Titel: Poole's verbesserte Stühle zum Weben façonnirter Zeuge.
Autor: Poole, Moses
Fundstelle: 1838, Band 70, Nr. LXIV. (S. 280–290)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj070/ar070064

LXIV. Verbesserungen an den Stühlen zum Weben façonnirter Zeuge, worauf sich Moses Poole, am Patent Office, Lincoln's Inn in der Grafschaft Middlesex, am 30. Nov. 1837 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions. Septbr. 1838, S. 129.

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Die gegenwärtigem Patente zu Grunde liegende Erfindung beruht auf der Anwendung der bekannten Jacquard'schen Maschinerie auf die sogenannten mechanischen Webestühle, um mittelst Dampf oder einer anderen Triebkraft façonnirte Seiden-, Baumwoll-, Hanf-, Leinen- oder andere Zeuge fabriciren zu können. Obschon es bereits mannigfache Vorrichtungen gibt, denen gemäß die Art und Weise, auf welche die Fäden in einem Gewebe gelegt werden, nach dem Jacquard'schen Systeme durch Anwendung durchlöcherter Pappendekel controlirt werden soll; und obschon wir bereits mehrfache Arten mechanischer, durch Dampf oder eine andere Triebkraft in Bewegung zu sezender Webestühle besizen, so geschieht es nun meines Wissens doch zum erstenmal, daß das Jacquard'sche System mit einem mechanischen Webestuhle in Verbindung gebracht wird.

Fig. 41 zeigt den neuen Webestuhl in einem Seitenaufrisse, während man denselben in Fig. 42 in einem Frontaufrisse dargestellt sieht. An beiden Figuren sind zur Bezeichnung gleicher Theile gleiche Buchstaben beibehalten. Ich habe der Beschreibung nur die Bemerkung vorauszuschiken, daß ich bei derselben angenommen habe, der mit acht Lizen erzeugte Grund des Fabricates habe das Aussehen von sogenanntem Atlas. Sollte der Grund ein anderer seyn, so müßte eine etwas andere Einrichtung getroffen werden; ich habe übrigens gedacht, daß meine Beschreibung am deutlichsten ausfallen müßte, wenn ich den Stuhl dabei als in der Erzeugung eines bekannten Fabricates begriffen dachte.

Die Rolle oder Trommel A wird von einer Dampfmaschine oder einer anderen Triebkraft her mittelst eines Treibriemens in Bewegung gesezt. An ihrer Welle befinden sich die Kurbelarme B, an denen die beiden Verbindungsstangen C angebracht sind. Leztere theilen die Bewegung auf solche Art an die Lade D mit, daß diese so viele Schläge macht, als die Rolle A Umgänge vollbringt. Die Bewegung der Lade bedingt das Aufrollen des fabricirten Zeuges auf den Werkbaum, und in dem Maaße, als die Fabrication fortschreitet, auch das Abwinden der Kette von dem Kettenbaume. An der |281| Welle des Werkbaumes E, auf dem das erzeugte Gewebe aufgewunden wird, befindet sich das Rad F, welches in das an der Welle des Zahnrades H aufgezogene Getrieb G eingreift. An der Welle des Zahnrades H bemerkt man einen Hebel I, an dessen Ende die in das Rad H einfallenden Sperrkegel oder Däumlinge J angebracht sind. Derselbe Hebel ruht mit seinem anderen Arme auf einer Walze K, die an dem Hebel L, dessen Drehpunkt sich unter der Welle des Zahnrades H befindet, aufgezogen ist. Die Stange N verbindet das Ende dieses Hebels L mit der Lade. Um übrigens den Hebel L auf der erforderlichen Höhe zu erhalten, ist auch noch eine andere Stange O vorhanden. An dem Hebel I ist mittelst einer Schnur oder einer Stange das Gewicht P aufgehängt, welches die Sperriegel J fortwährend mit dem Zahnrade H in Berührung erhält. Am Schlusse einer jeden Bewegung der Lade D wird der Hebel L von der Stange