Titel: Ueber Franchot's mechanische Lampe.
Autor: Francoeur, Louis Benjamin
Fundstelle: 1838, Band 70, Nr. IV. (S. 24–27)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj070/ar070004

IV. Bericht des Hrn. Francoeur über die mechanische Lampe des Hrn. Franchot.

Im Auszuge aus dem Bulletin de la Société d'encouragement. Mai 1838.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Alle mechanischen Lampen, welche so viel Oehl an den Docht emporschaffen, daß nur ein Theil desselben verbrannt werden kann, geben ein gleiches starkes Licht4) und verzehren eine gleiche Menge Oehl: nämlich mit einem gewöhnlichen Brenner 1 Unze 3 Quentchen oder 42 Grammen in der Stunde. Der Vorzug, den die eine vor der anderen verdient, hängt daher von dem Preise, von der Leichtigkeit der Reinigung und der Zerlegung, und von den mehr oder minder häufig nöthigen Reparaturen, so wie auch davon ab, ob diese Reparaturen allerwärts oder nur von besonders geschikten Arbeitern vorgenommen werden können. In allen diesen Beziehungen nun scheint die mechanische Lampe des Hrn. Franchot zu den besten zu gehören. Sie kostet nur 30 Fr., und selbst dieser Preis dürfte sich in Kürze bedeutend niedriger stellen; und ihr Mechanismus ist, wie man sogleich sehen wird, sehr einfach.

Eine Spiralfeder, welche doppelt kegelförmig gewunden ist, damit sie im höchsten Grade gespannt nur einen sehr geringen Raum |25| einnimmt, drükt einen Kolben von Oben nach Abwärts. Dieser Kolben ist mit einem etwas starken Leder, welches rings herum über ihn hinaus reicht, und welches sich an den cylindrischen Wänden der Lampe reibt, besezt. In der Mitte des Kolbens und durch eine Löthung mit ihm verbunden ist eine an beiden Enden offene Röhre, in der das Oehl aufzusteigen hat. Das Oehl wird demnach immer an der Oberfläche geschöpft, woraus denn folgt, daß die allenfalls in dem Oehle enthaltenen Unreinigkeiten keine Anschoppungen erzeugen können, ausgenommen es hätte sich am Grunde der Lampe eine sehr große Menge von solchen angehäuft. In diesem Falle ist jedoch die Lampe sehr leicht zu reinigen, da man sie zu diesem Zweke, nachdem man sie gespeist und eingerichtet hatte, nur umzustürzen brauchte. An der Stange des Kolbens ist eine Verzahnung angebracht, die man mittelst eines an dem oberen Theile der Lampe befindlichen und mit einem Griffe umzudrehenden Getriebes bewegen kann. Wenn man Oehl in die Lampe gegossen hat, und man sie anzünden will, so bewegt man, um die Feder zu spannen, den Kolben nach Aufwärts. Der leere Raum, welcher hiedurch entsteht, zugleich mit dem Gewichte der Oehlsäule bewirkt, daß das Oehl in den Behälter herabfällt, indem der Lederbesaz des Kolbens unter diesen Umständen einen Durchgang gestattet.

Bis hieher ist nichts Neues an der Lampe, und Jedermann wird einsehen, daß das Oehl durch die gespannte Feder emporgetrieben wird, und daß in dem Maaße, als die Spannung nachläßt, die Feder an Kraft verlieren würde, während sie doch im Gegentheile wegen der Zunahme der Höhe der Oehlsäule gesteigert werden sollte. Man hätte demnach auf diese Weise eine schlechte Lampe, wenn Hr. Franchot dem Uebel nicht durch einen eben so einfachen als sinnreichen Regulator, auf dem eigentlich seine Erfindung beruht, zu steuern gewußt hätte. Er brachte nämlich in die Röhre, in der das Oehl aufsteigt, einen diken Eisendraht, welcher deren Caliber beinahe ausfüllt, um dadurch dem Aufsteigen des Oehles ein Hinderniß in den Weg zu legen. Das Oehl reibt sich nämlich an den Wänden der Röhre und an dem Eisendrahte, dessen Länge durch Versuche der Kraft der Feder, die, wenn sie vollkommen gespannt ist, gegen 15 Kilogr. beträgt, angemessen wird. Es steigt auf diese Weise an den Docht nur so viel Oehl als zur Unterhaltung der Verbrennung erforderlich ist, empor; der Ueberschuß fällt tropfenweise in den Behälter zurük. Da in dem Maaße, als der Kolben herabsinkt und die Federkraft nachläßt, der Draht, welcher fixirt ist, sich aus seiner mit dem Kolben zugleich herabsinkenden Scheide auszieht, so nimmt der Widerstand, den das Oehl beim Aufsteigen erleidet, in demselben |26| Maaße ab, in welchem sich die Kraft der Feder vermindert. Das Ueberfließen des Oehles dauert während der ganzen Dauer der Bewegung des Kolbens, welche wenigstens 6 bis 7 Stunden beträgt, fort; das Licht behält also während dieser ganzen Zeit seinen vollen Glanz, ohne daß man mehr zu thun hätte, als den die Stelle eines Schlüssels vertretenden Griff 2 oder 3 Mal umzudrehen.

