Titel: Ueber die Anwendung von Steinmörtel zum Straßenbaue.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 70, Nr. CI./Miszelle 20 (S. 459–460)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj070/mi070101_20

Ueber die Anwendung von Steinmörtel zum Straßenbaue.

In einem der besten neueren englischen Werke über den Straßenbau, welches Hr. Thomas Hughes Esp. unter dem Titel: The practice of making and repairing roads, of constructing footpaths, fences and drains; also a method of comparing roads with reference to the power of draugt required herausgab, findet man auch die Anwendung des Steinmörtels zum Straßenbaue ausführlicher abgehandelt. Das Civil Engineer and Architects Journal theilt in seinem lezten Oktoberhefte einiges hierüber mit, welches auch unsern Lesern willkommen seyn dürfte. Ein neueres Beispiel der Anwendung des Steinmörtels, heißt es nämlich daselbst, liefert die von Charles Penfold gebaute Brixton road. Man nahm in diesem Falle auf vier Theile Kies einen Theil Kalk von Merstham oder Dorking, welcher vorher in ein gröbliches Pulver verwandelt wurde. Der Steinmörtel ward auf der Straße selbst angemacht, und beim Zusezen des Wassers wendete man besondere Sorgfalt darauf, daß jedes Kalktheilchen gehörig damit gesättigt und gelöscht wurde. Wenn auf die Hälfte der Breite der Straße eine sechs Zoll dike Schichte Steinmörtel aufgetragen worden, bedekte man diese mit einer 6 Zoll diken Lage guten harten Kieses oder zerschlagener Steine, welche man in zwei Schichten zu je 3 Zoll auftrug. Die erste dieser beiden Schichten legte man oft schon einige Stunden, nachdem das Steinmörtellager gebildet worden; Wagen dagegen ließ man nie und unter keiner Bedingung eher darüber laufen, als bis der Steinmörtel so erhärtet war, daß das überliegende Material noch in ihn eingedrükt werden konnte. Nie wartete man |460| aber auch mit der Aufführung der ersten Kiesschichte bis zur vollkommenen Erhärtung des Steinmörtels; denn dadurch, daß man dieselbe eben zur gehörigen Zeit legte, drükten sich die unteren Steine derselben theils durch ihr eigenes Gewicht, theils durch den von Oben auf sie wirkenden Druk zum Theile ein, so daß sie gleichsam in einem Muttergesteine, aus dem sie sich nicht mehr leicht losmachen konnten, fixirt blieben. Dadurch, daß auf solche Art das Rollen der untersten Steine verhütet war, wurde auch das überliegende Material in gewissem Grade gebunden, vorausgesezt, daß man hier unter Bindung nur eine Verkeilung der einzelnen Stüke versteht, in Folge deren sie sich nicht länger bewegen und aneinander abreiben können. Es hat sich ergeben, daß wenige Tage nach Aufführung der ersten Kiesschichte auch schon die zweite aufgetragen werden kann, und daß bald darauf auch die Befestigung des Ganzen eintritt. Der Contrast zwischen dieser Methode, der Länge der Zeit und der Mühe, welche erforderlich ist, um das zum Baue der Straße verwendete Material, wenn dasselbe lose aufgefahren wird, zu binden, gibt für sich allein eine große Empfehlung zu Gunsten des Steinmörtels. – Die Versuche an der Straße von Brixton wurden keineswegs unter günstigen Umständen, sondern an einem Theile der Straße, an welchem bisher alle Versuche zur Erzielung einer festen Basis erfolglos geblieben, angestellt. Seit Hr. Penfold den Grund mir Steinmörtel legte, ist dieser Theil der Straße der festeste von allen, so daß sein Verfahren allgemeine Empfehlung verdient. Man darf jedoch nicht vergessen, daß man die Ueberführung der Straße nie so weit Herabkommen lassen darf, daß der Steinmörtel auf irgend eine Weise der Abnüzung unterliegt, sobald im Gegentheile die obere Lage bis auf zwei oder im Aeyßersten bis auf einen Zoll von dem Steinmörtel abgenüzt worden, muß unmittelbar eine neue Lage von derselben Dike aufgetragen werden. – Dasselbe Verfahren ist besonders zu empfehlen für die Wege in Lustgarten und Parken, in denen es wegen des nach jedem Regenwetter beinahe unvermeidlichen Durchbohrens der Erdwürmer höchst schwierig wird, Wege herzustellen, die beständig fest und troken bleiben. Eine Steinmörtelunterlage von drei Zoll Dike wird her für Wege, auf denen leichte Wagen fahren, und eine solche von zwei Zoll Dike für Fußwege genügen, wenn man eine dünne Schichte bindungsfähigen Kieses darüber legt. Wie schädlich die Würmer werden können, erfuhr Hr. Hughes beim Baue eines Canales, wo diese Thiere in einem heißen Sommer selbst in 4 Fuß Tiefe in festem Thone noch durch 3 Fuß Thon herauf bahrten, und ein bedeutendes Versizen des Wassers des Canales veranläßt haben sollen.

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