Titel: Ueber Unterscheidung wollener Gewebe von baumwollenen und leinenen, und Bestimmung der Quantität der einzelnen Stoffe in gemischten Geweben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 67, Nr. CII./Miszelle 10 (S. 395)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj067/mi067102_10

Ueber Unterscheidung wollener Gewebe von baumwollenen und leinenen, und Bestimmung der Quantität der einzelnen Stoffe in gemischten Geweben.

Es kann sehr häufig darauf ankommen, zu wissen wie viel Leinen- oder Baumwollenfäden z.B. in einem aus Wolle und Baumwolle oder Leinen gemengten Gewebe vorhanden sind, namentlich wo es sich um Verfälschung eines eigentlich ganz wollenen Gewebes mit Baumwolle handelt. An eine Verwechselung durchaus leinener oder baumwollener Gewebe mit durchaus wollenen ist wohl weniger zu denken. – Zu dem angegebenen Ende hat man drei Mittel bisher empfohlen: 1) das zu untersuchende Gewebe in Fäden aufzulösen und die einzelnen Fäden durch Verbrennung und Beobachtung des dabei entwikelten Geruches zu prüfen, ob sie thierischer oder vegetabilischer Natur sind; 2) das zu untersuchende Gewebe mit Aezkalilauge von 8° B. zu behandeln, wodurch sich die wollenen Fäden allein auflösen, die baumwollenen und leinenen aber zurükbleiben werden; 3) die mikroskopische Untersuchung. Alle diese Mittel sind wohl gut, bieten aber nicht immer solche entscheidende Zeichen dar, daß diese auch dem weniger Geübten oder Laien die richtige Ueberzeugung beizubringen vermögen. Der Verfasser hat sich bestrebt, eine bessere Methode in dieser Rüksicht aufzufinden und empfiehlt davon zwei:

1) Man soll eine Probe des zu untersuchenden Gewebes auf die gewöhnliche Art Scharlach färben. Man gießt zu dem Ende 400 Gramm Wasser und 3 Gr. Cremor tartari in ein Gefäß von Zinn oder verzinntem Kupfer, erwärmt auf 40° R. und sezt, nach völliger Auflösung des Cremor tartari, 3 Gran Cochenille und gleich darauf 3 Gran Zinnsalz zu, taucht 24 Gramm des Gewebes hinein, läßt zwei Stunden kochen, nimmt das Zeug heraus und wäscht es. Darauf erhizt man ebenfalls 24 Gramm Wasser zum Kochen, bringt 1 Gramm Cochenille und nach 1/2stündigem Kochen 1/2 Gramm Zinnsalz hinein, läßt so weit abkühlen, daß die Flüssigkeit gerade nicht mehr kocht, taucht die gewaschene Probe 1/2 St. lang hinein, ringt sie dann aus und läßt sie troknen. – Auf diese Art nimmt nur die Wolle Scharlachfarbe an, die baumwollenen oder leinenen Fäden bleiben vollkommen weiß, was sogleich in die Augen fällt. – Man kann dann die Probe in einzelne Faden zerzupfen, die rothen von den weißen trennen und jede Partie wägen.

2) Man vermischt 50 Th. Wasser mit 10 Th. käuflicher Salpetersäure in einem gläsernen Kolben, fügt 2–3 Th. des zu prüfenden Gewebes zu, erhizt bis zum Kochen, nimmt dann vom Feuer, läßt 5–6 Minuten stehen, zieht dann das Gewebe heraus und wäscht es mit vielem Wasser. Die wollenen Fäden werden schön gelb geworden, die baumwollenen oder leinenen weiß geblieben seyn. Auch hier kann man dann die Fäden sondern und wägen. (Rouchas im Journ. de Pharm. du Midi, Junius 1837.)

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