Titel: Pape's Verbesserungen an den Pianofortes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 70, Nr. XXXV./Miszelle 11 (S. 154–155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj070/mi070035_11

Pape's Verbesserungen an den Pianofortes.

Nach einem Berichte, den Hr. Francoeur am 27. Jun. l. J. der Société d'encouragement erstattete, hätte es Frankreich, welches noch vor Kurzem seine besseren Pianos aus England und Deutschland holen mußte, nunmehr dahin gebracht, dergleichen selbst für den auswärtigen Handel zu liefern. Von 30 Fabrikanten, |155| die sich am Ende des vorigen Jahrhunderts in Frankreich mit dem Baue von derlei Instrumenten beschäftigten, ist die Zahl in lezter Zeit beinahe auf 500 gestiegen! Die größten und wesentlichsten Fortschritte verdankt die französische Kunst dem wakeren Hrn. Pape, von dem wir schon mehrere Male zu sprechen Gelegenheit hatten, und dem die Gesellschaft denn auch in Anerkennung seiner großen Verdienste ihre goldene Medaille zuerkannte. Wir entnehmen unter Hinweisung auf das polyt. Journal Bd. XLIII. S. 155, und Bd. XLVIII. S. 63 aus dem angeführten Berichte nur Folgendes. Die vorzüglichste Erfindung des Hrn. Pape besteht bekanntlich in einem zwekmäßigen Mechanismus, um die Hämmer von Oben auf die Saiten schlagen zu lassen. Hiedurch halten die Instrumente nicht nur länger ihre Stimmung, sondern ihre Dauer wird auch im Allgemeinen eine längere, da den sonst so häufigen Verbiegungen und Formveränderungen des Resonanzbodens bei diesem Systeme leicht und vollkommen vorzubeugen ist. Dadurch, daß er den Hebeln in senkrechter Richtung eine Biegung gab, gelang es Hrn. Pape ferner, die Dimensionen des Kastens bedeutend zu verkleinern, ohne die Länge der Saiten beschränken zu müssen und ohne der Schönheit des Tones Eintrag zu thun. Seine vierekigen Pianos, welche in jedem Salon ein nicht im Geringsten störendes Möbel bilden; seine stehenden Pianos, die nicht mehr Raum einnehmen als ein Kaminsims; seine Pianos in Form einfacher runder oder sechsseitiger Guéridons stehen angeblich in ihren Leistungen denen der bisherigen großen und schwerfälligen Instrumente nicht nach. Das Werfen des Resonanzbodens wußte er auf eine sehr sinnreiche Weise durch Verstärkungsstäbe, die dem Zuge, den die Saiten auf die Wirbelbalken ausüben, widerstreben, und die durch den eisernen Steg laufend zwischen dem Resonanzboden und der von den Saiten gebildeten Ebene gelegen sind, zu verhüten. Endlich läßt Hr. Pape auch noch in der Nähe der Wirbel einen Druk auf die Saiten wirken, so daß die Stimmung nicht mehr durch eine Zugkraft, sondern durch einfachen Druk hervorgebracht wird. Jedermann kann dem gemäß eine Saite, deren Spannung nachgelassen, leicht wieder auf die gewünschte Stimmung zurükbringen. – Anreihen müssen wir hier Einiges aus dem Berichte, den Hr. Prof. La Hausse, der Erfinder des Clavigrade, der Académie de l'Industrie über die vierekigen Pianos der HHrn. Côte und Perdrix in Paris erstattete, und in welchem er, ohne in einen Prioritätsstreit einzugehen, wenigstens einige der dem Hrn. Pape zugeschriebenen Verdienste für diese Künstler in Anspruch nimmt. Als die Vorzüge ihrer Pianos, an denen die Hämmer gleichfalls von Oben auf die Saiten schlagen, werden angeführt: eine größere Solidität des Kastens und deßhalb ein längeres Halten der Stimmung; eine größere Stärke und Völle der Töne, weil der Resonanzboden nicht bloß an zwei Seiten, sondern im ganzen Umfange am Kasten befestigt ist, und weil das Instrument nach Unten offen ist, so daß sich der Ton nicht bloß den oberen, sondern auch den unteren Luftsäulen mittheilen kann. Ferner kann in Folge eigener sinnreicher Mechanismen nicht allenfalls eine der Tasten durch das Brechen der Federn plözlich stumm werden, so wie auch das sonst durch die Abnüzung des Instrumentes entstehende Geklapper verhütet ist. Endlich ist es Hrn. Côte gelungen, die harmonischen Töne, die an allen Pianos den Grundton der ganzen Saite überdauern, sobald die Saite an einem ihrer aliquoten Theile von dem Dämpfer coupirt wird, zu beseitigen. Er bezwekte dieß durch einen zweiten Dämpfer, dessen äußerst einfacher Mechanismus die Wirkung des ersteren neutralisirt, und durch Druk auf die Mittelpunkte der Schwingungen alles Unangenehme desselben absorbirt. Die Académie ertheilte dem Erfinder deßhalb ihre silberne Medaille.

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