Wenn man den Kolben aufzieht, so ist die Bewegung ziemlich hart, und man muß dem Oehle Zeit lassen unterhalb durchzugehen. Das Oehl braucht anfänglich einige Minuten Zeit, um an den Docht emporzusteigen, und dieß ist die einzige Unannehmlichkeit, welche an diesen Lampen zu entdeken ist, wenn es ja eine solche genannt werden kann. Man kann ja die Feder leicht einige Zeit, bevor man der Lampe bedarf, aufziehen, und zwar um so eher, als dieses Aufziehen eben so gut im Dunkeln geschehen kann.

Die Lampe des Hrn. Franchot ist so einfach, daß sich keine Ursache, die dieselbe in Unordnung bringen könnte, voraussehen läßt; und wenn ja nach sehr langer Zeit eine Reparatur am Leder oder Kolben nöthig wird, so ist sie sehr leicht zu bewerkstelligen. Es ist bekannt, daß man die in einem Federhause untergebrachten Federn, um ihre Entwiklungen zu erleichtern, mit Oehl zu überziehen pflegt, und daß, wenn dieses Oehl nach zwei- oder dreijährigem Dienste dik wird, die Federwindungen zusammenkleben, wodurch deren Spiel so beeinträchtigt wird, daß eine Reinigung vorgenommen werden muß. Ebenso müssen im Sommer, wo man sich der Lampen nicht regelmäßig bedient, die Lampen mit Oehl gefüllt erhalten werden, damit die Kolben nicht austroknen. Hiebei wird das Oehl dik, wozu die kohligen Dochtüberreste noch mehr beitragen; es wird also auch hiedurch eine Reinigung nöthig, und diese kann nur einem geübten Arbeiter übertragen werden. Alles dieß fällt nun an der Lampe des Hrn. Franchot weg; denn man braucht, wenn man den Draht des Regulators zurükgezogen hat, nur Oehl in die Lampe zu gießen, die Feder aufzuziehen und die Lampe umzukehren, um alle Unreinigkeiten aus ihr zu entleeren. Eine geringe Quantität Oehl, welche man auf dem Kolben beläßt, reicht hin, um dessen Leder geschmeidig zu erhalten.

Diese Lampe ist unstreitig eine der einfachsten, bequemsten und leichtesten, so daß zu erwarten steht, daß sie in Kürze allgemein in Gebrauch kommen wird, besonders wenn bei größerem Absaze ihr ohnehin schon billiger Preis noch mehr ermäßigt werden kann.

Fig. 21 zeigt die Lampe mit allen ihren Theilen in einem senkrechten Durchschnitte.

Fig. 22 zeigt die doppelt kegelförmige Feder, die durch ihren |27| Druk auf den Kolben das Oehl an den Brenner emportreibt, in größerem Maaßstabe gezeichnet.

a ist der Körper der Lampe; b der Oehlbehälter; d ein kreisrunder metallener Kolben, auf den die Feder c drükt, und der in dem Maaße herabsinkt, als sich die Feder ausdehnt. Das aus den Rändern dieses Kolbens hervorragende Leder reibt sich auf solche Weise an den Wänden des Oehlbehälters, daß es beim Herabsinken des Kolbens kein Oehl entweichen läßt. Die an beiden Enden offene Steigröhre für das Oehl ist in die Mitte des Kolbens gelöthet. Die Verzahnung g, die mit ihrer Stange an dem Kolben festgemacht ist, dient zum Aufziehen des Kolbens, wenn die Feder gespannt werden soll. Das in diese Verzahnung eingreifende Getrieb h ist an der Achse eines Griffes oder einer Schraube i aufgezogen. Der Regulator j besteht aus einem oben fixirten und in die Steigröhre eintretenden Eisendraht. Die Röhre k, welche die Röhre f umgibt, ist oben und unten mit ledernen Stopfbüchsen verschlossen; dafür hat sie aber seitlich bei l eine Oeffnung, durch die das aus der Röhre f fließende Oehl abfließt. In Folge des Hindernisses, welches der Eisendraht j dem Oehle in den Weg legt, steigt in der Röhre f immer nur eine dem Verbrauche entsprechende Menge empor. Das Oehl fließt durch die Röhre f aus, um in die Röhre k zu fallen, aus der es dann, nachdem es durch die seitliche Oeffnung l dieser Röhre gegangen ist, an den Brenner emporsteigt.

|24|

Ueber die Leuchtkraft verschiedener Lampen vergleiche man die schäzbare Abhandlung der HHrn. Karmarsch und Heeren im polytechn. Journal Bd. LXIX. S. 286.

A. d. R.

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