Titel: Ueber das Wasserrad des Hrn. Passot.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 70, Nr. LXIX./Miszelle 8 (S. 315–316)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj070/mi070069_8

Ueber das Wasserrad des Hrn. Passot.

Hr. Coriolis berichtete der Akademie zu Paris über ein von Hrn. Passot erfundenes Wasserrad, und sagte darüber im Wesentlichen Folgendes. Das neue Rad ist nach einem dem Systeme der Reactionsräder ähnlichen Systeme gebaut, und besteht aus einem sehr stark abgeplatteten Fasse, welches um seine senkrecht gestellte Achse umläuft. Das Wasser gelangt von Oben in das Rad, und zwar in einer Röhre, welche central in den Dekel des Fasses eingesezt ist. Die cylindrische Oberfläche am Ende des Fasses hat eine oder mehrere Kammern, die durch drei einspringende Flächen gebildet werden. Von diesen Flächen stehen zwei senkrecht gebildet auf der äußeren Oberfläche, die dritte hingegen, welche die beiden ersteren verbindet, ist ein senkrechter Cylinder, dessen Radius kleiner ist als jener des äußeren Gehäuses des Fasses. In einer der oberen Flächen befindet sich eine Oeffnung, durch welche das in dem Fasse enthaltene Wasser ausfließt und zwar durch einen Vorstoß, der dem Abfließwasser in Hinsicht aus die Oberfläche des Cylinders eine tangentale Richtung gibt, so daß also das Wasser in einer der Umlaufsbewegung des Fasses entgegengesezten Richtung mit relativer Geschwindigkeit austritt. Die Entfernung zwischen der Mündung und der ihr gegenüber liegenden ebenen Fläche ist so klein als möglich; jedoch immer so groß, daß das Wasser diese Fläche nicht erreichen kann. Das Wasser gelangt durch die in den Dekel eingesezte Röhre in das Faß, und zwingt, indem es bei der Abflußmündung austritt, die Maschine in einer dem Abflusse entgegengesezten Richtung umzulaufen. Das System dieses Rades ist demnach nicht neu; denn dasselbe unterscheidet sich von den gewöhnlichen Reactionsrädern nur dadurch, daß an die Stelle der geraden oder krummlinigen Canäle, in denen man das Wasser an die Mündungen |316| gelangen ließ, ein Faß gesezt wurde. Aus den von Hrn. Passot angestellten Versuchen ergab sich, daß wenn die Röhre, die das Wasser in die centrale Röhre leitete, in Hinsicht auf den Flächenraum der Abflußmündungen nicht einen etwas großen Durchmesser hat, der Verbrauch, der beim Umlaufen des Rades durch die Wirkung der Centrifugalkraft hätte erhöht werden sollen, nicht merklich größer war, als beim Stillstehen des Rades. Man müßte demnach bei der Berechnung des Nuzeffectes dieses Rades jenen Kraftverlust in Anschlag bringen, der aus dem Stoße, den das Wasser bei seinem Uebergange aus der Röhre in das Faß erleidet, erwachst; so daß also das für die Reactionsräder aufgestellte Princip hier nicht in Anwendung kommen kann. Hr. Coriolis glaubt übrigens, daß das Rad des Hrn. Passot sich in vielen Fällen sehr nüzlich bewähren könnte. (Mémorial encycl. August 1838.)

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