Titel: Zur Kenntniß der Krappsorten und Beitrage zur Krappfärberei.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 67, Nr. LXIV./Miszelle 28 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj067/mi067064_28

Zur Kenntniß der Krappsorten und Beitrage zur Krappfärberei.

Die Akademie in Brüssel hatte eine aus vier Fragen bestehende Preisaufgabe ausgeschrieben, welche der Verfasser der besten Abhandlung im Wesentlichen folgender Maßen beantwortet hat.

1. Welchen Gehalt an Farbstoff hat der belgische Krapp im Vergleiche mit jenem von Avignon und Seeland? – Guter belgischer Krapp kommt an Färbekraft den beiden anderen Sorten gleich; oder er gibt bei gleichem Verfahren und gleichem Gewichte ebenso gesättigte Farbentöne wie der beste fremde Krapp.

2. Kann man mit belgischem Krapp dieselben Farbentöne erzielen wie mit fremdem?Hausmann und Schlumberger haben die Güte des Krapps von Avignon dem starken Kalkgehalte des Bodens, auf dem er wächst, zugeschrieben, und gaben daher an, daß man die mit anderem Krappe bereiteten Farbbäder durch Zusaz von Kreide verbessern könne. Dieses Verfahren mit belgischem und seeländischem Krappe wiederholt, gab dem Verfasser gesättigte Farben, welche dem Schönen, der Seife und der Salpetersäure widerstanden, und sich von den mit Avignoner Krapp erzeugten Fabricaten kaum unterschieden. Ward die Krappung hingegen ohne Zusaz von Kreide vorgenommen, so kamen die Zeuge allerdings beinahe eben so gesättigt aus dem Krappbade; allein beim Schönen im Seifenbade und mit Salpetersäure verhielten sie sich ganz anders. Der Verfasser schließt aus seinen Versuchen, daß der belgische Krapp dem seeländischen vollkommen gleich steht, und daß er alle fremden Krappsorten vollkommen ersezen kann.

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3. Hat alter Krapp Vorzüge vor jüngerem, und worin bestehen sie? – Der Verfasser bejaht diese Frage nach Versuchen, die er im Kleinen sowohl als im Großen angestellt hat. Nach seiner Meinung kommen 100 Pfd. Krapp, welcher zwei Jahre gelegen hat, 120 Pfd. von derselben Sorte gleich, wenn er nur zwei Monate alt ist.

4. Wie läßt sich die Verfälschung und die Güte des Krapps leicht erkennen? – Der Verfasser schlägt vor eine bestimmte Menge Zeug für zweierlei Roth mit einer Beize aus essigsaurer Thonerde zu druken. Das eine dieser Roth hat den Reichthum an Farbstoff; das Lichtere hingegen die Reinheit des Farbentones anzudeuten. Andererseits soll man sich zum Behufe der Vergleichung des Werthes des Krapps eine Farbentafel verfertigen, indem man Stüke des geheizten Zeuges von einem Quadratfuß mit anerkannt gutem Krappe und in Verhältnissen von 1 bis zu 20 Grammen ausfärbt. Diese Muster müssen entzweigeschnitten werden, damit die eine Hälfte noch ein Mal mit der Hälfte der zuerst genommenen Krappdosis färben kann. Alle diese Muster werden zusammen der Schönung unterworfen und geben auf solche Weise eine Mustertafel. Um nun einen Krapp zu probiren, soll man einen Quadratfuß des vorräthig gehaltenen gebeizten Zeuges in einem Krappbade, zu welchem 10 Gramme Krapp und 750 Wasser genommen worden sind, ausfärben, und dann, um die Färbekraft des fraglichen Krappes zu erforschen, mit der erwähnten Mustertafel vergleichen. Um die Solidität und Reinheit der Farbe kennen zu lernen, soll man zu einer zweiten Krappung schreiten, bei der man jedoch nur ein Drittheil des Zeuges und 6,35 Gramme desselben Krappes zu nehmen braucht. Die Hälfte dieses Zeuges wäre zu schönen und hierauf mit der Mustertafel zu vergleichen. (Aus dem Mémorial encyclopéd.)

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