mitgetheilt und der Berechnung unterzogen werden können.

Alle Kürbisarten enthalten Zuker, Hoffmann verwendete zu dessen Darstellung aber meistens nur jene Art, deren Form mehr rund als oval oder länglich ist, die Schale eine weißgrüne, ja oft ganz weißliche Farbe hat, das Fleisch aber orangegelb aussieht, die auch unter dem Namen Seidenkürbis bekannt sey.

Der Gehalt dieses Kürbis an Zuker und anderen Bestandtheilen ist noch nicht untersucht; Hoffmann gibt aber an, daß er aus 26 1/2 Cntr. Kürbis auf einen Centner Zukermehl rechnen könne, welches 3,77 Proc. Ausbeute ist. Im Vorberichte zu dieser Schrift führt B. v. Sonnenthal an: „Nehme man als richtig an, daß die Rübe 5 Proc. festen Zuker abwerfe, der Kürbis aber nur 2 1/2 Proc. festen Zuker geben würde, so wäre die Ausbeute an Zuker von beiden Früchten per Joch so ziemlich gleich, d. i. 22 Cntr. Zuker.“

1) Beschaffenheit, Bearbeitung und Ertrag des Bodens.

Der Ertrag des Bodens an Kürbisfrüchten und beziehungsweise an Zuker ist nach der Angabe des Erfinders sicherer, als der von Runkelrüben, weit weniger von klimatischen und anderen Verhältnissen abhängig, nur Frost sey den jungen Pflanzen nachtheilig. Der Kürbis gedeihe überall, selbst bei der trokensten Witterung, nehme mir jedem selbst steinigen Boden vorlieb, doch sey demselben ein lokerer, mit etwas Sand vermengter Kleiboden am zuträglichsten; er fordere zwar gute Düngung, jedoch nur auf jenen Punkten des Akers, wo der Same gelegt wird, und es sey jedes Dungmittel anwendbar, ohne einen bedeutenden Einfluß auf die Zukerbildung in dieser Frucht zu äußern. Die bezeichnete Art Kürbis erlange in der Regel binnen 3 Monaten ihre vollkommene Reife; in der ersten Hälfte des Mai angebaut, beiläufig zwischen dem halben August und halben September. Da jedoch die Früchte nicht alle auf ein |295| mal, sondern abtheilungsweise reifen, und der Anbau auch noch im Monat Junius geschehen könne; so kann deren Ernte verlängert werden, was nicht ohne Vortheil ist. Der Boden ist zur Saat hinreichend zubereitet, wenn er nur ein Mal 7 bis 8 Zoll tief geakert und gut überegget wird.

Da der Kürbis ein Rankengewächs ist, sich auszubreiten und anzuhängen sucht, so ist es am zwekmäßigsten, die Samenkörner von 9 zu 9 Fuß im Quadrat auseinander zu legen, nur die Stellen, wo Pflanzen stehen sollen, mit Dünger zu versehen, auf denselben Grübchen zu machen, in jedes zwei bis drei Kerne zu legen, und diese mit einem Gemisch von Erde und Dünger zu bedeken. Haben die Pflanzen eine Höhe von 4 bis 5 Zoll erreicht, so werden dieselben gehäufelt und das Unkraut ausgejätet; doch schade es dem Fortkommen der Kürbispflanzen nicht wesentlich, wenn das Jäten unterbleibe.

Ein niederösterreichisches Joch Land gab nach mehrjährigen Erfahrungen fast immer im Minimum 8 bis 900 Cntr. Kürbisfrüchte als Ertrag, was nicht befremden dürfe, wenn man bedenkt, daß oft ein Stük 100,160 ja auch 200 Pfd. wiegt, nicht selten zwei solche Stüke auf einer Quadratklafter erzeugt wurden, und bei seiner schon seit dem Jahre 1834 bestehenden Kürbiszuker-Fabrik in Zambor, Batscher Comitat in Ungarn, ein Stük obbenannter Kürbisgattung eingebracht worden, welches allein 260 Wiener Pfd. gewogen habe.

