Titel: Ueber Hoyau's Maschine zum Schleifen von Spiegeln etc.
Autor: Olivier, Théodore
Fundstelle: 1838, Band 70, Nr. II. (S. 4–22)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj070/ar070002

II. Bericht des Hrn. Theodore Olivier über die von Hrn. Hoyau, Ingenieur und Mechaniker in Paris, rue Saint-Martin No. 120, erfundenen Maschinen zum Schleifen von Spiegeln, optischen Gläsern, lithographischen Steinen etc.

Aus dem Bulletin de la Société d'encouragement. Mai 1838, S. 153.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Hr. Hoyau, der Erfinder der sinnreichen Maschine zur Fabrication von Haken oder Agrafen, hat der Gesellschaft Zeichnungen zweier Schleifmaschinen vorgelegt, von denen die, welche zur Ausführung ebener Flächen bestimmt ist, bereits wirklich arbeitet; während die andere, mit der man einen Theil einer sphärischen Oberfläche von beliebigem Radius ausführen kann, bisher nur in der Zeichnung vorliegt. Das beiden Maschinen zu Grunde liegende Princip kann auch Maschinen liefern, mit denen sich cylindrische Oberflächen, deren gerader Durchschnitt einen Radius von beliebiger Größe hat, oder Kegelschnitte, deren Winkel an der Spize ein spizer oder stumpfer seyn kann, vollbringen lassen. Hauptsächlich zeichnen sich diese Maschinen jedoch dadurch aus, daß man auf ihnen Stüke von sehr großen Dimensionen bearbeiten kann.

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Das Princip, von dem Hr. Hoyau ausging, ist streng richtig und führt, wie sich die Commission zu überzeugen Gelegenheit hatte, bei seiner Anwendung zur beinahe mathematischen Ausführung der ebenen Fläche. Es unterliegt keinem Zweifel, daß sich die Maschine zum Zurichten und Poliren von Marmor, Granit und anderen Steinen, von Eisen-, Kupfer- und anderen Metallplatten, kurz, zur Behandlung aller Stoffe eignet, auf welche die Wärme, die durch die Reibung des Schleifsteines hervorgebracht wird, keine nachtheilige Wirkung ausüben kann. Handelt es sich dagegen um das Zurichten und namentlich um das Poliren dünner Platten, wobei die Reibung nur auf die eine der Oberflächen wirkt, während die andere mittelst Aufkitten auf die um ihre Achse sich drehende Platte befestigt ist, so kann die auf die äußere Oberfläche einwirkende Wärme je nach ihrer Intensität und je nach der Beschaffenheit der zu behandelnden Substanz nach gewissen Richtungen und an gewissen Punkten einen Bruch dieser Platten bewirken, und zwar um so leichter, je schlechter die Substanz die Wärme leitet.

Die Commission hielt sich nicht für befugt, über die Anwendbarkeit der Maschine zum Spiegelschleifen abzuurtheilen; doch wünscht sie die in dieser Hinsicht angestellten Versuche mitgetheilt zu sehen, da nur länger fortgesezte Versuche die Frage zur Entscheidung bringen können. So wie die Maschine jezt ist, vollbringt sie das Zurichten und Poliren verschiedenartiger Substanzen mir Vortheil, diese mögen ihr in Gestalt von Blöken, von diken oder dünnen Platten oder in anderen Formen dargeboten werden.

I. Beschreibung der von Hrn. Hoyau erfundenen Maschinen zur Ausführung ebener, sphärischer, cylindrischer und anderer Oberflächen, welche Maschinen in der Spiegelfabrication, zum Schleifen optischer Gläser, zum Zurichten und Poliren von Marmor und anderen Steinen anwendbar sind.

Man war bisher, wenn man vollkommen ebene Flächen zu Stande bringen wollte, gezwungen, Leitungslinien zu benüzen, welche mehr oder minder gut ausgeführt waren, so daß also die Richtigkeit der Fläche gänzlich von jener eines Lineales, welches dem Werkzeuge als Führer diente, abhing. Wenn man aber auch wirklich mit aller Sorgfalt und Mühe eine gute Leitungslinie erzielt hatte, so verhinderten doch die Ausweichungen des Werkzeuges, daß die Fläche nicht vollkommen eben ausfiel. Man mußte daher, um auch noch die lezten Unebenheiten wegzuschaffen, zwei Flächen auf einander abreiben, und zwischen beide eine schleifende Substanz, wie Sand, Schmirgel, |6| Bimsstein, Zinnasche u. dgl. bringen. Dabei geschah es aber zuweilen, daß die Fläche concav oder etwas gewölbt ausfiel, je nachdem sich diese Substanz in Folge der Bewegung, in die der Arbeiter die zuzurichtenden Stüke versezte, gegen den Mittelpunkt oder gegen den Umfang hin ansammelte.

Ich dachte mir daher, daß man die Mittel zur sicheren Erzielung vollkommen ebener Flächen in einem anderen Principe und ohne Mithülfe von geraden Linien oder anderen bereits vollendeten derlei Flächen suchen müsse. Dadurch, daß ich diesem Principe eine größere Ausdehnung gab, ergab sich mir aber zugleich auch das Mittel zur Ausführung sphärischer Oberflachen von irgend einem beliebigen Radius, d.h. von Radien von einer Stunde und darüber angefangen bis zu Kugeln von einem Meter und selbst darunter.

Da von allen mit den Händen hervorgebrachten Arbeiten jene, die aus der Drehebank hervorgehen, der Vollkommenheit am nächsten kommen, so ward die Maschine nur aus den sorgfältigst abgedrehten Achsen, welche ohne Erschütterung in gut adjustirten Zapfenlagern liefen, zusammengesezt. Hieraus ergibt sich, daß eine vollkommen abgedrehte und richtig in ihren Anwellen ruhende Achse eine mathematisch richtige, unwandelbare und vollkommen fixe ist.

II. Theorie dieser Maschinen.

Die Geometrie lehrt, daß, wenn man einen Punkt A, Fig. 1, welcher unveränderlich auf der Linie BC fixirt ist, um diese Linie dreht, ohne daß diese dabei nach der Länge eine Veränderung ihrer Lage erleidet, dieser Punkt einen Kreisbogen beschreibt, welcher in einer auf die Linie senkrechten Ebene gelegen ist. Denkt man sich nun eine zweite, mit der ersten parallele, gerade Linie DE, Fig. 2, und fixirt man ABC auf unwandelbare Weise an dieser zweiten Linie, so werden, wenn man ABC um die Linie DE als Achse dreht, die Punkte ABC und überhaupt alle Punkte der Linie BC Kreise beschreiben, deren Ebenen auf DE senkrecht sind. Wenn sich aber, während ABC sich um DE dreht, der Punkt A gleichzeitig um BC drehen kann, so wird dieser Punkt A alle möglichen Punkte einer Ebene durchlaufen, die auf die beiden Linien BC und DE zugleich senkrecht ist, und deren Gränzen mit jenen eines Kreises zusammenfallen, dessen Radius der Entfernung zwischen den Linien BC und DE der Entfernung des Punktes A von der Linie BC gleich ist. Zwei ähnliche Systeme ließen sich auch auf die aus Fig. 3 ersichtliche Weise zusammensezen.

