Titel: Anthracit zum Heizen von Lokomotiven benuzt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 70, Nr. LVI./Miszelle 6 (S. 234)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj070/mi070056_6

Anthracit zum Heizen von Lokomotiven benuzt.

Der Liverpool Albion schreibt von Versuchen, die man auf der Liverpool-Manchester-Eisenbahn anstellte, indem man eine der kleineren Maschinen, den Vulcan, mit Anthracit zu heizen probirte. Bei dem ersten Versuche lief die Maschine 6 Meilen weit ohne Ladung; man hatte gar keine Schwierigkeit beim Aufzünden der Feuer, welche brannten, ohne daß Staub oder Rauch bei dem Schornsteine entwichen wäre. Auf dem Rükwege erreichte die Locomotive mit einem angehängten Steinkohlentransporte ihre gewöhnliche Geschwindigkeit von 21 engl. Meilen in der Zeitstunde. – Bei einem zweiten Versuche legte dieselbe Maschine die ganze Streke bis Manchester in einer Stunde 29 Minuten zurük. Der Verbrauch an Anthracit betrug hiebei nur 5 1/2 Cntr., obwohl viel davon deßhalb verloren ging, weil die Roststangen für dieses Brennmaterial zu weit gestellt waren. An Kohks würde die Maschine zu derselben Fahrt 7 1/2 Cntr. gebraucht haben. – Man hofft hienach dem Liverpooler Blatte zu Folge den Anthracit in Bälde allgemein auf den Eisenbahnen eingeführt zu sehen, und dadurch bei deren Betrieb eine Ersparniß von 30 bis 40 Proc. zu machen. – Das Civil Engineers and Architects Journal bemerkt hingegen in seinem lezten Septemberhefte, daß man auch auf der London-Birmingham-Eisenbahn Versuche mit dem Anthracite anstellte, daß diese aber, so weit sie ihm bekannt seyen, nichts weniger als zur Zufriedenheit ausfielen. Der Anthracit zersprang nämlich in der Hize in kleine Stüke und bedekte die Roststangen in einer diken Schichte, welche den Zug sehr beeinträchtigte. Bei den Kohks ereignet sich dieß, obwohl sie oft in einer 12 Zoll diken Schichte auf dem Roste liegen, nie, theils wegen ihrer leichten und lokeren Textur, theils wegen der großen und unregelmäßig geformten Massen, in denen sie aus den Oefen kommen. Die Maschine blieb bei allen drei Versuchen an derselben Stelle, nämlich an einer etwas steilen Steigung stehen, so daß anderes Brennmaterial genommen werden mußte. Dagegen scheint es, daß der Anthracit gute Dienste leistet, wenn man ihn zugleich mit Kohks zur Heizung verwendet.

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