Titel: Ueber Steenstrup's neu construirte Wassersäulenmaschine.
Autor: Bòbert, K. Fr.
Fundstelle: 1839, Band 71, Nr. XXXVI. (S. 184–192)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj071/ar071036

XXXVI. Bericht über eine vom Hrn. Bergdirector Ritter P. Steenstrup in Kongsberg neu construirte Wassersäulenmaschine. Auf Verlangen der königl. norweg. Regierung mitgetheilt von K. Fr. Bòbert.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Im Laufe des vorigen Jahres wurde ich in Vereinigung mit Hrn. Professor Keilhau und Bergmeister Lammers von der kön. norwegischen Regierung beauftragt, das vom Hrn. Bergdirector P. Steenstrup angefertigte Modell einer neu construirten Wassersäulenmaschine in Augenschein zu nehmen und ein Gutachten abzugeben, ob es rathsam seyn möchte, eine danach auszuführende Wassersäulenmaschine bei der Wiederaufnahme des alten Kongsberger Silberbergbaues anzuwenden. Mit Ausnahme einiger der weiter unten anzuführenden Punkte fanden wir uns veranlaßt, den im Berichte des Hrn. Steenstrup ausgesprochenen Ansichten über Wassersäulenmaschinen überhaupt und seinen Erläuterungen über die wichtigsten Theile genannten Modells insbesondere beizupflichten, welches leztere wir im Ganzen so wohl ausgeführt fanden, daß wir glaubten, die Erbauung einer Maschine im Großen danach anempfehlen zu können.

|185|

Aus anderweitigen gewichtigen Gründen fand sich indessen die königl. Regierung bewogen, eine solche Ausführung für den Augenblik nicht zu beschließen, wogegen ich durch das hohe Finanzdepartement aufgefordert wurde, für eine Uebersezung des Berichtes über jenes Modell zu einer Wassersäulenmaschine und für die Beschreibung desselben in einigen passenden Journalen zu sorgen, damit man inzwischen für den Fall, daß Wassersäulenmaschinen späterhin beim Kongsberger Bergbaue in Anwendung kommen sollten, Gelegenheit hätte, das Urtheil mehrerer ausländischer Maschinenbauer oder Sachverständiger über Hrn. Steenstrup's bereits in einem gangbaren Modelle ausgeführte Idee zur Construction einer Maschine der Art zu erfahren. Indem ich nun im Nachstehenden der Aufforderung des hohen Finanzdepartements der königl. norwegischen Regierung zu genügen suche, so wage ich zugleich die Hoffnung auszusprechen, daß eine kurze Beurtheilung über jene Maschine in einer der bekanntesten Zeitschriften nicht ausbleiben werde:

Hr. Director Steenstrup beschreibt die von ihm projectirte Wassersäulenmaschine folgendermaßen:

„Schon bei der ersten Betrachtung der Abbildung dieser Wassersäulenmaschine auf Tab. III zeigt sich, daß dieselbe in einigen wesentlichen Punkten von den bisher gebauten Maschinen der Art mehr oder weniger abweicht, und ich halte es daher für nothwendig, die Gründe anzugeben, welche mich zu diesen Abweichungen bestimmt haben.

„Es ist mit den Wassersäulenmaschinen gegangen wie mit den Dampfmaschinen; die Macht der Gewohnheit und unzeitige Furcht widerstritten lange den einfachsten Verbesserungen, bis Jemand es wagte, die alten Formen zu verlassen. – Zwar könnte es bequemer für mich seyn, bei der Beschreibung der einzelnen Maschinentheile die abweichende Construction anzudeuten, aber wegen mehrerer Deutlichkeit für den Leser ziehe ich es vor, erst die Beschreibung ununterbrochen zu liefern und dann die Gründe für die Wahl der angewandten Construction anzugeben. Ich schreite daher zur Beschreibung, indem ich bloß noch bemerke, daß in allen Figuren dieselben Theile mit denselben Buchstaben bezeichnet sind und daß die Beschreibung hauptsächlich nach dem Gange des Aufschlagewassers geordnet ist.

A, Fig. 2, ist die unterste von den cylindrischen Röhren, durch welche der Aufschlag von der Tagesöffnung der Grube zur Maschine geht. (Die 8 untersten Röhren sind von Gußeisen und die übrigen gezogene Bleiröhren von gleicher Weite, aber mit abnehmender Metalldike.) Sie ist an den Verschlußventilkasten B von Gußeisen angeschroben. An der vom Auge weggekehrten Seite ist eine Stopfbüchse |186| angebracht, worin sich das Register des Ventils befindet, durch welches der Zutritt des Aufschlages zur Maschine vermindert oder ganz abgeschlossen werden kann, je nachdem das Ventil über die Oeffnung eines an den Boden des Kastens gegossenen gebogenen Rohres, dessen Weite 4 Zoll im Quadrat beträgt, gezogen wird. Durch dieses Rohr geht das Aufschlagwasser zum Windkessel C, dessen unterer Theil von Gußeisen, der obere aber von starken Kupferplatten angefertigt ist, die zusammengenagelt und zusammengelöthet sind. Von hier geht der Aufschlag durch angegossene Röhren in den gußeisernen Hauptventilkasten D, mit zwei ebenen Endflächen, welche durch die Seiten- und obere Fläche vereinigt werden, die elliptisch gebogen ist. In der vordersten Endfläche befindet sich eine Oeffnung, durch welche das Ventil, der dasselbe bewegende Sector und die Achse des Sectors eingelegt und herausgenommen werden können; diese Oeffnung wird durch eine angeschraubte Platte verschlossen, versehen mit einer Stopfbüchse, worin ebengenannte Achse a geht. Auf dieser Achse ist der Sector b befestigt. An den Boden des Ventilkastens sind 3 Röhren angegossen, nämlich die Zuführungsröhren c und d und das Abfallsrohr e für den benuzten Aufschlag. Diese Röhren sind 4 Zoll weit im Quadrat und ihre Oeffnungen im Boden des Ventilkastens mit einem 3/4 Zoll hohen Rahmen aus harter Bronze umgeben, welcher wasserdicht an den Boden des Ventilkastens angeschraubt, auch genau abgeschliffen und polirt ist. Auf diesem bewegt sich das Ventil f. Es ist ein gewöhnliches Schieberventil aus Gußeisen, welches in Schalen gegossen (case-hardened) und dessen Fläche genau abgeschliffen und polirt ist, um auf obengenannten Rahmen zu passen. Oben auf dem Ventile ist eine gerade Reihe Zähne angegossen, worin die Zähne des Sectors eingreifen. Wie dieser Sector das Ventil bewegt und steuert und dadurch den Wechselgang der Maschine bewirkt, wird aus der späteren Beschreibung der Steuerung hervorgehen. Der Aufschlag geht wechselsweise durch die Röhren c und d in die Cylinder E und F, und treibt abwechselnd die Cylinderkolben G und H bis zu einer Höhe von 5 Fuß aufwärts. Die erforderliche Dichtigkeit zwischen den Cylindern und Kolben wird nach Belieben durch Anschrauben der Stopfringe – wie bei der bekannten Brahma'schen Presse – an den obersten Rand der Cylinder bewirkt. Mitten im Boden jedes Cylinders ist eine Stopfbüchse angebracht, durch welche die Kolbenstangen g nach dem Pumpengestänge gehen und dieses bewegen. Die Stangen sind von ausgesuchtem Schmiedeisen angefertigt, 2 1/2 Zoll dik und cylindrisch; sie sind sowohl an den Boden als auch den oberen Rand der Cylinderkolben angeschraubt, wo sich außerdem noch Stellschraubeklammern |187| befinden, wovon jede mit einem Ende der Kette h vereinigt ist, welche über das Balancirrad J geht, festgeschraubt auf der Mitte desselben. Auf der Achse dieses Rades m ist der Winkel i befestigt, der erste Theil der Steuerung, welcher ihre übrigen in Bewegung und Wirksamkeit sezt. Die Enden dieses Winkels tragen die Ketten k und l, deren unterste Enden bei n und o an den Spizen der Arme des Regulationskreuzes p befestigt sind, welches leztere aus Schmiedeisen gefertigt ist, und frei beweglich auf seiner Achse q hängt, deren Zapfen in Metallunterlagen auf gußeisernen Böken ruht. Der untere Arm des Kreuzes ist am Ende mit einer Frictionsrolle versehen, und der obere s vom Triangel t umschlossen, so wie von dessen Vorplatte und Bolzen oder Stiften u und v. Der Triangel ist an der Achse des Kreuzes befestigt, die wiederum an die Achse des Sectors gekuppelt ist. Die Frictionsrolle des unteren Armes läuft auf dem Regulator x, einem winkelförmigen starken Hebel, welcher an dem einen Ende eine von zwei concaven Linien gebildete Erhöhung hat, und dessen anderes Ende ein Gewicht trägt, schwer genug, um erstgenanntes Ende aufzuwiegen und den nun zu beschreibenden Hauptzwek des Regulators zu erfüllen.