N aufgehoben, wo dann die Walze K ihrerseits die auf ihr ruhenden Arme des Hebels I emporhebt. Durch leztere Bewegung werden die die Sperrkegel J führenden Arme des Hebels I dagegen herabgesenkt, so daß diese Sperrkegel die Zähne des Rades H verlassen, und dafür in andere, weiter unten befindliche Zähne einfallen. Wenn die Lade D hingegen wieder zurükkehrt, so sinkt der Hebel L herab, ohne daß jedoch seine Walze K die Arme des Hebels I in die Höhe treibt, da diese durch das Gewicht P herabgezogen werden. Dagegen steigen die die Sperrkegel J führenden Arme empor, um das Rad H um eben so viele Zähne umzutreiben, als die Sperrkegel während der Bewegung der Lade D vorübergehen ließen. Während sich die Lade vorwärts bewegt, hält ein Sperrer R, der bei S einen Drehpunkt hat, das Rad H fest. Die Bewegung, die das Rad H durch die Sperriegel J mitgetheilt erhielt, pflanzt sich durch das Getrieb G an das an der Welle des Werkbaumes E befindliche Rad F fort, so daß also auf diesen Baum eine den Verhältnissen der Durchmesser der Räder H und F und des Getriebes G, und der Zahl der Zähne, an denen die Sperrkegel J beim Herabfallen vorübergingen, entsprechende Zeuglänge aufgewunden wird. Die Zeuglänge, welche der Werkbaum bei jedem Schlage der Lade aufrollt, und der Schlag, den das Fabricat erleidet, läßt sich demnach beliebig reguliren. Je schneller sich das Getrieb G bewegt, um so weniger wird der Zeug geschlagen werden. Die Festigkeit desselben läßt sich also durch Regulirung der Länge der Stange N, die den Hebel L mit der Lade D verbindet, verändern. Wenn man z.B. diese Stange verlängert, so wird die Lade den Hebel L nicht so hoch emporheben; folglich wird dem Hebel I keine so ausgedehnte Bewegung mitgetheilt werden, die Sperrkegel J werden sich nicht |282| über so viele Zähne des Rades H bewegen, und der Zeug wird also, da er nicht so rasch aufgewunden wird, stärker geschlagen werden. Dieses Aufwinden des gewebten Zeuges bedingt ein entsprechendes Abwinden der Kette T, unter der sich die Walze U befindet. An dieser Walze sind die beiden Riemen V, V befestigt, die, nachdem sie mehreremale um die Walze U gewunden, endlich an den Hebeln X, X, die ihre Drehpunkte in Y haben, festgemacht sind. An diesen Hebeln befinden sich die Gewichte Z, die den Riemen eine größere oder geringere Spannung geben, je nachdem man sie mehr oder weniger von den Drehpunkten Y entfernt. Die Spannung der Riemen V bestimmt die Spannung der Kette, die jedoch nicht so weit getrieben werden darf, daß dadurch das Glitschen der beiden Walzenenden U in den dieselben umschlingenden Riemen verhindert wird. Denn die Reibung dieser Riemen ist es, welche die Kette auf den gehörigen Grad gespannt hält; und diese Reibung muß eine solche seyn, daß sie dem Zuge nachgibt, der durch das Aufwinden des Zeuges auf den Baum E auf die Kette ausgeübt wird. A¹ ist eine kleine Walze, über welche die Kette läuft, nachdem sie die Walze U verlassen; sie kann mittelst ihrer Anwellen B¹ , die in den Fugen oder Spalten C¹ fixirt sind, höher oder tiefer gestellt werden, so daß man die Kette auf die Höhe des Geschirres bringen kann. Die drei Stäbe D¹, D¹, D¹ dienen dazu, die Kettenfäden in gehöriger Ordnung zu erhalten; von ihnen aus laufen die Fäden in das Jacquard-Geschirr E¹ ; hierauf in die Lizen X¹, X¹ , und endlich in das Rietblatt G¹ , worauf sie durch das Einschießen des Eintrages in Zeug verwandelt an die Querstange und von dieser hinab an den Werkbaum E gelangen.

