Titel: Ausführlicheres über Oberst Pasley's Versuche über die Stärke gemauerter Balken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 67, Nr. XL./Miszelle 3 (S. 154–155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj067/mi067040_3

Ausführlicheres über Oberst Pasley's Versuche über die Stärke gemauerter Balken.

Die Notiz, welche wir kürzlich über die von dem genannten verdienten Ingenieur angestellten Versuche aus dem Mechanics' Magazine entnahmen, war zu gedrängt, als daß sie hatte von allgemeinem Nuzen seyn können. Weitere nunmehr erschienene Angaben sezen uns in Stand ausführlicher darauf zurükzukommen. Zwek der Versuche war zu ermitteln, ob man an den Mauern der Gebäude mit Sicherheit Cement anstatt der hölzernen Binde- oder Kettenbalken (hond or chain timbers) benüzen könne, und ob der (Zement durch Anwendung von Langeneisen in den Gefügen verstärkt wird. Die Pfeiler, auf welche die dem Versuche unterworfenen Balken gelegt wurden, hatten 2 Fuß 6 Zoll Höhe und 18 Zoll im Gevierte. Die Balken waren von 10 Fuß Länge, so breit als die Pfeiler, aber nur 1 Fuß dik.

Der Walken Nr. 1, welcher mit reinem (Zemente gebaut worden ist, brach bei einer Belastung mit 298 Pfd. Der Bruch erfolgte jedoch nicht in der Mitte, auf die das Gewicht gelegt wurde, sondern in zwei senkrechten Rissen, von denen der eine 6, der andere 18 Zoll vom Mittelpunkte entfernt war. Der Cement gab nirgendwo nach, wohl aber die Baksteine, die einen ebenen Bruch zeigten. Bei Wiederholung des Versuches mit einem größeren ganz gebliebenen Stüke, welches 4 Fuß über den Pfeiler hinausragte, erfolgte der Bruch bei einer Belastung mit 2556 Pfd.

Der Balken Nr. 2, welcher eben so gebaut war, in dem sich aber auch noch 5 Eisenbänder befanden, trug 4723 Pfd., brach aber bei Vermehrung der Last um weitere 56 Pfd. Durch die eisernen Bänder wurden also 4225 Pfd. gewonnen.

Der Balken Nr. 3, welcher mit Mörtel, der aus drei Theilen reinem Sande und einem Theil Kalk bestand, gebaut worden ist, und in welchem sich gleichfalls eiserne Bänder befanden, gab bei einem zwischen 400 und 500 Pfd. betragenden Druke nach.

Diese Versuche waren nothwendig unvollkommen, weil die Kraft bei ihnen anders wirkte, als es in der Praxis der Fall ist. In lezterem Fall wirkt nämlich die Kraft nicht auf den Mittelpunkt allein, sondern sie ist über den ganzen Walken verbreitet. Bei der Beseitigung der Baksteine an dun mittleren Theile |155| voll Nr. 2 zeigten sich die beiden unteren Metallbänder aus einander gezogen, das mittlere hatte seine Länge beibehalten, und die beiden oberen waren gegen sich selbst zusammen geschlagen, so daß sich also der neutrale Mittelpunkt in dem mittleren Bande befand.

Einige Zeit später wurden abermals mehrere Versuche vorgenommen, und zwar der erste, um zu erforschen, ob aus Baksteinen, Ziegeln und anderen kleineren, durch reinen Cement mit einander verbundenen und mit eisernen Bändern verstärkten künstlichen Steinen nicht Treppen gebaut werden könnten. Es ward zu diesem Zweke ein 4 Fuß 4 Zoll langes Stük des oben unter Nr. 2 bemerkten Balkens 9 Zoll tief in die Mauer eines Stalles eingesezt, und zwar so, daß er an seinem äußeren Ende keinen Stüzpunkt hatte. Dieser Balken trug ein Gewicht von 3566 Pfd. Unter ihm war, um sein gänzliches Herabstürzen zu verhüten, ein Blök angebracht; und als dieser nach Abnahme der Gewichte beseitigt wurde, blieb der Balken unter dem Winkel, unter dem er sich geneigt hatte, in der Mauer zurük, aus der er nur mit Mühe ganz herausgenommen werden könnte. Auch nicht eine der Eisenstangen hatte nachgegeben.

Der zweite Versuch sollte ergeben, um wie viel das Reifeisen den gemauerten Balken verstärkte. Man beschwerte zu diesem Zweke ein 12 Zoll langes Stük Eisen von der zu dem Balken verwendeten Art; es trug 6163 Pfd., und brach dann, nachdem es um 7/8 Zoll länger geworden und seine Temperatur bedeutend gestiegen war.

Der dritte Versuch galt einem von dem oben beschriebenen Balken Nr. 3 übrig gebliebenen Stüke. Man legte dasselbe auf zwei nur 2 Fuß weit von einander entfernte Unterlagen, so daß die Eisenstäbe sehr wenig Raum zur Ausdehnung hatten. Der Balken trug eine Last von 1887 Pfd. und gab nicht plözlich nach. Mehrere Minuten vor dem gänzlichen Zusammenstürzen sielen zwei Baksteine aus der unteren Schichte aus. Der Einsturz erfolgte mit solcher Gewalt, daß auch nicht zwei Baksteine mehr zusammenhielten. Von den Eisenstäben war keiner gebrochen. Man fand das Eisen in dem Mörtel vom Roste angegangen, in dem (Zemente hingegen unverändert, was abermals für den Cement spricht.

Diesen Versuchen gemäß wurden die Grundlagen der Rich erkammer im Chancery-Lane nach derselben Methode gelegt, nach der der Balken Nr. 2 gebaut war: d.h. zwischen jede Reihe der in römischen (Zement eingebetteten Baksteine ward ein Längenstük Reifeisen gelegt. (Mechanics' Magazine.)

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