Titel: Einiges über die Wirkung der Wagen auf die Landstraßen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 70, Nr. LVI./Miszelle 11 (S. 236)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj070/mi070056_11

Einiges über die Wirkung der Wagen auf die Landstraßen.

Die Unterhaltungskosten einer Straße, sagt Sir Parnell in der zweiten Ausgabe seines trefflichen Treatise on Roads, richten sich zum Theile nach der Art der Wagen, womit sie befahren werden. Ist die Straße aus sehr hartem Materiale gebaut und sehr eben, so thut ihr ein über sie rollendes Rad, selbst wenn es eine große Last trägt, nur wenig Schaden; ist sie dagegen aus weichem Materiale gebaut, so schneidet das Rad um so tiefer ein, je größer die Ladung. Die Unwissenheit, welche in Hinsicht der wahren Principien des Straßenbaues herrschte, veranlaßte beinahe alle Straßenverbesserer zu dem Glauben, daß schlechtes Material so gute Straßen gäbe wie gutes, wenn man die Breite der Radfelgen und die auf einen Wagen zu ladenden Lasten darnach regulirt. Die Folge hievon war eine mehr oder weniger absurde Legislation, bei der die Straßen doch immer schlecht blieben; und zwar aus dem ganz einfachen Grunde, weil es unmöglich ist, mit schlechtem Materiale eine gute Straße zu bauen. Wenn die Straßen gut und fest und von gehöriger Form gebaut, troken erhalten und gehörig abgekrazt werden, so hat die Gesezgebung nichts weiter zu schaffen, als die Räder mit vorstehenden Nagelköpfen zu verbieten. Auf solchen Straßen wird es im Interesse aller Fuhrleute liegen, keine anderen Fuhrwerke als einspännige Karren, wie man sie in Schottland und Irland hat, zu benüzen, wo dann die Ladungen von selbst nie so groß ausfallen werden, daß die Straßen durch sie beschädigt werden könnten. Die Erfahrung hat nämlich gezeigt, daß ein Pferd weit mehr zieht, wenn es einspännig geht, als wenn es neben ein anderes gespannt ist. Der Grund hievon liegt in der Unmöglichkeit, zwei oder mehrere Pferde so zum Ziehen anzutreiben, daß auf jedes regelmäßig und beständig der gehörige Antheil der Last kommt. Man rechnet in Schottland und Irland, das Gewicht des Karrens nicht in Anschlag gebracht, auf einen einspännigen Karren eine Ladung von 30 Cntr., während man mit den englischen Wagen im Durchschnitte nur 15 Cntr. auf ein Pferd rechnet. Das einfachste und beste Mittel zur Verhütung der Straßenbeschädigung durch schwer beladene Wagen wäre, den Zoll für jedes Pferd bedeutend zu erhöhen. Wenn z.B. ein Pferd 4 Den. Zoll zahlt, so müßten zwei 10, drei 17 zahlen u.s.f. – Was die Wagen für den Personentransport betrifft, so scheint es, daß sich ihr Bau hauptsächlich deßhalb sehr zum Vortheile des Publicums verbesserte, weil sich die Gesezgebung nicht damit befaßte. In Frankreich dagegen verdankt man den schwerfälligen Bau und die Langsamkeit der Eilwagen und Diligencen hauptsächlich dem absurden Regulativ, welches in Betreff der Breite der Radreifen besteht. Obschon übrigens die englischen Eilwagen so gebaut sind, daß man mit Sicherheit und für geringe Kosten damit fahren kann, so scheint es doch, daß mehr für die Bequemlichkeit der Reisenden gesorgt werden könnte, und die Arbeit der Pferde vermindert werden dürfte, wenn man den Kasten größer, die vorderen Räder höher, die Federn länger und dünner machte, und wenn man die Last hauptsächlich auf die hinteren Räder verlegte. Die Wissenschaft wird wohl unstreitig zu weiteren Verbesserungen der Kutschen führen; dessen ungeachtet wäre aber wohl eine Reihe von Versuchen anzustellen, um mit Sicherheit zu ermitteln, um wieviel die Arbeit der Pferde bei vollem Nuzeffecte der Räder und Federn und durch gute Straßen vermindert werden kann.

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