Titel: Ueber das Pflastern mit Erdharz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 67, Nr. LXXXVI./Miszelle 10 (S. 320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj067/mi067086_10

Ueber das Pflastern mit Erdharz.

Die strenge Kälte hat erlaubt, eine der besten Erfindungen, die in neuerer Zeit in Paris gemacht worden sind, auf die Probe zu stellen, nämlich das Pflastern mit Erdharz. Man hat dieses seit einigen Jahren vielfach auf Trottoirs, Terrassen, die Fußpfade der Brüken u.s.w. angewendet, und gefunden, daß ein Guß von Erdharz von einem halben Zoll Dike, mit feinem Sand (etwa von der Größe einer Linse) gemischt, vollkommen hinreichend ist, den Füßen der Menschen auf lange Zeit zu widerstehen. Die Hälfte des Fußpfades des Pont royal ist seit fünf Jahren damit, man kann nicht sagen gepflastert, sondern eher übergossen, und weder Kälte noch Hize, noch die zahllosen Menschen, die täglich darüber gehen, haben den geringsten Eindruk darauf gemacht; und das Gehen darauf ist ein wahres Vergnügen: es ist wie ein gediehlter Boden. Die Mosaik aus Erdharz, mit der man den Plaz des Obelisken bedekt hat (mit Ausnahme des Fahrwegs) ist ebenfalls vortrefflich gelungen, und eine wahre Zierde der Stadt, während sie nur halb so viel gekostet hat, als das gewöhnliche Stadtpflaster. Aber die Stadt wollte den Versuch weiter treiben, und versuchte das Fahrpflaster damit zu ersezen; man füllte dazu eiserne Formen von einem Kubikfuß Gehalt mit gebrochenem Granit, wie er auf Chausseen gebraucht wird, und goß Erdharz darüber, bis alle Zwischenräume ausgefüllt waren, und pflasterte mit diesem Cubus im Herbst den Eingang der Champs élisées. Es fährt sich sehr angenehm darauf, die Pferde gleiten nicht, man fühlt nicht den geringsten Stoß, und die Wagen leiden nicht; aber man fürchtete, daß eine strenge Kälte das Harz zu spröde machen würde, so daß es zerstieben dürfte. Die Erfahrung der lezten Tage hat jedoch gezeigt, daß dieß nicht zu befürchten ist; die Cubus sind so fest als je, und die Frage scheint vollkommen entschieden. Die Stadt will daher dieses Pflaster unmittelbar bis an den Triumphbogen ausführen lassen, und wenn sich dann keine neuen Schwierigkeiten und Unvollkommenheiten zeigen, es nach und nach auf die Straßen ausdehnen; es wäre die größte aller denkbaren Wohlthaten für Paris, denn bei dem bisherigen Pflaster ist an keine Art von Reinlichkeit und Trokenheit der Stadt zu denken, und man würde eine unberechenbare Quantität von Pferdekraft ersparen. Es gibt bis jezt zwei Gesellschaften, welche sich mit dieser Industrie abgeben: eine, welche das natürliche Erdharz von Seyssel, und die andere, welche das Harz, das die Steinkohlengasfabriken liefern, anwendet. Sie suchen einander wechselweise zu verschreien; aber bis jezt scheint das natürliche Erdharz den Vorzug zu haben, das künstliche ist zu spröd, übrigens sind beide Gesellschaften in großem und zunehmendem Wohlstande.

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