Ich gehe nun zur Beschreibung der Anwendung des Jacquard'-schen Apparates über. Dieser Apparat, der, so wie man sich seiner an den Handwebestühlen bedient, hinlänglich bekannt ist, beruht auf der Leitung der Bewegung der Kettenfäden mittelst einer Reihe durchlöcherter Pappblätter, um bei der Damast-, Seiden- oder sonstigen Weberei Muster zu erzeugen, die durch die Zahl der Fäden, welche bei den einzelnen Würfen der Schüze aufgehoben oder niedergelassen sind, bedingt werden. I¹, I¹ sind die Bleie, welche die Schnüre J¹, J¹ des Jacquard-Geschirres beständig gespannt erhalten, und deren Gewicht so wie an dem gewöhnlichen Jacquard-Stuhle nach der Art und Qualität des Fabricates abgeändert werden muß. Die Schnüre J¹, J¹ gehen zuerst durch ein durchlöchertes Brett K¹, K¹ , welches man in einigen Fabriken das heilige (holy board) zu nennen pflegt, und über dem jede einzelne Schnur, je nach dem Muster, welches gewebt werden soll, mit einer größeren oder kleineren Anzahl von Schnüren verbunden wird. Die Schnüre M¹, M¹ laufen ihrerseits |283| durch ein zweites durchlöchertes Brett L¹, L¹ damit sie im Körper des Jacquard zusammengehalten werden, worauf dann jede einzelne Schnur durch das Oehr einer horizontalen Nadel N¹ geführt ist. Diese Nadeln sollen je nach der Länge, die sie haben müssen, aus Eisendraht Nr. 13, 14 oder 15 verfertigt werden. Nachdem die Schnüre durch das Oehr der Nadel gezogen worden, führt man sie durch die Löcher eines dritten Brettes, hinter dem sie einzeln mittelst eines Knotens festgehalten werden. Außerdem hat jede der Schnüre M¹ beiläufig einen Zoll vor der Nadel, durch die sie geführt ist, auch noch einen anderen Knoten. Hieran sind die Zähne eines Kammes fixirt, der jene Fäden, die durch die Wirkung der Nadeln und der Pappblätter aufgehoben worden sind, emporzuheben hat. P¹, P¹ sind die Däumlinge, welche sich bei jeder Veränderung der Musterblätter umdrehen. Die Aufgabe des unteren Däumlinges ist den Cylinder O¹ , und wenn es nöthig ist, auch nach der entgegengesezten Richtung mittelst der Schnur Q¹ und der Rolle R¹ umzudrehen. Diese Schnur Q¹ wird von dem den Stuhl bedienenden Arbeiter gehalten und in einen Knoten geschlungen. Soll der Cylinder nach entgegengesezter Richtung umgedreht werden, so wird er in einer Auskerbung zurükgehalten, wodurch der untere Däumling mit dem Jacquard-Cylinder in Berührung kommt, und der gewünschte Erfolg auf die bekannte Weise eintritt. S¹, S¹ sind die durchlöcherten Pappblätter, welche zum Behufe der Erzeugung des Musters mit dem Cylinder O¹ in Berührung kommen; sie laufen in Gestalt einer endlosen Kette über die zu ihrer Leitung bestimmten Walzen T¹, T¹. Sie werden hiebei von den ledernen Riemen U¹, U¹ getragen, und sind leicht so zu ordnen, daß sie in einer gewissen Reihenfolge an den Cylinder gelangen. Ein zur Bedienung des Stuhles aufgestellter Knabe kann leicht mit den Händen das Emporsteigen dieser Pappblätter reguliren. Der Hebel V¹ dient dazu, dem Jacquard seine Bewegung mitzutheilen. Die Stange X¹, welche an der Seite des Sahlbandes der Kette hinläuft, verbindet diesen Hebel mit dem sogenannten Contremarsche Y¹ , der durch eine andere Stange auch mit dem Tritte Z¹ des Cylinders O¹ in Verbindung steht. Das Gewicht des Trittes Z¹ ist durch ein auf den Hebel W¹ wirkendes Gewicht ausgeglichen; und um die Bewegung des Trittes regelmäßiger zu machen, ist dessen Ende in einer Spalte fixirt. Es dreht sich um seinen Drehpunkt A¹ , wenn der Cylinder O¹ gegen die Nadeln N¹ getrieben wird. Die Löcher der Pappblätter bleiben an der Stelle der Nadeln, die durch sie hindurchgedrungen sind; alle gleichen Pappblätter bringen aber die Nadeln wieder mit diesen Löchern in Berührung, wodurch die durch die Nadeln geführten Schnüre M¹ |284| angezogen und deren Knoten auf den Zähnen des Kammes fixirt werden. Wenn dann der Hebel V¹ durch die Stange X¹ des an dem Tritte Z¹ angebrachten Contremarsches Y¹ in Bewegung gesezt wird, so wird das Muster durch die Pappblätter erzeugt. Der Hebel V¹ ist an einem Eisenstabe D² , der sich an seinen beiden Enden E², E² dreht, festgemacht. Ebenso ist an diesem Stabe D² aber auch noch der Hebel F² befestigt, der an dem einen Ende mit einer um eine Achse beweglichen Stange G² in Verbindung steht. Das andere Ende dieser Stange G² steht seinerseits mit einer anderen Stange I² in Verbindung, und an der Verbindungsstelle dieser beiden Stangen befindet sich eine Walze H². Die Stange I² ist mit dem Gestelle, welches den Cylinder O trägt, verbunden, und die Schrägfläche J² nimmt die Walze H² auf. Der andere Arm des Hebels F² ist mit dem den Kamm C² führenden Gestelle verbunden, und hebt also diesen empor, wenn der erstere Arm des Hebels herabgesenkt wird. Wenn der Hebel V¹ von Oben nach Abwärts gezogen wird, so erhellt offenbar, daß sich der Hebel F² gleichfalls in derselben Richtung bewegen, und mithin eine entsprechende Bewegung der Stange G² , der Walze H² auf der Schrägfläche J² , der Stange I² und des einen der Gestelle des Cylinders O¹ veranlassen wird, wodurch bewirkt wird, daß der Cylinder die Nadeln entfernt. Findet die Bewegung des Hebels V¹ nach entgegengesezter Richtung Statt, so wird der Cylinder O¹ gegen die Nadeln getrieben. Während der Cylinder O¹ die Nadeln entfernt, dreht sich einer der Däumlinge P¹ , wodurch ein neues Pappblatt vor die Nadeln gebracht wird. Die Schrägfläche J² gewährt nur den Vortheil, daß sie die Bewegungen des Jacquard regulirt. Das Gestell oder der Rahmen, der den Cylinder O¹ trägt, dreht sich am oberen Theile des Stuhles bei K², und wird mittelst Schrauben so regulirt, daß die Löcher in directe Berührung mit den Nadeln kommen. Der untere Theil des Jacquard hat seine Stüzpunkte bei L², L². An dem oberen Ende des Stuhles befinden sich die Schrauben und Schraubenmuttern, deren Aufgabe es ist, den Cylinder O¹ fixirt zu erhalten, wenn er durch die Däumlinge P¹ umgetrieben worden. An dem oberen Theile des Jacquard ist aber ferner einer Stange N² aufgehängt, die unten mit einem Gewichte versehen ist; ihr Geschäft ist während der rükgängigen Bewegung des Cylinders O¹ jene Nadeln, die bei der Bewegung desselben nach Vorwärts vorgedrungen sind, wieder zurükzuführen. Sie bewege sich bei O² um eine Spindel; würde sie stets mit den Nadeln in Berührung bleiben, so würde sie eine bedeutende Gewalt darauf ausüben, was jedoch nicht nöthig ist, ausgenommen sie werden durch den Rüklauf des Cylinders O¹ zurükgetrieben. Eine nach |285| Abwärts sich erstrekende Verlängerung P² dieser Stange trifft mit einem kleinen Vorsprunge Q² der Stange I² zusammen. Dieser Vorsprung treibt also beim Zurükweichen der Stange I² die Verlängerung P² und mithin auch die Nadeln zurük; dagegen drükt die Verlängerung P² vermöge ihrer eigenen Schwere gegen die Nadeln, wenn die Stange I² vorschreitet, um den Rahmen des Cylinders O¹ zu bewegen. R² ist eine kleine horizontale Platte mit mehreren kleinen Walzen, über welche die Schnüre M¹ gegen die Mitte des Stuhles hin geführt werden, damit die den Sahlleisten zunächst gelegenen Schnüre der Kette eben so hoch aufgehoben werden, als die in der Mitte befindlichen. Je höher der Jacquard über dem Stuhle angebracht wird, um so besser ist es.

Ich will nun zeigen, wie der Stuhl, wenn er in Thätigkeit ist, auf den Jacquard wirkt. Das Rad S², welches man in Fig. 43 und 44 einzeln für sich abgebildet sieht, und welches an der Welle T² aufgezogen ist, drükt, wenn es umläuft, den Tritt Z¹ des Cylinders herab, weil sein Umfang stets mit der an dem Tritte Z¹ angebrachten Walze U² in Berührung steht. Die Folge hievon ist, daß der Jacquard mittelst der Stange Z¹ und des Hebels V¹ in eine entsprechende Bewegung versezt wird, und daß also von den mit den Schnüren in Berührung stehenden Kettenfäden jene aufgehoben werden, die von den Nadeln erfaßt worden. Bei jedem Umgange des Rades S² fällt jedoch die Walze U² in einen an dem ersteren befindlichen Ausschnitt, wie man dieß in Fig. 41 und 43 sieht; und hieraus folgt, daß die Schnüre und mit ihnen auch die emporgehobenen Kettenfäden wieder herabsinken. Wenn in demselben Momente das eben gewebte Pappblatt durch ein neues ersezt worden, so sezt das Rad S² seine Bewegung fort, wodurch der Tritt Z¹ abermals herabgedrükt wird. Die mit den Muster- oder Pappblättern in Berührung gebrachten Kettenfäden werden also bei jedem Umgange des Rades S² aufgehoben. Der Tritt V² bewegt sich, wie Fig. 41 zeigt, an seiner Welle A³ ; und der Contremarsch hat seine Welle in B³ , wie dieß in Fig. 42 angedeutet ist. Jede Schnur ist durch eine Schnur C³ mit einer Contreschnur verbunden. Zwei andere Schnüre oder auch Drähte G³ sind an den Hebeln E³ befestigt, die mittelst der Stange F³ mit dem Hebel G³ verbunden sind. An dem anderen Ende dieses Hebels G³ sind die Gewichte H³ aufgehängt, welche die Lizen X³ , die sonst durch das Gewicht des Trittes und des Gegentrittes herabgezogen werden würden, beständig emporzuziehen streben. In senkrechter Stellung werden diese Gewichte H³ durch die Führer I³ erhalten. Hieraus ergibt sich, daß, wenn die Stange Y² herabgesenkt wird, sie mittelst der beschriebenen Anordnungen die mit ihr in Berührung stehenden |286| Schnüre herabziehen wird; daß aber, wenn ihre Wirkung aufhört, die Schnüre wieder durch die Gewichte H³ emporgezogen werden, indem leztere durch die angegebenen Hebelverbindungen und Schnüre auf sie wirken. Der Tritt V² wird mittelst Fugen, die in das Gestell J³ geschnitten sind, in einer und derselben Richtung erhalten. Der Querbalken K³ trägt die Welle A² des Trittes Z¹ des Cylinders, so daß also die Hebelarme dieses Trittes zum Behufe der Regulirung des Winkels, den die Kettenfäden zu bilden haben, um hinreichenden Spielraum für die Schüze zu gestatten, regulirt werden können. Je länger nämlich der Hebelarm ist, um so größer wird dieser Raum seyn und umgekehrt.

Ich will nun zeigen, wie die Lizen X² durch den Tritt V² und die gegenüberliegende Stange Y² in Bewegung gesezt werden. An der Welle T² sind acht Kämme oder Muschelräder L³ aufgezogen, welche durch den Tritt V² in gehöriger Ordnung in Thätigkeit gesezt werden, zu welchem Zweke sie auch spiralförmig an der Welle T² angebracht sind. Eine deutlichere Ansicht derselben erhält man aus Fig. 50. Mit dieser Anordnung lassen sich alle dem zu webenden Fabrikate entsprechenden Stellungen erzielen. Eine an jedem der Tritte V² befindliche Hervorragung M³ erfährt die Einwirkung des zu diesem Gange gehörigen Muschelrades. Der Umfang der Welle T² ist in neun gleiche Theile abgetheilt, von denen acht von je einem der Muschelräder L³ eingenommen werden, während der neunte Theil dem Ausschnitte des Rades S² entspricht. Die im Grunde des Fabricates befindlichen Lizen bewegen sich nicht; auch sind hier keine Kettenfäden aufzuheben. Die Welle T² erhält ihre Bewegung durch das im ihr bemerkbare Rad S² und durch das Getrieb O³ an der Welle P³ , die von der Trommel A her umgetrieben wird. Da das Getrieb O³ neunmal weniger Zähne hat, als das Rad S², so vollbringt es neun Umläufe, während lezteres einmal umgeht. An der Welle P³ sind zwei Kurbeln befestigt, und an diesen befinden sich zwei ausgefalzte Stangen C³ , die mit ihren anderen Enden an die Lade D gefügt sind. Hieraus folgt, daß jeder Umgang der Welle P³ oder des Getriebes O³ einen Schlag der Lade D, jeder Umgang des großen Rades S² dagegen neun solcher Schläge bewirkt. Dabei kommt zu bemerken, daß bei dem Atlasgrunde, der hier als Beispiel gewählt ist, auf jedes Pappblatt acht Schüzenwürfe kommen; und daß, während das Pappblatt für ein anderes umgewechselt wird, die Schüze ruhig zu verbleiben hat, wonach also während des neunten Schlages der Lade D die Schüze unbewegt bleiben muß. Ein Beispiel wird dieß erläutern. Die Lade D ist auf gewöhnliche Weise an dem oberen Theile des Stuhles aufgehängt; der Schüzentreiber Q³ ist an dem Schwerte K³ der Lade |287| angebracht, und zwar mittelst der Krüke S³ ; an ihm bemerkt man auch den Riemen U³; je weiter er sich bewegt, um so höher wird er empor gehoben. Seine Bewegung erhält der Schüzentreiber Q³ durch das an der Welle T² laufende Rad V³. Diese Räder V³, von denen man in Fig. 45 eines für sich allein abgebildet sieht, sind in neun gleiche Theile getheilt, von denen vier ausgetieft sind, während die fünf anderen zahnartige Vorspränge bilden. Der vierte und fünfte Zahn, welche miteinander verbunden sind, bilden einen Doppelhaken. Auf jedem dieser Räder V³ ruht ein Hebel X³ , der seinen Drehpunkt in Y³ hat, und an dem sich ein Vorsprung Z³ befindet. So oft dieser Vorsprung mit einem der Zähne des Rades in Berührung kommt, wird der Hebel aufgehoben; dagegen sinkt dieser herab, wenn der erwähnte Vorsprung in die ausgetieften Stellen des Rades gelangt. Durch das Umlaufen der Räder V³ werden demnach die Hebel X³ abwechselnd gehoben oder herab gesenkt, und zwar so, daß einer der Hebel gehoben, der andere dagegen gesenkt ist, ausgenommen, wenn am Ende des Umlaufes die beiden Vorsprünge der beiden Räder V³ gemeinschaftlich wirken, was bei jedem neunten Umlaufe des an der Welle P³ befindlichen Getriebes O³ Statt findet. An das Ende eines jeden dieser Hebel ist eine Stange W³ gefügt, die mit einem sogenannten Hunde A⁴ in Verbindung steht. Lezterer ist seinerseits auf solche Weise an dem Gestelle des Stuhles befestigt, daß er sich leicht bewegen kann, wenn der Hebel X³ gehoben oder gesenkt wird. Vorne vor diesem Hunde A⁴ ist an dem Schwerte der Lade D ein Mechanismus B⁴ angebracht, den man in Fig. 46 einzeln für sich abgebildet sieht, und den ich den Triangel nennen will. Dieser Triangel vollbringt an der Welle oder Spindel C, an der sich ein kleiner Vorsprung D⁴ befindet, abwechselnd eine kreisförmige und eine horizontale Bewegung. Wenn einer der Hebel X³ durch einen der Zähne der Räder V³ emporgehoben wird, so wird der correspondirende, damit in Verbindung stehende Hund A⁴ gleichfalls gehoben werden, dagegen wird derselbe herabsinken, so oft die Hebel X³ in die Austiefungen der Räder V³ einfallen. In der Zeichnung ist der Hund A⁴ als herabgesunken dargestellt. Die Lade D trifft bei ihrer Rükkehr auf den Vorsprung D⁴ des Triangels B; und die Folge hievon ist, daß sich lezterer rasch um seine Welle C⁴ dreht, und zugleich den ledernen Riemen U³ anzieht, der mit dem Schüzentreiber in Verbindung steht, so daß dann dieser auf die gewöhnliche Weise auf die Schüze wirkt. Hat der Schüzentreiber die Schüze ausgeschleudert, so wird er durch die Feder E⁴ wieder an seine Stelle zurük geführt. Der Anordnung der Räder V³ gemäß, bleibt einer der Schüzentreiber im Ruhestand, während der andere in Bewegung ist; beide bleiben |288| sie aber bewegungslos, wenn der große Zahn der Räder V³ gleichzeitig auf die Hebel X³ wirkt. In diesem Augenblike, wo die Schüze ruht, bewirkt das Rad S² eine Veränderung der Pappblätter, was denn auch wirklich bei jedem neunten Umlaufe der Welle P³ geschieht. Die Bewegung, welche die Lade in dieser Zeit vollbringt, hat keinen Einfluß auf das Fabricat; denn da der Kamm kein zu verarbeitendes Material findet, so kann er auch nichts ausrichten. Die Kraft des Schüzenwurfes läßt sich durch Verlängerung oder Verkürzung des ledernen Riemens U³ oder auch durch irgend einen anderen Mechanismus reguliren.

Aus der voranstehenden Beschreibung ergibt sich, daß man sowohl an dem mechanischen Webestuhle, als an dem Apparate, durch den eine Reihe durchlöcherter Pappblätter nacheinander in Thätigkeit gesezt werden kann, an den Nadeln oder an den Instrumenten, welche zur Führung der Kettenfäden mittelst solcher durchlöcherter Pappblätter dienen, verschiedene Modificationen machen kann. Ich gründe daher meine Ansprüche auf keinen dieser einzelnen Theile, noch auf eine bestimmte Anordnung derselben, sondern ich dehne sie wie gesagt auf die Verbindung des Jacquard'schen Systemes mit der mechanischen Weberei im Allgemeinen aus.

Nachdem ich somit gezeigt, wie die Jacquard'sche Maschinerie durch den in Fig. 41 und 42 abgebildeten Mechanismus mittelst Dampf oder einer anderen Kraft in Bewegung gesezt werden kann; nachdem ich bisher eine Einrichtung gezeigt, der gemäß der Grund des Fabricates mit Tritten, deren Anzahl von der Art des gewünschten Grundes abhängt, erzeugt wird, während das Muster durch die durchlöcherten Pappblätter hervorgebracht wird; will ich nunmehr auch erläutern, wie ich jedes beliebige Muster ohne Anwendung der in Fig. 41 und 41 abgebildeten Tritte und lediglich mit den Pappblättern allein zu erzeugen im Stande bin.

Bekanntlich sind an allen Jacquard-Stühlen, mit denen Muster in den Zeugen erzeugt werden, wenn man sich zur Erzeugung des Grundes des Fabricates der Tritte bedient, durch jedes der sogenannten Ringelchen drei oder mehrere Kettenfäden gezogen, und diese Fäden sind einzeln durch die vorderen Blätter oder Tritte geführt. Wenn daher die Jacquard-Maschine mittelst der Pappblätter je nach dem zu erzeugenden Muster einen gewissen Theil des Kettengarnes aufhebt, so werden je nach der Zahl der in jedem Ringelchen befindlichen Fäden drei oder mehrere Kettenfäden zugleich emporgehoben werden. Wenn es sich z.B. um einen achtblätterigen Atlas handelte, so würden auf jedes Pappblatt acht Einschußfäden kommen, bevor irgend ein Wechsel im Muster Statt fände, wie dieß auch in Fig. 41 |289| und 42 der Fall war. Die Hauptursache, warum ich für den Grund des Fabricates Tritte benüze, liegt, wie ich nun bemerken muß, darin, daß ein mit Tritten ausgerüsteter Stuhl weit weniger an Pappblättern, Bleien, Mustern etc. kostet. Dagegen kommt in Betracht, daß das Fabricat oder das Muster nicht so schön ausfällt, als wenn durch jedes Ringelchen nur ein Faden gezogen ist, und wenn auf jedes Pappblatt nur ein Faden Einschuß kommt.

In Fig. 47 und 48 sieht man einen Stuhl, der mit Pappblättern allein und ohne Anwendung von Lizen jedes Muster liefert. Da meine Maschinerie sich zum Betriebe aller Formen des Jacquard eignet, so hielt ich es nicht für nöthig, eine andere Art des lezteren abzubilden, und zwar um so weniger, als die in Fig. 41 und 42 dargestellte mir die beste zu seyn scheint. Ich habe ferner auch zur Bezeichnung der einzelnen Theile dieselben Buchstaben beibehalten. Es ist hier durch jedes Ringelchen nur ein Faden geführt, und es kommt auch auf jedes Pappblatt des Musters nur ein einziger Einschußfaden. Da jeder Kettenfaden auf solche Weise einzeln und unabhängig für sich aufgehoben werden kann, so folgt, daß wenn eine solche Einrichtung getroffen ist, daß die eine Hälfte der Pappblätter mit Löchern versehen ist, glatter Zeug gewebt wird, indem dann abwechselnd die Hälfte der Kette aufgehoben wird. Wäre der vierte Theil der Pappblätter durchlöchert, so würde der Zeug ein geköperter werden u.s.f. An dem in Fig. 47 und 48 abgebildeten Stuhle gibt die Lade jedem Einschußfaden zwei Schläge, und zwar den einen offen, den anderen hingegen, wenn die Maschine beinahe in ihre anfängliche Stellung zurükgekehrt ist. Man erhält auf solche Art ein viel besseres Fabricat, besonders wenn dasselbe aus feinen Seiden- oder Wollenfäden gewebt wird.

Ich erziele mittelst meiner Erfindung dieselben Bewegungen, wie sie an der gewöhnlichen, mit der Hand getriebenen Jacquard'schen Maschine Statt finden. In Fig. 47 ist A das Zahnrad und B dessen Getrieb; ersteres hat viermal so viel Zähne als lezteres, oder es verhält sich zu diesem wie 4 zu 1, so daß also das Getrieb viermal umlaufen muß, bis das Rad A einen Umgang zurüklegt. Die Lade gibt jedem Einschußfaden zwei Schläge. Die Schüze wird nur bei jedem zweiten Umlaufe des Getriebes B geworfen, und ihre Bewegung ist nach dem in Fig. 41 und 42 angedeuteten Principe regulirt. An der Welle des Stuhles bemerkt man ein Excentricum X, welches in vier Theile getheilt ist, von denen zwei nach entgegengesezten Richtungen ausgeschnitten sind, wie man dieß in Fig. 47 bei K, K sieht. Da dieses Excentricum X an der Welle des Stuhles festgemacht ist, so wird es, wenn der Stuhl in Bewegung gesezt wird, die Jacquard-Maschine |290| mittelst des Trittes O und der Walze G in Thätigkeit bringen. In der Zeichnung sieht man dasselbe übrigens in der Stellung, die es einnimmt, wenn der Stuhl stillsteht. In Fig. 49 sieht man eine Rolle, an deren gegenüberliegenden Armen die beiden Löcher i, i angebracht sind. In diese Löcher sind verschiebbare Zapfen V, V eingepaßt, die mittelst eines Hebels, welcher an einer für den Weber bequemen Stelle angebracht ist, beliebig vor- und rükwärts bewegt werden können. Ein zweites Rad Z ist an der Treibwelle o aufgezogen; und an diesem Rade befinden sich zwei Däumlinge oder Lüpfer, die emporsteigen, wenn die Zapfen V, V eingetrieben werden. Haben die Zapfen V, V die Lüpfer aufgehoben, so werden die Federn T, T sogleich wieder in ihre frühere Stellung zurük gelangen, wodurch die Zapfen V, V gesperrt werden und der Stuhl unmittelbar in Thätigkeit geräth.

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