Wenn vorausgesezt wird, daß 100 Pfd. Kürbisfrucht 3,77 Pfd. Zukermehl liefern, so werden 100 Pfd. Zukermehl gewonnen, wenn auf 1 niederösterr. Joche wachsen:

800 Cntr. von (100. 1600)/(3,77. 800) = 53 W. Quadratklafter.

900 Cntr. von (100. 1600)/(3,77. 900) = 47,1 Quadratklafter.

Liefern 100 Pfd. Kürbisfrüchte aber nur 2 1/2 Pfd. festen Zuker, so würden 100 Pfd. gewonnen, wenn auf 1 niederösterr. Joche wachsen:

800 Cntr. von (100. 1600)/(2,5. 800) = 80 Quadratklafter.

900 Cntr. von (100. 1600)/(2,5. 900) = 71,1 Quadratklafter.

2) Erforderliches Brennmaterial.

Aus 100 Pfd. zerriebenen Kürbis sind nach Hoffmann's Angabe mittelst einer ziemlich einfachen hölzernen Schraubenpresse 82 Pfd. Saft, von einem specifischen Gewichte zwischen 8 und 11° nach Baumé zu erhalten, die also zu bearbeiten sind, um 3,77 oder 2,5 Proc. Zuker darzustellen. Wenn nun angenommen werden |296| kann, daß zur Bearbeitung bis zum fertigen Zuker 2 Pfd. Saft ebenfalls, wie beim Runkelrübenzuker, 1 Pfd. Brennholz erfordern, so sind im ersten Falle

(100. 41)/3,77 = 1087 Pfd.,

im zweiten Falle aber

(100. 41)/2,5 = 1640 Pfd.

Brennholz zur Darstellung von 100 Pfd. festem oder Mehlzuker erforderlich.

3) Erzeugungskosten des Kürbiszukers.

Die Kosten der Einrichtung einer Kürbiszuker-Fabrik sind nach Angabe der genannten Schriftsteller etwas geringer anzunehmen, als die einer Runkelrübenzuker-Fabrik, die Bestandtheile jedoch nicht wesentlich verschieden, und eine gut eingerichtete Runkelrübenzuker-Fabrik dürfte nur das Material ihrer Verarbeitung ändern; es bedürfe nur die geringe Auslage eines hiefür eigends construirten Reibcylinders, welcher selbst für die Rüben vortheilhaft wäre, und sich durch Entbehrung anderer Gefäße ausgleiche.

Diese Ausgleichung voraussezend lassen sich die Erzeugungskosten des Kürbiszukers nach den angegebenen Daten ausmitteln, wenn die für die Einrichtung einer Runkelrübenzuker-Fabrik angenommenen Kosten und der zum Betrieb erforderliche jährliche Aufwand bei der Erzeugung von 100,000 Pfd. Rohzuker auch gleich angenommen und der Berechnung zu Grunde gelegt werden.

Der Betrag der Einrichtungskosten ist demnach anzunehmen: für Gebäude 10,000 fl., und die davon ausfallenden jährlichen Zinsen mit 500 fl. Conventionsmünze. Für Einrichtungskosten ist, obwohl eine größere Quantität Saft als von Runkelrüben zu bearbeiten ist, deßhalb ein gleicher Betrag anzunehmen, weil zur Bearbeitung eine länger dauernde Arbeitszeit benuzt werden kann, da die Kürbisse, ohne Verlust an Zuker erfahren zu haben, bis in den Monat Januar, mithin durch 6 Monate aufzubewahren sind, daher auch die von 10,000 fl. ausfallenden Zinsen zu 10 Proc. mit 1000 fl. Conventionsmünze.