„Die Maschine ist in Fig. 1 und 2 in dem Momente dargestellt, wo der Kolben G seine ganze Hubhöhe erlangt, und der Regulator die Frictionsrolle so weit gegen den Cylinder E geworfen hat, daß der Arm o des Kreuzes den Regulator erreichte, wodurch die weitere Wirksamkeit des lezteren für den Augenblik beendigt ist, und die ganze Steuerung sammt dem Sector und Ventile die Stellung eingenommen hat, welche Fig. 3, α und Fig. 3, β nachweisen.

„Das Aufschlagwasser wird nun durch das Rohr d in den Cylinder F treten und den Kolben H heben, während der Kolben G sinkt, indem das im Cylinder E benuzte Wasser durch das Ventil und Rohr e abläuft.

„Wenn der Kolben H so hoch gekommen oder das Balancirrad so viel gedreht ist, daß sein Winkel den Arm o des Kreuzes gehoben oder das Kreuz so weit gedreht hat, daß die Frictionsrolle des lezteren den Regulator so tief niedergedrükt hat, daß jene sich fast auf der Spize von der Erhöhung desselben befindet, so wird der obere Arm des Kreuzes eben den zweiten Stift u des Triangels erreicht haben, und es weist Fig. 4, α und Fig. 4, β den Stand dieser Steuerungseinrichtung nach, in welcher der Triangel, der Sector und das Ventil unverändert denselben Plaz, wie bei Fig. α und β, beibehalten haben; aber von diesem Augenblike an wird beim ferneren Steigen des Kolbens der Winkel des Balancirrades das Kreuz weiter treiben, dessen oberer Arm um den Sector mit Hülfe des Triangels |188| drehen wird, so daß die Bewegung des Ventils in umgekehrter Richtung beginnt. Die Frictionsrolle wird über die Spize der Erhöhung des Regulators getrieben werden, bis alle Theile der Steuerung den Stand erreicht haben, welchen Fig. 5, α zeigt, und das Ventil an die Stelle gerükt ist, die es bei Fig. 5, β einnimmt, d.h. bis zu dem Momente, wo es im Begriffe ist, anzufangen, dem Aufschlagwasser Zugang zu dem Einfallrohre c zu öffnen. Von jezt an übernimmt der Regulator die Bewegung des Ventils zu vollenden oder die Wechslung seines Plazes, indem er im Nu die Frictionsrolle zur Seite wirft, und dadurch das Kreuz, den Triangel und den Sector mit dem Ventile auf den entgegengesezten Stand und Plaz von demjenigen dreht, welcher in Fig. 3, α und β abgebildet ist. Der Kolben H wird nun sinken und der Kolben G steigen, wodurch das Balancirrad nach der umgekehrten Seite gedreht wird, und die ganze Steuerung durchläuft nun die beschriebenen Stadien in entgegengesezter Richtung, woraus der Wechselgang der Maschine resultirt.

