Titel: Ueber eine Verfälschung des Carmins, welche auch für die Malerei beachtungswerth ist.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 67, Nr. CXXIV./Miszelle 9 (S. 461–462)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj067/mi067124_9
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Ueber eine Verfälschung des Carmins, welche auch für die Malerei beachtungswerth ist.

Es findet sich jezt im Handel eine Sorte sehr schön farbigen und sehr theuern Carmins, welche nach Ehrenberg's Untersuchung (Poggendorff's Annalen, 1837, Nr. 12.) ihre schöne Farbe einer Verfälschung verdankt. Beim gewöhnlichen Malen mit dieser schönen Carminfarbe bemerkt man keinen Unterschied, allein unter dem Mikroskope besteht fast die Hälfte der Masse aus bloßem Stärkmehl (Weizenstärke), welches dem fein zertheilten Carmin einen hellen Grund und Glanz gibt, was beides seine Farbe sehr angenehm erhöht. Mischt man solchen Carmin in vieles Wasser, so vertheilt er sich darin und bleibt lange im Wasser suspendirt, und gießt man das Wasser ab, so hat man einen weißen Bodensaz wie beim Bleiweiß. Dieser Bodensaz ist Stärkmehl, welches sich auch mit Iodtinctur augenbliklich indigblau färbt und mit Wasser gekocht einen Kleister liefert. So ist denn in jenen Täfelchen die theure Carminmasse mit wohl etwa der Hälfte ihres Volums an roher Starke versezt, welche wahrscheinlich im breiartigen Zustande des Carmins in denselben eingeknetet wird, weil sie sonst zu Boden sinken oder unregelmäßig vertheilt seyn würde. Zusaz von Bleiweiß kann man durch das Gewicht erkennen, aber Zusaz von Stärkmehl nicht so leicht. Das Stärkmehl ist zwar ziemlich dauerhaft, erleidet aber doch in einer feuchten Atmosphäre nach und nach eine Zersezung, so daß die Versezung zarter Farben damit den Malern offenbar nicht conveniren kann. Rüksichtlich des Dekens verhält sich übrigens Stärkmehl anders als Bleiweiß. Es dekt weniger und naß fast gar nicht, weil es dann durchsichtig ist, während die Dekfarben ihre Eigenschaft durch beigemischte undurchsichtige, erdige oder metallische Theilchen erlangen.

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