Titel: Anleitung zum Druken der wollenen und seidenen Gewebe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 70, Nr. C. (S. 431–449)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj070/ar070100

C. Anleitung zum Druken der wollenen, seidenen, und der aus Wolle und Seide gemischten Gewebe.72)

Aus Vitalis' Grundriß der Färberei und des Zeugdruks. Zweite Auflage, (gänzlich umgearbeitet von Dr. E. Dingler. Im Verlage der J. G. Cotta'schen Buchhandlung, 1839.)

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

A. Von dem Druken der wollenen und der aus Wolle und Seide gemischten Gewebe.

Unter die wollenen Stoffe, welche überdrukt werden, gehören Tücher, Casimirs, Merinos und Wollenmusline; unter den aus Seide und Wolle gemischten Zeugen sind die Chalys die gewöhnlichsten.

|432|

Für die wollenen und die aus Wolle und Seide gemischten Gewebe benuzt man folgende Drukfarben (Dampffarben):

Nr. 1. Schwarz.

2 Maaß73) Campecheholzabsud von 4° B. werden mit
16 Loth Stärke verdikt und heiß darin aufgelöst
2 lösliches Indigblau74),
2 Kleesäure; nach dem Erkalten sezt man
12 mit Bleizuker abgestumpftes salpetersaures Eisen zu.75)

Nr. 2. Blauschwarz für Böden.

1 1/2 Maaß Campecheholzabsud von 4° B. und
1 1/2 Orseilleabsud von 5° B. werden mit
12 Loth Stärke verdikt; in der Wärme
3 lösliches Indigblau darin aufgelöst und nach dem Erkalten
8 mit Bleizuker abgestumpftes salpetersaures Eisen zugesezt.

Nr. 3. Dunkles Ponceau.

2 Maaß Wasser werden mit
12 Loth Stärke und
24 zerriebener Cochenille gekocht und in dem lauwarmen Kleister
6 Kleesäure aufgelöst, nach dem Erkalten endlich
12 salzsaures Zinnoxyd76) zugesezt.
|433|

Nr. 4. Rosenroth.

8 Loth gepulverte und zerriebene Cochenille,
4 Kleesäure,
6 salzsaures Zinnoxyd werden in einer Steingutschüssel
vermischt, mit 2 Maaß Wasser versezt, mit 1 1/4 Pfd. Gummi
verdikt und dann durch ein Sieb passirt.

Nr. 5. Dunkelroth mit Orseille.

2 Maaß Orseilleabsud von 4° Baumé werden mit
12 Loth Stärke verdikt, noch lauwarm mit
2 salzsaurem Zinnoxyd,
6 gepulverter Weinsteinsäure und
4 gepulvertem Alaun versezt.

Nr. 6. Dunkle Amaranthfarbe.

1 1/2 Maaß Orseilleabsud (von 2 Pfd. Orseille) und
1/2 Cochenilleabsud (von 16 Loth Cochenille) werden mit
12 Loth Stärke verdikt, noch lauwarm
4 Alaun darin aufgelöst und nach dem Erkalten salzsaures Zinnoxyd zugesezt.

Nr. 7. Capucinerbraun.

7/8 Maaß Quercitronabsud von 4° B.,
5/8 Cochenilleabsud von 8 Loth Cochenille werden mit
6 Loth Stärke verdikt und lauwarm
2 Kleesäure darin aufgelöst; nach dem Erkalten sezt man
4 salzsaures Zinnoxyd zu.

Nr. 8. Orange mit Orlean.

Man rührt 1 Pfd. Orlean mit 2 Maaß kaustischer Natronlauge von 10° B. an, läßt eine Viertelstunde lang kochen, ergänzt die 2 Maaß durch Wasser und passirt durch ein Sieb; dann sezt man 1 Pfd. einer Auflösung von Thonerde in Aezkali77) zu und verdikt mit 1 1/2 Pfd. Gummi.

Nr. 9. Orange.

1/4 Maaß Ponceau Nr. 3,
1 Gelb Nr. 12.
|434|

Nr. 10. Orange.

2 Maaß Kreuzbeerenabsud (von 1 Pfd. Beeren) werden mit 12 Loth Stärke verdikt und dem noch lauwarmen Kleister

4 Loth gepulverter Alaun,
12 Zinnsalz,
2 Kleesäure und
2 salzsaures Zinnoxyd zugesezt.

Nr. 11. Jouquillengelb.

2 Maaß Kreuzbeerenbrühe (von 1 Pfd. Beeren) werden mit
12 Loth Starke verdikt, noch lauwarm
4 Kleesäure darin aufgelöst und nach dem Erkalten
8 salzsaures Zinnoxyd zugesezt.

Nr. 12. Citronengelb.

2 Maaß Kreuzbeerenbrühe (von 1 Pfd. Beeren) werden mit
12 Loth Starke verdikt und noch lauwarm
22 gepulverter Alaun darin aufgelöst.

Nr. 13. Bereitung der ammoniakalischen Cochenille-Auflösung für Violett u. s. w.

Man rührt 1 Pfd. gepulverte Cochenille mit 2 Pfd. Aezammoniak an und läßt sie damit 24 Stunden lang stehen. Dieses Gemenge wird dann mit 3 Maaß Wasser verdünnt, eine Viertelstunde gekocht und hierauf ausgepreßt; der Rükstand wird hierauf mit 3 Maaß Wasser ausgekocht, wieder ausgepreßt, nochmals mit beiläufig 1 1/2 Maaß Wasser ausgekocht und wieder ausgepreßt; endlich werden alle drei Absüde zusammengegossen, welche im Ganzen 6 Maaß bilden müssen. Diesen Absud nennen wir im Folgenden ammoniakalische Cochenille-Auflösung.