„Es sind nun noch die Gründe anzuführen, welche die Wahl der abweichenden Construction veranlaßt haben. Die überwiegenden Vortheile, welche Brahma bewogen, Cylinderkolben bei seiner berühmten Presse und der zugehörigen Preßpumpe anzuwenden, haben die Mechaniker fast aller Länder auf Benuzung derselben bei allen Preßpumpen geführt. Der Hauptvortheil solcher Kolben besteht darin, daß die Dichtigkeit der Liederung nach Gutbefinden in jedem Augenblike, sogar unter dem Gange der Maschine, regulirt werden kann, wodurch nicht allein die Dichtigkeit gesichert, sondern auch unnöthige Friction und Abnüzung der Liederung und Maschine vermieden wird. Bei anderen Kolben ist dagegen die Dichtigkeit und Friction gleich unsicher und zugleich beschwerlich zu reguliren. Man muß sich billiger Weise darüber wundern, wie es so lange übersehen oder vergessen werden konnte, daß eine Wassersäulenmaschine nichts anderes als eine Brahma'sche Presse ist, die stätig mit Aufschlagwasser versehen wird und ihren Wechselgang selbst regulirt. Man muß diese unbestreitbare und auffallende Wahrheit vergessen haben, und damit zugleich die Idee, die vorzügliche Einrichtung derselben auf die Construction jener überzutragen, indem man die Lederkolben und die alten langen, engen Pumpenstiefel und überhaupt die alten Pumpenformen beibehielt, welche doch gewiß kein praktischer Mechaniker bei einer Brahma'schen Presse anwenden möchte. Es ist hohe Zeit, diese Versäumniß zu berichtigen und in Erinnerung zu bringen, daß beide Maschinen in der Hauptsache ganz gleichartig sind. Inzwischen spricht hier zu Lande auch noch ein anderer Umstand für die Wahl der Cylinderkolben; man hat nämlich keine brauchbare Vorrichtung |189| zum Bohren der Cylinder, wohl aber zum genauen Abdrehen und Abschleifen der Cylinderkolben.

„Unzweifelhaft hat der Bergrath Schitko Gelegenheit gehabt, ein gutes Bohrwerk zu benuzen, und doch bedurfte er großer Vorrichtungen, um das durch die Undichtigkeit seiner Kolben verloren gehende Kraftwasser aufzufangen. Zwar darf man eine hermetische Dichtigkeit beim Kolbengange der Wassersäulenmaschinen nicht erwarten, aber einen so großen Wasserverlust, wie Schitko annimmt, würde er nimmermehr bei Cylinderkolben gehabt haben. Die Anwendung der langen, engen Kraft- und Pumpencylinder ist von allen neueren Mechanikern verlassen worden, da mit dem Durchmesser nur die Friction wächst, aber die Kraft und der Effect mit dem Quadrate. Außerdem verlangen die langen, engen Cylinder bei derselben Kraft oder demselben Effect einen schleunigeren Gang der Maschine, als er sonst wünschbar ist, damit bei einer langsameren Bewegung nicht zu viel verloren gehe; indessen mußte man die alte Construction beibehalten, so lange man über die Dichtigkeit der Kolben in Ungewißheit war.