Wenn man anstatt zweier paralleler Achsen ihrer drei, BC, DE, FG, Fig. 4, oder irgend eine beliebige Anzahl annimmt, so bleibt |7| das Resultat dasselbe. Man kann diese Achsen auch von einander trennen, wie man in Fig. 5 und 6 sieht; denn wenn die beiden Achsen BC, DE einander parallel sind, wird der Punkt A immer eine auf dieselbe senkrechte Ebene beschreiben. Damit aber der Punkt A nach Fig. 5 eine Ebene erzeuge, muß man annehmen, daß die Linie DE um den Punkt D und die Linie CB um den Punkt B sich drehe, wobei die beiden Punkte D und B als unwandelbare Drehpunkte zu betrachten sind. In diesem Falle beschreibt also der Punkt A den Kreisbogen A'A', während die Achse DE bei ihrer Rotation dem Punkt A alle jene Punkte der auf sie senkrechten Ebene HI darbietet.

Nimmt man drei nach Fig. 6 verbundene, vollkommen parallele, senkrecht gedachte Achsen BC, DE, FG an; denkt man sich an dem oberen Ende der Achse FG eine auf sie vollkommen senkrechte Fläche HI; und nimmt man ferner an, daß sich die Achse BC nach ihrer Länge bewegen könne, so daß der Punkt A mit der Ebene H, I zusammenfallen kann, so wird, wenn man die Achse BC dreht, diese den Punkt A mit sich führen, so daß dieser auf der Fläche HI einen horizontalen Kreis A, A' beschreibt. Läßt man eben diese Ebene HI umlaufen, so wird der Punkt A ihre ganze Oberfläche durchlaufen, wobei jedoch vorausgesezt ist, daß das ganze System BCA um die Achse DE sich drehe.

Das Princip, dem ich bei der Zusammensezung meiner Maschinen folgte, ist demnach: Wenn irgend eine Anzahl paralleler Achsen, sie mögen unter einander verbunden seyn oder nicht, gegeben ist, so wird ein an irgend einer dieser Achsen fixirter Punkt einen auf sämmtliche Achsen senkrechten Kreis beschreiben.

Diesem Principe habe ich für den Fall, daß die Achsen nicht parallel sind, ein zweites, daraus abgeleitetes beizufügen, welchem gemäß ich anstatt ebener Flächen sphärische, kegelförmige oder cylindrische erzeugen kann. Nimmt man nämlich an, in Fig. 7 befinde sich die Achse BC in einer Ebene mit der Achse DE, so jedoch, daß sie mit lezterer irgend einen Winkel DKB bilde; denkt man sich ferner, daß das System CBA um die Achse BC sich drehe, und daß dasselbe zugleich auch um die Achse DE sich drehe, so wird der Punkt A eine Kugelfläche beschreiben, die ihren Mittelpunkt in K, nämlich da haben wird, wo die beiden Linien BC und DE zusammentreffen, wenn man sie verlängert. Um den Beweis hiefür zu liefern, hat man nur zu zeigen, daß der Punkt A immer von K gleich weit entfernt ist. Da sich die beiden Achsen BC, DE nicht nach ihrer Länge bewegen können, so ist offenbar, daß sie sich gerade so verhalten, als hätten sie ihren gemeinschaftlichen Drehpunkt in K |8| Die Achse BC beschreibt also einen abgestuzten Kegel um die Achse DE; und da die Achse BC ihre Stellung in der Längenrichtung nicht verändert, so wird der Punkt A den Umfang AA' der Basis eines Kegels beschreiben, dessen Spize sich in K befindet, wonach sämmtliche Punkte dieses Umfanges gleich weit von dem Punkte K entfernt sind. Anderer Seits wird, wenn sich das System ABC um die Achse DE dreht, ohne daß sich diese bewegt, der Mittelpunkt B' des von dem Punkte A beschriebenen Umfanges seine Entfernung von dem Punkte K nicht verändern. Der Punkt A wird demnach, welche Bewegung man dem Gesammtsysteme um die Achsen AB und DE geben mag, vorausgesezt, daß diese Achsen in der Längenrichtung unbewegt bleiben, stets gleich weit von dem Punkte K entfernt seyn. Man könnte in die Richtung von AK auch noch eine Achse bringen, welche das Werkzeug trüge, womit man die Kugelfläche arbeiten lassen will, wie dieß später angegeben werden soll. Endlich wird, wenn man eine durch den Punkt K gehende Achse GF, welche sich um die Punkte GF dreht, anbringt, und wenn sich auf der Oberfläche H irgend ein Körper befindet, aus diesem mittelst des am unteren Ende der Achse BC befestigten Werkzeuges eine Kugel gebildet werden.

Es ist klar, daß man durch Abänderung der Neigung der Achsen den Punkt, in welchem beide zusammentreffen, sehr weit entfernen kann. Man wird dieß deutlicher sehen, wenn die Anordnung der Maschine, die nach diesem Principe gebaut ist, angegeben wird.

Fig. 8 zeigt die zur Bildung eines Kegels bestimmte Anordnung. Denn, wenn man der Achse FG eine Neigung gibt, so wird der Punkt A, der eine ebene Fläche durchläuft, auch eine gerade Linie ziehen, so daß er also den Kegel SHI bilden kann.

Wenn man endlich die Achse FG horizontal stellt, wie man sie in Fig. 9 sieht, und wenn die beiden anderen Achsen BC, DE senkrecht stehen, so wird der Punkt A die Oberfläche eines Cylinders bilden.

Mein zweites Princip lautet demnach wie folgt: Wenn drei Achsen BC, DE, GH in einen Punkt K zusammenlaufen, so wird ein mit der Achse BC verbundener Punkt, welcher einen Kreis um diese Achse beschreiben kann, eine Kugelfläche erzeugen, die ihren Mittelpunkt in dem Vereinigungspunkte der Achse hat. Schon die beiden Achsen BC und DE allein genügen zu diesem Zweke, wenn die Oberfläche, auf die der Punkt A wirkt, unbeweglich ist.

Mein drittes Princip ist: Wenn zwei parallele Achsen BC, DE gegeben sind, und wenn sich ein mit der Achse |9| BC verbundener Punkt A um die Achse drehen kann, so wird, wenn man eine dritte Achse FG in die Ebene der unbeweglichen Achse D, E bringt, und wenn die Achse FG schief gegen DE gestellt ist, der Punkt A beim Umdrehen der Achse FG die convexe Oberfläche eines Kegels beschreiben.

