Titel: Ueber die Verwendung des Gasöhls zum Auflösen von Kautschuk.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 67, Nr. CII./Miszelle 6 (S. 393–394)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj067/mi067102_6

Ueber die Verwendung des Gasöhls zum Auflösen von Kautschuk.

Das Gasöhl, welches aus dem Steinkohlen- oder Oehlgase durch Compression sich abscheidet und in den Anstalten für portatives Leuchtgas als Nebenproduct gewonnen wird, besteht bekanntlich aus mehreren ätherischen Oehlen von verschiedenem Siedepunkt und ist ein sehr gutes Aufweichungs- oder Lösungsmittel des Kautschuks. „Ich möchte es in dieser Hinsicht, sagt Prechtl (in Erdmann's Journal für praktische Chemie 1837, Nr. 20), jeder anderen ähnlich wirkenden Flüssigkeit vorziehen. So wie man dieses Oehl aus den Fabriken erhält, hat es eine etwas bräunliche Farbe, durch Rectification wird es jedoch vollkommen wasserhell und hat nun einen ätherartigen, wahrscheinlich durch eine Spur Kreosot modificirten Geruch. Uebergießt man mit demselben zerschnittenes Kautschuk oder Federharz, so schwillt lezteres in kurzer Zeit so sehr auf, daß es gelatinös wird |394| und nun in einer Reibschale, unter allmählichem Zusaz von etwas mehr Oehl, zu einem gleichförmigen Magma wird, das sich leicht zum Ueberziehen von Gegenständen aller Art anwenden läßt. Nach der Verflüchtigung des Oehls bleibt der Kautschuk mit allen natürlichen Eigenschaften zurük. Dieses Lösungsmittel ist dem präparirten Terpenthinöhl vorzuziehen, weil lezteres schwerer austroknet und wohl, wie der Geruch zeigt, nie ganz entfernt wird, wenn man die Kautschuklage nicht mit Weingeist behandelt; es ist auch dem Aether vorzuziehen (abgesehen von den Kosten), weil lezterer zu schnell verdunstet, daher die Manipulation mit der gelösten Masse erschwert wird. Ich habe nun schon seit drei Jahren solchen aufgeweichten Kautschuk in der Flasche, ohne daß eine Veränderung desselben sich zeigte, ein Beweis, daß jenes Oehl nichts enthält, was (wie dieses beim Terpenthinöhl der Fall ist) eine Veränderung oder Entmischung des Kautschuks herbeizuführen im Stande wäre. Das genannte Gasöhl ist auch für die Auflösung des Copals brauchbar, wenn es auf dieselbe Art angewendet wird, wie der Aether, nämlich zuerst zur Aufschwellung des Harzes (das damit gallertartig wird), dann unter Erwärmung mit allmählicher Zufügung kleiner Portionen erwärmten Alkohols.“

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