Nr. 14. Dunkelviolett.

In 2 Maaß Campecheholzabsud (von 3/4 Pfd. Holz) löst man
4 Loth gepulverten Alaun auf und sezt
12 ammoniakalische Cochenille-Auflösung Nr. 13.
1 lösliches Indigblau und
6 salzsaures Zinnoxyd zu; man verdikt mit 1 Pfd. 4 Loth Gummi.

Nr. 15. Dunkelviolett zum Vordruk.

2 Maaß Campecheholzabsud von 2° B. verdikt man mit
12 Loth Stärke, sezt vor dem Kochen
12 Loth ammoniakalische Cochenille-Auflösung zu, löst in der noch lauwarmen Farbe
2 Kleesaure auf und versezt sie nach dem Erkalten mit
6 salzsaurem Zinnoxyd und
1 salpetersaurem Eisen.

Nr. 16. Hellviolett.

In 2 Maaß ammoniakalischer Cochenille-Auflösung Nr. 13 löst man
8 Loth Alaun und
4 Kleesäure auf, versezt sie mit 4 bis 8 Loth essigsaurem Indig78) oder
12 bis 16 gummirtem Blau Nr. 19 und verdikt mit
40 Loth Gummi.

Je nachdem man mehr oder weniger Blau zusezt, erhält man verschiedene Nüancen von Violett.

Nr. 17. Malvenfarbe.

In 2 Maaß ammoniakalischer Cochenille-Auflösung löst man
8 Loth gepulverten Alaun,
2 Kleesäure und
1 salzsaures Zinnoxyd auf und verdikt mit
40 Gummi.

Nr. 18. Dunkelblau.

In 2 Maaß Wasser, welches auf 48° R. erwärmt ist, löst man
16 Loth lösliches Indigblau,
4 Weinsteinsaure und
4 Alaun auf; man verdikt mit
40 Gummi.

Nr. 19. Mittelblau.

1 Maaß Blau Nr. 18,
1 Gummiwasser.

Nr. 20. Hellblau.

1/2 Maaß Blau Nr. 18,
1 1/2 Gummiwasser.
|436|

Nr. 21. Blauer Ansaz für Grün.

In 2 Maaß Wasser, welches auf 28° R. erwärmt ist, löst man
1 Pfd. lösliches Indigblau,
6 Loth Weinsteinsäure und
4 Alaun auf.

Nr. 22. Dunkelgrün zum Vordruk.

2 Maaß Kreuzbeerenabsud (von 1 Pfd. Beeren) verdikt man mit
12 Loth Stärke, löst lauwarm
8 gepulverten Alaun, und nach dem Erkalten
4 salzsaures Zinnoxyd und
6 essigsauren Indig darin auf.

Nr. 23. Schmaragdgrün.

In 1 Maaß Kreuzbeerenabsud (von 1 Pfd. Beeren) und
1 Quercitronabsud von 4° B. löst man
24 Loth gepulverten Alaun auf, sezt
12 blauen Ansaz, Nr. 21, zu und verdikt mit
40 Gummi.

Nr. 24. Hellgrün.

In 1 Maaß Kreuzbeerenabsud (von 1 Pfd. Beeren) und
1 Wasser löst man
8 Loth gepulverten Alaun auf, sezt
2 salzsaures Zinnoxyd und
6 blauen Ansaz, Nr. 21, zu und verdikt mit
40 Gummi.

Anstatt des blauen Ansazes kann man auch essigsauren Indig zur Bereitung der grünen Farbe nehmen.

Nr. 25. Holzfarbe.

4 Pfd. Gelb Nr. 12,
4 Ponceau Nr. 3,
12 Loth essigsaurer Indig.

Indem man das Verhältniß zwischen dem Gelb, Ponceau und dem essigsauren Indig abändert, erhält man eine Menge von Nuancen.

Nr. 26 a. Oliven.

In 2 Maaß Kreuzbeerenabsud (von 1 Pfd. Beeren) löst man
10 Loth Alaun und
2 Eisenvitriol auf, sezt
1 salpetersaures Eisen zu und verdikt mit
40 Gummi.
|437|

Nr. 26 b. Granatfarbe.

In 2 Maaß Orseilleabsud von 2° B. löst man
8 Loth Alaun auf, verdikt mit
1 1/4 Pfd. Gummi und mischt
2 Maaß Malvenfarbe, Nr. 17, bei.

Nr. 27. Bronze.

2 Maaß Gelbholzabsud von 5° B. verdikt man mit
12 Loth Stärke und sezt nach dem Erkalten
4 salpetersaures Kupfer und
2 salpetersaures Eisen zu.

Nr. 28. Mahagonifarbe.

1 Maaß Quercitronabsud von 8° B. und
1 Cochenilleabsud (von 24 Loth Cochenille) werden vermischt, mit
12 Loth Starke verdikt, noch lauwarm, 12 – gepulverter Alaun darin aufgelöst und nach dem Erkalten
4 salzsaures Zinnoxyd und
4 bis 6 Loth essigsaurer Indig zugesezt.

