Titel: Dr. Traill's unauslöschliche Tinte.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 70, Nr. XIII./Miszelle 14 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj070/mi070013_14

Dr. Traill's unauslöschliche Tinte.

Dr. Traill las kürzlich vor der Royal Society in Edinburgh eine Abhandlung vor, in der, nachdem er die fruchtlosen Versuche, welche er machte, um mit Metallverbindungen eine dauerhafte Tinte zu bereiten, erzählt, eine kohlige Flüssigkeit angibt, welche die Eigenschaften einer guten Schreibtinte besizt. Die bei den Alten gebräuchlichen Tinten waren kohliger Natur, und widerstanden dem Zahne der Zeit ausnehmend gut, doch fand Dr. Traill, daß sich Handschriften, welche in Herculanum gefunden wurden und auch ägyptische Papyrusrollen mit Wasser auslöschen lassen. Tinten, die er nach den Angaben von Vitruvius, Dioscorides und Plinius zusammensezte, flossen nicht gut aus der Feder und widerstanden gleichfalls dem Wasser nicht, was heut zu Tage von einer guten Tinte gefordert wird. Kohlige Tinten mit harzigen, in ätherischen Oehlen aufgelösten Vehikeln widerstehen zwar dem Wasser und den chemischen Reagentien, laufen aber nicht gut aus der Feder, und fließen auf dem Papiere. Dasselbe gilt von den Kautschukauflösungen in Steinkohlen-Naphtha und Sassafrasöhl. Nach verschiedenen fruchtlosen Versuchen mit animalischen und vegetabilischen Flüssigkeiten als Vehikel für den Kohlenstoff fand Dr. Traill endlich, daß eine Auflösung von Weizenkleber in brennzliger Holzsäure sich mit Kohlenstoff leicht zu einer Flüssigkeit vermischt, welche alle Eigenschaften einer guten, dauerhaften Tinte besizt. Er löst Kleber, der eben frisch aus Weizen ausgeschieden und |78| möglichst vollkommen von dem Stärkmehle getrennt worden ist, unter Mitwirkung der Wärme in brennzliger Holzsäure auf, und verdünnt die seifenartige Flüssigkeit, die er hiedurch erhält, mit Wasser, bis die Säure die Stärke von gewöhnlichem Essige hat. Mit je einer Unze dieser Flüssigkeit reibt er 8 bis 10 Gran des besten Lampenschwarz und 1 1/2 Gran Indigo ab. Diese Tinte ist wohlfeil, leicht zu verfertigen, und schön von Farbe, sie fließt leicht aus der Feder, troknet schnell, läßt sich, wenn sie troken geworden ist, nicht durch Reibung wegschaffen, wird vom Wasser nicht weggewaschen, und wird von den chemischen Reagentien, welche die gewöhnlichen Tinten zerstören, nur dann angegriffen, wenn sie das Papier selbst zerstören. Hr. Dr. Traill empfiehlt demnach seine Tinte für alle Fälle, wo man Verfälschungen verhüten oder Documente für späte Jahre aufsezen will. (Edinburgh N. Philos. Journal Jul. 1838, S. 213.)

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