Titel: Fütterung der Seidenraupen mit Kartoffelstärke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 67, Nr. XL./Miszelle 10 (S. 158–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj067/mi067040_10

Fütterung der Seidenraupen mit Kartoffelstärke.

Nach den interessanten Erfahrungen, welche der Freiherr von Babo über seine dießjährige Seidenzucht in dem badischen landwirthschaftlichen Wochenblatts kürzlich bekannt gemacht hat, würde die Fütterung der Raupen mit Kartoffelstärke äußerst günstige Resultate liefern. Derselbe probirte diese Fütterung anfangs nur in geringem Maaße. In der lezten Entwikelungsperiode der Raupen ersah er aber aus der kürzlich erschienenen Schrift über die chinesische Seidenzucht14), daß man in China während der lezten Freßperiode gepulvertes Maulbeerlaub und auch Reißmehl auf die Maulbeerblätter gestreut fütterte, und dadurch aufgemuntert ließ er nun für alle seine Raupen des Tages ein Mal die Maulbeerblätter dicht mit Kartoffelstärke bestreuen, und dieß Verfahren bis zum Einspinnen fortsezen. Die Raupen fraßen dieß ohne Anstand und erreichten eine Größe welche in den früheren Jahren niemals vorkam. Als die Zeit herankam, in welcher er sonst eine bedeutende Menge an der Gelbsucht verlor, war solche auffallend unbedeutend; ob dieß aber von der Starkefütterung oder von der dabei angewandten Chlorräucherung herrühren mochte, will er bis jezt noch nicht entscheiden; doch glaubt er die Bemerkung gemacht zu haben, daß, als die Kartoffelstärke in den lezten Tagen zu Ende ging und weniger gefüttert wurde, die Gelbsucht häufiger ward, was ihn bestimmte, noch einige Mal gewöhnliche Brokelstärke aufstreuen zu lassen, worauf die Gelbsucht wieder abzunehmen und das alte Verhältniß |159| einzutreten schien. Ein Abwägungsversuch zeigte, daß von den ohne Stärke gefütterten Raupen ungefähr 300 Cocons auf das Pfund gingen, von den mit Stärke gefütterten dagegen nur 260 Stüke. Es scheint daher in der Kartoffelstärke ein wohlfeiles Mittel gefunden zu seyn, nicht allein die Raupen gesund zu erhalten, sondern, auch damit die Seide zu vermehren und sie starker zu machen, was sich ebenfalls bei dem Abhaspeln derselben zeigte, indem höchst selten, bei übrigens sehr feinem Faden, ein solcher abriß. Als eine eigene Erscheinung führt Hr. v. Babo noch an, daß Raupen, welche noch nicht spinnreif sind, die Stärke nicht anders als auf den Blättern fressen, während stark spinnreife sie rein von dem Tische auffraßen, als etwas davon durch Zufall dahin verschüttet war.

Die Benuzung der Maulbeerbäume zur Fütterung geschieht dei Hrn. v. Babo auf die Art, daß dieselben (Buschbaume) vom zweiten Jahre an jährlich ihrer Blätter beraubt werden, und zwar so, daß dieselben nicht an den Büschen selbst abgestreift, sondern daß die ganzen Aeste bis auf eine Höhe von etwa 2 1/2 Fuß abgeschnitten werden, von denen man erst zu Hause die Zweige abbricht und solche den Raupen auflegt. Die unteren Aestchen werden den Bäumen gelassen, damit ihre Vegetation nicht ganz zerstört wird; sie bilden sodann nach dem Abschneiden gleich den Reben neue Triebe, die für das folgende Jahr dienen. Die Menge der Aeste, die man dabei erhält, ist in Hinsicht des Holzes nicht unbedeutend und die Bäumchen liefern in reichlichem Maaße das Brennmaterial, welches man zur Feuerung bei den Raupen selbst bedarf. (Riecke's Wochenblatt, Nr. 45.)

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Ueber Maulbeerbaumzucht und Erziehung der Seidenraupen. Aus dem Chinesischen ins Französische übersezt von Julien, ins Deutsche von Lindner. Stuttgart 1837.

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