Die Wollenstoffe werden gerade so gedrukt wie die Baumwollenzeuge; auf die für Westen bestimmten Casimirs drukt man nur kleine Muster, welche auch nur einmal abgeschlagen werden; die Merinos werden für Shawls verwendet, und da die Muster darauf Massen bilden, so muß man die Drukformen darauf doppelt abschlagen. Dasselbe gilt für die Drukformen, womit Böden gedrukt werden; auf den Wollenmuslinen, so wie auf den Chalys schlägt man die Formen nur einmal ab, mit Ausnahme der für die Böden bestimmten, für welche man ein wenig geröstete Starke in das Chassis gibt, was den Farben durchaus nicht schadet. Nach dem Druken werden die Zeuge 20 bis 30 Minuten lang gedampft, je nachdem man sich des einen oder anderen der im polyt. Journal Bd. LVI. S. 164 beschriebenen Apparate bedient. Nach dem Dampfen hängt man sie im Rechen auf, um sie zu lüften, und wäscht sie dann im fließenden Wasser aus, worin man sie eine Viertelstunde einhängt; nach dem Waschen, klopft man sie oder läßt sie auch durch Walzen laufen; sie werden endlich durch die Wringmaschine ausgepreßt und getroknet. Diese Stoffe müssen behufs des Drukens heiß gerollt (calandert) und die Casimirs vor dem Rollen noch in die Breite gezogen werden. Die oben angegebenen Farben eignen sich für alle farbigen Böden, sowohl auf Wollenzeugen als auf Chalys.

B. Von dem Druken der seidenen Zeuge.

|438|

I. Von der Fabrication der Seidenzeuge, die nach dem Bedruken mit Mordans in Krapp gefärbt werden.

Es ist dieses ohne Zweifel einer der schwierigsten Fabricationszweige, welcher nur bei vieler Uebung und Erfahrung gelingt.

Die erste Operation, welcher man die seidenen Zeuge unterziehen muß, ist das Degummiren, welches man folgendermaßen vollzieht: man füllt einen Kessel mit Wasser an, bringt die Stüke in einen Sak, gibt in den Kessel 1/4, Pfd. Seife auf jedes Pfd. Seide und unterhält das Sieden drei Stunden lang. Wenn die Gewebe aus indischer Seide angefertigt sind, sezt man auf jedes Pfund Seide noch 1 Loth kohlensaures Natron hinzu. Man nimmt die Zeuge dann heraus, spült sie im Flußwasser rein, passirt sie hierauf durch Wasser, welches auf 48° R. erwärmt ist und worin 16 Loth kohlensaures Natron aufgelöst sind; endlich spült man sie, um sie von der Seife zu reinigen, noch in kaltem Wasser aus. Hierauf haspelt man die Stüke in ein schwefelsaures Wasser von 1/2° B., läßt sie darin vier Stunden liegen, spült sie rein und troknet sie.

Bereitung des rothen Mordants.

In 2 Maaß kochendem Wasser löst man
1 Pfd. Alaun,
1/2 Bleizuker,
4 Loth Salmiak und
2 Kreide auf. Nachdem sich der Niederschlag gesezt
hat, wird die klare Flüssigkeit abgezogen.

Roth.

2 Maaß des vorhergehenden Mordants werden mit
14 Loth Stärke verdikt und mit ein wenig Fernambukabsud geblendet.

Für Dunkelroth löst man in 2 Maaß rothem Mordant 4 Loth Kupfervitriol auf, den man aber weglassen muß, wenn man ein lebhaftes Roth erzielen will.

Schwarz.

2 Maaß holzsaures Eisen von 8° B. werden mit
14 Loth Stärke verdikt und in dem noch lauwarmen Kleister
2 Kupfervitriol aufgelöst.

Püce.

1 Maaß rother Mordant und
1 holzsaures Eisen von 10° B. werden mit
14 Loth Stärke verdikt und mit ein wenig Blauholzabsud geblendet.
|439|

Violett.

In 1 Maaß holzsaurem Eisen von 6° B. löst man
2 Loth Weinstein.
2 Salpeter,
2 Kupfervitriol und
1 Alaun auf und vermischt diese Auflösung mit
2 Maaß Gummiwasser (1 1/2 Pfd. Gummi per Maaß).

Behandlung der Zeuge nach dem Druken.

Die Zeuge, auf welche zuerst das Schwarz, dann das Püce, hierauf das Violett und zulezt das Roth gedrukt worden ist, hängt man in einem warmen Rechen auf: 48 Stunden nach dem Druken werden sie dann auf folgende Art abgezogen oder gereinigt: Man läßt für jedes Stük Foulard 4 Pfd. Kleie abkochen, bringt dieses Abzugsbad in einen Kessel von vierekiger Form, schrekt es darin auf 44° R. ab und fährt dann mir den Stüken – die bedrukte Seite zu unterst – hinein, behandelt solche mit der Vorsicht, sie breit und unter dem Abzugsbade zu halten, eine halbe Stunde darin, nimmt sie dann heraus und reinigt sie. Bei der Behandlung von gedekten Gründen auf Foulards sezt man dem Abzugsbade per Stük 4 Loth Schmak zu.

Färben in Krapp. Angenommen, man habe 48 Foulards mit gedektem Grunde zu färben, so bringt man in den Farbekessel 12 Pfd. Krapp, 1 Pfd. Schmak und 6 Pfd. Kleie, geht mit den Stüken lauwarm hinein, steigert die Temperatur während 20 Minuten auf 32° R. und in 1 1/2 Stunden bis zum Sieden, während man die Stüke lebhaft umhaspelt.

Die Stüke erscheinen, wenn sie aus der Krappflotte kommen, sehr eingefärbt; um sie weiß zu machen, behandelt man sie zuerst eine halbe Stunde in einem kochenden Kleienbade, reinigt sie dann im Flußwasser und sezt hierauf einen Kessel mit 3 Pfd. Seife, 3 Loth salpetersalzsaurer Zinnauflösung79) und 24 Maaß Kleie an, |440| läßt die Stäke eine halbe Stunde lang darin kochen, reinigt sie dann und passirt sie hierauf in einem schwachen schwefelsauren Bade, reinigt und troknet sie.

Durch die Befolgung dieses Verfahrens erhält man den Grund von einer sehr schwachen Lachsfarbe.

Wenn man den Krapp, welcher zum Farben verwendet werden soll, vorher mit etwas saurem Wasser auswäscht, färben die seidenen Zeuge weniger ein.

II. Das Bedruken der seidenen Zeuge mit Dampffarben.

a) Dampffarben für seidene Zeuge, die mit Alaun vorbereitet wurden.

Hiezu werden die Gewebe auf folgende Welse vorbereitet:

Nachdem man die Seide in Seifenwasser ausgekocht hat, indem man 8 Loth Seife auf 1 Pfd. Seide nahm, reinigt man sie zuerst in kaltem Wasser und dann in einem auf 48° R. erwärmten, spült sie, gibt ihr hierauf ein schwaches schwefelsaures Bad, spült sie wieder, weicht sie noch naß in ein Alaunbad ein, welches 4 Loth Alaun auf die Maaß Wasser enthält, und läßt sie darin vier Stunden lang, indem man sie von Zeit zu Zeit durch die Hand zieht, spült sie dann aus und troknet sie.

Schwarz.

2 Maaß Campecheholzabsud (von 2 Pfd. Holz) kocht man mit
14 Loth Stärke und
2 fein gepulverten Galläpfeln, und gießt die Farbe in eine Steingutschüssel aus, welche enthält:
2 Weinsteinsäure,
2 Kleesäure, beide gepulvert, und
2 Olivenöhl; man rührt die Farbe bis zum Erkalten und versezt sie dann mit
8 salpetersaurem Eisen und
4 salpetersaurem Kupfer.

Roth.

Zur Bereitung dieser Farbe braucht man einen Fernambuklak, welchen man folgendermaßen erhält: man versezt 6 Maaß Fernambukabsud von 5° B. mit 1/2 Maaß salzsaurer Thonerde80), läßt die Flüssigkeit zwei Tage lang stehen und seiht dann das Ganze |441| durch Leinwand, um den Niederschlag zu sammeln, welchen man als feuchte Pasta aufbewahrt.

Farbe: 2 Pfd. feuchten Lak rührt man mit
1 Maaß Wasser und
1 essigsaurer Thonerde von 7° B. an, und verdikt mit
1 Pfd. Gummi.

Violett.

Man bereitet sich dazu einen violetten Lak, indem man 6 Maaß Blauholzabsud von 5° B. mit 1 Maaß salzsaurer Thonerde versezt, das Gemisch zwei Tage lang stehen läßt, und dann den Niederschlag auf einem Filter sammelt.

Farbe: 1 Pfd. des feuchten Niederschlags rührt man mit
1 Maaß Wasser und
1 essigsaurer Thonerde von 7° B. an; verdikt mit
1 Pfd. Gummi.

Die violette Drukfarbe erhält man, wenn man

1 Theil dieser Farbe mit
3 Theilen Gummiwasser vermischt.

Lilas.

Man vermischt 2 Theile Roth mit
3 violetter Drukfarbe.

Gelb.

2 Maaß Kreuzbeerenbrühe (von 2 Pfd. Beeren) und
2 essigsaure Thonerde von 7° B. werden mit
3 Pfd. Gummi verdikt.

Oliven.

In 2 Maaß Kreuzbeerenbrühe (von 1 Pfd. Beeren) löst man
10 Loth Alaun,
2 Eisenvitriol,
1 salpetersaures Eisen auf und verdikt mit
1 1/4 Pfd. Gummi.

Blau.

In 1 Maaß Wasser löst man
6 Loth Kleesäure und andererseits in
1 Maaß Wasser
12 Loth eisenblausaures Kali auf.

Beide Auflösungen werden vermischt, worauf man sie 24 Stunden stehen läßt, die klare Flüssigkeit abgießt und mit 1 1/4 Pfd. Gummi verdikt.

|442|

Grün.

In 1 1/2 Maaß Kreuzbeerenabsud (von 1 Pfd. Beeren) und
1 1/2 essigsaurer Thonerde von 7° B. löst man durch Erwärmen
2 Loth Weinsteinsäure,
2 Kleesäure und
12 eisenblausaures Kali auf.

Man läßt die Flüssigkeit 24 Stunden lang stehen und verdikt dann das Klare mit 1 1/4 Pfd. Gummi.

Holzfarbe.

2 1/2 Maaß Wasser kocht man eine Viertelstunde lang mit
1 Pfund gepulvertem Catechu, löst darin
8 Loth Salmiak nebst
3 Grünspan auf und verdikt mit
12 Stärke.

Orange.

2 Maaß kaustische Kali- oder Natronlauge von 12° B. werden zehn Minuten lang mit 2 Pfd. Orlean gekocht, den man vorher mit einem Theil der Lauge abreibt; das verdampfte Wasser wird wieder ersezt, worauf man die klare Auflösung abzieht, mit 1 Pfd. einer Auflösung von Thonerde in Aezkali (Note 77 S. 433) vermischt und mit 1 1/4 Pfd. Gummi verdikt.

b) Dampffarben für seidene Zeuge, die mit keinem Mordant vorbereitet wurden.

Wenn die seidenen Zeuge weiß sind, braucht man sie nicht mit Seife abzukochen.

Schwarz.

Man wendet das Seite 440 angegebene an.

Roth.