„Hahnventile werden kaum noch in großen Maschinen angewandt und zwar aus wohlbekannten Gründen, wovon einer der wichtigsten der ist, daß die Durchgänge des Hahnes, wenn dieser oder seine Mutter abgenuzt wird, schief gegen die Oeffnungen der Röhren kommen, und scharfe entgegenstehende Kanten vermehren die Beschwerlichkeiten des Durchganges. Selbst unabgenuzt haben Hähne den Fehler, daß die Biegung des Wasserstrahles sehr kurz wird, und seine Form muß in der Regel sehr verändert werden, ehe er durch den Hahn geht, und nachdem er denselben passirt ist. Schitko verließ sie daher bei einigen seiner späteren Constructionen, und wählte, wie mehrere Erbauer von Wassersäulenmaschinen, Kolbenventile. Diese Art Ventile haben alle die Fehler, welche oben bei anderen Kolben als Cylinderkolben angeführt werden. Sie wurden jedoch vor ein Paar Jahrzehnten theils rund, theils halbrund in England häufig angewandt, bis die Schieberventile (sliding valves) sie verdrängten. Diese haben weder die Mängel der Hahn- noch der Kolbenventile. Bei der Abnüzung werden sie eher dichter als undichter; aber sie werden auch nur äußerst langsam abgenuzt, da man keiner Stopfung oder Liederung bedarf, indem sich hier harte und wohlpolirte Metallflächen auf einander bewegen.

„Die dritte wesentliche Abweichung betrifft die Steuerung. Die Hauptvortheile dabei sind, daß alle ihre Theile, welche Aufsicht und Regulirung je nach der wachsenden Belastung der Maschine bedürfen, bequemer hiezu sind, und daß das Ventil unmittelbar von der Maschine |190| selbst zuerst in Bewegung gesezt, auch die Fortsezung oder seine eigentliche Weiterschiebung augenbliklich durch den Regulator ohne schädlichen Stoß vollführt wird, da der gebogene Hebel ungefähr wie eine Feder wirkt. Hiedurch erlangt man besser als früher das wünschbare gleiche Strömen des Aufschlagewassers und dem dabei etwa noch vorhandenen Mangel wird der schädliche Einfluß durch die Zwischenkunft des Windkessels gänzlich benommen.

„Hinsichtlich der erwähnten gezogenen Bleiröhren bemerke ich, daß ihre Haltbarkeit weit größer ist, als bei gegossenen, und dieserhalb sowohl als wegen ihrer Biegsamkeit und leichten Vereinigung durch Löthung ist ihre Anwendung bei Pumpenwerken schon sehr ausgebreitet, und in starker Zunahme, selbst bei Einrichtungen, wo die angewandte Pressung weit größer ist, als die hier Statt findende.

„Ich habe Schitko's Balancirrad statt der übrigens vortheilhafteren Balanciers beibehalten, weil die Maschine dabei weniger Plaz gebraucht und daher leichter in der beliebigen Richtung in der Grube aufgestellt werden kann.“

So weit der Bericht und die Beschreibung des Hrn. Steenstrup über seine Maschine. Ob sich etwas und was sich gegen einzelne Raisonnements hinsichtlich der gewählten Abweichungen von früheren Maschinen der Art einwenden läßt, will ich der Beurtheilung sachverständiger Leser anheimstellen. Nachfolgend sey mir gestattet, nur noch das Hauptsächlichste anzuführen, was wir bei Abhaltung der oben erwähnten Commission über jene Maschine gutachtlich geäußert haben, wobei natürlich alle für ein größeres Publicum uninteressanten Details übergangen werden.

Die Wassersäulenmaschine des Hrn. Director Steenstrup unterscheidet sich fürs Erste dadurch von anderen uns bekannten Maschinen der Art, daß ihre Kraftcylinder mit einer Liederung wie bei der Brahma'schen Presse versehen sind, und daß der in dieser Liederung sich bewegende Kolben aus einem Cylinder fast von der Höhe des Kraftcylinders besteht. Diese neue Construction scheint den Vortheil darzubieten, daß die Liederung mit größerer Leichtigkeit dicht gehalten werden kann, und daß wenigstens die Kraftcylinder, welche kaum ausgebohrt zu werden brauchen, weit leichter und billiger zu erhalten seyn möchten. Es kömmt uns daher vor, als verdiene die Anwendung dieser Einrichtung bei der Brahma'schen Presse auf Wassersäulenmaschinen Empfehlung: denn daß die Brahma'sche Liederung den hier in Frage kommenden Druk nicht sollte aushalten können, läßt sich zu Folge der bekannten Erfahrungen bei jener Presse nicht befürchten.

