Titel: Ueber die Vertilgung des weißen Kornwurmes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 70, Nr. LXIX./Miszelle 19 (S. 319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj070/mi070069_19

Ueber die Vertilgung des weißen Kornwurmes.

Hr. Herpin in Metz, der die Naturgeschichte des weißen Kornwurmes zum Gegenstande seines Studiums gemacht hat, übergab kürzlich die Resultate desselben der Oeffentlichkeit. Das Wesentliche ist in Folgendem zusammengefaßt: 1) Der weiße Kornwurm übt in Frankreich erst seit 60 Jahren seine Verheerungen aus. 2) Er vermehrt sich auf den Feldern, in den Scheunen und auf den Speichern; vielleicht auch durch Wanderungen der ausgefallenen Schmetterlinge. 3) Seine Larve oder Puppe bleibt unbeschädigt, wenn sie mit dem Saatkorne ausgesäet wird, aus ihr fällt der Schmetterling gegen Mitte Junius aus, und dieser legt dann auf dem Felde selbst noch seine Eier auf die Getreideähren, und zwar kurz nach der Blüthe. 4) Eines der sichersten und wohlfeilsten Mittel das von dem weißen Kornwurme angegangene Getreide zu schüzen und diesen zu zerstören, ist dessen Erstikung, die in verschlossenen Behältern mittelst Kohlensäure oder Stikstoff zu geschehen hat. 5) Man braucht zu diesem Zweke nur einige glühende Kohlen in ein leeres Faß zu werfen; dieses dann mit dem angestekten Getreide zu füllen, und es hierauf gut verschlossen gegen 3 Wochen lang stehen zu lassen. 6) Die durch den Kornwurm veranlaßte Erhizung des Getreides läßt unmittelbar nach Verschluß des Fasses nach und mindert sich bis zum Tode der Würmer immer mehr und mehr. Der Tod erfolgt in weniger als 24 Tagen, und zwar um so schneller, je höher die Temperatur der atmosphärischen Luft steht. 7) Das auf diese Art behandelte Getreide bekommt keinen üblen Geruch oder sonst eine nachtheilige Eigenschaft; es liefert gutes Brod und verliert auch seine Keimkraft nicht. 8) Zu den Zerstörungsmitteln des weißen Kornwurmes gehört das Schneiden des Getreides, so lange es noch etwas grün ist; denn das in diesem Zustande aufgespeicherte Getreide entwikelt viel Kohlensäure, welche die Raupen beim Ausfallen aus dem Eie tödtet. 9) Das vom Kornwurme angestekte Getreide muß so schnell als möglich ausgedroschen und gemahlen werden, wenn man es nicht auf die angegebene oder sonst eine andere bewährte Methode schüzen will oder kann. 10) Angestektes Getreide verliert innerhalb 6 Monaten wenigstens 40 Proc. seines Gewichtes oder 75 Proc. seines Mehlgehaltes. 11) Nie soll man angestektes Getreide zur Aussaat wählen, und wenn man dieß ja thun muß, so soll man den zum Kalken desselben bestimmten Substanzen Chlorkalk zusezen. (Echo du monde savant 1838, No. 33.)

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