Die Kulturkosten bei diesem Gewächse sind geringer, als bei den Runkelrüben, wenn nach Angabe beider genannten Schriftsteller, die Unkosten des Anbaues, der Kultur und Fechsung der Runkelrüben auf ein niederösterreichisches Joch in Frankreich 52 fl. Conventionsmünze berechnet würden, so betrügen sie für ein niederösterr. Joch mit Kürbis angebaut, wohl wie mehr als 16 fl. CM., der mindeste |297| Ertrag sey aber wenigenstens doppelt so groß, ja es sey oft 4 und 5 Mal, dem Gewichte, so viel Kürbis erzeugt worden, als Rüben, und man könne noch außerdem, und man könne noch außerdem durch die zwischen den Quadraten eingebauten Pflanzen, wozu sich vorzüglich Mais eignet, auf eine Einnahme von 25 bis 30 fl. C M. per Joch rechnen. Die Kulturkosten der Kürbisse würden sonach nicht mehr als den 6ten Theil der Runkelrüben betragen, und die Anschaffungskosten von 100 Pfd. höchstens mit 5 kr. CM. anzunehmen seyn, die auch bei der weiteren Berechnung angenommen werden.

Die zur Reinigung des Saftes erforderlichen Materialien, Kalk, Knochenkohle u.s.w., dürften wohl in gleicher Menge wie beim Runkelrübensafte erforderlich seyn, die des Brennmateriales aber jedenfalls in größerer; diese sind deßhalb abgesondert, und zwar für 2 Pfd. Saft 1 Pfd. Brennholz zu berechnen.

Die Auslagen für Arbeitslohn und Regie können, weil weit größere Quantitäten Saft verarbeitet werden müssen, nicht geringer, sondern größer als bei Verarbeitung von Runkelrübensaft seyn; denn es müssen, wenn aus 100 Pfd. Kürbis 3,77 Pfd. Zuker gewonnen werden, 26,525 Cntr. Kürbis und daraus 2,175,050 Pfd. Saft, wenn aber nur 2/2 Proc. Zuker die Ausbeute ist, 40,000 Cntr. Kürbis und 3,280,000 Pfd. Saft bearbeitet werden. Hienach sind 2 Berechnungen der Erzeugungskosten zu formiren.

1) Wenn 3,77 Proc. Zuker gewonnen wird:
Conventionsmünze
Kulturs- oder Anschaffungskosten für 26,525 Cntr.
Kürbis à 5 kr. pro 100 Pfd.

2543 fl. 45 kr.
Fabricationsauslagen:
Materialien 1315 fl. – kr.
Brennmaterial, für 1,087,525 Cntr.
à 10 kr. pro 100 Pfd.

1812 – 15 –
––––––––––––
3127 fl. 15 kr.
Arbeitslohn 1418 – – –
Regiekosten 1900 – – –
Zinsen für Gebäude 500 – – –
– – Einrichtungsstüke 1000 – – –
– – Betriebscapital 653 – – –
–––––––––––––
Erzeugungskosten per 100,000 Pfd 11,142 fl. – kr.
per 100 Pfd. Zuker 11 – 18 –
2) Wenn aus 100 Pfd. Kürbis nur 2 1/2 Pfd.
Zuker die Ausbeute sind:
Kulturs- oder Anschaffungskosten, für 40,000 Cntr.
Kürbis à k kr.
3333 20 –
|298|
Fabricationsauslagen, für:
Materialien 1315 fl. – kr.
Brennmaterial, für 1,640,000 Pfd.
Brennholz per 100 Pfd. 10 kr.

2733 – 20 –
––––––––––––
4048 fl. 20 kr.
Arbeitslohn 1418 – – –
Regieauslagen 1900 – – –
Zinsen von Gebäuden 500 – – –
– – Einrichtungsstüken 1000 – – –
– – Betriebscapital 600 – – –
–––––––––––––
Erzeugungskosten für 100,000 Pfd. Rohzuker 12,852 fl. 40 kr.
Für 100 Pfd. Zuker 12 – 51 –

