Titel: Bereitung einer gleichartigen Kautschuk- (Gummielasticum-) Auflösung und Anwendung derselben zum Wasserdichtmachen von Wollentüchern etc.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 67, Nr. XL./Miszelle 8 (S. 157–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj067/mi067040_8

Bereitung einer gleichartigen Kautschuk- (Gummielasticum-) Auflösung und Anwendung derselben zum Wasserdichtmachen von Wollentüchern etc.

Das Gummielasticum wird, wie es im Handel vorkommt, in ganz kleine Theile mit Scheren geschnitten, und in gelinder Wärme sehr gut ausgetroknet; dann wird dasselbe in einen mehr hohen als weiten steinernen Topf gethan und ganz reines (rectificirtes) Terpentinöhl darüber gegossen, der Topf mit einer Rindsblase luftdicht zugebunden, worauf man denselben mehrere Tage ruhig stehen läßt, bis der Kautschuk das Oehl ganz eingesogen hat, wobei die kleinen Stükchen ganz groß aufschwellen. Nach diesem wird die Masse in eine Presse gethan, welche eine cylinderförmige Röhre, aber unten Loch an Loch wie ein Seiher hat. Diese Presse muß sehr stark seyn. Durch diesen Seiher wird der aufgequollene Kautschuk mehrmals durchgepreßt, worauf er eine breiartige, klebrige, zähe Masse darstellt und zum Gebrauche fertig ist.

Will man nun ein Tuch durch Ueberziehen mit dieser Kautschukauflosung wasserdicht machen, so muß solches fest auf ein Brett aufgespannt werden, woraus man die Masse in ganz kleinen Portionen mit einem Messer dünn und möglichst gleichförmig auf dasselbe aufstreicht und hierauf noch mit einem Walgerholz, welches immer gelinde mit kaltem Wasser anzufeuchten ist, möglichst glatt walgt; endlich wird das Tuch mit einer einfachen Lage Löschpapier bedekt, welches sich fest anklebt, worauf solches von dem Brett herab und unter eine Presse gebracht und fest eingepreßt wird; in dieser läßt man es einige Tage liegen. Nach der Herausnahme läßt man es noch einige Tage an der Luft austroknen, und nimmt das Papier, welches theilweise wohl zerreißt und festklebt, ab. Das noch festhängende Papier ist aber leicht, wenn es mit Wasser angefeuchtet wird, abzubürsten; nun ist der Zeug fertig bis auf die Hinwegnahme der Klebrigkeit, welche der Ueberzug immer noch hat. Diese Klebrigkeit wird dadurch beseitigt, daß |158| man den Ueberzug entweder mit einer dünnen Auflösung von Schellak in Weingeist überzieht, oder mit feinem Kalkpulver einreibt.

Wenn man mittelst der Kautschukauflösung eine Kautschuktafel oder Haut darstellen will, so beobachtet man dieselbe Manipulation, trägt die Lösung aber anstatt auf Tuch, auf einen Preßspan auf, wovon sie sich nach gänzlichem Austroknen leicht abziehen läßt und die Form beibehält.

Wenn man bloß Kautschuktafeln bereiten will, ist es hinreichend 1 Theil Kautschuk in 2 Theilen Terpentinöhl aufzuweichen, während, um mit der Auflösung Zeuge überziehen zu können, auf 1 Theil Kautschuk 4 Theile Terpentinöhl nöthig sind. Endlich ist noch zu bemerken, daß das Auftragen der Kautschukauflösung auf Tuch oder Preßspäne in einem mäßig warmen Zimmer, nicht in der Kälte vorgenommen werden muß, und man sich das Schneiden des Kautschuks durch Erweichen desselben in stehendem Wasser erleichtern kann. (E. Jegel im bayer. Kunst- und Gewerbeblatte, 10. Heft, 1837.)

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