Titel: Ueber die Dampfmaschinen in Cornwallis.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 70, Nr. LXIX./Miszelle 4 (S. 314)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj070/mi070069_4

Ueber die Dampfmaschinen in Cornwallis.

Die durch ihre großen und eben deßhalb schon oft bezweifelten Leistungen berühmten Dampfmaschinen von Cornwallis waren neuerlich der Gegenstand mehrerer Abhandlungen und vieler Discussionen vor der Institution of Civil Engineers in London. Besondere Aufmerksamkeit erregten die Mittheilungen des Hrn. Thomas Wicksteed und des Hrn. Parkes, und aus diesen heben wir nach dem Auszuge der Verhandlungen, welchen das London Journal in seinen lezten Heften gab, für unsere Leser Folgendes aus. Die Versuche, welche Hr. Wicksteed an einer Pumpe der Holmbush-Gruben anstellte, und bei denen man das aufgepumpte Wasser in einem Behälter sammelte und wog, ergaben als Leistung der Maschine 102,721,323 Pfd., welche mit einem Aufwande von 94 Pfd. oder einem Bushel Steinkohlen auf eine Höhe von einem Fuß gehoben wurden. Diese Quantität drükt jedoch nicht die ganze Leistung der Maschine aus, welche nach dem Inhalte der Pumpen und der Luft ohne irgend ein Zugeständniß für Auslassen berechnet werden muß, und wonach sich 117,906,992 Pfd. auf einen Fuß Höhe gehoben ergeben. Bei einem durch drei Tage fortgesezten Versuche mit einer Maschine, deren Cylinder 60 Zoll Durchmesser hatte, wobei man das Gehäuse oder den Mantel zuerst mit Dampf erfüllte und dann keinen Dampf einließ, ergab sich in ersterem Falle eine um 10 Proc. größere Leistung. Die Quantität des in dem Mantel während 216 Huben verdichteten Wassers betrug 2 Proc. des zum Behufe des Betriebes der Maschine verdampften Wassers. – Hr. Parkes äußerte sich dahin, daß die meisten Ingenieurs darüber einig seyen, daß die mit niederem Druke arbeitende Kurbelmaschine, wie man sich ihrer zum Fabrikbetriebe bedient, im Zustande der höchsten Vollendung für jede Pferdekraft wenigstens 10 Pfd. gute Steinkohle in der Zeitstunde fordere, und daß dieß auch mit der Schäzung Watt's übereinstimme. Dabei ist angenommen, daß 1 Pfd. Steinkohle 7 Pfd. Wasser verdampfe. Er hatte Gelegenheit mehrere von Boulton und Watt und anderen gebaute Maschinen zu prüfen, und fand den Verbrauch an Brennmaterial nur in drei Fällen nicht höher als zu 10 Pfd. Er führt einen Versuch an, der mit solcher Strenge durchgeführt wurde, daß man sich auf dessen Genauigkeit verlassen kann. Die Maschine, welche angeblich 40 Pferdekräfte haben sollte, ward von den HHrn. Hick und Rothwell zu Bolton gebaut und in St. Ouen bei Paris aufgestellt worden, um daselbst Wasser für einen neuen Dok zu pumpen. Der Versuch mit ihr wurde 2 Tage lang in Gegenwart der HHrn. Arago, Jouy, Farey und Parkes geführt. Der Indicator zeigte, daß die Maschine genau mit 40 Pferdekräften arbeitete, und zwar mit einem stündlichen Verbrauche von 11 Pfd. guter Steinkohlen von Mons per Pferdekraft. Da jedoch das Gewicht des wirklich auf einen Fuß in der Minute gehobenen Wassers, wenn man es durch 40 theilte, 36,000 Pfd. gab, so war der stündliche Verbrauch an Steinkohlen 10 Pfd. per Pferdekraft. Da sich die Maschine in vollkommenstem Zustande befand, so zieht Hr. Parkes aus diesem Versuche den Schluß, daß die Leistung der gewöhnlichen, mit niederem Druke und nicht ausdehnungsweise arbeitenden Kurbelmaschine nicht höher als auf 20 bis 21 Mill. Pfd., die mit 90 bis 94 Pfd. Steinkohlen einen Fuß hoch gehoben werden, anschlagen läßt; und daß sich also die Leistung der von Wicksteed erprobten Maschine von Cornwallis zur Leistung lezterer wie 5 : 1 verhält. In demselben Verhältnisse steht demnach auch die Ersparniß an Brennmaterial.

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