Titel: Ueber Hrn. Quentin Durand's Haus-Mahlmühle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 67, Nr. CII./Miszelle 4 (S. 392–393)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj067/mi067102_4

Ueber Hrn. Quentin Durand's Haus-Mahlmühle.

Bei den großen Fortschritten, welche man im Baue großer Mühlen machte, sind die kleinen Müller zurükgeblieben, und das Mahlen bei Hause verschwand beinahe ganz und gar: namentlich das Mahlen mit Steinen, die selbst Müller von Profession nicht immer zu dirigiren wissen. Da es auf abgelegenen Landgütern, Einöden u. dergl. selten an Triebkraft fehlt, und da man unter diesen Verhältnissen beinahe überall Muße genug hat, seinen Bedarf an Mehl selbst zu mahlen oder wenigstens das Getreide für die Hausthiere zu schroten, so beschränkt sich die Schwierigkeit, die der Einführung der Haus-Mahlmühlen im Wege steht, lediglich auf die Dirigirung dieser Mühlen: und namentlich auf die Ausfindigmachung einer einfachen Methode die Mühlsteine von einander zu entfernen oder sie einander anzunähern, ohne deren horizontale Stellung zu beeinträchtigen. Um dieses Ziel zu erreichen, hat Hr. Quentin Durand, Director der Fabrik für landwirtschaftliche Geräthe in Paris, dem man schon so viele Verbesserungen verdankt, die Dimensionen, das Kammrad, den gußeisernen Trilling mit hölzernen Randstäben der Ovide'schen Mühle, die unter allen kleinen Mahlmühlen mit Steinen eine der besten ist, angenommen. Er ersezte jedoch den alten beweglichen Ruheblok durch eine fixirte eiserne Brüke, und die um ihren Mittelpunkt bewegliche Pfanne durch eine gußeiserne, auf der Brüke fixirte vierseitige Büchse. An jeder der vier Seiten dieser Büchse ist eine Drukschraube angebracht, um damit am geeigneten Plaze eine gußeiserne Brille befestigen zu können, die in dieses Loch eingerieben ist, und zur Aufnahme einer gehärteten Pfanne dient, welche mittelst einer in der Mitte der vierekigen Büchse angebrachten Schraube ausgebohrt wird. Der Kopf dieser Schraube ist an einem kleinen gußeisernen Rade, womit sie in Bewegung gesezt wird, wenn man den Läufer höher oder niedriger stellen will, befestigt. Die aus abgedrehtem Eisen bestehende, und an ihrem unteren |393| Ende gestählte Spize der Welle des Drillings läuft in einer Pfanne in Oehl; sie geht durch den Bodenstein in einen gußeisernen Kasten, welcher 3 hölzerne Anwellen und 3 mit Werk und Fett gefüllte Büchsen enthält, so daß sie ohne eine bedeutende Reibung zu erleiden, beständig senkrecht erhalten wird. An dem Läufer befindet sich ein Mühleisen, welches in seiner Mitte das spize Ende der senkrechten Welle des Drillings aufnimmt. Unter dieser Spize ist ein Vierek angebracht, und an diesem befindet sich ein doppelter eiserner Haken, der das Mühleisen und mithin auch den Läufer, der sich auf der Spize wie die Magnetnadel eines Compasses im Gleichgewichte befindet, mit sich führt. – Aus dieser Anordnung folgt, daß eine solche Mühle eben so leicht zu handhaben ist, wie eine neuere Mühle. Um die Steine einander zu nähern oder von einander zu entfernen, braucht man nur die Centralschraube spielen zu lassen, denn dann bewegt sich der Läufer ohne aus dem Gleichgewichte zu kommen. Zum Behufe des Anschärfens kann der Läufer eben so leicht abgenommen, als wieder auf seine Spize gesezt werden. Das Mühleisen ist mit einem eisernen Agitator versehen; der Rumpfbaum ist aufgehängt, und mittelst neuer Vorrichtungen, die die Riemen unnöthig machen, beweglich gemacht; seine Spize ist durch eine hölzerne Verzahnung ersezt. Endlich ward an den Anwellen eine Einrichtung getroffen, welche ohne Beeinträchtigung der Festigkeit um zwei Bolzen weniger nöthig macht. (Aus dem Berichte des Hrn. L. Malepeyre im Journal de l'Académie de l'Industrie, August 1837.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: