Titel: John Reynolds über Eisenbahnen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 67, Nr. LXIV./Miszelle 2 (S. 229–230)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj067/mi067064_2

John Reynolds über Eisenbahnen.

Hr. John Reynolds, Civilingenieur, hielt vor der Institution of Civil Engineers in London einen Vortrag über Eisenbahnen, aus dem das London Journal of arts in seinem lezten Decemberhefte Folgendes auszieht. „Die wesentlichsten Bedingungen zu einer guten Eisenbahn sind: 1) daß sie sich so viel als möglich einem vollkommenen Planum von größter Stätigkeit annähere. 2) daß sie die durch das Rollen unvollkommener Cylinder auf unvollkommenen Flächen entstehenden Schwingungen verhütet oder neutralisirt. 3) daß sie die größte Dauerhaftigkeit besizt und so leicht als möglich auszubessern ist, in so fern sich dieß mit obigen Bedingungen verträgt. Hr. Reynolds schlägt muldenförmige gußeiserne Unterlagen vor, deren rechtwinkelige Tragoberflächen mit dem winkeligen Theile nach Abwärts gerichtet sind, so daß ein Durchschnitt durch den tragenden Theil der Schiene einen mit seinem Scheitel nach Aufwärts gerichteten rechten |230| Winkel gibt. Bei dieser Form wird die Tragoberfläche vergrößert und folglich ein größerer Widerstand gegen den senkrechten Druk erzielt, während die seitliche Stabilität der Schiene gesichert ist. Die Schienen sollen in Erde, Asche, zeeschlagene Steine oder Kies gelegt werden; der Tragoberfläche der Erde kann man durch Walzen oder Schlagen einen solchen Grad von Festigkeit geben, daß sie dem Druke, den die Schiene zu erleiden hat, zu widerstehen im Stande ist. Da die Masse aus Substanzen besteht, die nicht leicht nachgeben oder abglitschen, so wird sie später keinem Druke weichen, der den von den Walzen oder Schlägen ausgeübten nicht übersteigt. Die Schienen, deren sich Hr. Reynolds bedient, sind von zweierlei Art; die einen sind ganz und in einem Stüke aus Eisen gegossen; die anderen hingegen können aus Schmied- oder Gußeisen bestehen, und werden auf Holz gelegt, welches in eine gußeiserne Unterlage von der angegebenen Art gebracht wird. In lezterem Falle stehen die Gefüge der Schienen, Hölzer und Unterlagen miteinander im Verbande. Zusammengehalten werden sie durch Bolzen, die durch alle drei gehen. Die Bahn bildet also ein zusammenhängendes Ganzes, welches nicht leicht bricht, da es nicht wahrscheinlich ist, daß alle drei Theile an einer und derselben Stelle brechen. Die Holzunterlage bildet ein elastisches Medium, welches die Schwingungen verhindert. Man hat in Chatmoß einige Versuche mit der Reynold'schen Methode gemacht, und versichert, daß die Bahn leichter in gutem Zustande zu erhalten ist, als die nach anderen Systemen gebauten Bahnen, und daß keine Senkung an ihr zu bemerken ist. Als Holzunterlage nahm man ganz gewöhnliches Holz, welches man in Theer sott und in diesem auch abkühlen ließ, wo es dann gar keine Feuchtigkeit mehr einsog.“ Man vergleiche hiemit die Beschreibung des dem Hrn. Reynolds ertheilten Patentes im polyt. Journal Bd. LXI. S. 85.

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