Mein viertes Princip, welches eigentlich nur eine Folge des eben gegebenen ist, weicht von diesem nur darin ab, daß sich die Achse FG zugleich in der Fläche DE und auf lezterer senkrecht befindet, wodurch der Kegel zum Cylinder wird.

Der allgemeine Ausdruk für das meiner Erfindung zum Grunde liegende Princip ist demnach: eine Verbindung paralleler oder gegen einander geneigter Achsen zur Bildung ebener, sphärischer, kegelförmiger oder cylindrischer Oberflächen.

III. Beschreibung der nach dem Principe von Fig. 5 gebauten Maschine, welche zum Spiegelschleifen benuzt wurde.

Die in Fig. 10 im Aufrisse dargestellte Maschine besteht aus zwei Haupttheilen, von denen ich den einen den Tisch (banc) und den andern den Flügel (volet) nennen will. Der Tisch besteht aus einer senkrechten, kegelförmigen, hohlen, aus Eisen gegossenen Welle A, die sich nach Unten in einen kugelförmigen Zapfen aus gehärtetem Stahle B endigt. In ein kegelförmiges, in der Welle angebrachtes Loch ist dieser Zapfen fest eingefügt und durch einen Stift bei C festgehalten. Der Zapfen, der mit der Welle A gleichsam ein Stük bildet, läuft in einer gleichfalls kugelförmigen Pfanne D aus gehärtetem Stahle. Zapfen und Pfanne müssen nach der Härtung gut in einander gerieben werden, damit sie vollkommen in einander passen. Die Pfanne D befindet sich in einer gußeisernen Büchse E, welche rings um die Pfanne herum einen Raum von 6 Linien läßt. Vier eiserne Schrauben, welche in die vier Seiten der Büchse geschraubt sind, dienen zur Veränderung der Stellung der Pfanne und zur gehörigen Centrirung derselben, wie dieß später bei der Adjustirung der Maschine deutlicher erhellen wird. Die Büchse E ruht mit vier gußeisernen Füßen auf einem starken Steine F, in den die Füße mit einem aus Eisenfeile, Schwefel, Blei oder auf irgend andere Weise zusammengesezten Kitte fest eingefügt sind. Die Pfanne ist in einem Keller unterzubringen, in den man durch die Fallthüre A' und über die Treppe B' hinab gelangt.

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In senkrechter Richtung über dem Steine F bemerkt man einen zweiten, sehr starken Stein G, der fest in den Boden eingemauert ist. Durch diesen Stein ist ein vierekiges Loch gebohrt, durch welches die Welle A geht, und in welchem der obere Halsring der Welle fixirt ist. In Fig. 11 und 12 sieht man diesen Halsring im größeren Maaßstabe im Durchschnitte und im Grundrisse gezeichnet. Fig. 13 zeigt, wie die Lappen L an der Welle A, die hier in einem senkrecht gegen die Achse genommenen Durchschnitte abgebildet ist, befestigt sind.

An dem oberen Theile bildet die Welle einen etwas dikeren Kegel, als an ihrem Körper. Dieser Kegel ist eben so gedreht, wie der untere Zapfen. Der Halsring H, Fig. 11 und 12 bildet ein vierekiges, gußeisernes Stük, welches innen in Form eines Kegels ausgebohrt ist, so daß die kegelförmige Welle genau hineinpaßt. Beide Theile müssen, damit sie genau passen, in einander gerieben werden. Dieser Halsring ist in einen vierekigen Rahmen I eingesezt, in dessen Seiten und zwar gegen die Enden der Seiten hin acht Schrauben eingebohrt sind. Mit diesen Schrauben wird die Stellung des Halsringes H bestimmt, und damit ihm hiebei genügender Spielraum gegegeben ist, ist zwischen dem Rahmen und dem Halsringe rings herum ein Raum von 6 Linien gelassen. Der Rahmen hat 8 Füße, die wie die Füße der unteren Pfanne in die in dem Steine G angebrachten Löcher eingelassen sind.

Unter dem Halsringe H ist ein sehr starker gußeiserner Ring K, Fig. 11, angebracht; und um diesen zu tragen, sind auf der Welle diametral einander gegenüberstehend, zwei Lappen L, welche zwei Schrauben M haben, deren Enden, welche kleine Cylinder bilden, in cylindrische, in den Ring K gebohrte Löcher passen, damit auf solche Weise der Ring getragen wird, während zugleich auch seine Höhe regulirt werden kann. Wenn die Welle umläuft, so führt sie den Ring K mit sich; da jedoch dieser an den Halsring angelegte Ring genau abgedreht ist, so hört er deßhalb nicht auf, den Halsring zu tragen.

Ueber dem kegelförmigen Theile befindet sich ein aus Fig. 10 ersichtlicher, großer Absaz N, von dem aus die Welle in cylindrischer Gestalt fortläuft. Auf diesem Absaze ruht eine große gußeiserne Platte O, deren mittlerer Theil den hohlen Cylinder P bildet, dessen Durchmesser um einen Zoll größer ist, als jener des Cylinders am Ende der Welle, und der zur Aufnahme des Zapfens der Welle dient. Um beide Stüke mit einander zu verbinden, wird der Zwischenraum mit einem Kitte aus Eisenfeile ausgefüllt. Von dem |11| hohlen Cylinder P laufen acht platte Speichen2) aus, deren Breite gegen ihre Enden hin abnimmt, und welche durch zwei Reifen, an denen sich, um sie minder biegsam zu machen, Rippen befinden, zusammengehalten werden. Unter der Platte O bemerkt man die horizontale Rolle Q, die mit Schrauben an den einzelnen Speichen fest gemacht ist. Oben auf sie hingegen sind vier große, mit Gyps eingesezte und mit einem eisernen Reifen R umgebene Steine gebracht. Zum Anziehen dieses Reifens dienen Schließkeile.

Das über dem Tisch befindliche Stük, welches ich den Flügel nenne, besteht aus einem großen gußeisernen Rahmen, den man in Fig. 14 im Profil und in größerem Maaßstabe gezeichnet sieht. Er hat die Form eines Trapezes, durch welches mehrere in diagonaler Richtung angebrachte Querstüke gezogen sind. Damit sich leztere nicht so leicht biegen, sind sie mit starken Rippen versehen. An der großen Seite des Trapezes befinden sich die vier Halsringe S, deren innere Gestalt man aus dem Durchschnitte, Fig. 15, ersieht, und welche zur Aufnahme einer hohlen gußeisernen Welle T dienen. An dem unteren Ende dieser Welle befindet sich ein ähnlicher Zapfen, wie er oben bei der Welle A beschrieben wurde. Dieser Zapfen läuft in einer Pfanne U, welche der Pfanne D gleichfalls ähnlich ist, und die in eine Büchse eingesezt ist, welche einen Theil des gußeisernen Stuhles V bildet. Durch die vier Seiten der Büchse gehen die Schrauben X, welche zum Feststellen der Pfanne dienen. Die Büchse ist rings herum um 6 Linien weiter als die Pfanne, damit man der Pfanne eine beliebige Stellung geben kann. Der Stuhl V, den man in Fig. 10 von Vorne und in Fig. 14 und 15 im Profile sieht, ist mit vier Bolzen Y an einer Mauer befestigt, welche der gehörigen Festigkeit wegen wenigstens 2 1/2 bis 3 Fuß Dike haben muß.

Der obere Theil der Welle T nimmt einen Zapfen Z auf, der die Einrichtung des oben beschriebenen Zapfens hat, und der auch mit der möglich größten Genauigkeit eben so abgedreht ist. Dieser Zapfen Z ruht in einem Lager a, welches man in Fig. 14 im Profile sieht, und welches eine Kugel vorstellt, die nach einer durch die Achse des hohlen, den Zapfen Z aufnehmenden Cylinders gelegten Fläche durchschnitten ist. Es befindet sich in einer Büchse oder in einem Halsringe b, dessen eine Hälfte einen Stuhl bildet, der, gleich dem Stuhle V, mit drei durchgehenden Bolzen Y' an der erwähnten Mauer fest gemacht ist. Mit dem Stuhle ist endlich durch zwei |12| Schrauben der Hut verbunden, der zum Zusammendrüken des Lagers dient. Diese beiden kugelförmig ausgehöhlten Theile nehmen das kugelförmige Lager auf, welches sich in senkrechter Linie über der Pfanne befinden muß.

Die durch die vier Halsringe S gehende cylindrische Welle T wird durch einen Absaz c, auf dem der Halsring ruht, festgehalten. Sie ist ferner mit Eisenfeilkitt so in diese vier Halsringe eingelassen, daß sie mit dem Flügel gleichsam nur einen Körper bildet, um den sich der Flügel dreht.

An der kleinen Seite des Trapezes befindet sich unten ein Halsring d, der dem oberen Lager der Welle T vollkommen ähnlich gebildet ist. An dem oberen Theile derselben Seite bemerkt man dagegen einen starken gußeisernen Manchon e, der mit dem Flügel gleichsam aus einem Stüke besteht, und in dem sich ein Halsring befindet, der sogleich näher beschrieben werden soll. Dieser Halsring, dessen Details man in Fig. 16 und 17 sieht, kommt in seiner Anordnung jenem gleich, der den Zapfen der Achse des Flügels aufnimmt; d.h. er ist so wie dieser geschnitten, und unterscheidet sich bloß durch seine Gestalt von ihm. Anstatt nämlich eine kugelförmige Oberfläche zu besizen, bietet er zwei Kegel dar, die mit ihren großen Basen gegen einander gekehrt sind, und zwischen denen sich eine sphärische Zone befindet, welche eine Art von kreisrundem Wulste bildet. Zwei Ringe f, die innen nach demselben Kegel ausgebohrt sind wie der Halsring, sind zu beiden Seiten angebracht und werden einander mittelst drei oder vier Schrauben so genähert, daß durch Anziehen dieser Schrauben auch die beiden Theile des Halsringes näher an einander treten. Nur muß man, damit diese Ringe wirken, zur Seite der Schrauben die beiden Flächen der Kegel so abplatten, daß die Ringe nur auf die Enden jenes Durchmessers wirken, der auf der Fläche, welche den Halsring in zwei Theile theilt, senkrecht steht. In Folge dieser Einrichtung werden, wenn man die Schrauben anzieht, die beiden Hälften des Halsringes einander mit Gewalt genähert, während zwei kegelförmige Schrauben deren Entfernung von einander so reguliren, daß der Welle, die sie aufnehmen, kein Spielraum gestattet ist, daß sie aber eben so wenig eine Compression erleidet.

Auf der Hälfte der Höhe sind in den Manchon e, Fig. 14, vier Schrauben g eingesezt, welche nach senkrechten Durchmessern gestellt sind. Diese Schrauben, die sich in kleine Cylinder endigen, werden von vier in den oben erwähnten Wulst gebohrten Löchern aufgenommen, deren Durchmesser größer ist als die am Ende der Schrauben befindlichen Zapfen und kleiner als die Körper dieser |13| Schrauben. Der Halsring ist demnach auf solche Weise in der Mitte des Manchon fixirt; seine Stellung kann aber mittelst der vier Schrauben g abgeändert werden.

Die Halsringe d und e, Fig. 14 und 16, dienen zur Aufnahme einer Welle h, an welcher das gußeiserne Stük i, welches ich den Läufer (moellon) nennen will, und welches zum Abschleifen der Spiegel bestimmt ist, angebracht ist. Dieser Läufer besteht aus zwei Theilen. Der eine von diesen, den ich den Trichter (entonnoir) nenne, bildet einen umgekehrten hohlen Kegel k, in dessen Innerem sich drei Arme befinden, die sich in der Mitte zur Dülle j vereinigen. Das kegelförmige Loch dieser Dülle dient zur Aufnahme des unteren Endes der Welle h; und an dieses Ende, welches mit einem Schraubengewinde versehen ist, wird zum Behufe der Fixirung der Dülle an der Welle h die hutartige Mutter k' geschraubt. Der durch die Welle gestekte und in zwei an der Dülle angebrachte Einschnitte eindringende Schließkeil l verhüter das Umlaufen der Dülle und ein allenfalls durch die Reibung bedingtes Losschrauben der Mutter. Unter dem Trichter k ist die Platte oder der Läufer i befestigt, der drei den Armen des Trichters entsprechende Brazen hat. Durch jede dieser Brazen geht ein Bolzen, wodurch der Läufer auf solche Art mit dem Trichter verbunden wird, daß er gleichsam nur ein Stük mit demselben auszumachen scheint. In der Mitte des Läufers befindet sich ein Loch, welches dem Grunde des Trichters gleichkommt, und welches, wie man aus Fig. 16 sieht, gleichwie der äußere Ring des Läufers schräg geschnitten ist.

An dem oberen Theile der Welle h, die man in Fig. 16 und 17 im Durchschnitte sieht, befindet sich ein Stük m, welches die Gestalt eines Halsringes oder Absazes hat, mittelst eines Schließkeiles an der Welle befestigt ist, und das ich den Zapfen (pivot) nennen will. Der untere Rand dieses aus gehärtetem Stahle verfertigten Stükes ruht in einer kreisrunden Kehle, welche in die gleichfalls aus Stahl gearbeitete Kapsel n geschnitten ist. Der untere Theil dieser Kapsel, welche ich die Pfanne (crapaudine) nenne, hat eine kugelartige Wölbung; ihre Ränder sind aufgebogen, damit sie das Oehl, in welchem der Zapfen badet, fassen kann. Diese Pfanne ruht auf der aus Gußeisen gearbeiteten Unterlage o, welche brillenartig geformt ist, und durch die sowohl die Welle h als auch die beiden Arme p sezen. Leztere, die sich zu beiden Seiten befinden, werden zwischen den beiden platten Stüken q, die einen Theil des Manchen e ausmachen, und die man in Fig. 14 sieht, festgehalten. Diese beiden Stüke stehen durch einen platten horizontalen Theil mit dem Manchon in Verbindung und bilden Muttern für die beiden |14| Schrauben r, welche die Arme der Brillen tragen und zur Regulirung der Höhe der Pfanne dienen. An dem unteren Ende dieser Schrauben sind die beiden horizontalen Räder s, s, Fig. 17, aufgezogen; und diese greifen in zwei endlose Schrauben, die an einer und derselben Spindel angebracht sind. Leztere läuft in Hälsen, welche durch zwei, über und unter den Centraldüllen der Räder angebrachte Arme mit den Schaften zusammenhängen, und die also ein System bilden, welches der Bewegung der beiden Räder folgt, und welches sich demnach mit ihnen hebt oder senkt. Das Ende der Spindel der endlosen Schrauben läuft durch ein Zifferblatt s', welches in 15 Theile eingetheilt und mit einem Zeiger versehen ist. Da die Schrauben r Gänge von 1 1/2 Linien haben, und da die Räder der endlosen Schrauben 100 Zähne führen, so bewirkt jeder Zahn ein Steigen oder Sinken der Schrauben um 15 Tausendstel einer Linie. Jede Abtheilung des Zifferblattes bewirkt also, da sie 1/15 Umgang der endlosen Schraube oder 1/15 Zahn gibt, daß die Schrauben um den tausendsten Theil einer Linie steigen oder sinken. Hieraus erhellt, daß man die Höhe der Welle und mithin auch jene des Läufers i mit großer Genauigkeit reguliren kann.

Da ich für nöthig erachtete, daß der Druk des Läufers verändert werden könne, so brachte ich, um ihn ins Gleichgewicht zu sezen, folgende Vorrichtung an. Zu beiden Seiten der Pfanne n bemerkt man in die Unterlage o die beiden Schrauben t eingelassen, welche sich in Ringe endigen. Diese Ringe dienen zur Aufnahme zweier Haken, und diese Haken sind Verlängerungen der beiden Schenkel einer Gabel oder eines Halbmondes u. Beide Schenkel vereinigen sich in den Balken v einer Schnellwaage, der seinen Stüzpunkt in einem Zirkelkopfe hat, durch den ein Bolzen sezt, welcher zugleich auch durch den Balken dringt. Dieser Kopf befindet sich an dem Ende einer Schraube x; und diese Schraube geht durch den Ring y, dessen Schwanz in den Manchon e geschraubt ist. Eine über und unter diesem Ringe angebrachte Mutter und Gegenmutter dienen zur Regulirung der Höhe des Stüzpunktes der Schnellwaage, um denselben mit der Stellung der Pfanne in Einklang zu bringen. Das Gewicht z endlich vermindert oder erhöht den Druk des Läufers, je nachdem man es von dem Stüzpunkte entfernt oder demselben annähert.

Ich habe nach dieser Beschreibung des Mechanismus nur noch zu zeigen, wie der Läufer i und die große Steinplatte O mittelst der ausgekehlten Rolle Q in Bewegung gesezt wird. Man bringt nämlich außerhalb der Maschine und gehörigen Ortes eine senkrechte Welle a', Fig. 10, an, welche von den Halsringen b', b', die an derselben Mauer befestigt sind, wie der Flügel, festgehalten wird. Den oberen |15| Theil dieser Welle versieht man mit einem Winkelgetriebe c', welches von irgend einer Triebkraft in Bewegung gesezt wird. Dieses Getrieb soll frei an der Welle laufen; damit es jedoch leztere umtreibe, ist an einem vierkantigen Theile derselben ein Verkuppelungsmechanismus d' anzubringen, dessen beide vorspringenden Enden in den von den Armen oder Radien des Getriebes gebildeten Raum eindringen. Das Stük d' trägt eine Kehlenrolle, welche einen eisernen, mit zwei kleinen Zapfen ausgestatteten Ring aufnimmt. Diese beiden Zapfen dringen in zwei kleine Gabeln, die an den beiden Enden des Halbmondes, dessen Drehpunkt gehörig fixirt ist, angebracht sind. An dem Ende des Hebels e' kann man den Mechanismus verkuppeln oder ausheben.

Der untere Theil der Welle a' fährt die beiden ausgekehlten Rollen f', f'', die nicht von gleichem Durchmesser sind. Die größere dieser Rollen pflanzt die Bewegung an den Läufer fort; die kleinere dagegen entspricht der großen Rolle Q der Platte. Beide Rollen sind an einem cylindrischen Theile der Welle aufgezogen, und werden mittelst Schließkeile, welche durch die Düllen sezen und auf einen abgeplatteten Theil der Welle drüken, festgehalten. Dieser abgeplattete Theil ist länger als der Schließkeil, wodurch man in Stand gesezt ist, die Höhe der Rollen zu verändern, damit sie stets genau mit jenen, die sie in Bewegung zu sezen haben, correspondiren.

Die Rolle f' sezt die Rolle g', deren Mittelpunkt sich mit der Welle des Flügels in einer und derselben mathematischen Achse befindet, in Bewegung. Leztere ist, wie Fig. 14 zeigt, an einem Zapfen oder Bolzen h' aufgezogen, der mittelst einer Schraubenmutter an dem Ende einer langen Stange i' festgemacht ist. Dieser Bolzen sezt ferner auch durch ein Loch, welches durch die centrirte Eisenstange k', deren Enden in eine Mauer eingelassen sind, gebohrt ist. Er kann sich daher in dem Loche drehen, während er durch die Centraldülle der Rolle g', der er als Achse dient, auf der Stange unbewegt bleibt. Die Rolle g' ruht auf einer Scheibe, die mittelst eines runden Stiftes l' festgehalten wird. Zu lezterem Zweke und mm also die Rolle g' in gehöriger Höhe stellen zu können, sind in die Achse in verschiedenen Höhen Löcher gebohrt. Die Rolle g' steht aber ferner mit dem Zahnrade m' in Verbindung, welches das Rad n' treibt, das seinerseits das an der Welle des Läufers befindliche Zahnrad o' in Bewegung sezt.

Auf der Stange i' befindet sich eine Dülle p', durch welche die Welle h läuft, und die mit einer Schraubenmutter befestigt ist. Die Stange i' ist übrigens noch über diese Dülle hinaus verlängert, und |16| endigt sich in einen hölzernen Griff, womit der Arbeiter den Flügel dreht und die Stellung des Läufers verändert. Auf ihr ist ferner auch der hölzerne Trichter q' befestigt, welcher den Schmirgel oder die sonstige Schleifsubstanz enthält, und welcher mit einer Fallthüre versehen ist, die man mehr oder weniger öffnet, je nachdem man mehr oder weniger von dieser Substanz ausfließen lassen will. Die Rinne r' leitet sie hiebei in den Trichter k.