In 2 Maaß Fernambukabsud (von 2 Pfd. Holz) löst man 1 Pfd. Alaun, 16 Loth Bleizuker, 4 Loth Kochsalz und 1 Loth krystallisirten Grünspan auf, rührt eine halbe Stunde lang um und filtrirt. Die filtrirte Flüssigkeit vermischt man mit 3 Maaß Fernambukabsud (von der angegebenen Starke) und versezt sie dann mit 8 Loth salpetersalzsaurem Zinnoxydul (Physik)81), worauf man die Farbe mit Gummi verdikt.

|443|

Wenn das Roth zum Vordruk bestimmt ist, verdikt man den Fernambukabsud mit Stärke und versezt die Farbe nach dem Erkalten mit der Zinnauflösung.

Um Rosenroth zu erhalten, läßt man bei dem Roth den Grünspan weg und verdünnt die Farbe bis auf die gewünschte Nüance mit Gummiwasser.

Violett.

2 Maaß Campecheholzabsud (von 2 Pfd. Holz) kocht man mit
2 Loth Cochenille und filtrirt; in der noch lauwarmen Flüssigkeit löst man dann
2 Alaun auf und sezt 4 Loth salpetersalzsaures Zinnoxydul (Physik) zu. Man verdikt mit
1 Pfd. Gummi.

Um Violett zum Vordruk zu erhalten, verdikt man die Farbe mit Starke und versezt sie nach dem Erkalten mit der Zinnauflösung. Um sie Heller zu machen, verdünnt man sie mir Gummiwasser.

Gelb.

In 2 Maaß Kreuzbeerenabsud (von 2 Pfd. Beeren) löst man
8 Loth Zinnsalz und
4 salpetersalzsaures Zinnoxydul (Physik) auf und verdikt mit
1 Pfd. Gummi.

Orange.

In 2 Maaß äzender Potaschelösung von 10° B. löst man
2 Pfund Orlean auf, indem man sie eine Viertelstunde lang damit kocht, sezr dann
2 Thonerdekali (Note 77) zu, und verdikt mit
1 1/2 Gummi.

Um die Lachsfarbe zu erhalten, verschwächt man mit Gummiwasser.

Blau.

In 2 Maaß Wasser von 40° R. löst man
12 Loth lösliches Indigblau,
4 Weinsteinsäure und
1 1/4 Pfd. Gummiwasser.

Man kann auch das Blau S. 441 anwenden.

Grün.

In 2 Maaß Kreuzbeerenabsud (von 1 Pfd. Beeren) löst man
16 Loth Alaun auf, sezt
6 bis 12 Loth essigsauren Indig zu und verdikt mit
1 1/4 Pfund Gummi.

Man kann auch das Grün S. 442 anwenden.

|444|

Holzfarbe.

Man benuzt dazu die Farbe S. 442.

Apparat zum Bedenken der seidenen Zeuge.

Die Druktische, deren man sich für seidene Zeuge bedient, sind von der Art, daß sie die Stoffe in ihrer ganzen Breite aufnehmen können. Zwischen dem Farbkasten und dem Druktische befindet sich eine Walze (Doke), auf welcher die für den Druk bestimmten Stäke aufgerollt werden. In dieser Walze (A, B, Fig. 35), ist ihrer ganzen Länge nach eine Fuge angebracht, in welche eine Leiste einpaßt, die dazu bestimmt ist, das Stük festzuhalten. Der Kopf B der Walze ist mit mehreren Löchern durchbohrt, in welche man eiserne Riegel stekt, um den Zeug anzuspannen und zu befestigen, wie es B zeigt. An dem andern Ende des Druktisches bringt man einen Kamm A, B, Fig. 36, an, welcher in Querleisten befestigt ist; die Zähne von diesem Kamm sind mit dem Druktuch auf gleicher Höhe. Man richtet das Stük zum Druken folgendermaßen her: man rollt es von der Walze ab und bringt den Anfang davon auf die Zähne des Kammes, worauf man ihn dadurch befestigt, daß man mit einer Bürste leicht darauf schlägt. Hierauf spannt man das Stük aus, indem man die Walze fest anzieht und sie mit dem Riegel befestigt. Man schreitet hierauf zum Druken, nachdem man die Foulards abgezeichnet hat. Während der Arbeit muß man aber darauf bedacht seyn, daß man die Zähne des Kammes stets zwischen zwei Foulards placirt, weil sich dann das Einpassen viel leichter ausführen läßt.

Vierundzwanzig Stunden nach dem Druken werden die Stüke gedämpft, dann in fließendem Wasser gewaschen und rasch getroknet.

III. Von den Mandarinage-Arbeiten auf seidenen Zeugen und Chalys.

Die Mandarinage-Arbeit oder die Darstellung von achter orange, grüner oder Solitärfarbe auf weißen und indigblauen Böden, gründet sich darauf, daß die seidenen und schafwollenen Stoffe durch Einwirkung von Salpetersäure dauerhaft goldgelb oder orange gefärbt werden.

Die Zeuge werden zu diesem Zwek auf die S. 438 angegebene Weise degummirt und dann auf gewöhnliche Weise bedrukt. Der Druktisch muß aber auf vorher angegebene Weise mit einer Walze und einem Kamm versehen seyn.

Der Farbtrog ist gewöhnlich doppelt und für den Dienst von zwei Druktischen bestimmt; anstatt wie gewöhnlich an einem Ende des Druktisches aufgestellt zu seyn, stellt man ihn nämlich zwischen zwei, folglich hinter den Druker. Er besteht aus einem kupfernen |445| Kasten, Fig. 37, A, B, C, D, in welchem der durch die Röhre I einströmende Dampf circuliren kann; die Röhre I dient dazu, den überflüssigen Dampf nebst dem verdichteten Wasser entweichen zu lassen. Das Chassis ist in dem hohlen Gehäuse K, K angebracht. Zwischen den beiden Chassis befindet sich eine kupferne Platte L, welche das Gehäuse verschließt; auf diese stellt man die Drukformen, um dieselben warm zu erhalten. Bei E, H sind Verlängerungen des Gehäuses zur Aufstellung von Gefäßen F, G, worin die Reservage aufbewahrt wird.

Fig. 38 stellt den Durchschnitt von diesem Apparate dar; A', B', C', D' ist das kupferne Gehäuse; a, b, c, d, a', b', c', d' der Farbtrog, e, e' bezeichnet den Raum, welcher mit alter fetter Reservage gefüllt wird; F ist das Chassis aus hölzernen Rahmen angefertigt, mit Boden (Sieb) von Leder. L' ist die kupferne Platte, welche die beiden Chassis nennt und gleiche Oberfläche mit dem Gehäuse hat. F', G' sind kupferne Gefäße zur Aufnahme der Reservage; I eine mit einem Hahn versehene Leitungsröhre für den Dampf; I' die Röhre, durch welche der überschüssige Dampf und das verdichtete Wasser austreten; sie ist ebenfalls mit einem Hahn versehen.

Darstellung der Reservage.

Man schmilzt in einem Kessel

2 1/2 Pfund Harz und
1 Talg zusammen, gießt die Mischung, wenn sie ganz
gleichartig geworden ist, in die Gefäße F', G, und läßt dann den
Dampf einströmen, um sowohl die Reservage als auch die alte Farbe
unter dem Chassis in flüssigem Zustande zu erhalten.

Das Aufdruken der Reservage.

Nachdem das Stük auf dem Druktisch ausgebreitet und die Reservage auf dem Chassis aufgetragen worden ist, läßt der Druker die Drukform (welche mit Blei eingefaßt seyn muß, wenn das Muster es gestattet) auf der kupfernen Platte L' heiß werden, nimmt die Reservage von dem Chassis auf und drukt solche ohne Verzug auf das Stük, indem er leicht auf die Drukform schlägt und sie dann gleich wieder aufhebt, damit sie sich beim Erkalten nicht an den Stoff anklebt. Wenn ein Tisch beendigt ist, überstreut er den Aufdruk mit Sand und fährt mit dem Druken fort. Man. darf das Stük erst dann aus seiner Spannung bringen, wenn die Reservage gut troken geworden ist, wozu gewöhnlich sechs Stunden Zeit erforderlich sind. Wir nehmen hier den einfachsten Fall an, daß man nämlich Weiß auf Orangegrund erhalten will, und werden später die andern Artikel, welche sich durch dieses Verfahren erzielen lassen, beschreiben.

|446|

Nachdem das Stük gedrukt und gut getroknet ist, unterwirft man es der

Mandarinage.

Der Apparat, dessen man sich hiezu bedient, besteht aus einem Trog von Sandstein A, B, C, D, Fig. 39; an den beiden Seiten A, C, A, D' des Troges sind zwei hölzerne Bohlen befestigt, welche einen Zoll von dem Boden desselben mit einem Loch versehen sind, um die Rolle E aufzunehmen, unter welcher das Stük durchgeht. In diesen Trog gibt man die saure Mischung. Derselbe befindet sich in einem hölzernen oder kupfernen Trog F, G, H, I, in welchen man Wasser bringt, dessen Temperatur mittelst Dampf oder eines gehörig angebrachten Ofens erhöht wird. An der vordern und hintern Seite sind zwei Haspel, K, L, angebracht, wovon der eine dazu dient, um die Stüke in den Trog zu leiten, und der andere, um sie herauszutreiben. Von da laufen die Stüke sogleich in das Flußwasser, oder in Ermanglung desselben in einen großen Bottich, welcher, ein Gemisch von Wasser und Kreide enthält. Die beiden Haspel werden mittelst Kurbeln bewegt, welche man je nach der Wirkung der sauren Mischung mehr oder weniger schnell umtreibt. Der Haspel L muß höher angebracht werden, als der Haspel K, um der Säure zum Abtropfen Zeit zu gewahren. In Fig. 40 sieht man diesen Apparat im Durchschnitt.

Die Temperatur der sauren Mischung muß zwischen 34 und 28° R. erhalten werden, denn wenn sie höher steigt, ist zu befürchten, daß die Reservage schmilzt, wo sodann der Aufdruk ganz ungleich würde.

Zusammensezung der sauren Mischung.

Man vermischt 1 Maaß Salpetersäure von 34° B. mit 1 Maaß Wasser; für dichte Gewebe kann man etwas mehr, für Chalys aber muß man etwas weniger Saure anwenden. Für dunkelgrüne Böden vermischt man 2 Maaß Salpetersäure von 34° B. mit 1 Maaß Wasser.

Die Zeitdauer für die Säurepassage ist höchstens eine Minute.

Das Beleben der Orangefarbe und Reinigen der Reservage.

Die aus dem Mandarinagehade kommenden Stüke spült man im Flußwasser rein; man läßt sie dann unter gutem Herumhaspeln eine halbe Stunde in einem Bade sieden, welches man für ein Stük von 24 französischen Ellen (Stab) aus 8 Loth einfach kohlensaurem Natron und 2 Pfd. Seife bereitet hat. Hierauf reinigt man sie in kaltem Wasser, passirt sie dann in heißem Wasser, reinigt sie wieder und troknet sie.

|447|

Orangeboden mit weißem Reservagedruk.

