Titel: Einiges über die London-Birmingham-Eisenbahn.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 70, Nr. LXXXVIII./Miszelle 7 (S. 394)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj070/mi070088_7

Einiges über die London-Birmingham-Eisenbahn.

Die von den HHrn. Roscoe und Lecount abgefaßte Hystory of the London and Birmingham Railway enthält in ihrem zweiten Theile unter anderen folgende Notiz über eine der interessanteren Stellen dieser Eisenbahn. „Die Bahn läuft von ihrem Anfange am Euston Square bis Camden Town in einem breiten Durchstiche von 20 Fuß Tiefe, dessen Wände zierlich mit Baksteinen gemauert und oben mit einem eisernen Geländer versehen sind, um das sich die Gesträuche der benachbarten Garten schlingen. Die bedeutende Steigung, welche außerhalb London beginnt, wird mittelst endloser Taue, die in der Mitte der Bahnspuren über Rollen laufen, und die von den stehenden Maschinen in Camden Town aus in Bewegung gesezt werden, befahren. Beim Anhangen der Wagen an die Taue ist große Sorgfalt nöthig, und es geschieht dieß daher auch von einem Manne, der eigens für diese Arbeit eingeübt ist. Die Befestigung geschieht mit einem kleinen Strike, messenger genannt, an dessen einem Ende sich eine Schleife befindet, welche um das Tau geschlungen wird) das andere Ende dagegen hält der Mann mit der Hand fest. Er steht hiebei auf dem vordersten Wagen, um den Wagenzug bei der Ankunft in Camden Town oder im Falle irgend eines Ereignisses sogleich loszulassen. Die ganze Streke wird gewöhnlich in 3 oder 4 Minuten zurükgelegt, während denen man unter mehreren schönen steinernen und eisernen Brüken und Stollen wegfährt. Die Seitenmauern haben eine Curve, damit sie dem Druke besser widerstehen; sie haben oben 3 und 7 Ziegel Dike, und zu deren Aufführung wurden gegen 46 Millionen Baksteine verwendet.“ – – Weiter heißt es: „In Camden Town befindet sich eine Station für die Verladung der Güter, während die Station im Euston Square lediglich für Passagiere bestimmt ist. Erstere, welche 33 Acres Flächenraum einnimmt, ist um einige Fuß höher gelegen, als das übrige Terrain, und mit einer Mauer umgeben, damit die schweren Güter leicht von den Eisenbahnwaggons auf die zu ihrer weiteren Beförderung bestimmten Fuhrwerke umgeladen werden können. An dieser Station befindet sich auch ein sehr großes Maschinenhaus, welches allein 21,000 Pfd. St. kostete; mehrere Oefen zur Fabrication der für die Maschinen bestimmten Kohks; ein Stall für das auf der Eisenbahn herbeigeschaffte Vieh; ein Stall für 50 Pferde; eine Wagenfabrik, und ein großes Bureau. Die zum Treiben des beschriebenen Taues bestimmten stehenden Maschinen befinden sich gleichfalls hier, und zwar unmittelbar unter der Eisenbahn unter der Erde. Ihre Existenz erfahrt man durch zwei sehr elegante Schornsteine, welche 133 Fuß hoch über die Bahn empor geführt sind, und am Grunde 11, an der Spize hingegen 6 Fuß im Durchmesser haben. Das erwähnte Maschinenhaus, communicirt durch eine Röhre, welche von einer Orgelpfeife ausläuft, mit der Station am Guston Square; und auf diese Weise kann in 4 Secunden von einer Station zur anderen ein Signal gegeben werden. Das Signal, auf welches die Maschinen in Bewegung zu kommen haben, wird mittelst eines, einem Gasometer ähnlichen Apparates gegeben. Derselbe besteht nämlich aus einem belasteten Cylinder, der in einen an: deren mit Wasser gefüllten Cylinder untertaucht; sinkt der innere Cylinder herab, so wird die in ihm enthaltene Luft in einer in ihm befindlichen Röhre herabgetrieben, um durch eine unter der Erde gelegte Rohre an die Orgelpfeife zu strömen, und dadurch das Signal zu geben. (Aus dem Civil Eng. and Architects Journal. Oktober 1838.)

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