Titel: Ueber die auf Holz aufgezogenen Messingfabricate des Hrn. Lacarrière, in Paris, rue St. Elisabeth No. 3.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 67, Nr. XL./Miszelle 2 (S. 153–154)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj067/mi067040_2

Ueber die auf Holz aufgezogenen Messingfabricate des Hrn. Lacarrière, in Paris, rue St. Elisabeth No. 3.

Der Luxus, den man dermalen in Paris an vielen Theilen der neueren Bauten, namentlich aber an den Auslagen der Kaufladen bemerkt, und über den man bei dem goldartigen Glanze des beinahe verschwendeten Messinges erschrikt, ist bei weitem nicht so kostspielig, als man auf den ersten Blik glauben möchte. Denn Dank einer neueren, aber schon sehr vervollkommneten Kunst, welche sich in wenigen Jahren rasch verbreitet und die besonders Hr. Lacarrière auf eine hohe Stufe gebracht hat, ist man dermalen im Stande, die Anstriche, die, wie schön sie auch seyn mochten, doch immer etwas Mattes und Düsteres hatten, beinahe ohne alle Erhöhung der Kosten, durch den lebhafteren, angenehmeren und mehr in die Augen springenden Glanz der Metalle zu ersezen. Früher, wo man diesen Glanz nur mit gegossenen Messingartikeln, namentlich mit gegossenen Messingstäbchen, erzielte, kam derselbe allerdings sehr hoch. Man mag sich einen Begriff hievon machen, wenn man bedenkt, daß der Fuß solcher gegossener polirter Stäbchen vom einfachsten Muster noch Heutzutage zu 12 Fr. gerechnet wird. Die Kunst wußte aber zu helfen und ganz ähnliche Verzierungen für weit geringeren Preis herzustellen. Man überzog nämlich hölzerne Stäbe und Simswerke mit einem einfachen Metallbleche, indem man die aus Holz geformten Gegenstände zugleich mit einem Metallbleche wiederholt durch Zieheisen von bestimmtem Caliher laufen ließ, und indem man sie beide mitreist bekannter Maschinen, die je |154| nach dem Capitale des Fabrikanten mehr oder minder gut eingerichtet waren, auf der Ziehbank auszog.

Hr. Lacarrière war einer der ersten, der sich mit Eifer in diesen Industriezweig warf, und der Handel ist ihm nicht wenig Dank schuldig, indem er es hauptsächlich durch seine Bemühungen dahin brachte, daß man dermalen den Fuß hölzerner mit Messing überzogener Leisten und Verzierungen für 2 Fr. 25 Cent. haben kann. Diese Fabricate kommen nicht nur den früheren aus massivem Messinge gleich, sondern sie übertreffen sie sogar an Schönheit und Glanz, indem man an ihnen nichts von den mikroskopischen Bläschen bemerkt, die an den gegossenen selbst mit der größten Sorgfalt nicht zu beseitigen waren. An Dauer stehen sie ihnen nicht nach; und was die Leichtigkeit betrifft, so haben sie einen außerordentlichen Vorzug vor ihnen: einen Vorzug, der die Möglichkeit gibt die Thüren und sonstigen beweglichen Theile der Auslagen genauer schließen zu machen, und eine reichere Verzierung an ihnen anzubringen. Hält man alle diese Vorzüge mit dem geringer gewordenen Preise zusammen, und bedenkt man, daß die Verzierung eines Kaufladens im Palais-Royal, welche früher auf 4000 Fr. zu stehen kam, dermalen eben so schön und eben so gut für 400 Fr. zu haben ist, so wird man sich nicht wundern über die Verschönerungen, die in den lezten Jahren in Paris und anderwärts an den Auslagen der Kaufladen, so wie auch an dem Inneren vieler Gebäude Statt gefunden haben. Hr. Lacarrière, der alle auf Holz aufgezogenen messingenen Gegenstände, so wie auch hohle derlei Artikel verfertigt, dürfte unter allen am meisten zu dieser glüklichen Veränderung beigetragen haben; er verdient daher sowohl aus diesem Grunde, als auch wegen der großen Masse von Fabricaten, die er in den Handel bringt, durch Ertheilung einer Medaille die Anerkennung der Akademie. (Journal de l'Academie de l'Industrie. April 1837.)

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