1) Ausdenken der fetten Reservage;

2) Mandarinage;

3) Beleben der Orangefarbe und Reinigen von der Reservage.

Orangeboden mit blauem Reservagedruk.

1) Blaufärben in der kalten Küpe wie bei baumwollenen Zeugen;

2) Aufdruk der fetten Reservage, um die blaue Farbe zu reserviren;

3) Mandarinage;

4) Beleben der Orangefarbe und Reinigen von der Reservage.

Orangeboden mit blauem und weißem Reservagedruk.

1) Vordruken der fetten Reservage, um das Weiß zu reserviren;

2) Blaufarben in der kalten Indigküpe, Reinigen und Abtroknen;

3) Einpassen der fetten Reservage, um die blaue Farbe zu reserviren;

4) Mandarinage;

5) Beleben der Orangefarbe und Reinigen von der Reservage.

Dunkelgrüner Boden mit Weiß.

1) Vordruken der hellen Reservage;

2) Mandarinage, Reinspülen, aber nicht Abtroknen;

3) Dunkelblaufarben;

4) Reinigen und Beleben der Orangefarbe.

Dunkelgrüner Boden mit Blau.

1) Hellblaufärben, Reinigen und Abtroknen;

2) Vordruken der fetten Reservage;

3) Mandarinage, Reinwaschen, nicht Abtroknen;

4) Dunkelblaufarben;

5) Reinigen und Beleben der Orangefarbe.

Dunkelgrüner Boden mit Weiß und Blau.

1) Vordruken der fetten Reservage;

2) Hellblaufärben und Troknen;

3) Einpassen der fetten Reservage;

4) Mandarinage und Reinigen;

5) Dunkelblaufarben;

6) Reinigen und Beleben der Orangefarbe.

Dunkelgrüner Boden mit Weiß, Blau und Orange.

1) Vordruken der fetten Reservage;

2) Hellblaufärben und Troknen;

3) Einpassen der fetten Reservage, Spülen und Troknen;

|448|

4) Mandarinage, Spülen und Troknen;

5) Wiederholtes Einpassen der fetten Reservage;

6) Dunkelblaufärben;

7) Reinigen und Beleben der Orangefarbe.

Blauer Boden mit Weiß.

Man drukt die fette Reservage vor, färbt in der Küpe blau und befreit die Stüke dann durch ein kochendes Seifenbad von der Reservage.

Alle diese Verfahrungsarten sind auch auf Chalyzeuge anwendbar.

Von der Darstellung der Solitärfarbe durch die Mandarinage-Arbeit.

Diese Art der Fabrikation hat viel Aehnlichkeit mit der vorher beschriebenen.

Mischung zum Mandariniren.

Man mischt 2 Maaß Salpetersäure von 22° B. mit
3/4 salpetersaurem Eisen von 60° B.

Wenn man mehr salpetersaures Eisen anwendet, so erhält man eine dunklere Nuance. Die Temperatur dieses Bades muß auf 24 bis 28° R. erhalten werden. Man läßt die aus dem Mandarinagebade kommenden Stüke in das Flußwasser laufen und eine Stunde lang darin hängen.

Um die Solitärfarbe zu beleben und den Stoff von der Reservage zu befreien, kocht man die Stüke in Soda und Seife aus, wie wir es S. 446 für die Orangefarbe angegeben haben.

Solitärboden mit Weiß.

1) Vordruken der fetten Reservage;

2) Blaufarben, Troknen;

3) Imprägniren durch die Maschine mit einem Blauholzabsud (von 1 Pfd. Holz per Maaß) und Abtroknen, unter der Vorsicht, die Salleisten auszustreichen;

4) Mandariniren und eine Stunde in den Fluß einhängen;

5) Reinigen und im Seifenbade behandeln.

Solitärboden mit Blau.

1) Blaufärben und Troknen;

2) Vordruken der fetten Reservage;

3) Imprägniren auf der Maschine mit einem Blauholzabsude (1 Pfd. Holz per Maaß), Troknen;

4) Mandariniren und eine Stunde in den Fluß einhängen;

5) Reinigen und Beleben der Solitärfarbe.

|449|

Solitärboden mit Weiß und Blau.

1) Vordruken der fetten Reservage;

2) Blaufarben, Troknen;

3) Einpassen der fetten Reservage;

4) Grundiren mit Blauholzabsud;

5) Mandariniren, eine Stunde im Fluß einhängen;

6) Reinigen und durch Seife passiren, um die Solitärfarbe zu beleben.

Dieser Artikel liefert auch auf Chalys sehr schöne Resultate.

Orange auf küpenblauem Boden.

Auf die in der kalten Indigküpe gefärbten, gut gereinigten und getrokneten seidenen Zeuge kann man Orange äzen, wenn man sie mit folgender Aezbeize bedrukt und dann der Einwirkung des Wasserdampfs aussezt:

2 Maaß Wasser werden mit
16 Loth Stärke verdikt und nach dem Erkalten mit
16 bis 24 Loth Salpetersäure von 34° B. versezt.

Orange auf Berlinerblau-Böden.

Die berlinerblau gefärbten Seidenzeuge werden mit folgender Aezbeize bedrukt: Man bereitet eine kaustische Lauge von 12° B., löst in 2 Maaß derselben 1 Pfd. Orlean auf und verdikt mit 40 Loth Gummi. Zwei Tage nach dem Druken dämpft man die Stüke und wäscht sie dann im Flußwasser aus. Bei lezteren zwei Artikeln läßt sich auch noch das S. 440 angegebene Schwarz anwenden.