C. Ueber die Gewinnung von Rohzuker aus dem Safte der Ahornarten.

Alle Ahornarten, vorzüglich Acer saccharinum, A. campestre, A. Platanoides und A. Pseudo platanus, liefern süßen Saft, aus welchem in einer angemessenen Jahreszeit für Haushaltungen brauchbarer Rohzuker gewonnen werdet, kann; welches im nördlichen Amerika schon vor der Ankunft der Europäer geschah. Der Zukergehalt des Ahornsaftes ist aber nach der Art und dem Alter des Ahornbaumes, nach der Zeit, wann der Saft gewonnen wird, und nach dem Klima sehr ungleich; so wie auch aus auf feuchtem oder trokenem Boden erwachsenen Bäumen sehr ungleiche Mengen Saft erhalten werden.

Kalm 42) gab die ersten Nachrichten über die Beschaffenheit und Menge des in Canada aus Ahornbäumen zu gewinnenden Zukers, und führte an: Ein Ahornbaum gibt in Canada 30 bis 60 Kannen Saft; aus 5 bis 16 Kannen Saft wird 1 Pfd. Zuker erhalten, der aber noch Syrup in sich hat; und zwei Personen können in einem Jahre bequem 200 Pfd. Zuker sieden, und zugleich andere Geschäfte verrichten.

30 schwedische Kannen sind = 55 Wiener Maaß
60 – = 110 –

Ein W. Maaß wiegt ungefähr 2 Pfd. 17 Loth W. Gewicht; 30 schwedische Kannen also 76,3 und 60 Kannen 152,6 Pfd.

Wenn nun 5 bis 16 Kannen Saft 1 Pfd. Zuker liefern, so können aus 5 Kannen oder 12 Pfd. 21 Loth, aber auch nur aus |299| 16 Kannen oder 40,5 Pfd. Saft 1 Pfd. Zuker, mithin in Canada aus 100 Pfd. Saft 2,5 bis 8,5 Pfd. Zuker gewonnen werden.

Van der Schott 43) gab an: in Pennsylvanien gaben 30 Gallonen Saft des Zukerahorns 6 Pfd. Zuker. Dieß gibt, wenn 30 Gallonen = 80,4 Maaß, und 6 englische Pfd. = 4 Pfd. 27 Loth W. Gewicht angenommen werden, aus 100 Pfd. Saft ebenfalls 2,5 Pfd. Zuker.

Wie viel Zuker aus dem Safte in Europa einheimischer Ahornarten gewonnen wurde, zeigen folgende Angaben:

Nach Hermbstädt 44) lieferte ein auf sehr gutem Waldboden bei Berlin gewachsener Baum wenigstens 21 1/4 Maaß Saft, welche 1 Pfd. und 1/4 Loth Rohzuker, höchstens 29 1/2 Maaß Saft, die 19,6 Loth Rohzuker gaben. Demnach wurden aus 55 Pfd. Saft 1 Pfd. aber auch aus 73 Pfd. Saft nur 0,85 Pfd., oder aus 100 Pfd. Saft noch nicht 1/2 Pfd. und auch nur 4 Loth Rohzuker erhalten.

Böhringer's 45) Angabe zufolge flossen in Böhmen aus einem gemeinen oder Bergahornbaume, der beiläufig 120 Jahre alt war, 113 Maaß Saft; ein Spizahorn, der beiläufig 130 Jahre alt war, lieferte 180 Maaß Saft, und zu 1 Pfd. Zuker waren 28 bis 30 Maaß Saft erforderlich.

Es lieferten also 70 bis 76 Pfd. Saft 1 Pfd., oder 100 Pfd. ungefähr 1 1/2 Pfd. Zuker.

Burger 46) führt an: über zwanzig an verschiedenen Orten in Steyermark, und zu verschiedenen Zeiten gezapfte Ahornbäume lieferten zusammen 231 Maaß, ein Baum im Durchschnitte 11,55 Maaß Saft. In Ansehung des Zukergehaltes bemerkt derselbe: nach acht Erfahrungen lieferte 1 Maaß Saft wenigstens 165, höchstens 424 Gran, im Durchschnitte 235 Gran Rohzuker. Ein Maaß Saft wog ungefähr 2 Pfd. 17 Loth W. Gewicht, 100 Pfd. Saft von Bergahorn gaben also 39, vom Spizahorn aber 58,7 Loth, mithin von 1 1/4 bis nahe an 2 Pfd. Rohzuker.

