Titel: Beiträge zur Gewerbspolizei.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 70, Nr. LVI./Miszelle 2 (S. 232–233)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj070/mi070056_2

Beiträge zur Gewerbspolizei.

Das Mémorial encyclopédique, Julius 1838, S. 403 enthält im Auszuge eine Zusammenstellung mehrerer der Beschlüsse, welche in neuerer Zeit zu Paris von dem Conseil de salubrité et d'hygiène publique in Betreff einiger Industriezweige gefaßt worden. Wir entnehmen daraus für unsere Leser Folgendes:

Zukerraffinerien. Bedingungen: 1) Die Schornsteine der Oefen müssen so hoch geführt werden, daß die Nachbarschaft nicht durch Rauch belästigt wird.

2) Die Oefen müssen mit gehöriger Sorgfalt gebaut, und ihre Röhren so weit von allem Holzwerke entfernt seyn, daß keine Feuersgefahr Statt finden kann.

3) Die Oefen sind mit Mänteln zu versehen.

Hornarbeiter. Das Horn, welches abgeplattet werden soll, muß in Bottiche eingeweicht werden, und das zur Maceration verwendete Wasser darf man nur nach Mitternacht und vor 5 Uhr Morgens auf die Straße laufen lassen. |233| Der Rauchfang muß einen guten Zug haben, damit nichts von dem Rauche und den Ausdünstungen in die benachbarten Gewölbe ziehe.

Lumpensammler. Eine Lumpenniederlage ward deßwegen nicht geduldet, weil die beiden Gemächer, die dazu bestimmt waren, nur durch die Thüre und durch ein in einen ganz kleinen Hofraum gehendes Fenster Licht erhielten; weil beide nicht über 8 Fuß Höhe hatten, und weil sie nicht nur beide feucht, sondern auch nicht zu lüften waren.

Kienrußfabriken. Die Fabrication von Kienruß durch gedämpfte Verbrennung von Harz hat nichts der Gesundheit Nachtheiliges; sie kann selbst nicht durch Rauch belästigen, da der Ruß nichts anderes als der in eigens hiezu eingerichteten Kammern verdichtete Rauch ist.

Zeugdrukereien. In einer Drukerei sollte eine Dampfmaschine errichtet werden; auf die Einwendungen der Nachbarn ward beschlossen: 1) daß die Errichtung der Dampfmaschine zu unterbleiben habe, ausgenommen der Eigenthümer findet Mittel, den von den Verdampfungsapparaten erzeugten Dampf abzuleiten oder wenigstens sein Entweichen durch die Fenster auf die Straße hinaus gänzlich zu verhüten. 2) daß über den Verdampfungsapparaten entweder aus genau zusammengefügten Dielen oder auf irgend andere Weise ein großer Mantel zu erbauen sey, der über die sämmtlichen Apparate rings herum wenigstens um einen halben Meter hinausreicht und mit dem Rauchfange des Ofens communicirt. 3) daß der Rauchfang des Ofens der Dampfkessel bis über die Dächer der Nachbarhäuser hinauf geführt werden muß. 4) daß dem Ofen eine möglichst rauchverzehrende Einrichtung zu geben sey.

Fabriken von Javelle'scher Lauge. Beschluß: 1) sind diese Fabriken von jeder Wohnung zu entfernen; 2) hat man die Rauchfangröhren auf 20 Centimeter von allem Holzwerke fern zu halten; 3) dürfen nicht mehr als 300 Kilogramme Javelle'scher Lauge des Tages fabricirt werden.

Waschhäuser müssen gepflastert seyn; ihre Oefen müssen einen Mantel haben und ebenso muß für gehörige Ventilirung gesorgt seyn. Das Waschwasser muß täglich zweimal erneuert werden und durch unterirdische Röhren in einen Canal oder irgend einen anderen zwekdienlich befundenen Ort abfließen.

Niederlagen grüner Häute. Die Häute der in Paris geschlagenen Rinder gelangen in 36 Anstalten, wo sie gereinigt oder ausgewässert werden. Der Boden des Ortes, an welchem man die Häute aufhängt, muß gepflastert und so geneigt seyn, daß die Wasser leicht abfließen können. Außerdem muß die Pflasterung in einen Cement eingebettet seyn, der kein Wasser durchläßt.

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