Titel: Ueber den Diamant und dessen Anwendung zu optischen Zweken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 67, Nr. XXIV./Miszelle 17 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj067/mi067024_17

Ueber den Diamant und dessen Anwendung zu optischen Zweken.

Hr. D. Brewster, der schon früher aus optischen Erscheinungen den vegetabilischen Ursprung des Diamant nachzuweisen versuchte, stellte neuerlich die Vermuthung auf, daß dieser äußerst harte Körper ursprünglich weich wie Gummi gewesen seyn dürfte. Den ersten Anlaß zu dieser Vermuthung gab ihm die Beobachtung eines Diamant, in welchem sich eine Luftblase befand; denn indem er durch diesen polarisirtes Licht fallen ließ, bemerkte er rings um die Blase herum vier leuchtende, durch ein schwarzes Kreuz geschiedene Sectoren: eine Erscheinung, die seiner Meinung nach nur erklärt werden kann, wenn man annimmt, daß die Dichtheit des Diamant vom Mittelpunkte gegen den Umfang zu eine verschiedene, und in der Nähe der Blase, die eine Compression ausgeübt haben muß, eine größere war. Eben so will Hr. Br. an mehreren Diamanten kohlige zwischen deren Schichten gelagerte Theilchen bemerkt haben. Endlich trug er vor der lezten Versammlung der British Association in Liverpool eine Abhandlung vor, in der er darauf aufmerksam macht, daß man an dem Diamant nach einer bestimmten Richtung eine Menge sehr dünner paralleler Linien bemerkt, die ihn zu mikroskopischen Zweken unbrauchbar machen. Diese Schichten, deren er an einer Linse von 1/30 Zoll im Durchmesser mehrere hundert zählte, hält er für eben so viele Schichten von verschiedener Dichtheit, und diesen schreibt er auch die Verdoppelung der Bilder, welche dergleichen Linsen geben, und die man für eine Wirkung der doppelten Strahlenbrechung hielt, zu. Er glaubt hienach auch, daß, wenn man die Diamantlinsen parallel mit diesen Schichten oder so arbeiten würde, daß deren Achse auf den Schichten senkrecht stünde, diese lezteren keinen nachtheiligen Einfluß mehr üben würden. Diese verschiedene Dichtheit der Schichten ward von Sir Br. bisher noch an keinem anderen Minerale beobachtet: nicht ein Mal an |78| dem Apophyllit und Chabasit, an denen er doch an verschiedenen Theilen ihrer Krystalle verschiedene Grade einer außerordentlichen Strahlenbrechung bemerkte. Er findet in dieser eigenthümlichen Structur des Diamant einen neuen Beweis für dessen vegetabilischen Ursprung, und stellt die Vermuthung auf, daß sich derselbe durch die Ablagerung einzelner Schichten unter sehr verschiedenem Grade des Drukes gebildet haben möchte. – Auf diese Behauptungen des gelehrten englischen Optikers erwidern die HH. Trecourt und Gg. Oberhäuser in Paris, daß sie schon im Jahre 1835 an den von ihnen für Mikroskope gearbeiteten Diamantlinsen feine Streifen bemerkt hätten, die aber ihren Beobachtungen gemäß nichts weiter seyen, als dünne prismatische Canäle, die sich bei der Krystallisation des Diamant bilden, gleich wie man ihrer auch in den Krystallen mehrerer Salze, z.B. des Salpeters bemerkt. Man kann an dem Diamant nach den verschiedenen Richtungen des Blatterdurchganges mehrere Reihen dieser Linien oder Canäle beobachten; einige erscheinen mit ihren Enden als Spizen, andere sind gebrochen und endigen sich unter einem Winkel. Einige sind von solcher Breite, daß sich deren Gestalt und Beschaffenheit wohl erkennen läßt. Hieraus würde den beiden leztgenannten Optikern gemäß folgen, daß die erwähnten Linien keineswegs Durchschnitte eben so vieler Schichten von verschiedener Dichtheit sind, und daß der Diamant keineswegs vegetabilischen Ursprunges ist, wie Hr. Br. meint, sondern daß er eben so krystallisirte wie viele andere Mineralien. Die Unbrauchbarkeit mancher Diamantlinsen rührte hienach auch nicht von dem Vorhandenseyn dieser Linien, sondern vielmehr von einigen Schwierigkeiten in der Verfertigung der Linsen, die jedoch nicht unüberwindlich seyn dürften, her. Es können sich, wie man bemerkte, in den hohlen Linien Theilchen des Diamantpulvers ablagern, die, indem sie sich später losmachen, der Politur nachtheilig werden und selbst ein abermaliges Poliren nöthig machen. (Echo du monde savant.)

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