Ahornbäume bilden im nördlichen Amerika, besonders in höheren Gegenden Canada's, geschlossene Waldungen; in südlicheren und tiefer liegenden, in Amerika wie in Europa, wachsen sie hingegen nur einzeln, unter anderen Waldbäumen, jedoch nur auf humusreichem |300| Waldboden. Der Ertrag einer bestimmten Akerfläche kann deßhalb nicht berechnet werden.

Das Erforderniß an Brennmaterial bei der Darstellung von Zuker aus Ahornsaft ist in Nordamerika wenig zu beachten, und wenn aus 100 Pfd. Saft 8 1/2 Pfd. Zuker gewonnen werden, auch unbedeutend. In diesem Falle sind zur Darstellung von 100 Pfd. Rohzuker 1250 Pfd. Saft zu bearbeiten, und hiezu nur 625 Pfd. Brennholz erforderlich; wenn jedoch aus 100 Pfd. Saft auch nur 2 1/2 Pfd. Zuker gewonnen werden, so sind nicht weniger als 2000 Pfd. Holz zu verwenden.

In Europa sind nach vielfältigen Erfahrungen aus 100 Pfd. Saft höchstens 2 Pfd., gewöhnlich aber nicht viel über 4 Loth krystallisirter Zuker zu gewinnen. Im günstigsten Falle sind also zur Darstellung von 100 Pfd. Rohzuker 2500 Pfd., im ungünstigen wären aber 40,000 Pfd. Brennholz erforderlich.

Die angeführten und vielfältige andere Erfahrungen zeigen, daß aus dem Safte der Ahornbäume Zuker von ganz gleicher Beschaffenheit wie aus dem Zukerrohre gewonnen werden kann; aber auch, daß bei Benuzung dieser Gewächse zur Zukerfabrication sehr große Flächen Landes, großer Aufwand von Brennmaterial, zur Gewinnung größerer Massen von Zuker sehr weitläuftige Gebäude und andere Anstalten erforderlich seyn würden, hiezu aber überdieß nur ein sehr beschrankter Zeitraum geeignet ist. Und da die Erfahrung auch außerdem gelehrt hat, daß Ahornbäume, wenn ihnen der Saft durch mehrere Jahre entzogen wird, nicht nur krank und schadhaft werden, sondern nach einigen Jahren, besonders in geschlossenen Waldungen, wirklich abgestorben sind, worüber jezt viele Beweise beigebracht werden können, und da die in den Jahren 1810 und 1811 in mehreren Provinzen der österreichischen Monarchie gemachten Erfahrungen beweisen, wie wenig Ahornbäume geeignet sind, ein größeres Bedürfniß an Zuker zu befriedigen: so wären weitere Betrachtungen über die dabei anzuwendenden Mittel überflüssig, weil ihre Verwendung zur Zukerfabrication wohl nicht wieder erforderlich werden wird.

D. Ueber die Gewinnung von Rohzuker aus dem Safte des Mais.

Der Mais (Kukurutz), Zea Mays ist eine dem Zukerrohre, hinsichtlich des äußeren Baues, zunächst stehende Art der zahlreichen Familie der Gräser, welche nach vielfältigen Erfahrungen Zuker enthält, der daraus dem Rohrzuker vollkommen gleich dargestellt werden kann. Die Menge des Zukers, welche aus einem bestimmten Gewichte von Maisstängeln gewonnen wird, ist jedoch nicht |301| in allen Arten desselben gleich, und eben so wenig bei einer und derselben Art und unter allen Umständen.

