Titel: Ueber die Aufsaugung des Wasserstoffgases aus der Luft
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 70, Nr. CI./Miszelle 17 (S. 458)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj070/mi070101_17

Ueber die Aufsaugung des Wasserstoffgases aus der Luft

enthält die Bibliotheque universelle, Februar 1838, einen Artikel, der auch für unsere Leser nicht ohne Interesse seyn dürfte, und aus dem wir daher Folgendes entnehmen. Der Gehalt der atmosphärischen Luft an Wasserstoffgas beträgt nicht über den tausendsten Theil ihres Volumens, obschon durch die Zersezung, welche die organischen Stoffe erleiden, fortwährend eine bedeutende Menge dieses Gases entwikelt wird. Die Substanzen, welche bei der gewöhnlichen Temperatur der Luft die Verbindung des Wasserstoffes mit dem Sauerstoffe vermitteln, sind so selten, daß man durch sie nicht wohl erklären kann, wohin der Wasserstoff kommt; selbst der Bliz und die Entzündung brennbarer Stoffe reichen nicht zu einer genügenden Erklärung hin. Hr. Th. de Saussure hat aus vielfachen Versuchen und Beobachtungen den Schluß gezogen, daß das Verschwinden des Wasserstoffes durch die Gährung der auf der Erdoberfläche verbreiteten organischen Stoffe bedingt ist. Das Wesentliche hierüber läßt sich folgendermaßen zusammen, fassen. Die Verbindung des Wasserstoffes mit dem Sauerstoffe geschieht bei gewöhnlicher Temperatur durch Stoffe, die einer langsamen Gährung unterliegen, besonders wenn diese Stoffe in größerer Menge angehäuft, und mit soviel Wasser imprägnirt sind, daß sie nicht in vollkommene Berührung mit dem Sauerstoffe kommen können. Stellt man nämlich diese vollkommene Berührung dadurch her, daß man der Oberfläche des gährungsfähigen Körpers eine größere Ausdehnung gibt oder daß man die Quantität des Wassers vermindert, so wird der Wasserstoff nicht absorbirt, sondern der Sauerstoff geht andere Verbindungen ein. Die Porosität des der Gährung unterliegenden Körpers trägt viel zur Zerstörung des detonirenden Gasgemenges bei. Der bei der Gährung absorbirte Wasserstoff verbindet sich in demselben Verhältnisse, wie bei der Wasserbildung mit Sauerstoff. Humus in Verbindung mit verschiedenen Erden erleidet, wenn er befeuchtet ist, eine langsame Gährung, bei der Wasserstoff absorbirt wird. Kohlenoxydgas, gekohltes Wasserstoffgas und das durch glühendes Eisen aus Wasser entbundene Wasserstoffgas werden durch die Gährung nicht zerstört, wenn man sie anstatt des gewöhnlichen Wasserstoffgases zur Zusammensezung des aus 2 Volumen Wasserstoff und einem Volum Sauerstoff bestehenden Gasgemenges nimmt. Stikgas, Wasserstoffgas und Sauerstoffgas hemmen, wenn man sie dem explosionsfähigen Gasgemenge zusezt, die Zersezung dieses lezteren durch einen gährenden Körper nicht, so wenig wie sie unter gleichen Umständen diese Zersezung durch einen frisch gereinigten Platinstab stören. Kohlenstoffoxydgas und öhlerzeugendes Gas, welche die Wirkung des Platins hemmen, sind auch der durch die Gährung bedingten Wirkung sehr hinderlich. Stikstoff-Oxydulgas dagegen, welches man dem explosionsfähigen Gemenge zugesezt, wird durch die Gährung zum Theile zersezt und beeinträchtigt die Verbindung des Wasserstoffgases mit dem Sauerstoffgase auf keim Weise.

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