Titel: Ueber die Sharp-Roberts'sche Mahlmühle mit excentrischen Steinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 70, Nr. LXXVI. (S. 343–357)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj070/ar070076

LXXVI. Ueber die Sharp-Robertssche Mahlmühle mit excentrischen Steinen, und die Steine aus Bergerac.66)

(Dem Vereine zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen von dem königl. Finanzministerium mitgetheilt und aus den Verhandlungen dieses Vereins, 1838, 4te Lieferung, S. 157 entnommen).

Mit Abbildungen auf Tab. V.

Unter den zahlreichen Erfindungen der neuesten Zeit, in Bezug auf das Mahlwesen, war die Sharp-Roberts'sche Mahlmühle mit excentrisch laufenden Steinen geeignet, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, und es mußte, bei der Wichtigkeit der Mehlfabrication überhaupt, und insbesondere für den preuß. Staat, wünschenswerth erscheinen, ein bestimmtes und zuverlässiges Urtheil über die Zwekmäßigkeit dieser neuen Vorrichtung zu gewinnen. Die Verwaltung für Handel, Fabrication und Bauwesen fand sich daher veranlaßt, eine solche Mühle aus England kommen und mehrfache Versuche von Sachkundigen mit derselben anstellen zu lossen, deren Ergebnisse in dem Folgenden zusammengestellt sind.

Ein zweiter, für die Mehlfabrication wichtiger Gegenstand war die Prüfung der in Frankreich vielfach angewendeten und sehr gerühmten Mühlsteine aus Bergerac, im Departement der Dordogne, und eine Vergleichung der Leistungen dieser Steine mit denen der in den inländischen bedeutenden Mühlenanlagen fast allgemein angewandten französischen Burrsteine aus La Fertésous-Jouarre. Auch hierüber sind Versuche veranlaßt worden, deren Resultate in dem Folgenden enthalten sind.

I. Sharp-Robertssche Mahlmühle.

Im Jahre 1834 ließen sich Thomas Sharp und Richard Roberts, beide Ingenieure in Manchester, auf die erwähnte, von einem |344| Amerikaner erfundene Mühle in England ein Patent ertheilen. Die Beschreibung so wie Abbildungen derselben finden sich im London Journal of arts etc. Vol. 5, pag. 345, und gingen von hier bald darauf in Dingler's polyt. Journal Bd. LVI. S. 285 über. Das wesentlich Neue an dieser Mühle liegt in einer eigenthümlichen Bewegung der Steine. Während bei den gewöhnlichen Mühlen mit horizontalen Steinen der untere, der Bodenstein, ruht, und nur der obere, der Läufer, sich drehend über ihn hinbewegt, drehen sich bei der hier in Rede stehenden Mühle beide Steine. Zunächst wird der untere größere Stein mittelst der an ihn befestigten Spindel und konischer Getriebe in Bewegung gesezt, und durch Reibung theilt er dem kleineren oberen Steine, der an einer besonderen Welle so über ihm befestigt ist, daß er ihn berührt, seine Bewegung mit, und nimmt ihn nach derselben Richtung, in der er selbst sich bewegt, mit herum. Dazu kommt, daß die Welle des oberen Steines nicht in der Verlängerung der des unteren, sondern excentrisch liegt, wodurch bewirkt wird, daß sowohl die Berührungspunkte zwischen den beiden Mahloberflächen, als die Geschwindigkeiten, mit denen diese Punkte an einander vorübergehen, beständig wechseln.

Größere Reibung auf die zu mahlenden Gegenstände, daher vollkommneres und schnelleres Mahlen und geringerer Kraftaufwand zur Bewegung werden als Hauptvortheile dieser neuen Einrichtung, im Vergleich zu den bisher gebräuchlichen Mühlen, von den Patentirten behauptet. Noch ist zu bemerken, daß das Princip dieser neuen Mühlen auch auf verticalstehende Steine angewendet werden kann, so wie, daß statt der Steine auch rauhe Metallplatten anwendbar sind.

Briefliche Mitteilungen aus England enthielten viel Rühmendes von diesen excentrischen Mühlen, und es ward daher eine solche mit französischen Steinen von resp. 28 und 24 Zoll Durchmesser zu dem Preise von 78 Liv. St. im Oktober 1835 bei Sharp, Roberts und Comp. in Manchester in Bestellung gegeben; außerdem ein Paar eiserne und ein Paar Granitsteine. Im Frühjahr 1836 kamen die bestellten Gegenstände hier an, ihr Preis betrug jedoch, da das Stangeneisen inzwischen von 7 Liv. St. 10 Sch. auf 11 Liv. St. 10 Sch. aufgeschlagen war, 129 Liv. St. 10 Sch.

Der erste Versuch fand in der hiesigen Dampfmühle des Hrn. Schumann Statt, der sich zur Vornahme desselben bereit erklärt hatte, und der Fabriken-Commissionsrath Frank berichtet hierüber Folgendes:

Wegen Mangel an Raum in den unteren Etagen konnte die Aufstellung nur auf dem Bodenraume, auf einem etwas bebenden |345| Fußboden, geschehen. Zum Betriebe wurde eine in der Mühle vorhandene eiserne Riemenscheibe von 42 1/2 Zoll Durchmesser benuzt, die 80 bis 82 Umgänge in einer Minute machte. Von dieser ging der Riemen unmittelbar auf die 17 1/2 Zoll im Durchmesser haltende Riemenscheibe der Sharp-Roberts'schen Mühle. Der Bodenstein derselben erhielt daher eine Geschwindigkeit von 194 bis 200 Umdrehungen in einer Minute. Gleich beim Anfange des mit den französischen Burrsteinen angestellten Versuches zeigte sich der Uebelstand, daß der Weizen nur unvollkommen zwischen die Steine geführt wurde, wenn dieselben so dicht zusammengestellt waren, als es zur gehörigen Zermalmung nöthig war. Es stopfte sich daher im Auge des oberen Steines und wurde über denselben hinweggestreut. Es war daher nöthig, die Steine weiter auseinander zu stellen. Dabei ließ das Stopfen im Auge zwar etwas nach, und das Korn kam besser zwischen die Steine, wurde aber nur grob zerrissen und schlecht enthülst. Da nach mehrmaligem Auf- und Niederstellen des Steins kein besseres Resultat hervorgebracht werden konnte, so mußte die Hoffnung aufgegeben werden, auf diese Weise zum Ziel zu gelangen.

Da es aber wahrscheinlich war, daß die Zuführung des Korns unter den Stein besser erfolgen würde, wenn der Oberstein vom Auge ab mit einigen kurzen vertieften Furchen in Form eines Sterns versehen würde, so wurde die Abänderung gemacht. Die hierauf angestellten Mahlversuche sind zwar etwas besser, als die ersteren, ausgefallen, waren jedoch keineswegs befriedigend, indem in einer Stunde nur ein halber Scheffel vermahlen wurde, das Schrot ein hartes Anfühlen hatte, sehr griesig war und keine Spur von der schönen Ausschälung bemerken ließ, welche die Burrsteine sonst gewöhnlich bewirken.

Zur Vornahme anderweitiger Versuche ward hierauf die fragliche Mühle an den Mühlenbaumeister Wulff, auf der Broddener Mühle bei Mewe, gesendet, welcher vor mehreren Jahren, als Zögling des Gewerbinstituts, nach Nordamerika gesendet worden war, und daher Gelegenheit gehabt hatte, sich mit dem Mühlenwesen genau bekannt zu machen. Der Umzug des Wulff nach Danzig, so wie einige andere Umstände bewirkten, daß die Versuche erst im Sommer des Jahres 1837 vorgenommen werden konnten.

Der erste Versuch, so schreibt derselbe, geschah mit den französischen Burrsteinen, die unverändert, wie ich dieselben erhalten, in Gang gesezt wurden. Der untere Stein erhielt 160 bis 180 Umdrehungen in der Minute. Bei diesem Versuche wurde Weizen geschrotet, welches Schrot indessen nur griesig ausfiel; auch zeigte sich hier der Fehler, daß beim stärkern Zusammendrüken der Steine, um |346| das Schrot mehliger zu erhalten, der Weizen nicht gehörig unterzog, im Auge des oberen Steins sich stopfte und überlief. Diesem Uebel wurde dadurch abgeholfen, daß der obere Stein um das Auge herum ungefähr in einem Durchmesser von 10 Zoll etwas hohl gearbeitet wurde, worauf sich ergab, daß der Weizen beim nachherigen Versuche sehr gut unter die Steine geführt, indessen das Schrot noch nicht von der nöthigen Feinheit erhalten wurde; vorzüglich waren die Schalen des Weizens nicht rein genug ausgemahlen. Ich ließ die Maschine deßhalb nochmals auseinandernehmen und die Steine schärfen. Die Schärfe wurde ringförmig um das Centrum der Steine aufgesezt, wie aus Fig. 28 ersichtlich. Zu gleicher Zeit wurden die Löcher und Fugen der Steine gehörig vergossen und mit den Flächen der Steine geebnet, da mitunter von den Steinen nebst dem Schrote halbe und ganze Körner ausgeworfen wurden. Nach diesen Vorbereitungen lieferten die Steine ein ganz gleichförmiges Schrot, obgleich immer noch nicht zu der gewünschten Feinheit, wie es die Steine der anderen Mahlgänge liefern. Es wurde indessen jezt weicher und häufte hinsichtlich der Quantität bei weitem mehr.

Bei diesem Versuche ging die Maschine 12 Stunden ununterbrochen fort; der untere Stein machte 160 bis 180 Umdrehungen in der Minute und leistete die Mühle das feinste und mehrste Schrot, wenn der obere Stein alsdann sich 110 bis 120 Mal umdrehte. Eine geringere Geschwindigkeit für den oberen Stein konnte ich bei Beibehaltung der Geschwindigkeit des unteren nicht erzielen, welches wohl jedenfalls vortheilhafter seyn würde. Hiebei fand ich indessen, daß die Feinheit des Schrotes nicht durch das scharfe Zusammenpressen der Steine erlangt werden konnte, indem dadurch jedesmal das Schrot ungleichförmiger und gröber wurde, wahrscheinlich weil der untere Stein, nur in der Mitte durch die Spindel unterstüzt, bei dem Druke gegen den darüber liegenden excentrischen Stein aus der horizontalen Lage weicht, und dadurch die Flächen der Steine, obgleich der obere beweglich, nicht gehörig gegen einander arbeiten. Eben so darf nicht zu wenig Speise für den Stein einfallen, um das Schrot gehörig fein zu erhalten, denn je weniger einfällt, desto rascher läuft der obere Stein, bis derselbe die Geschwindigkeit des unteren erlangt und dann die Flächen der Steine nicht Zeit genug haben, das Korn zu zerkleinern; will man diese Geschwindigkeit des oberen Steines aber durch das schärfere Anpressen des unteren Steines hemmen, so stellt sich das oben erwähnte Uebel ein, und man thut besser, den Stein ein wenig zu lüften, und ihm mehr Arbeit zu geben, wodurch die Geschwindigkeit des oberen Steines mit mehr Vortheil verringert wird.

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Während dieser Versuche lieferte die Mühle in 12 Stunden 35 Scheffel Schrot, wobei ich bemerken muß, daß nur etwa 10 Scheffel, von denen 1 1/2, Scheffel in der Stunde fertig geschafft, gehörig fein gemahlen wurden, so daß ich solches mit dem Schrote der anderen Mahlgänge zum Beuteln vermischen konnte, und der Hoffnung war, ein gewünschtes Resultat zu erzielen. Allmählich wurde aber das Schrot gröber und ungleicher, und fand es sich, daß die eingegypste Spindel des unteren Steines im Gyps losgelassen hatte, der untere Stein aus seiner gehörigen Lage gebracht war, und deßhalb theils ganz feines, theils grüziges Schrot lieferte. Ich war deßhalb genöthigt, die Steine abzunehmen, die Spindel ganz loszumachen und dann von Neuem zu vergypsen. Leider konnte ich hier zur Stelle keinen Gyps erhalten, der gut genug war, um dazu gebraucht werden zu können. Mehrere Versuche zeigten, daß der hier käufliche Gyps, selbst nach mehreren Tagen, noch nicht ganz hart geworden, daher auch nicht die gehörige Festigkeit zwischen der Spindel und dem Steine erlangt werden konnte. Der lezte Versuch war, rohen Gyps selbst zu brennen, und so frisch als möglich zu verbrauchen. Derselbe wurde dem Anscheine nach sehr hart, und der Stein in Gang gebracht. Anfangs lieferte die Maschine ganz gutes Schrot, und zwar 1 1/2 Scheffel in der Stunde, jedoch nach zwei Stunden Arbeit zeigte sich der alte Uebelstand, daß das Eisen aufs Neue vom Gyps sich gelöst hatte, und dadurch die weiteren Versuche auf diese Art aufgegeben werden mußten.

Während der Zwischenzeit hatte ich die eisernen Platten zusammengestellt und in Gang gesezt. Der Weizen, den ich damit schrotete, lieferte hierauf ein ganz zur Genüge feines Schrot; nur wurden die Schalen nicht gehörig vom Mehle rein, sondern mehr breit gequetscht, welches wohl nur der Glätte der Flächen zuzuschreiben ist.

Gedarrtes Getreide, wie zu Branntweinschrot, müßte ganz vortheilhaft darauf zu vermahlen seyn, und wenigstens stündlich 20 Scheffel liefern. Ich konnte diesen Versuch in der hiesigen Mühle, in welcher nur auf Mahlfreischeine Exportationsgemahl gefertigt wird, der Steuer wegen nicht anstellen.

Gebrannter Gyps, den ich bei dieser Gelegenheit in der Mühle hatte, und welcher in Stüken von großen Erbsen zum Vermahlen aufgeschüttet, wurde zur größten Feinheit vermahlen. In 25 Minuten war 1 Scheffel davon fertig geschafft.

Zum Betriebe der Mühle hatte ich eine Riemscheibe mit Vorgelege an ein Kammrad mit einem besonderen Wasserrade angebracht, und konnte theils durch das Wechseln mit größeren und kleineren Scheiben, so wie durch mehr oder weniger Umdrehungen des Wasserrades, |348| die Geschwindigkeit der Maschine beliebig ändern. Die größte Geschwindigkeit, die ich dem Steine gegeben hatte, waren 300 Umdrehungen in der Minute. Bei dieser Geschwindigkeit bewegte sich die ganze Maschine bedeutend, auch erforderte sie im Verhältnisse zu ihren Leistungen ungleich viel mehr Kraft, als bei der früheren geringeren Geschwindigkeit von 160 bis 180 Umdrehungen in der Minute, so daß ich die lezteren vorziehen möchte.

Der Hauptvortheil der Maschine wäre, selbst wenn sie im Vergleiche zu unseren größeren Mahlgängen im Verhältnisse nicht mehr leisten sollte, daß die kleine Mühle einmal bei der geringen Kraft, die sie erfordert, doch gutes Mehl macht, welches mit derselben Kraft bei unserer gewöhnlichen Methode nie erlangt werden kann, selbst wenn die Menge des Gemahls nur eben so groß, oder noch weniger seyn sollte, als bei dieser Maschine, und zweitens, daß diese Maschine das Schrot sehr kühl liefert. Außerdem bedarf dieselbe aber einer viel sorgfältigeren Beaufsichtigung, als unsere gewöhnlichen Mühlen, und ist die Construction zur Befestigung der Mühlenspindel mit dem Steine nicht zwekmäßig.

Da der Berichterstatter hoffte, bei einer anderen, besseren Verbindungsart der Mühlenspindel mit dem Steine ein günstigeres oder wenigstens ein ganz bestimmtes Resultat zu erhalten, so ward die Genehmigung zu dieser, wie zu jeder anderen zwekmäßig scheinenden Abänderung der Construction der Mühle ertheilt. Hierauf machte Wulff folgende Mittheilung.

Nach der erhaltenen Erlaubniß ließ ich, zur sicheren Befestigung des unteren Steines mit der Spindel, eine neue Haue mit 3 Flügeln gießen. Dieselbe wurde in derselben Art, wie die frühere runde Büchse, auf der Spindel befestigt, dann aber die Flügel der Haue in den Stein versenkt, gehörig verkeilt, und dann erst der Umguß von Gyps gemacht. Bei den späteren damit gemachten Versuchen war keine Veränderung des Steines gegen die Spindel zu bemerken. (Fig. 29 und 30)

Umstände halber war ich genöthigt, der Maschine die nöthige Geschwindigkeit durch Riemenzüge zu geben. Obgleich die Riemen der ersten Vorgelege 6 Zoll Breite hatten, so gaben sie doch, sobald die Maschine belastet war, nach, und ich erhielt statt der berechneten 200 Umdrehungen des unteren Steines oft nur 100, auch weniger, welcher die damit erlaugten Resultate wieder ungewiß machte, und die Maschine zum zweiten Male dislocirt werden mußte. Bei diese lezten Versuchen wurde das erste Vorgelege durch Räderwerk, und zur Sicherheit für die Kraft der Riemen, die Maschine durch einen 6 Zoll breiten Riemen bewegt, der durch die Verkuppelung der |349| Los- und Festscheibe mit einander auf beide Scheiben zum Betriebe der Maschine wirken konnte. Hienach erhielt ich auch bei Belastung der Maschine 180 bis 200 Umdrehungen des unteren Steines in der Minute. Bei den hiemit gemachten Versuchen war immer noch kein zur Genüge weiches Schrot zu erlangen, und ich war der Meinung, durch Veränderung der Schärfe den schnellen Auswurf des Schrotes zu vermeiden, um dadurch dasselbe feiner zu erhalten. Zu dem Zweke wurde die gewöhnliche französische Scharfe aufgesezt, indessen so, daß die Furchen nicht mit, sondern gegen den Zug des Steines liefen. (Fig. 31.)

Bei dieser Schärfe wurde das Schrot länger zwischen den Steinen gehalten, und auch feiner; bei voller Arbeit zog aber das Getreide nicht zwischen die Steine, sondern sammelte sich im Halse des oberen Steines an. Der obere Stein hatte dicht unter der eisernen Hülse, durch die das Korn zwischen die Steine geleitet wird, Löcher und Unebenheiten in der vorstehenden Steinmasse, die dem regelmäßigen Nachfallen des Getreides wohl schaden konnten, weßhalb diese sauber ausgefüllt, und außerdem noch ein besonderes Leitrohr aus Blech, vom Schuh aus bis beinahe auf die Fläche des Bodensteines angefertigt und angehängt wurde, damit der Weizen nicht etwa durch die Centrifugalkraft im Fallen verhindert werden konnte. Durch dieses Rohr wurde wenigstens das Ueberlaufen des Getreides aus dem oberen Steine verhindert. (Fig. 32.) Von der Schärfe war, bei mehreren Versuchen, die früher angegebene Kreisschärfe die zwekmäßigste Bei diesen lezten Versuchen lieferte die Mühle theilweise ein sehr gutes Schrot, welches auch sofort mit dem Schrote der anderen Mahlgänge zum Verbeuteln gemischt wurde, nur verstellte sich die Maschine sehr leicht von selbst, indem sie anfing, schwerer zu ziehen, wonach die Steine gelüftet werden mußten und das Schrot gröber wurde, bis durch allmähliches Nachstellen und Reguliren des Futters das Schrot die gehörige Feinheit erlangte. Auf solche Weise lieferte die Mühle in einer Stunde 1 1/2 bis 2 Scheffel, und war die Kleie beim gehörigen Gange der Maschine ebenso gut und rein ausgemahlen, wie auf den anderen Gängen. Daß die Mühle also bestimmt gute Dienste leisten kann, ist nicht zu verkennen, daß dieses indessen nur in kurzen Absäzen geschah, liegt gewiß an der bis jezt unkundigen Behandlung derselben, und können sehr geringe Abänderungen, vielleicht bei der Schärfe etc., die durch Versuche zu ermitteln bleiben, ein ganz gewünschtes Resultat liefern.

Uebrigens muß die Mühle aber sehr aufmerksam behandelt werden; vorzüglich erfodert das Anstellen der Steine, wie ich schon früher bemerkt habe, die größte Vorsicht, daß nämlich die Steine nicht |350| zu sehr gepreßt, sondern die Feinheit des Schrotes mehr durch die verminderte Geschwindigkeit des oberen Steines, und zwar durch die mehr einfallende Menge der Speise bewirkt werde. Je langsamer der obere Stein im Verhältnisse zum unteren sich drehen kann, um desto sicherer erhält man ein befriedigendes Resultat. Ich habe bei den 180 bis 200 Umdrehungen des unteren Steines die des oberen bis auf etwa 70 und 80 Mal in der Minute vermindern können.

Genaue Beobachtungen über das Verhältniß der Geschwindigkeiten beider Steine gegen einander, so wie über die Leistungen der Maschine ließen sich bis jezt, da dieselbe theils wegen Mangel an überflüssiger Betriebskraft, theils ihres unregelmäßigen Ganges wegen nur immer in kurzen Zeiträumen hat gehen können, nicht anstellen.

Sollte die Mahlmühle dem bestimmten Zweke ganz entsprechen, woran ich nicht zweifle, so wäre, zur bequemeren Bedienung der Mühle, dieselbe in ihrer Construction noch dahin abzuändern, daß das Abheben des oberen Steines, so wie das Aufstellen und Befestigen des Umlaufes mit leichterer Mühe und weniger Zeitversäumniß zu machen sey; etwa dadurch, daß der obere Querriegel des Gerüstes, woran das Hängelager für den oberen Stein sich befindet, leicht abzunehmen und wieder zu befestigen wäre. Auch leidet das obere Pfannenlager der stehenden Welle für den unteren Stein bedeutend beim Gange der Maschine.

Ein günstigeres, vollkommen befriedigendes Resultat ließ sich auch bei abermaligen Versuchen nicht erlangen; der starke Seitendruk des oberen excentrischen Steines, der sich durch die schnelle Abnüzung des oberen Halslagers für die Spindel nach der einen Seite hin deutlich zeigte, brachte den unteren Stein stets bald aus der horizontalen Lage, und zwar um so mehr, je stärker die Steine zusammengepreßt wurden, so daß mit der Stärke dieses Zusammenpressens auch die Ungleichmäßigkeit des Mahlens und die daraus entstehende griesige Beschaffenheit des Schrotes zunahm.

Als Hauptresultat aller dieser Versuche stellt sich also heraus, daß das Princip der fraglichen Mühle nicht zu tadeln ist, die Ausführung desselben aber noch nicht völlig demselben entspricht, und daß, so lange es nicht gelingt, die beiden Steine dauernd in horizontaler Lage zu erhalten, eine Benuzung dieser Maschine zum Vermahlen von Weizen mit Vortheil nicht Statt finden könne, dieselbe dagegen zum Schroten des Getreides als Futter und Branntweinschrot angewendet, im Verhältnisse zu ihrer Größe und erforderlichen Kraft, ein ganz genügendes Resultat gebe.

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II. Bergerac-Mühlsteine.

Bekanntlich bedienen sich die Engländer und Amerikaner zu ihrer Mehlfabrication der bei ihnen unter dem Namen French-burrs bekannten Steine aus la Ferté-sous-Jouarre, und auch in den inländischen vorzüglichsten Mühlenanlagen werden diese Steine gegenwärtig häufig angewendet. Es war jedoch in Erfahrung gebracht worden, daß in Frankreich noch bessere Steine, als die erwähnten, gefunden würden, nämlich zu Bergerac im Departement der Dordogne; daß diese Art Steine, von denen es 2 Arten gebe (Meules de Caillou de Bergerac für Weizen und Caillou gris für Roggen etc.) nicht nur ihrer größeren Härte wegen bei weitem dauerhafter wären, als die von La Ferté, sondern auch in kürzerer Zeit ein besseres und weißeres Mehl geben sollten, als jene, weßhalb sie denn in Frankreich selbst in höherem Rufe ständen und ungleich häufiger angewendet würden, als diejenigen von La Ferté.

Um vergleichende Versuche mit denselben anstellen zu lassen, bezog die Verwaltung durch Vermittelung der königl. Seehandlung ein Paar von jeder der beiden erwähnten Gattungen Bergerac-Steine von 4 Fuß Durchmesser. Das Paar von der ersten Gattung (für Weizen) kostete an Ort und Stelle 800 Fr.; die zweite Art (zum Mahlen von Roggen etc.) 700 Fr.; nach Hinzurechnung aller Kosten für Spesen, Eingangszoll etc. erhöhte sich jedoch der Preis der beiden Paare auf 557 Rthlr. 17 Sgr. 6 pf.

Der erste vorläufige Versuch mit diesen Steinen, der in der hiesigen Dampfmühle des Hrn. Schumann vorgenommen wurde, wollte nicht gelingen. Es wird berichtet, die Steine hätten sich als gänzlich unbrauchbar erwiesen, indem die Schärfung kaum 10 Stunden vorgehalten habe. Nach Verlauf dieser Zeit, während welcher nur eine sehr geringe Quantität Getreide höchst unvollkommen abgemahlen worden, seyen die Steine so stumpf und glatt gelaufen, daß man sie habe herausnehmen und auf die Seite stellen müssen.

Ein Paar dieser Steine, und zwar das zum Vermahlen von Weizen bestimmte, ward hierauf an den oben erwähnten Mühlenbaumeister Wulff gesendet, um Versuche mit demselben anzustellen, das andere Paar (von der Gattung, die in Frankreich zum Mahlen des Roggens, der Gerste, des türkischen Weizens etc. angewendet wird) ward zu gleichem Zweke dem Mühlenbaumeister Ganzel in Ohlau, der mit dem Wulff zugleich, als Zögling des Gewerbinstituts, in Nordamerika gewesen war, zugesendet. Der leztere berichtet über seine Versuche Folgendes:

Nachdem das Bearbeiten und Zurichten der besagten Mühlsteine geschehen war, wurden dieselben aufgebracht, mit Sand abgemahlen, |352| um eine möglichst gleiche Fläche zu erzielen, wiederum aufgeschärft und sodann zum Mahlen von Getreide angestellt. In den ersten Tagen waren die Resultate noch nicht so günstig, als sie erwartet werden durften, und es kann hier als Ursache nur angegeben werden, daß die Steine noch nicht gehörig zusammen gemahlen waren; daß der Schnitt der Steine noch nicht eingetreten war, welches gewöhnlich erst nach mehrmaligem Ueberschärfen geschieht, und daß namentlich der Läufer zu große Poren enthielt, und dadurch das Getreide, wegen der geringen Mahlfläche, nicht vollkommen gleichmäßig zerkleinert wurde.

Ich ließ daher die Steine einige Zeit in diesem Zustande in Thätigkeit und beim jedesmaligen Aufnehmen derselben die ganze Fläche sorgfältig nacharbeiten und die Furchen aufschärfen. Nachdem dadurch das Zerkleinern gleichmäßiger geschah, ließ ich die Poren des Läufers mit Alaun ausgießen, da Gyps und andere Ingredienzien nicht haltbar sind, die Fläche der Steine recht gleichförmig bearbeiten, und die Furchen von Neuem aufhauen, mit einer möglichst scharfen Federkante.

Beim jezigen Anstellen der Steine auf Getreide war das Resultat vollkommen günstig, das Zerkleinern geschah gleichförmig und das Schrot wurde weich und rein. Bis Ende December v. J. wurden diese Steine in Thätigkeit gehalten, und habe ich Nachstehendes über ihr Verhalten während einer längeren Arbeitszeit beobachtet.

Hinsichtlich ihrer Zusammensezung und Bearbeitung muß ich bemerken, daß der Sandstein, oder die Composition, wie es zu seyn scheint, welche das Auge des Steines bildet, sehr unzwekmäßig ist, weil sich der Stein beim Mahlen ungleich mehr abnuzt und dadurch hohl wird. Die Mühlsteine hohl zu halten, und zwar so bedeutend, wie es bei diesen der Fall war, ist nicht zulässig, well sonst die geringe Mahlfläche, welche dem Steine am Umfange übrig bleibt, das Getreide nicht hinreichend zerkleinern kann, ohne sehr dicht zu gehen. Dieses Dichtgehen hat bei so harten Steinen, außer dem Nachtheile der Wärmeerzeugung noch den, daß sie sich leicht verschmieren, und deßhalb oft nachgeschärft werden müssen. Dieß war auch hier der Fall, denn selten hielten die Steine länger als 2 Tage aus, während die hiesigen mit 3 Tagen noch recht gut mahlen, und erst den 4ten oder 5ten Tag geschärft werden durften.

Wäre das Auge aus gleichmäßig porösen, wenn auch nicht ganz so harten Steinen, als die am Umfange gebildet, so würde diese Art Mühlsteine bei weitem brauchbarer seyn, und gewiß vollkommen ihrem Zwek entsprechen. Für ganz trokenes, wie mehrjähriges oder gedörrtes, Getreide würden sich diese Steine ganz besonders eignen, |353| weil wegen ihrer großen Härte die Schalen wenig angegriffen werden, und das Einschmieren hier weniger leicht Statt finden kann.

Bei Getreide im gewöhnlichen Zustande muß jedoch das Vermahlen mit größter Vorsicht geleitet, und hauptsächlich darauf gesehen werden, daß die Steine etwas rauh, recht rein an der Oberfläche gehalten werden, und daß sie nicht zu viel Arbeit bekommen, alsdann wird das Schrot weich, die Schale flach und rein, und das Mehl so weiß, als es der Kern des Getreides nur geben kann, wie dieß auch bei den hiesigen Versuchen der Fall war.

Hinsichtlich der Leistung einer bestimmten Quantität in einer gegebenen Zeit ergeben die hiesigen Versuche Folgendes:

Die Steine wurden durch dasselbe Stirnrad in Bewegung gesezt, welches auf der anderen Seite einen hiesigen Mühlstein von 5 Fuß Durchmesser treibt, und da die Getriebe gleich sind, die Bewegung von ein und demselben Wasserrade ausgeht, so war auch die Anzahl der Umdrehungen dieser beiden Paar Mühlsteine gleich.

Beide Steine wurden gehörig und sorgfältig geschärft, zugelegt und in Gang gebracht; beim Anstellen wurde genau beobachtet, den Steinen so viel Arbeit zu geben, als sie leisten konnten, und daß dabei das Schrot von beiden Steinen, so viel sich dem Gefühle nach beurtheilen ließ, möglichst von gleicher Feinheit abgeliefert wurde. Nachdem die Steine in solcher Art ungefähr eine Stunde in Arbeit waren und das Mahlen sich regelmäßig eingestellt hatte, wurden zu gleicher Zeit auf jeden Gang 2 Scheffel Weizen aufgeschüttet und, bei 135 Umdrehungen der Steine in einer Minute, diese 2 Scheffel von dem Steine von 5 Fuß Durchmesser in 24 Minuten, von dem Steine von 4 Fuß Durchmesser jedoch erst nach 30 Minuten abgemahlen, so daß der 5füßige Stein 5 Scheffel und der 4füßige 4 Scheffel in einer Stunde verarbeitete. Mehrere Versuche ergaben ziemlich gleiche Resultate, so daß auf kleinere Abweichungen nicht Rüksicht zu nehmen war.

Nach 5 bis 6 Stunden Arbeit zeigte sich, daß dem 4füßigen Steine schon etwas weniger Arbeit gegeben werden mußte, weil das Schrot von ihm nicht mehr in derselben Feinheit abgeliefert und dikschalig wurde, und ein Versuch nach 20stündiger Arbeit ergab, daß nur noch etwa 3 Scheffel bei guter Arbeit vermahlen wurden, während der 5füßige Stein noch immer 5 Scheffel in einer Stunde bei derselben Feinheit schaffte und erst am zweiten Tage nachließ.

Wenn nun auch erwiesen ist, daß die Quantität Getreide, welche ein Stein in einer gewissen Zeit verarbeiten kann, hauptsächlich vom Durchmesser des Steines abhängt, und ein Stein von größerm Durchmesser im Verhältnisse mehr leistet, als ein kleiner, weil ihm mehr |354| Kraft zuertheilt werden kann, so ergibt sich doch hier aus der Vergleichung der beiden Steine bei gleichmäßiger Kraftertheilung, daß der kleine Stein weit früher nachließ, welches wohl nur seiner größeren Härte und seiner im Verhältnisse geringeren Mahlfläche zuzuschreiben ist.

Ich zweifle jedoch nicht, daß die Abnahme beim Mahlen bei den kleinen Steinen in nicht anderem Verhältnisse Statt gefunden haben würde, als bei den größeren, wenn die ersteren in der bereits angegebenen Art angefertigt gewesen wären, und daß sie das Quantum, welches ein kleinerer Stein im Verhältnisse zum größeren zu liefern im Stande ist, auch in demselben Zeitverhältnisse geliefert haben würden.

Es stellt sich nach meiner Ansicht daher der Brauchbarkeit dieser Steine zur Weizenmüllerei nichts weiter entgegen als ihre mangelhafte Zusammensezung. Zur Roggenmüllerei ergaben sie sich jedoch nicht als geeignet, weil der Roggen im Allgemeinen zäher ist, als Weizen, und zum Mahlen ein offener weicherer Stein erfordert wird.

Ueber die in Danzig von dem Mühlenbaumeister Wulff angestellten Versuche berichtet derselbe:

Nach Empfang der Mühlsteine fand ich es für nöthig, die Mehlbahn derselben nacharbeiten und ebnen zu lassen, so wie die Schärfe dahin zu verändern, daß die Richtung der Hauschläge beibehalten, die Tiefe derselben aber vermindert wurde. Der mittlere Theil des Steines, um das Auge herum aus weichen Sandsteinen zusammengesezt, hatte sich sehr ausgezogen, und wurde durch den üblichen Kitt aus Alaun, wenig Gyps und Steinstükchen ausgefüllt, der indessen bei den späteren Versuchen nicht Bestand hielt, weil der Aufguß von der großen, mehr glatten als rauhen Fläche sich löste. Außerdem mußte der obere Theil des Läufers, der wahrscheinlich durch den Transport gelitten, neu vergypst werden.

Im Oktober vorigen Jahres waren die Steine bereits so weit bearbeitet und zusammengestellt, um in Gang gesezt werden zu können. Da ich nicht Gelegenheit hatte, dieselben damals zur Weizenmüllerei, zu der sie eigentlich bestimmt waren, zu gebrauchen, so benuzte ich dieselben während des Winters zum Roggenschroten. Zum Roggenschroten bewährten sich die Steine sehr gut, mit Ausnahme des mittleren Theiles um das Auge herum, welches offenbar zu weich ist.

Mit einer Schärfe habe ich bequem 10 Lasten Roggen abgeschrotet, ohne daß die Steine zu stumpf gemacht wurden. Dabei ist zu bemerken, daß dieser Versuch während des strengen Frostes und mit ganz trokenem Roggen gemacht wurde. Roggen zu Schlichtmehl |355| zu Mahlen, gelang nicht, wenigstens werden die Schalen mehr gequetscht als zerrieben.

Seit dem vergangenen Monate benuze ich diese Steine zur Weizenmüllerei und finde, daß dieselben ein reines, weiches Schrot liefern, die Hülse nicht so stark zerreißen, als die Burrsteine, aber durch ihre Härte bald mehr Glätte bekommen, und deßhalb beim Mahlen früher nachlassen. Zum Vergleiche der Leistungen der Steine aus Bergerac mit denen der Burrsteine wählte ich zwei nebeneinander liegende Wasserräder der Untergänge. In der hiesigen Mühle hat jedes Paar Steine ein besonderes oberschlächtiges Wasserrad, und kann bei den gleich hohen Durchmessern derselben das Aufschlagwasser leicht so regulirt werden, daß jeder Gang ziemlich genau die gleiche Kraft erhält, welches bei diesen Versuchen geschah. Der Durchmesser des Steines von Bergerac ist 4 Fuß, der des anderen 4 Fuß 6 Zoll. Beide Paar Steine waren vor diesem Versuche schon seit mehreren Tagen in Arbeit gewesen und die Flächen nach jedesmaligem Stumpfwerden gehörig geebnet und geschärft. Bei dem 4füßigen Steine aus Bergerac war die feine Sprengschärfe sehr schwierig aufzusezen, da die Steine sehr hart sind, und bei einem etwas starken Schlage die Oberfläche leicht in flachen Stüken absprang. Nachdem nun beide Paar sauber scharf gemacht und in Gang gesezt waren, wurden beide, nach dem gehörigen Bemahlen der Steine, jedes mit 30 Scheffel Weizen beschüttet. Der 4füßige Stein machte bei der größtmöglichsten Belastung 130 Umdrehungen, der Burrstein von 4 Fuß 6 Zoll Durchmesser bei derselben Kraft nur 120 in der Minute. In der ersten Stunde fühlte sich das Schrot des kleineren Steines bei weitem schärfer an, als das des größeren, später aber verlor sich dieses scharfe Anfühlen, und das Schrot wurde weicher als das des Burrsteines, dabei fing der Stein aber an, allmählich weniger Arbeit zu gebrauchen. Der Unterschied des Mahlquantums während der ersten Stunden war unbedeutend, so daß ich hier nur das Quantum von 30 Scheffeln anführe, welches bei dem 4füßigen Steine in einem Zeitraume von 9 Stunden vermahlen wurde, während die 4 1/2füßigen Burrsteine 30 Scheffel desselben Weizens in 7 1/4 Stunde geschrotet hatten. Nach dieser Zeit mußte dem kleineren Steine merklich weniger Arbeit gegeben werden, während das Schrot des größeren erst jezt anfing, das scharfe Anfühlen zu verlieren, aber dasselbe Mahlquantum lieferte. Auch fing das Schrot des ersteren an sehr weich und die Schale platt zu werden, wenn gleich noch immer rein. Nach 48stündiger Arbeit fühlten sich die Schalen schon dik an, wurden nicht mehr rein und mußte der Stein am dritten Tage von Neuem geschärft werden. Der Burrstein ließ erst nach 48 Stunden merklich |356| mit Mahlen nach, fing am dritten Tage an glatt zu mahlen, und wurde am vierten Tage scharf gemacht.

Dieser Unterschied der länger vorhaltenden Schärfe beider Steine kann leicht in der Verschiedenheit der Durchmesser derselben gesucht werden. Der kleinere Stein mit seiner kleineren Mahlfläche, muß mehr gepreßt werden, als der größere, um die gleiche Feinheit des Schrotes zu liefern; besonders merklich war es bei den Steinen von 4 Fuß Durchmesser, da die mittleren Flächen der Steine so tief waren, daß der Weizen sehr wenig oder gar nicht durch sie angegriffen wurde, daher die sogenannte Mehlbahn allein das Zerkleinern und Feinmahlen zu leisten hatte. Aus dieser Ursache mußten auch die Steine mehr als gewöhnlich gepreßt werden, und konnten, um feines Schrot zu liefern, nicht die gehörige Menge Arbeit erhalten, daher sie auch, nach dem Ausdruke der Müller, durchgriffen. Außerdem war aber die Schale des sehr troken vermahlenen Weizens von diesen Steinen größer, als die der Burrsteine und dabei vollkommen mehlrein, ein sehr günstiges Resultat, welches immer für mehr Weißmehl spricht, als bei den mehr zerkleinerten Schalen. Ich glaube wohl, daß bei genauen Versuchen die Ausbeute an feinem Mehle aus dem Schrote von den Steinen aus Bergerac größer seyn dürfte, als die von dem Schrote der Burrsteine, welche Versuche jezt anzustellen mir aber nicht möglich ist, indem ich sonst sämmtliche übrige Gänge auf einige Zeit versäumen müßte.

Eine bessere Zusammenstellung der Steinmassen würde gewiß noch ein günstigeres Resultat liefern, namentlich den Vortheil gewähren, daß die Steine längere Zeit mit der Schärfe vorhielten und kühler mahlten. Im Uebrigen bin ich mit den Leistungen der Steine nicht unzufrieden, und habe dieselben bis jezt in Stelle der Burrsteine in Thätigkeit.

Die Urtheile der beiden genannten Mühlenbaumeister sind hienach im Wesentlichen übereinstimmend; bemerkenswerth ist es übrigens, daß die dem Ganzel übersendeten Steine sich bei den von ihm angestellten Versuchen zur Roggenmüllerei als nicht geeignet ergaben, während dieselben in Frankreich auch hiezu, ja sogar vorzugsweise hiezu benuzt werden sollen. Von erfahrenen Müllern aus Bordeaux war eine Instruktion über die Behandlung der Steine extrahirt worden. Ihr zufolge sollte man, nachdem die Steine vollkommen waagerecht auf ihre Achse gestellt sind, den Lieger zuvörderst eine halbe Stunde in Bewegung erhalten, ihn dann aufheben, mit einem etwas harten Teig aus Roggenmehl, oder in dessen Ermangelung aus Weizenmehl, die kleinen Löcher ausfüllen, welche sich auf der Oberfläche der Steine finden, diese Ausfüllung mit Teig niedriger |357| halten, als den Stein, und ihn troknen lassen, in welchem Falle man darauf rechnen könne, gleich bei den ersten Umgängen der Steine schönes Mehl zu erhalten. Ob dieses Verfahren bei den angestellten Versuchen zur Anwendung gekommen ist, geht aus den Anzeigen über dieselben nicht hervor.

Faßt man nun das Ergebnis der Prüfung der Bergerac-Steine zusammen, so wird man ihnen für ganz trokenen Weizen in so fern den Vorzug vor den Burrsteinen einräumen müssen, als sie mehr Weißmehl liefern als diese, welchem Vorzuge jedoch die Nachtheile entgegen treten, daß sie eher stumpf werden, heißer mahlen, und daß sie, wie insbesondere der erste Versuch zeigt, schwieriger zu behandeln sind, als die zulezt genannten, und bei nicht völlig angemessener Behandlung durchaus ungenügende Resultate liefern. Ob durch eine bessere Zusammensezung derselben, namentlich durch Anbringen härterer Steinarten in der Nähe des Auges alle diese Nachtheile völlig beseitigt werden können, muß dahin gestellt bleiben. Für weiches Getreide scheinen sich die fraglichen Steine weniger zu eignen.

Bei diesen ihren Vorzügen und Mängeln, im Vergleiche zu den Burrsteinen, wird es großen Theils von ihrem Preise abhängen, ob es vortheilhaft erscheint, sie neben den lezteren anzuwenden. Es muß daher bemerkt werden, daß bei dem Ankaufe derselben angezeigt wurde, in Zukunft könne der Lieferant dergleichen Steine nur zu einem um 50 á 60 Fr. höheren Preise für das Paar verabfolgen. Da dieser Einkauf jedoch bereits im Jahre 1829 gemacht wurde, so können sich inzwischen die Preise wesentlich geändert haben.

Das königl. preuß. Ministerium des Innern für Handel, Gewerbe und Bauwesen hat bekanntlich schon im Jahre 1832 auf seine Kosten höchst schäzbare „Beiträge zur Kenntniß des amerikanischen Mühlenwesens“ in den Druk gegeben. Im J. 1837 wurde diese Schrift auch in dem bayerischen Kunst- und Gewerbeblatt (8tes und 9tes Heft) abgedrukt.

A. d. R.

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