Nach Neuhold's und Trautmann's47) Erfahrungen gaben in Oesterreich 1000 Maisstengel nach der Ernte der Samenkolben, zwischen Cylindern wie Zukerrohr ausgepreßt, 50 Maaß Saft, die ungefähr 130 Pfd. wogen; diese zur Syrupsdike eingekocht gaben 6 1/2 Maaß Syrup, welche 20 Pfd. wogen, und diese nochmals eingekocht, 4 Pfd. krystallisirten Zuker und 8 Pfd. wohlschmekenden Syrup.

In Gegenden, die für den Anbau des Mals günstig sind, wachsen nach deren Angabe ungefähr 20,000 Stängel auf der Fläche eines Joches Akerland; demnach können von einem Joche Landes gewonnen werden 80 Pfd. krystallisirter Zuker und 160 Pfd. diker, wohlschmekender Syrup, und zur Erzielung von 100 Pfd. Zuker sind 2000 W. Quadratklafter Land erforderlich.

Burger machte in Steyermark über den Zukerertrag des Mais folgende Erfahrungen:

a) Wenn die Maispflanzen des Zukers wegen kultivirt und in der Blüthe stehend abgeschnitten werden, gibt ein Joch von 1600 Quadratklaftern 22,400 Pfd. Stängel ohne Blätter; diese geben 10,080 Pfd. Saft, und dieser liefert 840 Pfd. Syrup; 100 Pfd. Stängel geben also 45 Pfd. Saft, und diese 3,6 Pfd. Syrup.

b) Werden die Maispflanzen aber der Körner wegen kultivirt, und der Zuker derselben nur als Nebennuzung gewonnen, so gibt ein Joch 28,800 Pflanzen, 1000 Stängel derselben 48 Maaß Saft, jedes 2 Pfd. 19 Loth wiegend.

Ein Joch gäbe demnach 1382 Maaß oder 3582 Pfd. Saft, diese nur 298 Pfd. Syrup, und demnach 1000 Stängel nur 10,35 Pfd. Syrup, und wenn das Gewicht der Stängel dem vorhergehenden gleich war, so würden 100 Pfd. Stängel nur 12 1/2 Pfd. Saft und dieser 2/3 Pfd. Syrup geben.

Nach den von Dr. Ries 48) in Ofen in Ungarn vom 29. Jul. bis 12. Septbr. 1811 mit mehreren Arten von Mais angestellten Versuchen, kann wirklich krystallisirter Zuker aus Maisstängeln nur dann dargestellt werden, wenn die Befruchtung der Blüthen bereits vorüber ist; früher ist daraus nur mannaartiger Süßstoff und Salpeter zu erhalten.

Nach dessen Angabe können auf 1 Joch Akerland in Ungarn |302| 24000 Maisstängel wachsen, ferner sollen 200 ganz entblätterte Stängel 100 Pfd. wiegen, und diese 44 Pfd. Saft geben.

Der Saft muß auf 1/10 zur Syrupsdike eingesotten werden, und von 50 Maaß frischen Saft, die wahrscheinlich 130 Pfd. wogen, wurden 12 Pfd. Syrup erhalten, die 3 bis 4 Pfd. krystallisirten Zuker und 6 bis 8 Pfd. Syrup gaben.

Zufolge dieser Erfahrungen würden aus 100 Pfd. Saft nur 2,3 bis 3 Pfd. krystallisirter Zuker, und von 1 Joch Akerland nur 105 bis 140 Pfd. krystallisirter Zuker gewonnen werden können. Ries bemerkt selbst, im Durchschnitte sey nur auf 94 bis 128 Pfd. Zuker per Joch zu rechnen, und zur Gewinnung von 100 Pfd. krystallisirten Zukers der Anbau von 1140 bis 1525 Quadratklaftern, oder beiläufig 1 österr. Joch Akerland erforderlich.

Wenn nun, um 4 Pfd. krystallisirten Zuker zu gewinnen, 130 Pfd. Saft mehrmals erhizt und davon nicht weniger als 126 Pfd. verdampft werden müssen, und zur Bearbeitung von 100 Pfd. Saft 50 Pfd. Brennholz erfordert werden, so sind zur Darstellung von 100 Pfd. Zuker, wenn aus 100 Pfd. Saft gewonnen werden:

a) 2,3 Pfd. krystall. Zuker, (100.50.100/2.3) = 2174 Pfd.
b) 3 Pfd. – (100.50.100)/3 = 1666 Pfd.

Brennholz erforderlich.

Man sieht, daß der Saft der Maisstängel eben so wenig wie der der Ahornbäume mit Vortheil zur Zukerfabrication im Großen anwendbar ist.

E. Ueber Zukerbereitung aus dem Traubensafte.

Aus frischem Safte reifer Trauben des Weinstokes kann Zuker von eigenthümlicher Art, Traubenzuker, dargestellt werden, der zwar Annehmlichkeit besizt, doch nicht zu jedem Gebrauche den wahren Zuker ersezen kann.

Die Menge des in dem frischen Traubensafte, dem Moste, enthaltenen Zukers ist nach dem Klima, der Beschaffenheit des Bodens, der Reife der Trauben und dem Alter der Weinstöke, und bei unter einem Klima gewachsenen auch nach mehreren anderen Umständen verschieden. Nicht die süßesten Trauben, sondern diejenigen geben den meisten Zuker, welche einen vorzüglich geistigen Wein liefern und von alten Weinstöken herrühren, und die weißen Trauben sind die zukerreichsten. Nach vielfältigen Versuchen ist Traubenzuker nicht in sichtbar krystallinischer Form, sondern nur als concrete Masse darzustellen, und wird deßhalb Krümelzuker genannt.

|303|

In Spanien liefern nach Proust 49) 100 Pfd. Trauben aus Arragonien, die zukerreichsten, welche in Madrid verkauft werden, durchs Auspressen 89 bis 90 Pfd. Saft, und hieraus werden 27 bis 30, und aus dem geringsten Traubensafte in Spanien gewöhnlich 25 Pfd. Moskowade gewonnen. In 100 Pfd. spanischen Traubensaftes können demnach im Mittel 30 Pfd. Moskowade angenommen werden.

In Frankreich geben nach einer im Moniteur universel vom Jahre 1810, Nr. 230 enthaltenen Anleitung zur Verfertigung des Traubenzukers 500 Pfd. Trauben 400 Pfd. Saft, diese 100 Pfd. Syrup, und 100 Pfd. Syrup 70 Pfd. Rohzuker, aus welchem 30 bis 35 Pfd. reinen weißen Zukers gewonnen werden. Aus 100 Pfd. Saft sind demnach 17,5 Rohzuker darzustellen.

In Ungarn ist nach Ries der Zukergehalt des Traubensaftes sehr verschieden. Aus 10 Eimern Most, wovon jeder 125 bis 130 Pfd. W. Gewicht wog, also wahrscheinlich ungarische Antalak, die zusammen im Mittel 1250 Pfd. wiegend angenommen werden können, wurden erhalten, aus

100 Pfd. Most
von Kishegy 281,25 Pfd 22,4 –
– Wanok 321,25 – 25,7 –
– St. Georg. 401,75 – 32,13 –
– Somlau 415,12 – 33,2 –

Syrup, aus welchen sich nach längerer Ruhe eine feste krümliche Zukermasse absonderte.

In Oesterreich erhielt Jacquin aus einem Eimer Most von Wolkersdorf 8 Maaß eines sehr guten geschmakvollen Syrups, die 26 Pfd. wogen, welche, wenn das Gewicht eines Eimer Mostes zu 105 Pfd. angenommen wird, in 100 Pfd. Most 25 Pfd. Syrup entsprechen.

