Titel: Macnee's Verbesserungen an Kutschen und Räderfuhrwerken.
Autor: Macnee, James
Fundstelle: 1838, Band 70, Nr. XVIII. (S. 93–96)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj070/ar070018

XVIII. Verbesserungen an den Kutschen und Räderfuhrwerken, worauf sich James Macnee, Wagenfabrikant in George Street in Edinburgh, am 21. April 1838 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions. August 1838, S. 71.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Meine Erfindung besteht in einer verbesserten Methode das Vorder- und Hintergestell eines vierräderigen Fuhrwerkes miteinander zu verbinden. Ich bewerkstellige dieß mittelst eines sogenannten Baumbogens oder Zapfens, den ich in größerer Entfernung hinter der vorderen Räderachse anbringe, als dieß bisher mit vollkommen durchlaufenden Rädern möglich war; und ferner mit einer ein Kreissegment bildenden Platte, die ich eine bedeutende Streke vor dem Baumzapfen anbringe, und welche mit beiden Wagengestellen verbunden ist; selbst in solchen Fällen, in denen das Fußbrett auf dem einen und der Kutschersiz auf dem anderen Gestelle ruht. Die Erfindung besteht endlich auch darin, daß ich dem Size eine Bewegung gebe, gemäß der er in Bezug auf das Fußbrett stets in gehöriger Stellung erhalten wird.

In Fig. 12, 13, 14 sieht man dreierlei verschiedene Fuhrwerke, an denen meine Erfindung angebracht ist, wobei ich nur noch zu bemerken habe, daß sie sich auch auf jedes andere Fuhrwerk mit einer Vorder- und einer Hinterachse anwenden läßt. In Fig. 12 ist A, B die Linie, in der das Vorder- mit dem Hintergestelle verbunden ist; in diesem Falle steht demnach nothwendig das Fußbrett in so inniger Verbindung mit dem Vordergestelle, daß es einen Theil desselben ausmacht, während der Kutschersiz und der Kasten, zu dem das Fußbrett gehört, einen Theil des Hintergestelles bildet. Dieselbe Einrichtung findet auch an den Wagen Fig. 13 und 14 Statt. Die punktirte Linie C stellt den Baumzapfen vor, der die beiden Gestelle verbindet, und um den sich der Wagen wie um einen Drehpunkt dreht. Dieser Drehzapfen befindet sich, wie man sieht, weiter hinter der vorderen Radachse, als dieß bisher der Fall war. Vor ihm ist zu weiterer vollkommnerer Verbindung der beiden Gestelle in einer horizontalen Fläche ein aus Eisen oder einem anderen Materiale bestehendes Kreissegment so angebracht, daß der Baumzapfen C sich in dessen Mittelpunkt befindet.

In Fig. 15 und 16 sieht man diese Segmentplatte im Grundrisse und mit D, E, F bezeichnet; in Fig. 17 und 18 sieht man sie in |94| einem Querdurchschnitte bei G, H. Sie wird entweder an der oberen Fläche des Vorder- oder an der unteren Fläche des Hintergestelles befestigt. Lezterer Methode, welche man in den oben erwähnten Querdurchschnitten, Fig. 17 und 18 in Ausführung gebracht sieht, gebe ich den Vorzug. Diese Platte ist mit dem Baumzapfen concentrisch, d.h. sie bildet ein Kreissegment, in dessen Mittelpunkt sich der Zapfen befindet. Sie bewegt sich frei auf dem anderen Wagengestelle, auf dem hiezu ein gehöriges mit Reibungsrollen ausgestattetes Lager angebracht ist, wie man in Fig. 19 und 20 bei I, I sieht. Zu noch weiterer und sichererer Verbindung der beiden Gestelle dient ein Zapfen K, den man in Fig. 15, 16, 19 und 20 sieht, und der an jenem Theile des Wagengestelles, auf dem die Segmentplatte ruht, spielt. Der Hals dieses Zapfens bewegt sich in einer in die Platte geschnittenen Spalte, welche mit der Platte selbst gleichfalls wieder concentrisch gebildet ist, damit sich der Zapfenhals bei der Durchlaufsbewegung frei in der Spalte schieben kann. Der Kopf des Zapfens ist breit und flach, damit er die Segmentplatte in größerer Ausdehnung bedekt, und damit diese mit der Tragoberfläche der Reibungsrollen in Berührung erhalten wird. Noch deutlicher sieht man diesen Verbindungszapfen in Fig. 17 und 18 bei L.

Fig. 21 zeigt das Fußbrett im Grundrisse, woraus die Verbindung desselben mit dem hinteren Wagengestelle erhellt. M, N ist die Verbindungslinie, welche mit der Segmentplatte und dem Baumbolzen O concentrisch ist. Ich finde es geeignet, diese Verbindungslinie mit einem Messing- oder Eisenstreifen zu bedeken.

Fig. 22 ist ein Grundriß eines beweglichen Sizbrettes P, Q, R, S, welches zwar als zum Theile weggebrochen dargestellt ist, dessen Stellung jedoch durch punktirte Linien angedeutet ist. Dieses Sizbrett erhält eine solche Bewegung mitgetheilt, daß der Siz nicht viel von der Stellung, die er in Bezug auf das Fußbrett haben soll, abweicht; d.h. mit anderen Worten, der Siz kann aus der hier angedeuteten Stellung in die aus Fig. 23 ersichtliche und in jede andere Stellung kommen, welche in dieser Figur durch punktirte Linien angedeutet ist.

Fig. 17 und 24 zeigen wie die verschiedenen, mit dem Size in Verbindung stehenden Theile angeordnet und gebaut sind. T, U, in Fig. 17, ist der Baumzapfen, dessen Kopf man bei U sieht, während sich sein Scheitel bei T und der Hals bei V befindet. Der Hals ist vierkantig gebildet, damit er sich mit dem Vordergestelle umdrehen muß. Von diesem Halse an läuft der Zapfen jedoch wieder frei durch das Hintergestell, bis er bei W wieder eine vierkantige Form annimmt, und dann mit dem aus Fig. 24 ersichtlichen Hebel X, Y |95| in Verbindung tritt. Dieser Hebel hat gleiche Arme und ist an seinen Enden durch Bolzen und Scheiden mit den Stäben a, b verbunden, die ihrer Seits mit den Armen des Hebels c, d in Verbindung stehen. Lezterer Hebel ist in jeder Hinsicht dem Hebel X, Y ähnlich, so daß auf diese Weise ein beweglicher Rahmen gebildet wird, der sich in seiner Mitte um einen Zapfen e, f, Fig. 17, welcher in paralleler Richtung mit dem Baumzapfen T, U angebracht ist, bewegt. Dieser Zapfen ist da, wo er durch den Scheitel des Sizbrettes g geht, abgerundet, da hingegen, wo er durch den Hebel c, d geht, ist er wieder vierkantig, damit das Sizbrett h hiedurch in Bewegung gebracht werden kann. Das Sizbrett bewegt sich auf fixirten Platten, Zapfen oder Reibungsrollen, die in Fig. 17 und 22 mit i, i bezeichnet sind. Die Bewegung findet in einer horizontalen Fläche um den Zapfen e, f Statt, damit es während des Durchlaufens des Wagens fortwährend in einer mit dem Fußbrette harmonirenden Stellung erhalten wird. In den bereits erwähnten Fig. 16 und 18 sieht man eine Modification der Methode, nach welcher der Siz in einer dem Fußbrette entsprechenden Stellung erhalten werden soll. Das, wodurch sich diese Modification von der bei Fig. 17 und 24 beschriebenen Methode unterscheidet, beruht darauf, daß der Zapfen e, f und die Parallelbewegung X, Y beseitigt ist; und daß das bewegliche Sizbrett direct bei k auf dem oberen, vierekig geformten Theile des Baumzapfens fixirt ist, so daß, wenn der Baumzapfen umgedreht wird, der Siz sich mit herum bewegen und die Achse des Baumzapfens als Drehpunkt nehmen muß. In diesem Falle müssen die Achsen der Reibungsrollen gegen den Baumzapfen gerichtet seyn, wie man dieß bei l sieht, damit sie den Siz tragen und ihm eine freie Bewegung gestatten.

In Fig. 25 ersieht man eine Methode, nach der das an dem einen Wagengestelle angebrachte Durchlaufsegment mit dem an dem anderen Wagengestelle befindlichen, mittelst einer im Kreise laufenden Fuge oder eines genau einpassenden Segmentes verbunden ist. Der Theil m, n, o ist an dem einen, der Theil p, q, r dagegen an dem anderen Wagengestelle befestigt. Eine an dem einen befindliche Leiste und ein dieser entsprechender Falz an dem anderen läßt eine freie, horizontale Bewegung um den Baumzapfen S herum zu. Aus dem Querdurchschnitte Fig. 26 erhellt die eben erwähnte Leiste und auch der Falz.

Ich habe nun nur noch zu bemerken, daß ich in Fig. 13 die Form und Stellung des Baumzapfens in Bezug auf die hier dargestellte Art von Fuhrwerk angedeutet habe. Da übrigens die Segmentplatte hier auf dieselbe Weise angewendet ist, wie an den anderen |96| Fuhrwerken, so bedarf es keiner weiteren Beschreibung. Der Baumzapfen, die Segmentplatte, die Vereinigungsbolzen und Muttern, die Hebel, die Arme, die Scheiden, die Lager, die Walzen und alle übrigen einem Druke, einer Bewegung und Reibung ausgesezten Theile sollen aus Eisen oder einem anderen tauglichen Metalle oder auch aus einem sonstigen Materiale von hinreichender Stärke und Dauer verfertigt werden.

Ich will, nachdem ich somit die von mir erfundenen Anordnungen beschrieben, auch angeben, wie das Spiel derselben von Statten geht. Wenn nämlich das Vordergestell beim Wenden des Wagens um seinen Mittelpunkt gedreht wird, so drehen sich die Räder und ihre Achse so herum, daß das innere Rad nicht mit dem Wagen in Conflict kommt. Es ist mithin mit einem Rade von einer gegebenen Größe ein weiterer Durchlauf oder mit einem gegebenen Grade von Durchlauf ein größeres Rad möglich, als dieß bei der älteren Methode, bei welcher der Baumzapfen weiter vorne angebracht wurde, thunlich war. Zugleich ist dem Vordergestelle durch die Verbindung der Segmentplatte mit seinem Bolzen größere Stärke und Stätigkeit gegeben. Wenn ferner das Vordergestell umgedreht wird, so zwingt die vierseitige Scheide den Baumzapfen, sich gleichfalls mit herum zu drehen. Dieser wirkt daher auf die aus den beiden Hebeln und den ihnen entsprechenden Stangen bestehende Parallelbewegung, woraus dann folgt, daß gleichzeitig auch der Siz oder Bok in einer dem Fußbrette entsprechenden Stellung bewegt wird. Dieselbe Wirkung, wie sie durch die eben erwähnte Parallelbewegung hervorgebracht wird, tritt auch dann ein, wenn der bewegliche Siz direct auf dem oberen vierekigen Theile des Baumzapfens angebracht ist; denn dann muß sich der Siz um diesen Zapfen als um seinen Mittelpunkt drehen.

Meine Methode gewährt folgende Vortheile: 1) sind die zu ihr erforderlichen Theile leichter und einfacher als jene, deren man sich bisher bediente; 2) läßt sie größere Vorderräder zu, als sie bisher möglich waren, wodurch den Pferden das Ziehen erleichtert wird; 3) sehen die meiner Methode gemäß gebauten Fuhrwerke leichter und eleganter aus; 4) ist die Bewegung meiner Wagen wegen der Festigkeit und wegen der günstigen Stellung der tragenden Theile weit ruhiger und stätiger.

Da ich sehr wohl weiß, daß meine Vorrichtungen sehr mannigfache Modificationen zulassen, so binde ich mich an kein bestimmtes Kreissegment, noch auch an irgend eine bestimmte Form oder Dimension der Zapfen.

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