Da Wasser die Wirkung der schleifenden Substanz begünstigt, so ist auch eine Bleiröhre s'' angebracht, die mittelst eines ledernen, durch die Deke geführten Schlauches mit einem Wasserbehälter communicirt. An dieser Röhre befindet sich auch ein Hahn t', den man mehr oder weniger öffnet, damit er mehr oder weniger Wasser ausfließen läßt. Die Röhre, welche mit kleinen Bändern längs des Flügels festgemacht ist, leitet das Wasser in den Trichter.

Nachdem ich nun den Bau der Maschine in allen ihren Details beschrieben, habe ich nur mehr deren Spiel, welches sehr einfach ist, zu erläutern. Ich seze hiebei voraus, daß die Welle a' durch die Triebkraft in Bewegung gesezt ist; daß die beiden Rollen f', f'' den Läufer und die große Platte O so wie die Steintafel, welche diese bedekt, umtreiben, und daß der Sand aus dem Trichter q' in den Trichter des Läufers i fließe, in den zugleich auch das Wasser gelangt. Das Gemenge aus Sand und Wasser tritt nämlich dann unter den Läufer, der, indem er umläuft, den Spiegel abschleift, welcher auf gewöhnliche Weise auf die Steintafel, die man den Tisch zu nennen pflegt, gekittet ist. In dem Maße, als die Spiegel, die Marmor-, Stein- oder Metallplatten abgeschliffen werden, senkt man den Läufer herab, indem man die endlosen Schrauben dreht, welche die Bewegung an die Räder s und dann an die beiden Schrauben r, r, an denen sie befestigt sind, fortpflanzen.

Dem gemäß, was oben bei der Begründung des mathematischen Principes der Maschine aufgestellt worden ist, müssen die Achsen der Platte, des Flügels und des Läufers unter einander parallel seyn. Um ihnen diese Stellung geben zu können, wurden die Pfannen sowohl als die Halsringe beweglich gemacht. Der Parallelismus wird Statt finden, wenn sie alle drei senkrecht stehen; denn ihre Entfernungen von einander sind so gering, daß die durch die Kugelform der Erde bedingte Verschiedenheit ihrer Neigung (!) unmerklich ist.

Um nun alle diese Achsen vollkommen senkrecht zu stellen, bediene ich mich einer Wasserwaage, welche wenigstens bis auf eine Secunde empfindlich ist. Ich seze sie auf die große Platte und lasse sie umdrehen; wäre die Welle nicht vollkommen senkrecht, so würde |17| die Luftblase bei den verschiedenen Stellungen der Platte ihren Ort verändern. Ich bringe die Wasserwaage ferner auf die Platte, und zwar nach einem Durchmesser, der in der Richtung zweier entgegengesezter Schrauben gelegen ist. Wenn dann die Luftblase durch Aufheben der Wasserwaage bis in die Mitte der Röhre gebracht worden ist, was ein vollkommen ebenes Niveau andeutet, so lasse ich die Platte um den halben Umfang drehen. Bleibt die Blase hiebei auf einem und demselben Punkte stehen, so ist dieß ein Zeichen, daß die Welle senkrecht ist auf einer in der Ebene von einer Schraube zur anderen gezogenen geraden. Würde die Luftblase dagegen ihren Ort verändern, so bewege ich die Pfanne mittelst zweier Schrauben der Büchse E, wo dann der Zapfen und mit ihm auch die Welle ihre Stellung verändert. Hierauf wiederhole ich die Probe mit der Wasserwaage, und zwar so oft, bis die Blase bei zwei entgegengesezten Stellungen der Platte ihren Ort nicht mehr verändert, und bis sich also die Achse in einer auf der Horizontalebene senkrechten Ebene befindet. Ebenso verfahre ich in Betreff jenes Durchmessers, der senkrecht auf ersterem steht, und wenn die Wasserwaage nach diesen vier rechtwinkeligen Stellungen der Platte keine Abweichung zeigt, so ist dieß ein Beweis, daß die Achse senkrecht steht; und diese senkrechte Stellung wird so vollkommen seyn als die Horizontalebene, d.h. wenn die Empfindlichkeit der Wasserwaage bis auf eine Secunde reicht, so wird die Achse gleichfalls wenigstens bis auf eine Secunde eine richtige Stellung haben. Eine Neigung im Betrage einer Secunde ist aber eine so unbedeutende Differenz, daß sie bei den von der Maschine gegebenen Distanzen ganz unmerklich wird. So hat bei einem Radius von 57 Fuß der Grad beiläufig einen Fuß, was für eine Secunde 1/3600 eines Fußes oder 1/25 Linie gibt; und da die Platte 9 Fuß im Durchmesser, mithin 4 1/2. Fuß Radius hat, so gibt dieß in dem Verhältnisse von 4 1/2 zu 57 einen Irrthum von weniger als 1/25 oder beiläufig von 1/300 Linie.3) Noch kleiner wird übrigens der Irrthum, wenn man die Adjustirung so weit treibt, daß die Luftblase keine Ortsveränderung erleidet, in welche Stellung man die Platte auch bringen mag. Da der Halsring H sich mit der Welle bewegt, so folgt auch er den Aenderungen, welche in der Stellung der Pfanne D vorgenommen werden.

Die Adjustirung der Rotationsachse des Flügels hat ganz auf dieselbe Weise mittelst der beweglichen Pfanne, in welcher der Zapfen ruht, zu geschehen; und da der obere Halsring a, Fig. 14, eine kugelförmige Gestalt hat, so läuft er in seiner Hülse so, daß er |18| allen den Stellungen folgt, welche man der Welle gibt, indem man die Pfanne in Bewegung sezt.

Endlich muß auch noch die Welle des Läufers auf gleiche Weise in senkrechter Stellung adjustirt werden, wobei man zur Veränderung der Stellung der Welle die vier Schrauben g des Manchon e benuzt, und wobei der untere Halsring in Folge seiner Kugelform allen Bewegungen, die man der Welle h gibt, folgt.

Die erste Operation, die man, wenn man sich der Maschine bedienen will, zu vollbringen hat, ist das Zurichten des Schleiftisches. Man senkt zu diesem Zweke den Läufer mittelst der Schrauben r herab, bis er den Tisch berührt, läßt Sand und Wasser zufließen, und führt den Läufer über alle Theile des Tisches. Es gelingt auf diese Weise dem Steine eine solche Zurichtung zu geben, daß man auch mit einem aus der Hand des geschiktesten Arbeiters hervorgegangenen Richtscheite keinen Fehler entdeken kann; ja, daß man vielmehr mit der erzeugten Fläche die Fehler des Richtscheites auffinden wird.

