Titel: Frankreichs Bergwerk-Statistik.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 70, Nr. LXXXVIII./Miszelle 14 (S. 397–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj070/mi070088_14

Frankreichs Bergwerk-Statistik.

Hr. G. R. Porter unterhielt die zu Newcastle-upon-Tyne versammelte British-Association mit einer ausführlichen, aus amtlichen Dokumenten gezogenen Statistik des Gruben- und Bergbetriebes in Frankreich, aus welcher wir für unsere Leser die Haupt-Daten entnehmen.

Seit dem April 1833 besteht in Frankreich eine Behörde, welche die den französischen Bergbau betreffenden statistischen Dokumente zu sammeln und zusammenzustellen hat. Aus ihren Arbeiten ergab sich, daß der Ertrag an Steinkohlen, Eisen, Blei, Silber, Spießglanz, Kupfer, Braunstein, Alaun und Eisenvitriol von 105,750,995 Fr., auf welche er sich im Jahr 1832 summirte, im J. 1836 auf 154,228,455 Fr. gestiegen war, und zwar in den einzelnen Positionen in folgendem Verhältnisse.

1832 1836
Steinkohle, Braunkohle und Anthracit 16,079,670 Fr. 26,607,071
Eisen und Stahl 87,312,994 124,384,616
Silber und Blei 856,673 821,534
Spießglanz 71,233 305,032
Kupfer 247,680 196,924
Braunstein 105,150 152,671
Alaun und Eisenvitriol 1,077,595 1,760,607
–––––––––––– ––––––––––
105,750,995 154,228,455.

In den früheren 4 Jahren dagegen, d.h. vom Jahr 1828 bis 1832, betrug die Zunahme nur 304,392 Fr.

Steinkohlen. Frankreich zählt bis jezt 46 in dreißig Departements vertheilte Kohlenlager, welche sich über 42,038 englische Acres erstreken. Im Jahr 1814 wurden an Steinkohlen, Braunkohlen und Anthracit 675,747 Tonnen erbeutet, eine Menge, welche bis zum Jahr 1835 um 282 Proc., nämlich bis auf 2,583,587 gestiegen war.

Im J. 1836 wurden ausgebeutet: 189 Steinkohlengruben mit 19,813 Arbeitern
44 Braunkohlengruben mit 1,181
25 Anthracitgruben mit 919
––– ––––––
Summa 258 Gruben mit 21,913 Arbeitern.
|398|

Dieser Zunahme ungeachtet hat der Verbrauch an Steinkohlen in Frankreich in einem noch rascheren Verhältnisse zugenommen, wie aus folgender Tabelle der Steinkohlen-Einfuhr hervorgeht.

Tonnen. | Tonnen
1815 wurden eingeführt 245,653 | 1826 wurden eingeführt 495,325
1816 315,815 | 1827 531,800
1817 235,269 | 1828 570,010
1818 277,624 | 1829 539,247
1819 234,102 | 1830 621,459
1820 276,705 | 1831 533,259
1824 315,785 | 1832 567,251
1822 332,192 | 1833 686,118
1823 321,497 | 1834 730,281
1824 456,644 | 1835 755,365
1825 499,325 | 1836 949,373

Eisen. Frankreich nimmt dermalen unter den eisenproducirenden Ländern den zweiten Rang ein. Seine Eisenwerke lassen sich in folgende Gruppen bringen: 4) Nordöstliche. 2) Nordwestliche. 3) Vogesische. 4) Jura. 5) Champagne und Burgund. 6) Mittel. 7) Indre und Vendée. 8) Süden. 9) Perigord. 40) Alpen. 44) Landes. 42) Pyrenäen. Der Betrieb an diesen Gruppen gestaltete sich im J. 1836 wie folgt.

Textabbildung Bd. 70, S. 398

Diese Tabelle ergibt jedoch keineswegs die ganze Wichtigkeit von Frankreichs Eisenwerken; diese erhellt vielmehr aus folgender Zusammenstellung.

Zahl der
Arbeiter.
Werth der
Production.
4) Gewinnung und Zubereitung der Erze 17,557 500,632 Pfd. St.
2) Erzeugung von Roheisen 6,776 1,969,132 –
3) Erzeugung von Schmiedeeisen 8,678 1,506,247 –
4) Gießen, Streken, Auswalzen etc. 8,615 812,486 –
5) Modeln, Gießen etc. Stahlfabric. 2,149 186,927 –
–––––– ––––––––––––––
Summa 43,775 4,975,424 Pfd. St.
|399|

Von dieser lezteren Summe kommen etwas über 40 Proc. auf den Aufwand an Brennmaterial, nämlich auf

Holzkohle 1,643,826 Pfd. St.
Holz 13,040 –
Kohks 96,972 –
Steinkohlen 285,235 –
Torf 694 –
–––––––––––––––
2,039,767 Pfd. St.

Diese Summe vertheilte sich unter die verschiedenen Operationen wie folgt:

Dec. Prop.
1) auf Röstung der Erze 1,782 Pfd. St. 0,087
2) auf Schmelzung 1,132,039 55,500
3) auf Frischung, Puddlirung etc. 737,888 36,175
4) auf Gießen, Streken, Walzen etc. 131,556 5,959
5) auf Modeln, Gießen, Stahlfabrication 46,502 2,279
–––––––––––––– ––––––––
2,039,767 Pfd. St. 100,000

Dabei waren die Durchschnittspreise der Brennstoffe im J. 1836:

Für Holzkohle 54 Schill. 10 Den. die Tonne.
Steinkohle 18 5
Kohks 20 3
Holz 2 10 – die Stere.

Die Zunahme des Holzverbrauches im J. 1836 rührte zum Theile von der Anwendung von scharf getroknetem oder theilweise verkohltem Holze anstatt der Steinkohlen her. Hiedurch ergab sich allerdings eine Verminderung der Kosten des Brennmateriales; dafür lieferte aber ein und derselbe Ofen innerhalb derselben Zeit weniger Eisen, und aus einer gegebenen Menge Erz wurde auch weniger Eisen ausgebracht. Wo man mit Holzkohle allein arbeitete, brauchte man 18 metrische Cntr. auf 13 metr. Cntr. Eisen, mit einem Gemenge aus 10 Theilen Kohks auf 9 Theile Steinkohlen erzeugte man mit drei Cntr. Brennmaterial einen Cntr. Eisen) in einigen Fallen, wo man auf einen Cntr. Kohks zwei Cntr. Holzkohle nahm, brauchte man zur Gewinnung von acht Cntr. Eisen zehn Cntr. Brennmaterial. Im ersten Falle, nämlich mit Holzkohle allein, berechnete sich der Brennstoff per metrischen Cntr. Eisen auf 9,92 Fr.; im zweiten, mit Kohks und Steinkohlen, auf 4,45 Fr.; im dritten, mit Kohks und Holzkohle, auf 7,60 Fr. Dagegen galt im ersten Falle das ausgebrachte Eisen per Ctr. 20,99 Fr.; im zweiten 11,13 Fr.; und im dritten 20,32 Fr. Das Gemenge aus Kohks und Holzkohlen erscheint demnach im Ganzen als das vortheilhafteste. Mit heißer Gebläsluft arbeitet man an mehreren Werken. Anfänglich zeigte sich das hiemit gewonnene Eisen nicht so geeignet zur Umwandlung in Stabeisen, wie das mit kalter Gebläsluft ausgebrachte; seitdem man das Verfahren aber etwas modificirt, ist dieß nicht mehr der Fall.

Vom Jahr 1824 an stieg die Eisenproduction Frankreichs in folgendem Maaße:

Roheisen in engl. Tonnen. Schmiedeeisen in engl. Tonnen.
1824 194,636 139,564
1825 195,588 141,396
1826 202,756 143,336
1827 213,175 146,621
1828 217,604 149,117
1829 213,868 151,319
1830 222,965 146,242
1831 221,423 138,942
1832 221,660 141,336
1833 232,559 149,982
1834 265,028 174,507
1835 290,378 206,396
1836 303,739 201,691
|400|

Die Eiseneinfuhr verhält sich vom J. 1815 an in folgendem Maaße:


Jahr
Werth des
eingeführten
Eisens.

Pfd. St.
Summe des
daran erhobenen
Zolles.

Pfd. St.

Jahr.
Werth des
eingeführten
Eisens.

Pfd. St.
Summe des
daran erhobenen
Zolles.

Pfd. St.
1815 87,556 29,840 1826 218,212 130,326
1816 98,063 43,600 1827 186,846 98,960
1817 202,205 122,024 1828 179,653 95,073
1818 165,173 89,491 1829 160,625 84,396
1819 164,238 94,180 1830 187,117 100,476
1820 162,107 81,517 1831 125,185 63,644
1821 226,571 126,945 1832 159,222 83,192
1822 144,193 74,540 1833 174,604 91,569
1823 141,501 86,258 1834 200,573 104,598
1824 164,812 94,157 1835 231,208 121,346
1825 160,690 86,894 1836 252,702 122,842

Blei und Silber. Die eilf Bleiwerke Frankreichs erzeugten im Jahre 1836: 715 Tonnen Blei im Werthe von 16,209 Pfd. St., und 5072 Pfd. Silber im Werthe von 16,650 Pfd. St. Vom J. 1832 bis 1836 betrug im mittleren Durchschnitte die Einfuhr an Blei jährlich 14,800 Tonnen, die hauptsächlich aus Spanien kamen.

Spießglanz. Eilf Gruben lieferten im J. 1836: 411 Tonnen, im Werthe von 12,121 Pfd. St.

Kupfer. Fünf Gruben lieferten im J. 1836 nur 102 Tonnen Kupfer im Werthe von 7877 Pfd. St.; im Durchschnitte betrug aber der Verbrauch an solchem jährlich 6235 Tonnen, welche hauptsächlich aus Rußland und England eingeführt wurden.

Braunstein. Sieben Gruben erzeugten 1667 Tonnen im Werthe von 6106 Pfd. St.

Folgende Tabelle enthält eine Zusammenstellung der wichtigsten Fächer des Bergbaubetriebes und der davon zunächst abhängigen Industriezweige.

Zahl der
Anstalten.
Zahl der
Arbeiter.
Werth der
Production.
Stein- und Braunkohlen, Anthracitgruben
und Torfstechereien

2219

55,735

30,533,922
Eisen- und Stahlwerke 43,775 124,385,616
Blei-, Silber-, Kupfer-, Spießglanz- und
Braunsteinwerke


1,770

1,476,161
Erdharzgruben 6 245 192,128
Alaun- und Eisenvitriolwerke 19 1,141 1,760,667
Salinen 16,615 10,397,164
Steinbrüche 70,396 40,350,419
Glasfabriken 10,497 47,274,301
Porzellanfabriken und Töpfereien 20,485 27,418,122
Ziegel- und Kalkbrennereien 44,604 51,939,239
Gypswerke 4,298 14,713,796
Chemische Producten-Fabriken 2,216 22,043,732
Kupfer-, Zink- und Bleiwerke 1,597 4,990,524
––––––––––––––––––––––––––––
273,374 377,684,791

(Aus dem Mechanics' Magazine, No. 787.)

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