Titel: Ueber eine neue ausgezeichnete Race von Schafen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 70, Nr. XXXV./Miszelle 25 (S. 160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj070/mi070035_25

Ueber eine neue ausgezeichnete Race von Schafen.

Hr. Graux, Besizer der Maierei in Mauchamp in der Gegend von Laon, bemerkte vor 10 Jahren unter einer von ihm gehaltenen Merinos-Heerde ein männliches Lamm, welches sich von seinen Stammverwandten auffallend durch seine Wolle unterschied. Diese hatte nämlich einerseits das Weiche und Markige der Kaschemirwolle und andererseits den Glanz der englischen Leicesterwolle, so daß man keinen bezeichnenderen Namen für sie wählen konnte, als den Namen Seidenwolle (laine-soie), den ihr Hr. Graux gab. Als aufmerksamer und sachkundiger Oekonom kam Hr. Graux sogleich auf die Idee, diese neue, zufällig entstandene, und durch so treffliche Eigenschaften ihres Vließes ausgezeichnete Race wo möglich zu erhalten und zu vermehren. Es gelang dieß auch wirklich seiner Sorgfalt, und er ist nun im Besize einer kleinen Heerde, deren Wolle die angegebenen Eigenschaften in vollem Maaße beibehalten hat. Die neue Race kommt in Hinsicht auf ihren Körperbau der gewöhnlichen Merinos-Race gleich, obwohl sie wegen ihrer längeren und weicheren Wolle einen etwas anderen Anblik gewährt, als diese. Ihre Höhe, welche die Thiere erst mit dem dritten Jahre ganz erreichen wechselt von 60 bis zu 72 Centimetern, und die Schwere steht mit dieser Größe im Verhältnisse. Die schwächsten Hammel geben bei der Schur beiläufig ein, die stärksten hingegen 2 1/2 Kilogr. am Rüken gewaschene Wolle; ungewaschen wiegen die Vließe gewöhnlich das Doppelte. Die gewaschene Wolle gibt bei viermaligem Kämmen mit demselben Kamme 50 Proc. Kammwolle, 25 Proc. Kurzwolle und 25 Proc. Abfall. Man zahlt sie gewaschen gern zu 10 Fr. das Kilogramm; Sachverständige erklärten übrigens, daß sich ihr Werth nach dem Cumulativpreise der gekämmten Kaschemir- und der gekämmten Merinoswolle ergibt, wenn man den Mittelpreis zur Basis nimmt. Die Seidenwolle behält, wenn sie gesponnen und gefärbt worden, ihren Glanz, ihre Weichheit und ihre Festigkeit. Mehrere Fabrikanten, und darunter die ausgezeichnetsten, wie z.B. Hr. Cunin-Gridaine, verarbeiteten sie zu Shawls, zu Satin-Laine, zu Drap-Nouveautés, zu Gilets etc. und zwar mit bestem Erfolge, so daß sie nur bedauern, daß sie bisher in so geringer Menge zu haben ist. Auf der Ausstellung zu Reims erhielt sie den ersten Preis. Den über sie erstatteten, von Hrn. Soulange-Bodin abgefaßten Bericht findet man im Bulletin de la Société d'encouragement. Julius 1838, S. 288.

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