Titel: Fortschritte der Runkelrübenzuker-Fabrikation in Ungarn.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 67, Nr. XL./Miszelle 11 (S. 159–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj067/mi067040_11

Fortschritte der Runkelrübenzuker-Fabrikation in Ungarn.

Dieses Jahr war sehr günstig für den Runkelrübenbau, und da die meisten Unternehmer von Zuker-Fabriken und häuslichen Anstalten, besonders guten aus Schlesien bezogenen Samen durch mich erhielten, so sind nicht allein die Rübenernten quantitativ, sondern troz des kalten Sommers und Mangel an heißen Tagen des Augusts und Septembers auch qualitativ gut ausgefallen. Das Gedeihen dieser nüzlichen Pflanze fiel in manchen Gegenden über die Erwartung gut aus. Auf der gräflich Almássy'schen Herrschaft Sarkat im Biharer Comitat wurden auf 25 Joch 20,000 Cntr., und auf der Puszta Szent Thomas bei Arad dem Hrn. Andreas v. Urbany gehörig per Joch 1500 Cntr. Rüben gefechset; und im Durchschnitte haben die meisten Zukerfabriken mehr Rüben producirt, als sie verarbeiten konnten.

In Hinsicht der Qualität der Rübe hat sich vorzüglich gemischter Sand und nicht zu schwerer Lehm vor den Thongründen ausgezeichnet, indem der Saft von den lezteren 6 und 7, von der ersten 10 und 11 Grade zeigte, und ich fand sogar in Nagy-Körös, Pesther Comitat und in Kis Tur, Honther Comitat, auf gemischtem Lehm Rüben von bedeutender Größe, deren Saft 13 Grade an Baumé's Saccharometer zeigte, folglich mehr Zukergehalt, als der Saft des Zukerrohrsaftes von Jamaica besizt. Diesen außerordentlichen Fall traf ich auch im Jahre 1832 bei einer Partie Rüben von der Herrschaft Plossenstein des Fürsten v. Pálsy im Preßburger Comitat an.

Die Aufbewahrung der Rüben, die man in vielen Gegenden nicht genau kannte, machte große Schwierigkeiten; Kellerräume langten nicht hin, die große Quantität unterzubringen, man hat Gruben gegraben, sie in dieselben gelegt, oben jedoch Rauchfänge zum Entweichen der Wasserdämpfe aufgestekt und mit Erde zugedekt; allein der November war warm, die Rüben erhizten sich, und kaum 4 Wochen in der Erde, war ein großer Theil davon ausgewachsen und auch verfault. – Ich rathe Jedem, von seinen Rüben auf die Oberfläche der Erde Pyramiden nach beliebiger Länge, in der Sohle der unteren Breite 6. in der Höhe 4 Schuh zu machen, dann von 3 oder 4 Brettchen einen 2 Schuh langen zusammengefügten Schlauch einem Rauchfang gleich auf den Rüken der Pyramide aufzusteken. Auf die Rüben selbst wird etwas Stroh gelegt, und auf dieses 3 oder 4 Zoll Erde aufgeworfen, und mit der Schaufel fest eingeschlagen, damit die Erde fest an die Rübe der Abdachung der Pyramide hält. Durch diese Erdaufwerfung wird um die Pyramide herum ein Graben gebildet, der zur Abhaltung der Nässe von den Rüben vorzügliche Dienste leistet. Die an dem Rüken der Pyramiden aufgestekten Rauchfange müssen bei einer Kälte von 6 oder 7 Graden, |160| mit Stroh verstopft, bei gelinder Witterung aber zur Entweichung der Ausdünstung wieder geöffnet werden.

Auf diese Weise bewährt sich die Rübe selbst bei dem strengsten und kältesten Winter bis zum Frühjahre, ohne zu erfrieren, auszuwachsen oder zu verfaulen.

Die von mir im verflossenen Jahre errichteten Zukerfabriken des Hrn. Anton Grafen v. Forgács in Gács, Neograder Comitat, des Hrn. Alois Grafen v. Almássy in Sarkat, Biharer Comitat, der Frau Baronin Julie v. Forrai Comtesse von Brunzwik im Araber Comitat, erhielten in diesem Jahre Erweiterungen und Vergrößerungen an Gebäuden und innerer Einrichtung.

Neue Zukerfabriken größerer Art wurden in diesem Jahre von mir für den Hrn. Ladislaus v. Szallay in Nagy-Körös. Pesther Comitat, den Hrn. Joseph v. Vitke, gräflich Joseph v. Wenkheimischen Hofrichter auf Kigyos, Békescher Comitat, und Hrn. Anton v. Kalotschey in Kis-Tur, Honther Comitat, errichtet.

Zukerfabriken kleiner Art von Maschinen in Bewegung gesezt, die von mir bezogen und von Zöglingen meiner Lehranstalt geleitet werden, traten ins Leben: für die Frau Gräfin v. Brunswik auf der Herrschaft Futak, Bätscher Comitat, Gräfin Esterházy bei Stuhlweißenburg, Gräfin Stubenberg auf Székélyhid, im Biharer Comitat, Hofräthin v. Semsey bei Kaschau, Abaujvarer Comitat, Fräulein Franziska v. Jankovits in Tapio Szent Märton, Pesther Comitat, Frau Julie v. Gömery, Apothekerin in Pesth, das hochwürdige Erzbisthum in Martinsberg bei Raab durch Hrn. Dr. Joseph Adler, das hochwürdige Domcapitel in Szathmár durch Hrn. Joseph v. Petersy in Tisza Püspöky, im Hewescher Comitat; Hrn. Rudolf Graf v. Festetics in Tolna; Sr. Excellenz Joseph v. Almássy in Kirines, Hewescher Comitat, Hrn. Paul v. Dercséni in Göd, Pesther Comitat, Hrn. Andreas v. Urbany in Arad, Hrn. Johann v. Nako in Komlos, im Banat, HH. Gebrüder v. Bertalansy in Somerein, Preßburger Comitat, Hrn. Hofrath Gyurtsáni in Nöténts, Neograder Comitat, Hrn. Karl Redel, primatialischer Rentmeister in Gran, Hrn. Jakob Payer, Postmeister in Pancsova, Hrn. Georg v. Szemere in Lastomér, Zempliner Comitat, Hrn. Karl Lang, Lieutenant in der k. k. Armee in Kronstadt, Hrn. Franz v. Tomaschovitz in Steinamanger, Hrn. Johann v. Tomtsány bei Ujhely Ungvarer Comitat.

Bei diesem erfreulichen Vorwärtsschreiten der Runkelrübenzuker-Fabrikation steht recht bald zu erwarten, daß ein großer Theil des benöthigenden Zukers durch die inländischen Zukerfabriken selbst gedekt wird, und ich genieße die Freude, daß durch meine hier errichtete praktische Lehranstalt der Zukergewinnung dieses glükliche Gedeihen in so kurzer Zeit auf diese Verzweigung in allen Theilen des Königreiches sich ausgebreitet hat. Denn außer diesen erwähnten, in Betrieb stehenden Zukerfabriken wird in mehr als zweihundert Haushaltungen der Zuker aus Runkelrüben mit häuslichen Gerüchen gewonnen.

Der nun so herabgesunkene Preis aller Früchte gibt um so mehr Anreiz für Rübenbau und die Zukerfabrication aus denselben, indem das Erträgniß des Grundertrages auf den höchsten pecuniären Gewinn gebracht werden kann. Während alle Landesproducte im Preise herabgehen, steigt der Zuker, dieser Landesartikel, im Preise.

Viele Bestellungen auf guten Rübensamen für künftigen Anbau, so wie viele Zukerfabriks-Unternehmungen großer Art, die im künftigen Jahre ins Leben treten, sind bei mit vorgemerkt.

Meine praktische Lehranstalt ist in diesem Curse, außer von Inländern, auch stark von Ausländern, als: Russen, Preußen, Polen und Schweden besucht, und Alles legt das verwundernde Geständniß mir ab, es nie geglaubt zu haben, daß eine Fabrikation, die so viel Aufsehen in ganz Europa macht, in zwei Tagen so faßlich und sicher erlernt werden könne, daß das Gelingen derselben durchaus nicht fehlschlagen kann.

Indem ich diesen Jahresbericht über das Vorwärtsschreiten der Runkelrübenzuker-Fabrikation bekannt mache, soll es mich recht herzlich freuen, im nächsten Jahre einen größeren Auszug davon machen zu können; und mein Bestreben wird stets mit unermüdetem Fleiße dahin gerichtet seyn, wein Vaterland frei von fremden Zuker zu machen.

Pesth, im December 1837.

J. G. Linberger.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: