Titel: Gilman's verbesserte Dampfkessel.
Autor: Gilman, William
Fundstelle: 1838, Band 70, Nr. LVII. (S. 241–251)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj070/ar070057

LVII. Verbesserungen an den Dampfkesseln, worauf sich William Gilman, Ingenieur von Bethnalgreen in der Grafschaft Middlesex, am 17. Aug. 1837 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem London Journal of arts. Septbr. 1838, S. 349.

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Die unter gegenwärtigem Patente begriffenen Erfindungen lassen sich in fünf verschiedene Abschnitte bringen. Sie betreffen nämlich: 1) einen neuen oder verbesserten Bau der Kammern, aus denen der Dampfkessel oder Dampferzeuger besteht, und in denen das Wasser in Folge ihrer eigenthümlichen Einrichtung während des Siedens circuliren muß. 2) einen verbesserten Bau der Dampfkessel, gemäß welchem die einzelnen schmalen Kammern, aus denen der Kessel zusammengesezt ist, mit Fächern, die unter der Linie der Roststangen anzubringen sind, ausgestattet werden, damit diese Fächer den sich bildenden Bodensaz aufnehmen. Es soll hiedurch dem Verbrennen der Böden der Kammern, welches bekanntlich Statt findet, wenn sie über dem Feuer angebracht und der directen Einwirkung desselben ausgesezt sind, vorgebeugt werden. 3) eine Verbesserung an den Metallplatten, die man zum Baue der aus schmalen Kammern zusammengesezten Dampfkessel oder Dampfgeneratoren verwendet. Diese Verbesserung besteht in einem solchen Auswalzen der Platten, daß sie an jenen Stellen, an denen die Löcher für die Nieten ausgeschlagen zu werden pflegen, und an denen sie also eine Schwächung erleiden, eine Verdikung und mithin eine größere Stärke bekommen. 4) eine verbesserte Einrichtung der Cylinder und der Ventile jener Dampfmaschinen, in denen der Dampf ausdehnungsweise arbeitet; d.h. an denen der Dampf mit hohem Druke in einen Cylinder eintritt, um, nachdem er in diesem seine Kraft auf den Kolben ausgeübt hat, in einen anderen Cylinder von größeren Dimensionen zu entweichen, und in diesem seine Kraft auf einen anderen Kolben auszuüben. Die Cylinder werden der neuen Methode gemäß innerhalb einander angebracht, und sämmtliche Kolbenstangen mit einem einzigen Querhaupte verbunden. Die Schiebventile betreffend ist für eine Einrichtung gesorgt, bei der die Dampfwege sämmtlicher Cylinder gleichzeitig geöffnet und geschlossen werden. 5) endlich Verbesserungen an |242| der nach dem Principe der sogenannten Barker'schen Mühle arbeitenden rotirenden Dampfmaschine.

Was nun die in den ersten Abschnitt gehörende Erfindung, nämlich den Bau eines Kessels betrifft, bei welchem das der Einwirkung des Feuers ausgesezte Wasser in neben einander angebrachten Kammern circulirt, so sieht man in Fig. 51 eine dieser Kammern in einem senkrechten Durchschnitte, während Fig. 52 einen Theil eines derlei Dampfkessels in einem Endaufrisse zeigt. Diese Kammern bestehen aus zwei parallelen Seitenwänden a, a, von denen in Fig. 51 die eine weggelassen ist, um das Innere sichtbar werden zu lassen, und aus den Randstüken C, C, welche durch Nieten oder Bolzen fest damit verbunden sind. Zwischen den beiden Seitenwänden befinden sich die Zwischenstufe B, B, und sowohl durch erstere als durch leztere gehen die Nieten c, c, c, welche das Ganze so fest zusammenhalten, daß es dem in dessen Innerem entstehenden Druke zu widerstehen vermag. Die diagonale oder schräge Stellung der Zwischenstüke B, B bewirkt, daß der in den Zwischenräumen erzeugte Dampf in der Richtung der Pfeile in den senkrechten Canal D emporsteigt. Bei diesem Emporsteigen an die Oberfläche gibt er das überschüssige Wasser, welches er mit sich führt, ab; und da dieses Wasser in dem absteigenden Canale E zurükfließt, so ergibt sich, daß eine fortwährende Circulation des Wassers innerhalb der Kammern Statt findet. F ist die Röhre, durch welche die Kammern von dem mit der Speisungspumpe in Verbindung stehenden Gefäße G her ihren Wasserzufluß erhalten. Dieses Gefäß kann irgend eine entsprechende Gestalt haben, und die Kammern lassen sich längs ihm auf die aus Fig. 52 ersichtliche Weise reihen. Die Kammern sind auf die gewöhnliche Weise durch Röhren verbunden; wenn sie hingegen einander kreuzen, wie z.B. in dem Aufrisse, Fig. 53, zu ersehen ist, so sind sie abwechselnd auf der einen oder anderen Seite mit den Gefäßen G, G verbunden. Man kann die Kammern übrigens aber auch in zwei geschiedenen Reihen anbringen, wie dieß in dem Aufrisse, Fig. 54, angedeutet ist. Die Röhre H leitet den in den Kammern erzeugten Dampf in einen Dampfbehälter, mit dem alle die einzelnen Kammern in Verbindung stehen.

Der Patentträger bindet sich bei dem Baue dieser Art von Kessel nicht an die flachen parallelen Seitenplatten, indem die Zwischenräume eben so gut auch cylindrisch oder oval seyn können. Diesen Zwek erreicht man z.B., wenn man die Platten mit Modeln oder auf irgend andere Weise in Falten legt, und die gegenüberliegenden Erhöhungen oder Grate zusammennietet; oder wenn man die Platten zum Theil faltet und dann Zwischenplatten dazwischen bringt. |243| Auch der Winkel, unter dem der Scheitel und der Boden der Kammern an die Seitenwände stoßen, ist kein bestimmter, da die Kammern vierekig und die in ihnen befindlichen Zwischenstüke unter dem erforderlichen Winkel gestellt seyn können. Man kann diese Zwischenstüke, anstatt ihnen eine Neigung gegen die senkrechten Canale D, E zu geben, auch unter einem rechten Winkel mit diesen laufen lassen, in welchem Falle dann die zur Bewirkung der Circulation nöthige Neigung dadurch erzielt wird, daß man den Kammern selbst eine Neigung gibt. Man kann ferner die Kammern ganz mit Wasser gefüllt erhalten, und die Scheidung des Dampfes von dem Wasser in einem eigenen Gefäße vor sich gehen lassen; in welchem Falle dann das in diesem Gefäße abgesezte Wasser durch eine Röhre in die Speisungskammer G zurükfließen könnte, um zur Speisung des senkrechten Canales E und der damit verbundenen Räume verwendet zu werden. Endlich kommt noch zu bemerken, daß die Kammern, wie gesagt, entweder aus Metallplatten gebaut, oder auch mit Ausnahme des senkrechten Canales E aus einem Stüke gegossen werden können. Dieser Canal muß nämlich nach der ganzen Länge der Kammer offen bleiben, damit man, nachdem die Oeffnungen an den Enden gegossen worden, den Kern herausnehmen kann. Der Schluß wäre dadurch zu bewirken, daß man auf die an jedem Ende des offenen Canales befindlichen Randvorsprünge ein entsprechendes Metallstük bolzt.

Der zweite, den Bau der Dampfkessel betreffende Theil der Erfindung erhellt aus Fig. 55, wo ein Theil eines Kessels mit einer anderen Art von Kammer in einem senkrechten Querdurchschnitte abgebildet ist, während man in Fig. 56 einen zwischen einem Kammerpaare genommenen Längendurchschnitt durch den Kessel sieht. Das Neue an diesen Kammern ist hauptsächlich darin gelegen, daß sie sowohl am oberen, als am unteren Ende eine Erweiterung haben, und daß hiedurch, wie Fig. 55 zeigt, der Boden und der Scheitel des Feuerzuges d, d gebildet wird. Die obere Erweiterung e, e bildet zugleich eine Wasser- und Dampfkammer, die irgend eine erforderliche Höhe haben kann, während die untere Erweiterung f eine Kammer für den Bodensaz bildet, welche sich unter den Roststangen befindet, und welche folglich der directen Einwirkung des Feuers nicht ausgesezt ist. Jede dieser Erweiterungen ist zum Behufe der Reinigung entweder an dem einen oder an beiden Enden mit entsprechenden Einsteiglöchern zu versehen. Man kann übrigens auch die unteren Löcher mit Röhren ausstatten, und diese mit einer gemeinschaftlichen, zum Ausblasen bestimmten Röhre in Verbindung bringen. Die Seitenwände der Kammern sind, damit sie dem Druke |244| zu widerstehen vermögen, wie aus dem Durchschnitte, Fig. 55, erhellt, durch eine sogenannte lange Vernietung zusammengenietet; sie können entweder flach und eben oder gewölbt und zwischen den Nietenlinien gefaltet seyn, wie man dieß an den partiellen Kesseldurchschnitten, Fig. 58 und 59, sehen kann. Wenn man es für gut findet, so kann man die Kammern an ihren schmalen Seiten durch querlaufende Feuerzüge, die man in Fig. 56 bei g, g angedeutet sieht, von einander trennen. Bei dem Baue des Kessels selbst kann man der größeren Bequemlichkeit wegen die Kammern zuerst in einzelnen Stüken verfertigen und aus diesen dann den vollkommenen Kessel zusammensezen. Bestünden die Kammern aus zwei Stüken, so könnte man in der unteren Erweiterung ein Zwischenstük anbringen, und zwar so, daß nur an dem oberen Theile eine Communication mit der anderen Hälfte bleibt. In diesem Falle würde das zur Speisung dienende Wasser zuerst in die hintere Hälfte der Kammern gelangen, während die vordere Hälfte dadurch gespeist würde, daß das Wasser aus einer Kammer in die andere überfließt, indem an dem oberen Theile durch die Dampf- und Wasserkammer eine freie Communication besteht. Die obere Erweiterung einer jeden Kammer kann entweder in einer geraden horizontalen Linie oder auch in einer Curve bis über die Feuerstelle hinaus geführt werden, wie dieß in Fig. 56 bei h, h angedeutet ist. Ebenso läßt sich auch die untere Erweiterung unter den Roststangen fortführen.

Jede der Kammern ist mit einer Röhre P, Fig. 56, versehen, die den Dampf in eine Dampfkammer H leitet, aus der er dann in die Maschine gelangt. Das Wasser wird durch eine gemeinschaftliche Röhre, von welcher Röhrenarme an jede einzelne Kammer auslaufen, eingeführt. Was übrigens die Form des Wasserbehälters oder die Verbindungsweise der Kammern unter einander, oder die Verbindung der Speisungsröhre mit den Kammern anbelangt, so bindet sich der Patentträger an keine bestimmte Methode. Auch bemerkt er, daß die Stellung des Kessels eine solche seyn soll, daß jede Kammer, im Falle sie einer Ausbesserung bedarf, durch einfache Abnahme ihrer Speisungs- und Dampfröhren herausgenommen und durch eine andere ersezt werden kann, ohne daß die übrigen Kammern deßhalb irgend eine Störung erdulden. Die ganze Reihe von Kammern soll durch lange Bolzen, welche von einer Seite des Kessels bis zur anderen laufen, und an deren Enden man, nachdem sie durch Ohren, welche sich an den beiden äußersten Kammern befinden, gegangen, Muttern anschraubt, gehörig zusammengehalten werden.

Eine Modification dieser Art von Kessel sieht man aus dem Querdurchschnitte Fig. 57. Die Kammern des Kessels haben hier |245| parallele Wände und können irgend eine beliebige Länge, Höhe und Dike haben. Sie sind am Scheitel und am Grunde gegen die obere und gegen die untere Kammer e, f, welche beide mir sämmtlichen mittleren Kammern i, i verbunden sind, offen. Die oberen und unteren Ränder der Seitenwände der mittleren Kammern sind durch ein im Winkel gebogenes Eisen so miteinander verbunden, daß die Eisen der gegenüberliegenden Wände zweier Kammern sowohl oben als unten etwas über einander zu liegen kommen, und wenn sie vernietet worden, Scheitel und Boden der Feuerzüge a, a, a bilden. Wollte man den Feuerzügen eine größere Weite geben, als bei der Anwendung der erwähnten Winkeleisen thunlich ist, so könnte man zur Verbindung der im Winkel gebogenen Theile auch eine aufgenietete Platte benuzen. Um aus einem Aggregate solcher Kammern einen vollkommenen Kessel zu bilden, hat man oben und unten nur eine halbcylindrische oder auch anders geformte Kuppel aufzunieten, wie man in Fig. 57 sieht; denn dann ist sowohl für den Dampf als für den Bodensaz eine eigene Kammer gebildet. Der Ofen läßt sich eben so wie der in Fig. 56 abgebildete dadurch bilden, daß man die Dampfkammer über die Roststangen hinaus reichen läßt, und die äußeren Kammern weiter gegen die Fronte vor führt. Man kann, um einen vollkommenen Kessel zu bilden, entweder eine hinreichende Anzahl der beschriebenen Kammern miteinander verbinden; oder man kann mehrere solcher verbundener Kammern neben einander reihen, gleichwie dieß bei den mehr einfachen Kammern, Fig. 55, der Fall ist. Das Wasser wird auf irgend eine für zwekmäßig erachtete Weise von einem Behälter her geliefert; der Dampf dagegen wird seinem Behälter zugeführt.

Der dritte Theil der Erfindung, welcher die Bildung der zu den Dampfkesseln, Dampfgeneratoren und Dampfbehältern bestimmten Metallplatten betrifft, erhellt aus Fig. 60 und 61. Leztere Figur ist ein Durchschnitt einer Eisen- oder Kupferplatte, an welcher beim Auswalzen Rippen oder Erhöhungen erzeugt wurden, deren gegenseitige Entfernung, Breite und Dike durch den Druk bedingt ist, den die Platte wahrscheinlich auszuhalten haben dürfte. Diese Rippen werden, wenn zwei parallele Oberflächen auf die aus Fig. 58 und 59 ersichtliche Weise zusammengenietet werden, oder wenn ihre Vereinigung durch kurze Nieten zu geschehen hat, den Nieten mehr Halt geben, als dieß an den gewöhnlichen Metallplatten der Fall ist. Wollte man zwei parallele Platten, gleichviel, ob die zwischen ihren Rippen befindlichen Theile eben oder gewölbt sind, durch Schweißung miteinander verbinden, so müßte man die Rippen zweier derlei Platten miteinander in Berührung bringen, sie in solcher erhalten, während |246| man die Platten in einem entsprechenden Ofen bis zur Schweißtemperatur erhizt, und dann die Schweißung durch den Druk eines Walzenpaares oder einer anderen geeigneten Vorrichtung vollbringen. Fig. 61 ist ein Durchschnitt einer buchtigen oder gefalteten Metallplatte mit ausgebauchten Zwischenräumen, an der die dikeren Stellen mit a, a bezeichnet sind. In Fig. 58 sieht man einen Theil einer Kammer, welche aus solchen Platten zusammengesezt worden ist.

Die erste der die Dampfmaschinen selbst betreffenden Erfindungen bezieht sich auf jene Art von Maschinen, an denen der Dampf ausdehnungsweise arbeitet, oder die nach dem Principe der Woolf'- und Edward'schen Expansionsmaschine mit Doppelcylindern gebaut sind. Die Ventile und Röhren erhalten hiedurch eine bedeutende Vereinfachung, abgesehen davon, daß auch an dem Raume, den die Maschine zu ihrer Aufstellung erheischt, bedeutend erspart wird. Die Cylinder sollen dieser Einrichtung gemäß innerhalb einander angebracht und dabei ihre Dampfwege so geordnet werden, daß es nur eines einzigen Ventiles bedarf, um den Dampf in dem ersten Cylinder über und unter dem Kolben eintreten, hierauf in dem größeren oder äußeren Cylinder an den Boden oder Scheitel des Kolbens gelangen, und endlich aus dem zweiten Cylinder in den Verdichter oder nöthigen Falles noch in einen anderen Cylinder entweichen zu lassen. Fig. 62 ist ein horizontaler Durchschnitt durch die beiden Cylinder, woraus sowohl deren Stellung, als auch jene des Schiebventiles, durch welches die Ein- und Auslaßcanäle verändert werden, erhellt. Fig. 63 ist ein senkrechter Durchschnitt durch die Cylinder nach der in Fig. 62 angedeuteten Linie a, b; und Fig. 64 ist ein ähnlicher Durchschnitt nach der Linie c, d. Der erste oder innere Cylinder A ist von einem äußeren Cylinder B umgeben, der seinerseits mit einem Gehäuse oder Mantel C, C ausgestattet ist. Der Kolben D des inneren Cylinders ist von gewöhnlicher Art und auch auf die herkömmliche Weise durch seine Kolbenstange mit dem Querhaupte verbunden. Der Kolben E des äußeren Cylinders dagegen muß eine ringförmige Gestalt haben, wie Fig. 63 zeigt, und auch an seiner inneren Seite mit einer Liederung versehen seyn, die sich an der äußeren Oberfläche des Cylinders A reibt. Dieser ringförmige Kolben hat zwei oder mehrere Kolbenstangen P, P, die an dasselbe Querhaupt geschirrt sind, wie die Kolbenstange des inneren Cylinders. Die Kraft wird auf solche Art concentrirt und läßt sich mithin auch besser anwenden, als wenn man mit den Kolbenstangen zweier von einander getrennter Cylinder zu thun hat. Beide Cylinder haben eine gemeinschaftliche Bodenplatte F und auch einen gemeinschaftlichen Dekel G; die Gefüge müssen jedoch sehr genau |247| abgeschliffene Oberflächen haben, damit Alles ganz gut zusammen paßt. Der Mantel des äußeren Cylinders ist dazu bestimmt, die Temperatur in demselben zu erhalten, und dadurch die Ausdehnung des inneren Cylinders auszugleichen.

An dem senkrechten Durchschnitte, Fig. 64, bemerkt man das Ventil H und die abwechselnden Ein- und Auslaßcanäle a, a und b, b. Ein Blik auf die Zeichnung wird sowohl dieses Ventil als auch dessen Spiel verständlich machen. Der Cylinder A wird von dem Ventilsize oder von der Dampfbüchse her auf die herkömmliche Weise mit Dampf gespeist; c ist die von dem Kessel herführende Dampfröhre. Das Ventil H hat zwei Wege, von denen der eine d den Dampf aus dem Cylinder A in den größeren Cylinder B leitet, während der andere e den Dampf aus dem Cylinder B in die Auslaßröhre L leitet. Das Spiel dieses Ventiles dürfte für keinen Praktiker einer weiteren Erläuterung bedürfen.

Der Patentträger besteht nicht darauf, daß nur zwei Cylinder concentrisch innerhalb einander angebracht werden; er schlägt vielmehr vor, sich dreier concentrischer Cylinder zu bedienen, wenn die Kraft vom Anfange bis zum Ende des Hubes besser ausgeglichen werden soll, als dieß mit zwei Cylindern möglich ist, besonders wenn kein Schwungrad gehörig angebracht werden kann. In diesem Falle findet ein Theil der gewünschten Ausdehnung des Dampfes im zweiten, die volle Ausdehnung aber erst im dritten Cylinder Statt. Es versteht sich von selbst, daß hier zwei ringförmige Kolben und drei Reihen von Dampfwegen, die auf die aus der Zeichnung ersichtliche Weise vom Boden und Scheitel der drei Cylinder ausgehen, erforderlich werden. Ein einziges Ventil reicht auch bei dieser Einrichtung aus, nur muß dasselbe drei Leitungswege besizen, die ebenso angeordnet sind wie die Wege des oben beschriebenen Ventiles. Anstalt zweier Stangen kann man an jedem der ringförmigen Kolben eben so gut auch vier anbringen, die dann an ein mit Armen ausgestattetes Querhaupt geschirrt werden müssen, wie dieß aus Fig. 65 erhellt. Wären drei Cylinder vorhanden, so müßten die Arme des Querhauptes nothwendig so verlängert werden, daß auch die Kolbenstangen des zweiten ringförmigen Kolbens damit verbunden werden könnten. Was die Fixirung des inneren Cylinders anbelangt, so bindet sich der Patentträger hierin an keine Vorschrift, so wie man auch die Boden- und Dekelplatte für jeden einzelnen Cylinder aus einem eigenen Stüke bestehen lassen kann.

Eine weitere Erfindung und Verbesserung betrifft die nach dem Principe der sogenannten Barker'schen Mühle arbeitende rotirende Dampfmaschine, oder vielmehr jene Maschine, die in älterer Zeit |248| schon von Hero und in neuerer von Avery empfohlen wurde. Die Bewegung wird hier erzielt durch die Reaction des Dampfes, welcher frei aus Oeffnungen, die sich im Umfange einer Trommel oder eines Rades befinden, oder aus den Enden röhrenförmiger, unter rechten Winkeln gegen einander gestellten Armen ausströmt. Fig. 66 ist ein senkrechter Querdurchschnitt der neuen Maschine nach der in dem senkrechten Längendurchschnitte, Fig. 67, durch Punkte angedeuteten Linie e, f. A, B sind die beiden Räder, aus denen die Maschine besteht, und welche an gesonderten Wellen aufgezogen sind. Das Rad B ist an der hohlen Welle g fixirt, die in dem Gestelle der Maschine in entsprechenden Zapfenlagern läuft, und deren Ende auf irgend eine der üblichen Verkuppelungsmethoden mit der Dampfzuführungsröhre verbunden ist. Die Welle leitet den Dampf in die Mitte des Rades B, von wo aus er dann durch die Canale i, i, Fig. 66, in den ringförmigen, am Umfang des Rades befindlichen Canal h, h vertheilt wird. Aus diesem Ringe strömt der Dampf durch die an dessen Umfang angebrachten Oeffnungen k, k aus, wobei er die Flügel oder Schaufeln l, l des zweiten Rades A trifft, so daß also dieses Rad A in einer dem Rade B entgegengesezten Richtung umgetrieben wird. Das äußere Gehäuse r, r ist mit einer Röhre s versehen, durch welche der verbrauchte Dampf austritt. Da bereits von Anderen verschiedene Arten umlaufender Arme, Trommeln und Räder vorgeschlagen und angewendet wurden, so bindet sich der Patentträger an keine bestimmte Form des Dampfrades B. Er erklärt vielmehr ausdrüklich, daß seine Erfindung lediglich in der Anwendung des concentrischen Rades A, dessen Ring sich in derselben Ebene bewegt wie das Dampfrad, beruht. Dieser Ring ist mit den Flügeln oder Schaufeln ausgestattet, deren Stellung deutlich aus Fig. 66 erhellt.

Das Spiel dieser Maschine ist folgendes. Der frei bei den Oeffnungen b ausströmende Dampf theilt dem umlaufenden Körper, aus dem er ausströmt, nur einen Theil seiner Geschwindigkeit mit, woraus denn folgt, daß die nicht mitgetheilte Geschwindigkeit ebenso verwendet werden kann, wie Dampf, der mit einer gleichen Geschwindigkeit aus einer unbeweglichen Mündung ausströmt. Diese Geschwindigkeit wird nun benuzt, um das concentrische Flügelrad in Bewegung zu sezen, und zwar in einer den Austrittsmündungen entgegengesezten Richtung. Diese Bewegungen werden mittelst irgend eines der bekannten Mechanismen in der Haupttreibwelle F combinirt, wie dieß z.B. in Fig. 67 durch Riemen und Trommeln geschieht.

Fig. 68 zeigt eine Modification der verbesserten rotirenden Dampfmaschine. |249| Dieser gemäß läuft das concentrische Flügelrad frei an der Achse oder Welle des Dampfrades, und die Bewegungen beider Räder A, B sind mittelst der drei Winkelräder m, n, o combinirt. Das Rad m ist an der Nabe des Flügelrades fixirt. Das Zwischenrad n läuft an einem Zapfen und ruht mit seiner Welle in einem an dem Gestelle befestigten Träger. Das dritte Rad o endlich ist an der Welle des Dampfrades fixirt. Die Kraft der beiden Räder A, B wird also in der Treibwelle F combinirt und concentrirt, und von dieser durch ein Treibband, einen Rigger oder irgend eine andere taugliche Vorrichtung weiter fortgepflanzt.

In Fig. 69 sieht man die eben beschriebene Modification in horizontaler Stellung angewendet. Die hohle Welle g des Dampfrades B läuft durch eine andere hohle Welle, an der das Flügelrad A aufgezogen ist. Die Bewegungen dieser Wellen und deren Kraft sind auf die oben beschriebene Weise mittelst dreier Winkelräder in der Treibwelle F concentrirt. Diese Maschine ist auch in solchen Fällen anwendbar, wo Wasser die Triebkraft bildet; denn wenn das Wasser, nachdem es wie an der Barker'schen Mühle durch Oeffnungen von gehörigen Dimensionen ausgetreten, auf die Flügel des concentrischen Rades fällt, so wird dieß ebenso umgetrieben werden, wie es in dem zuerst beschriebenen Falle durch Dampf getrieben wurde.

In Fig. 70, 71 und 72 sieht man verschiedene Formen von Flügeln und deren Stellung in dem Ringe des Rades A. Die Zeichnungen sind so deutlich, daß es keiner Beschreibungen bedarf. Wünschenswerth ist es, daß die Ränder der Flügel der austretenden Flüssigkeit dargeboten werden, wie dieß aus Fig. 66 erhellt. Der Ausschnitt, in den die Flügel eingesezt werden, kann entweder die Gestalt eines Vierekes haben, wie z.B. in Fig. 67; oder man kann ihm irgend eine winkelige, Fig. 68 und 69, oder eine krummlinige Form geben.

Eine fernere Verbesserung der rotirenden Maschinen beruht auf einer Verbindung der oben in Hinsicht auf die ausdehnungsweise arbeitenden Maschinen angegebenen Verbesserungen mit dem Principe der rotirenden Maschinen. Fig. 73 zeigt eine demgemäß eingerichtete Maschine in einem Längendurchschnitte. Das luftdicht schließende Gehäuse I, I ist durch die Scheidewände P, P in mehrere, mit 1, 2, 3 bezeichnete Kammern abgetheilt, und in jeder dieser Kammern ist an der Hauptwelle F ein dem oben beschriebenen ähnliches oder auch anders gebautes Dampfrad B aufgezogen. Jedes dieser Räder hat einen hohlen Halsring g, der sich in den entsprechenden Scheidewänden in kegelförmigen Anwellen bewegt. Diese hohlen Halsringe leiten den Dampf aus den Kammern in das Innere der Räder. Der |250| in der Röhre K herbeiströmende Dampf tritt in die Mitte des Ra des in Nr. 1 ein, und entweicht durch die am Umfange dieses Rades befindlichen Löcher in die Kammer Nr. 1, die hiedurch zum Dampfbehälter für das in Nr. 2 befindliche Rad wird. Ebenso wird die Kammer 2 zum Dampfbehälter für das Rad in Nr. 3, und so fort durch alle Kammern, welche die Maschine zählt. Diese Zahl leidet nur durch den Druk des Dampfes im Kessel und durch das Verhältniß, welches in der Differenz des Dampfdrukes in den verschiedenen Kammern besteht, eine Beschränkung.

Der Patentträger bemerkt, daß aus der beschriebenen Verbindung einer Reihe von Kammern und Rädern kein Vortheil erwachsen würde, wenn die Oeffnungen sämmtlicher Räder gleichen Flächenraum hätten. Der Vortheil ergibt sich vielmehr erst dann, wenn man diesen Flächenraum an den auf einander folgenden Rädern so regelt, daß in dem Druke, den der Dampf in den verschiedenen Kammern hat, eine bestimmte Differenz besteht und unterhalten wird; und wenn man so viele Räder und Kammern miteinander in Verbindung bringt, daß die Expansivkraft des Dampfes gänzlich erschöpft ist, bevor derselbe in die atmosphärische Luft oder in den Verdichter entweicht. Gesezt z.B., daß die Röhre K Dampf liefere, dessen Druk 80 Pfd. auf den Zoll beträgt; daß die Differenz des Drukes in den einzelnen Kammern 10 Pfd. ausmache, und daß 8 Kammern vorhanden sind, so erhellt offenbar, daß mit jeder Verminderung des Drukes durch die Ausdehnung auch eine entsprechende Zunahme im Volumen Statt finden wird; und daß der Uebergang dieses größeren Volumens aus einer Kammer in die andere, während gleichzeitig das angegebene Differenzverhältniß des Drukes beibehalten würde, gänzlich von der gehörigen Regulirung der Oeffnungen bedingt wäre. Ist diese Regulirung erzielt, so muß nothwendig durch die ganze Reihe von Kammern die Geschwindigkeit eine gleichförmige bleiben. Nimmt man demnach an, daß sich der Dampf in demselben Verhältnisse ausdehne wie die atmosphärische Luft, und daß der Druk des Dampfes in der lezten Kammer durch Ausdehnung auf 10 Pfd. per Zoll vermindert worden, so hat sich das Volumen des Dampfes im Vergleiche mit dem ursprünglichen Volumen um das Achtfache vergrößert; woraus dann folgt, daß die Oeffnungen des lezten Rades acht Mal mehr Flächenraum haben müssen, als jene des ersten der acht Räder, und daß deren Reactionskraft folglich auch acht Mal so groß seyn wird. Da die Ausdehnung in der ersten Kammer beginnt und durch die ganze Kammerreihe fortwährt, so wird der Gesammtbetrag der erzielten Kraft, nach dem Verhältnisse der atmosphärischen Ausdehnung berechnet, beiläufig 2 2/3 Mal soviel betragen, als wenn der Dampf |251| nur durch ein einziges Rad geströmt wäre. Zu bemerken kommt nur noch, daß man die Kraft noch erhöhen kann, wenn man in jeder der Kammern an der Hauptwelle ein Flügelrad A, A. aufzieht, und sich dann der bei Fig. 68 beschriebenen Steuerung bedient.

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