Ich habe mit der beschriebenen Maschine innerhalb 12 Stunden 50 Fuß Spiegeloberfläche geschlissen, und zwar so vollkommen, daß auf keine Weise irgend ein Fehler daran zu entdeken war. Ich habe die geschliffene Spiegelfläche umgekehrt auf den Tisch gekittet und dann die Kehrseite gleichfalls geschliffen; die Folge war, daß leztere Seite vollkommen parallel mit ersterer ausfiel. Meine Maschine ist demnach von größter Wichtigkeit für die Spiegelfabrication, da sie in viel kürzerer Zeit eine Arbeit liefert, die mit aller möglichen Sorgfalt von Menschenhänden nicht von solcher Vollkommenheit erzeugt werden kann. Die mit ihr geschliffenen Spiegel geben nie jene Verzerrungen der Bilder, die an den gewöhnlichen Spiegeln nicht so gar selten vorkommen. Wenn man zwei gewöhnliche Spiegel gegenüberstellt, so geschieht es häufig, daß die Gegenstände, nachdem sie einige Male reflectirt worden sind, eine Verzerrung erleiden, so daß das, was eine Verzierung hätte seyn sollen, oft eine unangenehme optische Wirkung hervorbringt.

Die Maschine, Fig. 18, welche nach der unter Fig. 13, 17 und 18 erläuterten Theorie gebaut ist, besteht aus zwei mit einander verbundenen Flügeln A, B. Der Parallelismus der Achsen ist mit denselben Mitteln, wie sie oben angegeben wurden, hergestellt. Die Welle C ist ebenso adjustirt, wie die Achse des Flügels der ersten Maschine. Die zweite Welle D ist auf der anderen Seite des Flügels A ebenso adjustirt, und auch durch dieselben Mittel mit dem zweiten Flügel B verbunden. Die Welle E endlich ist ebenso aufgezogen wie jene des Läufers der oben beschriebenen Maschine. Bei dieser Einrichtung kann der Läufer auf alle Punkte der Fläche F gelangen, |19| die von dem Mittelpunkte der Welle A aus mit einem der Summe der Breite beider Flügel gleichkommenden Radius gezogen ist. Alle übrigen Theile des Läufers und der dazu gehörigen Apparate kommen den bereits beschriebenen gleich.

Die zur Ausführung sphärischer Oberflächen bestimmte Maschine erhellt aus Fig. 19. Sie unterscheidet sich, was die Stellung ihrer Haupttheile anbelangt, von der oben ausführlich beschriebenen nur dadurch, daß die Welle des Läufers an ihrem unteren Theile durch einen Halsring A läuft, der sich um seine Achse dreht. Dieser Halsring ist jenem, der sich an dem oberen Theile der Welle des Läufers der beschriebenen Maschine befindet, vollkommen ähnlich, und unterscheidet sich nur dadurch, daß der Kegel oder die Hülse einen Zapfen hat. Diese Zapfen selbst sind beweglich, damit man die Achse adjustiren kann; d.h. damit sich das Stük in der durch die Achse der Läuferwelle und die Linie der Zapfen gelegten Ebene schwingen kann.

Die Welle B der Platte C hat einen Halsring, dessen Adjustirung jener der ersteren Maschine gleich ist; allein die Hülse hat gleichfalls Zapfen, die von starken, in den Stein E eingelassenen Halsringen aufgenommen werden. Die Pfanne F ist auf einem Kreisbogen G beweglich und läßt sich auf diesem an jedem beliebigen Punkte fixiren, damit man der Welle die gehörige Neigung zu geben im Stande ist. Da die drei Bogen in einem und demselben Punkte H zusammentreffen müssen, so adjustire ich sie, indem ich die von dem Flügel I und der großen Platte C gezogenen Kreise einander an zwei Punkten begegnen lasse.

Zu demselben Resultate könnte man auch mittelst der in Fig. 20 ersichtlichen Maschine gelangen, an der die beiden, in eine und dieselbe Linie gebrachten Wellen A, B senkrecht bleiben, während nun die Neigung der Welle C in einer senkrechten, durch die Wellen A, B gelegten Ebene eine Veränderung erleidet. Ich glaube sogar, daß diese leztere Einrichtung den Vorzug verdient, da sie nur an einer Welle eine Veränderung der Stellung erheischt. Um diese Welle so zu adjustiren, daß sie auf die beiden anderen trifft, hat man sich zuerst mittelst der Wasserwaage zu vergewissern, daß diese senkrecht stehen. Hierauf soll man auf die Platte der Welle A ein fixirtes Stük, welches einen horizontalen Kreis beschreibt, bringen, und dann, indem man einen anderen Punkt auf dem Flügel befestigt, durch Abänderung der Richtung der Welle C bewirken, daß der Kreis, den dieses Stük bei der Bewegung des Flügels um diese Welle beschreibt, genau mit dem von den beiden anderen beschriebenen Kreise zusammentrifft. In diesem Falle wird sich die Welle C mit der Welle A in einer und derselben Ebene befinden; denn die um diese Wellen |20| beschriebenen Kreise gehören, da sie einander treffen, einer und derselben Kugel an. Um endlich auch die Welle B zu adjustiren, braucht man nur einen fixen Punkt auf dem Läufer zu nehmen; sich zu überzeugen, daß dieser Punkt einen Kreis beschreibt, der mit jenem der Platte concentrisch ist; und endlich auch mittelst der Wasserwaage sich ihrer senkrechten Stellung zu versichern.

Mit diesen Adjustirungsmitteln kann man den Wellen eine streng richtige Stellung geben. Da jedoch die Maschine zum Schleifen optischer Gläser bestimmt ist, so genügt es in der Praxis, wenn der obere Halsring der Welle C in einem Bogen geführt wird, der den Punkt C zum Mittelpunkte hat, und welcher in einer senkrechten, durch die Wellen B, C gelegten Ebene gezogen ist.

Diese Maschine dürfte sich, wenn man sie von gehörigen Dimensionen anfertigt, sehr gut eignen, um Gläser mit einem bestimmten Radius auf das Genaueste zu schleifen. Die Neigung der Achsen kann eine solche seyn, daß ihre Kreuzung nur in einer sehr bedeutenden Entfernung Statt findet.

Alle diese Maschinen fußen auf demselben Principe, und bilden gleichsam nur eine einzige Maschine, welche durch die verschiedenen Modificationen dem Zweke, zu dem man sie benuzen will, angepaßt sind. Ich habe nur deßhalb einige dieser Modificationen angedeutet, um einige der Anwendungen des im Eingange aufgestellten Principes zu erläutern.

IV. Versuche, welche mit der unter Fig. 10 bis 19 beschriebenen Maschine angestellt wurden.

Die beschriebene Maschine wurde zum Zurichten, Schleifen und Poliren von Spiegeln, Granit, Marmor und lithographischen Steinen verwendet. Sie gab hiebei, wie groß auch die Oberflächen gewesen seyn mochten, eine vollendete Zurichtung: ein Resultat, welches bei dem Principe, nach dem die Maschine gebaut ist, unfehlbar ist.

