Titel: Verfahren das Harz in große hohle Kugeln auszublasen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 67, Nr. CII./Miszelle 18 (S. 397–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj067/mi067102_18

Verfahren das Harz in große hohle Kugeln auszublasen.

Morey in Oxford in Nordamerika hat vor längerer Zeit in Silliman's Journale mitgetheilt, daß ein kleines Mädchen die Entdekung gemacht hat, gemeines erwärmtes Harz wie Seifenwasser in große hohle Kugeln auszublasen. Diese Entdekung scheint zwar ganz geringfügig, aber sie dürfte dennoch wohl in mancher Beziehung, ähnlich wie die der Seifenblasen, von wissenschaftlichem Interesse seyn und vielleicht einer nüzlichen Anwendung nicht ganz ermangeln; man denke nur an die Seifenblasen Newton's. Um solche Harzblasen anzufertigen, |398| heißt es in jenem Journale, soll man eine kupferne Röhre oder ein irdenes Pfeifenrohr in geschmolzenes, doch nicht zu sehr erhiztes Harz eintauchen, es sodann aus der flüssigen Masse wieder hervorziehen und mit gewisser Vorsicht in dasselbe blasen. Auf diese Weise ließen sich Harzblasen von mehreren Zollen im Durchmesser gewinnen und viele Jahre hindurch unverändert aufbewahren. Was nun das Aufschwellenlassen der Harzmasse bis zu einem gewissen Umfange betrifft, so verhält es sich damit ganz so, wie oben bemerkt wurde; aber von einem Aufbewahren solcher Blasen kann gar nicht die Rede seyn, indem ich fand, daß Blasen, selbst von ganz geringem Durchmesser, sobald sie dem Blasrohre entflohen, augenbliklich zerplazten und weder durch eine untergelegte glatte Holzplatte noch durch ein untergeseztes, mit Wasser gefülltes Gefäß vor dem Zerstäuben gesichert werden konnten. Es ward mir aber leicht, ein Mittel ausfindig zu machen, diesem plözlichen Zerfallen der Blasen vorzubeugen. Mein Verfahren besteht in folgendem: Man schmelze 8 Gewichtstheile Colophonium mit 1 Gewichtstheil gereinigtem Leinöhl in einer Blech- oder Porzellanschale, am besten im Wasserbade, d.h. man erhize sie ungefähr bis auf + 78° R., erhalte sie fortwährend auf dieser Temperatur und verfahre dann damit gerade so als ob man es mit Seifenwasser zu thun habe. Den kleinen Handgriff, die nicht selten bis zu der Größe eines Straußeies und darüber anschwellenden überaus durchsichtigen Blasen von dem thönernen Pfeifenkopfe zu trennen, wird ein Jeder, der nur erst einige Versuche damit angestellt hat, leicht aufzufinden wissen. Um nun die aus dem kleinen Blasrohre oder der Thonpfeife hervortretenden Harzbälle vor dem Zerplazen zu schüzen, bedarf es nur eines untergelegten schwach mit Lycopodium bestreuten Bogens Papier; auch mittelst einer blank polirten Holzplatte erreicht man schon in den meisten Fällen seinen Zwek, nicht aber, wenn man die Blasen auf eine Wasserfläche, auf der sie zusammengedrükt zu werden pflegen und eine halbkugelförmige Gestalt annehmen, fallen läßt. Das Anfertigen dieser Harzblasen gewährt wirklich einen ganz besonderen Reiz. Am schönsten nehmen sich die Blasen aus, wenn man sie bei Sonnenschein von einer gewissen Höhe, etwa vom dritten oder vierten Stokwerk aus, auf die Erde fallen läßt; hiebei hat man nie zu befürchten, daß sie jemals, bevor sie die Erde erreichen (wie dieß bekanntlich bei den Seifenblasen oft zu geschehen pflegt), plazen. Für die pneumatische Chemie dürften diese Blasen ebenfalls eine recht gute Acquisition seyn; sie lassen sich nämlich mittelst einer mit einem Hahn versehenen, mit Knallgas gefüllten Thierblase ebenfalls leicht anfertigen und dann in diesem Zustande so zu sagen als Knallwürste lange Zeit aufbewahren, ohne daß man durch die überaus dünnen und durchsichtigen Wände derselben ein Entweichen des Gases zu befürchten hätte, und eben deßhalb verdienen sie, und auch schon wegen ihrer Wohlfeilheit und Gefahrlosigkeit beim Zerplazen, in dem Versuche, um die explosive Eigenschaft des Knallgases zu zeigen, vor den Thierblasen und den Kautschukballons den Vorzug. (R. Böttger in seinen Beiträgen zur Physik und Chemie, Frankfurt 1838.)

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