Titel: Ueber die besonders für Zuker-Raffinerien zu empfehlende Luftaufsaugungsmaschine des Hrn. Anton Schmid in Wien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 67, Nr. LXXXVI./Miszelle 7 (S. 317–319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj067/mi067086_7
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Ueber die besonders für Zuker-Raffinerien zu empfehlende Luftaufsaugungsmaschine des Hrn. Anton Schmid in Wien.

Die Raffinirung des Rohzukers, in jeder Beziehung einer der wichtigsten Industriezweige, ist in der neuesten Zeit besonders in England und Frankreich wesentlich verbessert worden; um so erfreulicher ist es uns, die Besizer von Rübenzukerfabriken und Zukerraffinerien nun auch auf eine deutsche Erfindung aufmerksam machen zu können, wodurch das Abdampfen der Syrupe im luftleeren Raume auf eine weniger kostspielige Weise als bisher bewerkstelligt werden kann. Es sind beiläufig 15 Jahre verflossen, seitdem man anfing den luftleeren Raum zu diesem Zwek anzuwenden und ihn durch eine Luftpumpe in Verbindung mit einer Dampfmaschine hervorzubringen; dieses Verfahren vervollkommnete sich aber erst nach und nach und hatte immer den Nachtheil, daß es sehr große Auslagen verursachte, um die Luftleere hervorzubringen. Daher kam das ungleich wohlfeilere System, den luftleeren Raum durch die Condensation zu bewirken, eingeführt durch Hrn. Anton Schmid in Wien, sehr erwünscht. Der erste Versuch im Kleinen fand in dem Jahre 1829 und 1830 Statt. Später wurde derselbe im Großen angestellt, und der erste Apparat bei Hrn. M. Raffelsberger, Zukerraffineur in Wien, aufgestellt, welcher der Erwartung besonders deßhalb entsprach, weil er ein ungleich wohlfeileres System mit abermaliger Verbesserung ins Leben rief. Etwas später kamen ähnliche Condensations-Systeme in Frankreich zum Vorschein; doch alle kränkelten mehr oder minder in der Erzeugung der Luftleere, und keines derselben erreichte auf entfernte Weise den Zwek, die Luftpumpe zu ersezen.

Endlich erfand Hr. Anton Schmid im Jahre 1833 einen sinnreichen Regulator, der die störende Einwirkung auf den Sud durch die Bewirkung der Luftverdünnung (welche Funktion während der Sudperiode mehrmals wiederholt werden muß) ganz beseitigte. Durch diesen Regulator wird sein Condensations-System von eben erwähntem Uebelstande befreit, und acht Zukerraffinerien, die mit demselben arbeiten, worunter die angesehensten des festen Landes sind, gaben diesem den Vorzug. – Indeß unablässig bemüht, eine Condensationsmaschine aufzufinden, welche die kostspielige Dampfmaschine mit Luftpumpe ganz ersezte, ersann Hr. Schmid im Laufe des Jahres 1837 seine sogenannte: Luftaufsaugungsmaschine und erhielt auf dieselbe in den k. k. österreichischen Staaten ein ausschließendes Privilegium, so wie er nicht minder hierauf Patente im Auslande nachsuchte.

Diese Maschine besizt die Eigenschaft, die Luft ohne Kolben stets gleich und regelmäßig aufzusaugen und wieder fortzuschaffen, so daß eine beliebige Luftleere gleich wie mit der durch eine Dampfmaschine betriebenen Luftpumpe erhalten werden kann.

Die Anwendung dieser Maschine ist besonders von entschiedenem Vortheile bei Zukerraffinerien, die mit Condensations-Apparaten bereits arbeiten, oder zu arbeiten beabsichtigen. Bei allen Condensations-Apparaten braucht diese Maschine nur mittelst eines Rohrs, wenn auch in weiter Entfernung mit dem Apparate selbst verbunden zu werden.

Da die Maschine einfach, wenig kostspielig ist und ohne Aufwand von fremder Kraft die erwähnte Function verrichtet, so wird bei der Abdampfung durch den geregelten Gang nicht nur bedeutend an Brennmaterial und Zeit erspart, sondern auch die Wahrnehmung der Gahrkochung dem Sudmeister sehr erleichtert indem er die Luftverdünnung in dem Grade durch die ganze Sudperiode reguliren kann, daß sich die Temperatur dann selbst immer so stellt, wie sie für das Produkt am geeignetsten und vortheilhaftesten ist.

Alle schon bestehenden Condensations-Apparate, welche mehr oder minder fehlerhaft in der Erzeugung der Luftverdünnung sind, können durch Hinzufügung dieser Maschine verhältnißmäßig so verbessert werden, daß sie dadurch in den Stand gesezt sind, ihre Function so zu verrichten, als wenn diese durch die Luftpumpe bewirkt würde.

Durch die Verbindung mit dieser Maschine gewinnt das Condensationssystem eine bisher nicht gekannte Vollkommenheit; und da diese Maschine die oben erwähnten Functionen der Luftpumpe ersezt, ihre Anschaffungskosten bei weitem billiger zu stehen kommen, wie auch nicht minder bedeutend an Brennmaterial erspart |319| wird, so verdient dieselbe unstreitig den Vorzug vor der Luftpumpe, die mittelst der Dampfmaschine betrieben wird.

Von besonderer Nichtigkeit ist ihre Anwendung auch bei Berg- und Kohlenwerken, wo die bösen Dünste oft den größten Nachtheil verursachen. Es kann nämlich durch dieselbe eine beständige Entleerung dieser Dünste bewirkt werden.

Uebrigens muß diese Luftaufsaugungsmaschine von der Erfindung des Hrn. Anton Schmid, wohnhaft in Wien (tiefer Graben, Nr. 166), auf keinen Fall verwechselt werden mit dem in Frankreich erfundenen Systeme, und den daraus hergeleiteten Verbesserungen, wo die Luft mittelst Durchgang von hochgespannten Dämpfen aufgesaugt wird; indem die Anwendung hievon schon darum in den Fabriken keinen Eingang finden konnte, weil ein solches System einen viel zu großen Aufwand an Dämpfen erfordert. Ueber die bisherigen Leistungen des Hrn. Anton Schmid werden die HH. I. H. Stametz und Comp. in Wien auf Verlangen gern Auskunft ertheilen.

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