Das Schleifen der Spiegel kann unter Anwendung von Schmirgel oder Sand von verschiedener Größe auf den höchsten Grad von Vollkommenheit gebracht werden, was auch nöthig ist, wenn man rasch die Politur, von der sogleich die Sprache seyn wird, erlangen will. Der Schliff fällt deßhalb so vollkommen aus, weil die Schleifsubstanz durch das gußeiserne Stük, mit dessen Hülfe sie ihre Wirkung hervorbringt, mehr oder minder comprimirt wird, da man dieses Stük beliebig ins Gleichgewicht sezen kann.

Was die Politur anbelangt, so ist sie von anderer Natur als jene der gewöhnlichen Spiegel; denn das Poliren geschieht durch eine Kreisbewegung. Man bemerkt deßhalb auch an der mit der Maschine |21| erzielten Politur nichts von den Cannelirungen oder Riefen, welche beim geradlinigen Poliren immer zum Vorscheine kommen. Andererseits fällt die Politur vollkommener und jener der optischen Gläser ähnlich aus. Auch muß der Schliff, um schnell eine vollendete Politur zu erzielen, viel feiner seyn. Beim Poliren durch die Kreisbewegung verschwinden die kleinen, beim Schliffe gebliebenen Aushöhlungen gänzlich; beim geradlinigen Poliren dagegen erleiden die tiefsten dieser Aushöhlungen unter der Einwirkung des zum Poliren dienenden Werkzeuges eine Ausstrekung, wodurch sie sich in Riefen verwandeln, welche je nach der Tiefe, die die Aushöhlungen hatten, mehr oder minder bemerkbar seyn werden. Selbst der vollendetste Schliff zeigt kein gleiches Korn, sondern immer wird man einige Vertiefungen finden, die tiefer greifen als andere. Man überzeugt sich leicht hievon, wenn man den Schliff unter dem Mikroskope betrachtet, oder wenn man den Gang des Polirens aufmerksam verfolgt. Schon in den ersten Momenten verschwinden nämlich die kleinsten Körner gänzlich, und die Fläche wird so zu sagen mit kleinen Punkten übersäet, die sich in dem Maaße weiter von einander entfernen, als das Geschäft voran schreitet. Wie man es auch machen mag, so bleiben weit von einander kleine Vertiefungen, die man nicht beseitigen kann, und die weder der Durchsichtigkeit, noch der Schönheit der Politur Eintrag thun.

Das Zurichten der Steine mittelst der Maschine kommt um 3/4 wohlfeiler als das Zurichten derselben mit der Hand, wenn man eine Wasserkraft oder eine Dampfmaschine zur Verfügung hat. Ich habe für die HHrn. Hersent und Georgery einen Theil des Granitpflasters für einen Säulengang des Pantheons zugerichtet. Eben so richtete ich für Hrn. Chevalier die großen lithographischen Steine zu, welche er im Jahre 1834 zur Ausstellung brachte, und außerdem noch gegen 500 Quadratfuß anderer Steine von verschiedenen Größen. Hieraus erhellt, daß meine Maschine bei der Bearbeitung der für Monumente bestimmten Marmore, deren Fugen wegen des unvermeidlichen Werfens der Sägen oft so schlecht sind, eine sehr ausgedehnte Anwendung finden kann; nur wären, wenn es sich um Steine von großer Dike handelte, noch einige Modificationen nöthig.

Ohne in die Details der von mir angestellten Versuche einzugeben, erlaube ich mir nur folgende Resultate anzugeben. Ich brachte 10 Spiegel auf die Platte und kittete sie mit jener Seite, an der sie auf dem Boden der Gießform gelegen, auf. Die ganze Oberfläche betrug 76 Quadratfuß. Um sämmtliche Unebenheiten zu vertilgen, mußten 2 1/16 Linie der Spiegeldike abgeschliffen werden. Diese Arbeit, welche mit Kieselpulver bewerkstelligt wurde, währte 14 Stunden |22| 15 Minuten. Auf der Kehrseite, die hierauf der Behandlung unterstellt wurde, währte sie 17 Stunden 45 Minuten. Hierauf wurde leztere Seite mit Schmirgel abgeschliffen, wozu 13 Stunden gebraucht wurden, und endlich das weitere Poliren in 41 Stunden zu Stande gebracht. Zum Abschleifen der Kehrseite mit Schmirgel waren 17 Stunden, und zum Poliren derselben 48 Stunden Zeit erforderlich. Das Zurichten, Abschleifen und Poliren beider Seiten währte demnach im Ganzen 151 Stunden, oder 12 Tage und 7 Stunden. Um dieselbe Arbeit mit der Hand zu vollbringen hätte ein Arbeiter 120 Tage arbeiten müssen. Die angewendete Kraft bestand in einem Gespanne von 4 Pferden, die 3 Dampf- oder Wasserpferden gleichkommen, was 38 Pferdtaglohne gibt. Die Kosten eines Pferdes zu 2 Fr. per Tag gerechnet gibt 76 Fr. oder einen Franc auf den Quadratfuß.

Zu bemerken ist, daß die dem Versuche unterstellten Spiegel Ausschuß waren, so daß eine bedeutende Dike abgetragen werden mußte, um ebene Flächen zu erzielen. Mit Spiegeln von guter Qualität hätte die Arbeit gewiß viel kürzer gewährt. Unsere Triebkraft war außerdem eine der schlechtesten und kostspieligsten, abgesehen davon, daß die Arbeiter erst lernen mußten, wie sie mit der Maschine umzugehen haben. Ich hege nach Allem keinen Zweifel, daß meine Maschine gut studirt und mit einer hinreichenden und constanten Triebkraft ausgestattet, sowohl in Hinsicht auf Vollkommenheit der Arbeit, als in Hinsicht auf Ersparniß die genügendsten Resultate geben wird.

Fig. 10 ist ein Frontaufriß der zur Ausführung ebener Flächen bestimmten Maschine mir allen dazu gehörigen Theilen.

Fig. 11 ein senkrechter Durchschnitt des Halsringes der Treibwelle.

Fig. 12 ein Grundriß desselben.

Fig. 13 ein horizontaler Durchschnitt des Halsringes.

Fig. 14 zeigt den Flügel in seitlichem Aufrisse.

Fig. 15 ist ein senkrechter Durchschnitt des unteren Theiles der Welle des Flügels und ihrer Halsringe.

Fig. 16 ein senkrechter Durchschnitt des Läufers und der zu seiner Bewegung dienenden Welle.

Fig. 17 ein senkrechter Durchschnitt des oberen Theiles der Läuferwelle.

Die einzelnen Theile sind bereits oben erläutert und bezeichnet worden.

|11|

Im Originale steht rayons (Radien), die sehr geschraubte Beschreibung der Maschine scheint von einem Mathematiker herzurühren, welcher kein Techniker ist.

A. d. R.

|17|

Diese Empfindlichkeit ist offenbar nicht sehr groß.

A. d. R.

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