Titel: Ueber Entwikelung von Wasserstoffgas in bleiernen Wasserleitungsröhren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 70, Nr. LXXXVIII./Miszelle 13 (S. 396–397)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj070/mi070088_13

Ueber Entwikelung von Wasserstoffgas in bleiernen Wasserleitungsröhren.

Das von Hrn. Silliman redigirte American Journal enthält im Juniushefte des Jahres 1838 ein Schreiben des Hrn. Nelson Walkly in Tuscaloosa, aus dem wir Folgendes entnehmen. Jemand legte eine Streke von 3/4 engl. Meile entlang eine bleierne Wasserleitungsröhre Zwischen der Quelle und seinem Hause, welches um 15 Fuß tiefer lag als erstere, befanden sich ein Hügel, der um mehrere Fuß höher war als die Quelle, und mehrere kleinere Hügel Die Röhre ward mehrere Male gelegt) nie aber lief das Wasser in ihr mehr als 10 |397| Tage lang; nie war hiebei eine Beschädigung derselben zu finden; ja man probirte sie endlich, um sich gewiß hievon zu überzeugen, unter einem Druke von 50 Pfd. auf den Zoll. Die Röhre ward, da sie sich gesund zeigte, neuerdings gelegt, und das Wasser mittelst einer Drukpumpe zum Laufen gebracht. Nach 10 Tagen, während denen der Abfluß des Wassers von Tag zu Tag abnahm, hörte es abermal gänzlich zu fließen auf. Ich stach, um mir die Ursache dieser Unterbrechung zu erklären, die Röhre an einem der unter der Quelle gelegenen höheren Punkte an, und fand zu meinem Erstaunen, daß sie keine atmosphärische Luft, sondern Wasserstoffgas enthielt. Als ich um dieselbe Zeit eine blechene Schale mit Wasser nahm und dabei längs des Randes eine Reihe kleiner Bläschen bemerkte, kam mir die Idee, daß durch die in der Röhre enthaltenen Metalle eine galvanische Wirkung erzeugt worden seyn konnte, die das Wasser zersezte. Ich brachte daher ein kleines Stük derselben Röhre in einen Becher mit Wasser. Nach zwei Tagen Stillstand fand ich die Röhre mit einer Schichte weißen Bleioxydes überzogen, mit Ausnahme jener Stelle, an der die Röhre gelöthet worden, und an der das als Loth gebrauchte Zinn glänzend geblieben war. Dieß überzeugte mich, daß das Wasser durch den Galvanismus zersezt wurde, und daß das entbundene Wasserstoffgas sich an den höher gelegenen Stellen der Röhre ansammelte, bis es endlich den Durchfluß des Wassers gänzlich hemmte. Ich machte zur Abhülfe an jeder der höher gelegenen Stellen ein kleines Loch in die Röhre, und löthete auf dieses eine oben offene senkrechte Röhre. Nur an jener Stelle, welche höher lag als die Quelle, löthete ich eine Röhre auf, welche oben zugelöthet war. Die ersteren Röhren ließen das Gas entweichen; in lezterer sammelte sich dasselbe hingegen an, bis eine kleine Blase an ihrem unteren Ende zum Vorscheine kam und von dem Wasser mit fortgerissen wurde. Seit ich diese Vorkehrung getroffen, läuft nun das Wasser schon 8 Monate lang, ohne eine Störung erlitten zu haben.

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