Nach Thillaye's Manuel du Fabricant d'indiennes bearbeitet.

|432|

Die Maaß ist immer gleich dem Raum von zwei Pfund Wasser angenommen.

|432|

Das lösliche Indigblau erhält man zu diesem Zwek auf folgende Akt: Man behandelt Wolle oder Flanell, welche zuvor mit Seife und alkalischem Wasser gewaschen worden sind, bei gelinder Wärme mit einer verdünnten Auflösung von Indig in Schwefelsäure, wäscht sie im Fluß aus und digerirt sie dann mit Wasser von 64° R., worin man zuvor ein wenig Potasche aufgelöst hat; nachdem sodann die Wolle aus der Flüssigkeit genommen worden ist, dampft man leztere bis auf einen gewissen Punkt ein, worauf das blaue Kalisalz sich niederschlägt, welches man auf Leinenzeug sammelt und in Teigform aufbewahren oder troknen kann.

|432|

Man erhält dasselbe, wenn man in 3 Pfd. flüssigem salpetersaurem Eisenoxyd von 55° B. 1 Pfd. gepulverten Bleizuker auflöst, das Gemenge umrührt und absezen läßt. Die überschüssige Salpetersäure zersezt das essigsaure Blei; es wird Essigsäure frei, welche in der Flüssigkeit bleibt, während sich salpetersaures Blei absezt, das noch zu einigen Drukfarben benuzt werden kann.

|432|

Das salzsaure Zinnoxyd wird für die Drukfarben auf Wolle folgendermaßen bereitet: man löst in 4 Pfd. Wasser 6 Pfd. krystallisirtes salzsaures Zinnoxydul (Zinnsalz) auf, gießt die Auflösung in ein Steingutgefäß und leitet dann soviel Chlorgas hinein, als man in einem Kolben bei mäßiger Wärme aus 2 Pfd. Braunstein und 8 Pfd. Salzsäure entwikeln kann. Die Operation soll beiläufig 8 Stunden dauern, und ist erst beendigt, wenn die Glasröhre, durch welche das Chlorgas herbeigeleitet wird, sich durch die übergehenden Wasserdämpfe stark zu erhizen anfängt.

|433|

Um den alkalischen Thonerde-Mordant zu erhalten, kocht man

200Maaß Wasser,
100Pfd. Potasche und
40 – Kalk

eine Stunde lang mit einander, läßt absezen, gießt die klare Flüssigkeit ab und siedet sie auf 35° Baumé ein. Dann löst man in 60 Maaß Lauge von 35° durch Kochen 50 Pfd. gepulverten Alaun auf und läßt die Flüssigkeit erkalten, wobei |434| schwefelsaures Kali aus ihr auskrystallisirt. Endlich gießt man die klare Flüssigkeit ab, spült die Krystalle mit ein wenig Wasser ab und erhält so beiläufig 66 Maaß Mordant.

|435|

Man bereitet den essigsauren Indig, indem man 1 Pfd. feingepulverten Indig mit 7 Pfd. (englischer) Schwefelsäure in einer Steingutschüssel anrührt und über einem Wasserbade auf höchstens 40° R. während 24 Stunden erwärmt; dann gießt man in die Auflösung langsam 2 Maaß Wasser, läßt sie erkalten und versezt sie mit einer heißen Auflösung von 7 Pfd. Bleizuker in 4 Maaß Wasser, rührt das Gemisch gut um und sezt noch 12 Loth gebrannten Kalk, der mit 1 Maaß Wasser abgelöscht und angerührt wurde, hinzu, läßt erkalten und filtrirt.

|439|

Man erhält die salpetersalzsaure Zinnauflösung zum Aviviren der Krappfarben, indem man in 10 Pfd. Salpetersäure von 34° Baumé 8 Pfd. Zinnsalz auf folgende Art auflöst: man bringt das Zinnsalz in eine Steingutschüssel, welche wenigstens 13 Maaß faßt, und gießt die Salpetersäure in Portionen von 8 Loth hinzu. Dabei erfolgt eine sehr lebhafte Einwirkung, und es entbindet sich eine Menge Salpetergas; um von den Dampfen nicht belästigt zu werden, muß man daher mit einer langen Glasröhre umrühren. Wenn die Gasentbindung nachläßt, sezt man die zweite, dann die dritte etc. Portion Salpetersäure zu. Nachdem beiläufig zwei Drittel der Säure zugesezt worden sind, wird die Masse fest und die Entbindung von Salpetergas hört auf: ein Beweis, daß alles Zinnsalz in salzsaures Zinnoxyd verwandelt ist. Man sezt dann noch die übrige Säure zu, indem man das Gemenge gut umrührt. Nach dem Erkalten wird die Auflösung in Steingutkrügen aufbewahrt. Diese Auflösung ist sehr dik und sieht wie Rahm aus.

|440|

Die salzsaure Thonerde bereitet man durch unmittelbare Auflösung frischgefällter Thonerde in Salzsäure mittelst Erwärmens. In 1 Pfd. 12 Loth käuflicher Salzsäure kann man das Thonerdehydrat auslösen, welches aus 5 Pfd. Alaun mit Potasche niedergeschlagen worden ist.

|442|

Man bereitet das salpetersalzsaure Zinnoxydul (sogen. Physik) folgendermaßen: man vermischt 4 Pfd. Salzsäure mit 2 Pfd. Salpetersäure und läßt darin granulirtes Zinn, welches man portionenweise eintragt, in der Kälte sehr langsam sich auflösen, bis die Flüssigkeit auf das Metall nicht mehr wirkt.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: