Titel: Ueber die essigsauren Bleisalze.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 70, Nr. CI./Miszelle 16 (S. 456–458)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj070/mi070101_16

Ueber die essigsauren Bleisalze.

Hr. Payen hat aus Veranlassung seiner Entdekung eines neuen essigsauren Bleisalzes, wovon bereits im polyt. Journal Bd. LXVI. S. 318 die Rede war, eine sehr ausführliche Arbeit über die Verbindungen der Essigsäure mit, Bleioxyd unternommen, welche folgende Resultate lieferte:

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Das neutrale essigsaure Bleioxyd zeigt dieselbe Krystallisation sowohl in reinem Wasser als in Wasser, welches mir einem dem seinigen gleichen Volumen Alkohol und Holzgeist verbunden ist. 100 Theile Wasser von + 12° C. lösen 59 Gewichtstheile davon auf.

Die Krystalle dieses essigsauren Bleisalzes verlieren im trokenen luftleeren Raume ihre 3 Atome Krystallwasser.

Das neutrale essigsaure Bleioxyd, welches auf diese Weise wasserfrei geworden ist, löst sich in der Warme in absolutem Alkohol auf, aus welchem es sich beim Erkalten in Krystallen abscheidet.

Der wasserfreie Alkohol entzieht dem neutralen essigsauren Bleioxyde, welches 3 Atome Wasser enthält, dasselbe, und läßt es gleichfalls in sechsekigen Platten krystallisiren.

Bas wasserfreie essigsaure Bleioxyd, durch diese beiden Mittel erhalten, nimmt bei der Auflösung in Wasser sein Krystallwasser wieder an.

Dasselbe essigsaure Bleisalz, in der Kälte durch Ammoniak in geringem Ueberschusse zersezt, wandelt sich in dreifachbasisches essigsaures Bleioxyd und in essigsaures Ammoniak um.

Die Anwesenheit des essigsauren Ammoniaks erhöht die Stabilität des dreifachbasischen essigsauren Bleioxydes.

Der Ueberschuß von Ammoniak kann dieser Kraft das Gleichgewicht halten, oder sie überwinden, je nach seiner Menge.

Im ersten Falle kann die Auflösung dazu dienen, das Bleioxyd mit gewissen organischen Stoffen, die eine geringe Verwandtschaft besizen, bis zur Sättigung zu verbinden.

Im lezteren Falle scheidet es sich von dem Bleioxydhydrat in Form von Octaëdern oder kurzen Prismen ad, welche mit vierseitigen Pyramiden zugespizt sind, beide isolirt oder zu Kreuzen vereinigt.

Das krystallisirte, dreifachbasische essigsaure Bleioxyd, es mag durch Ammoniak oder durch Bleioxyd, oder durch Concentration, Erkaltung oder Fällung, vermittelst Alkohols oder Holzgeistes erhalten worden seyn, zeigt dieselbe Krystallform in langen nadelförmigen Prismen, die entweder schon mit bloßen Augen oder doch mit dem Mikroskope sichtbar sind.

Das dreifachbasische essigsaure Bleioxyd löst sich in Wasser von 100° C. auf nach dem Verhältnisse von 18 zu 100, und krystallisirt in nicht sehr beträchtlichen Mengen nach dem Erkalten. Es ist löslich in Alkohol und Holzgeist, wenn beide verdünnt sind. Der Holzgeist von 0,96 löst es noch auf, hingegen löst es der Alkohol von demselben Grade nicht mehr merklich auf. Völlig unlöslich ist es in reinem wasserfreiem Alkohol. Dieß gestattet, es aus seinen Mischungen mit dem intermediären essigsauren Salze abzuscheiden.

Die Zusammensezung des wasserhaltigen Bleioxydes wird durch 3 Pb O, H₂O dargestellt.

Seine reinen, durchscheinenden, farblosen octaëdrischen Krystalle haben ein bedeutendes Brechungsvermögen.

Wenn man keinen zu großen Ueberschuß von Ammoniak gebraucht hat, so bleibt in der Flüssigkeit, aus der man dieses Bleioxyd abgeschieden hat, dreifachbasisches essigsaures Bleioxyd, das sich direct oder durch Alkohol abscheiden läßt.

Je nach den Mengen und der Temperatur kann man das wasserhaltige und das wasserfreie Bleioxyd zugleich oder abgesondert erhalten, wenn man das neutrale oder das dreifachbasische essigsaure Bleioxyd durch Ammoniak zersezt.

Das wasserfreie Bleioxyd zeigte sich in der Flüssigkeit in rhombischen, durchscheinenden Platten, die sich mit einem ihrer spizen Winkel um einen gemeinschaftlichen Mittelpunkt gruppiren, indem sie grünliche oder orangegelbe glänzende Büschel bilden.

Ein neues essigsaures Bleisalz, das regelmäßig in sechsekigen Platten krystallisirbar ist, welche sich als glänzende und atlasartige Büschel gruppiren, entsteht aus der Verbindung eines Atomes dreifachbasischen essigsauren Bleioxydes mit drei Atomen neutralen essigsauren Bleies. Es läßt sich darstellen durch H₂O, 2 C₈H₆O₃.

Dieses intermediäre essigsaure Bleioxyd unterscheidet sich von den beiden anderen und von dem wasserfreien neutralen durch mehrere Reaktionen und besonders durch seine augenblikliche Umwandlung in eines der beiden anderen, je nachdem |458| man eine Base oder eine Saure hinzusezt. Es löst sich in wasserfreiem Alkohol auf, ohne sein Atom Wasser zu verlieren. Es erklärt gewisse, von allen Chemikern beobachtete Anomalien und merkwürdige Umstände bei der Krystallisation des wasserhaltigen neutralen essigsauren Bleioxydes, (Annales de Chim. et de Phys. Septbr. 1837.)

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