In Böhmen ist die Süßigkeit des Traubensaftes geringer als in den angeführten Ländern; derselbe ist aber reich an solchen Bestandtheilen, die beim Abdampfen verdikt werden. Im Jahre 1808 wurden aus 60 Pfd. Most, von nahe bei Prag gewachsenen Trauben, 17 Pfd. Syrup erhalten, aus welchen sich nach langer Ruhe 4,25 Pfd. krümliche Zukermasse absonderte. Aus 100 Pfd. Most würden also zwar 28,3 Pfd. Syrup, aber nur 7,1 Pfd. krümliche Zukermasse zu gewinnen seyn.

Die große Verschiedenheit des Ertrages mit Weinreben bepflanzten Landes und der Beschaffenheit des Saftes, und der Umstand, daß aus demselben nur Krümelzuker dargestellt werden kann, |304| macht Berechnungen des erforderlichen Landes und Brennmateriales überflüssig.

Aus folgender, vom Vereine zur Ermunterung des Gewerbsgeistes in Böhmen herausgegebenen, schäzbaren Schrift entnommen: Vergleichung der Zukerfabrication aus in Europa einheimischen Gewächsen mit der aus Zukerrohr in Tropenländern mit Bezug auf Staats- und Privatwirthschaft. Von Karl August Neumann. Prag, 1837. A. d. R.

|278|

Polytechnisches Journal Bd. XLIII. S. 53.

|278|

Polytechnisches Journal Bd. LII. S. 67.

|279|

Journal für praktische Chemie von Erdmann und Schweiger-Seidel. Bd. IV. S. 329.

|279|

Scherers allgemeines Journal der Chemie. Bd. IV. S. 112.

|281|

Die europäische Zukerfabrication aus Runkelrüben. Leipzig 1809.

|281|

Darstellung der Fabrication des Zukers aus Runkelrüben in ihrem gesammten Umfange. Wien 1834, S. 250.

|282|

Bulletin des Sucres français et etrangers. Paris 1837, pag. 13.

|284|

Ueber die Wärme und deren Verwendung in den Künsten und Gewerben. Ein vollständiges Handbuch für Physiker, Technologen, Fabrikanten etc., von E. Péclet, mit Zusäzen von E. F. A. Hartmann. 2 Theile. Leipzig 1830, 1831. S. 223.

|284|

S. Krause's Darstellung der Fabrication des Zukers aus Runkelrüben, in ihrem gesammten Umfange. Wien 1834. S. 255.

|287|

Zukerbereitung aus Mangoldarten. Jena 1799, S. 35.

|291|

S. Krause's Darstellung der Fabrikation des Zukers etc. S. 255.

|294|

Anweisung zum geregelten Anbau der Ernte, und Aufbewahrung der Kürbis, Cucurbita L., als nothwendige Voraussendung zur Darstellung des Krystallzukers aus denselben, sammt Vergleichung mit der Erzeugung des Zukers aus der Runkelrübe, versaßt von 3. Hoffmann, Erfinder und Inhaber des ausschließenden k. k. Privilegiums auf diese Erzeugung, sammt einem Vorberichte von B. v. Sonnenthal, Wien 1837, 16 Seiten mit 1 Kupfertafel.

|298|

Abhandlung der königl. schwedischen Akademie der Wissenschaften vom Jahre 1751, XIII. Bd., S. 149.

|299|

Vaterländische Blätter für den österreich. Kaiserstaat. 1811, S. 69.

|299|

Schriften naturforschender Freunde in Berlin. Bd. II. Berlin 1709, S. 324.

|299|

Ueber die Zukererzeugung aus dem Safte des Ahornbaumes in den k. k. österreich. Staaten. Wien 1810, S. 10 und 14.

|299|

Untersuchungen über die Möglichkeit und den Nuzen der Zukerbereitung aus inländischen Pflanzen. Wien 1811, S. 24.

|301|

Merkantilische Annalen für den österreich. Kaiserstaat. Wien 1810, Nr. 67.

|301|

Wiener Zeitung vom Jahre 1837, Nr. 98 und 99.

|303|

Annales de Chimie T. LVII. pag. 131.

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