Ferner zeichnet sich diese Maschine durch ihren eigenthümlichen |191| Steuerungsapparat aus; anstatt des gewöhnlichen Hahnventils und der Kolbensteuerung hat Director Steenstrup ein Schieberventil angewandt, welches eigentlich durch einen sogenannten Regulator in Bewegung gesezt wird, indem der leztere wiederum durch ein mit den auf- und niedergehenden Cylinderkolben mittelst verschiedener Zwischentheile verbundenes Kreuz in Wirksamkeit kommt. Wir vermögen uns kein Hinderniß für die vortheilhafte Anwendung der Schieberventile auf diese Weise zu denken, die außerdem eine gleiche Nuzbarkeit bei anderen Maschinen gefunden haben. Hinsichtlich des Regulators hegen wir aber einige Bedenklichkeiten, weßhalb wir uns gegen Hrn. Steenstrup dahin äußerten, daß uns sein Regulator ein minder vollkommener Theil der Maschine zu seyn schiene, indem er in seiner Wirkung in nicht geringem Grade dem bei den älteren Maschinen angebrachten Fallkloze gleiche; wenigstens nach dem Modelle zu urtheilen, wirkt derselbe nicht, ohne Stöße zu verursachen, welche der Maschine überhaupt und mehreren Theilen der Steuerung Insbesondere schaden dürften. Hierauf hat Director Steenstrup Folgendes erwiedert: „Der Regulator ist allerdings nach einem ganz entgegengesezten Principe, als der Fallkloz construirt; denn der Fallklo; soll, wenn er etwas über den höchsten Punkt seines Zirkelbogens hinausgekommen, d.h. wenn sein Gewicht auf seinem kürzesten Hebelarme ruht, doch schwer genug seyn, um das Ventil in Bewegung zu sezen; seine Kraft ist am größten, indem seine Function aufhört. Hiedurch entsteht der gewaltsame Stoß, welchen sein Niederfall verursacht. Bei dem fraglichen Modelle ist der Fall gerade umgekehrt; hier wirkt das Gewicht des Regulators am stärksten in dem Augenblike, wo seine Wirkung anfängt, und am geringsten, wenn sie endet, und es ist eine leichte Sache, diese Eigenschaft beliebig durch die vergrößerte Biegung des Hebels zu vermehren. Außerdem gibt es Mittel genug, die schwachen Stöße zu vermindern, welche das Aufhören jeder schleunigen Bewegung hervorbringt.“

Wir gestehen, daß auch diese Erläuterung nicht vermocht hat, unsere Zweifel zu heben; nicht hinsichtlich des Principes, sondern hinsichtlich der Wirkung haben wir den Regulator mit dem Fallkloze verglichen, obgleich beide Vorrichtungen auch in ihrer Grundidee eben nicht so ganz verschieden seyn möchten. Zwar verhält es sich so, daß die Kraft beim Fallkloze in dem Augenblike am größten ist, wo seine Bewegung aufhört; aber es kömmt uns zweifelhaft vor, ob gerade das Gegentheil bei irgend einer Modification des Regulators Statt finden wird, da auch bei diesem Rüksicht genommen werden muß auf die Beschleunigung der Bewegung und auf den wenigstens während der Bewegung des Ventils in der einen von |192| den zwei Richtungen Statt findenden Umstand, daß der wirkende Hebelarm beim Niedergange der Frictionsrolle von der Spize der Erhöhung des Regulators gegen den Unterstüzungspunkt des lezteren verkürzt wird. – (Der schädliche Einfluß dürfte nach Umständen größer beim Regulator als beim Fallkloze seyn, da der leztere meist erschütternd auf den Unterbau, der erstere zum Theil unmittelbar auch auf einige empfindliche Theile der Steuerung wirkt.)

Endlich haben wir einige Bedenklichkeiten über die geringe Metallstärke der Kraftcylinder gehegt; wenn deren Dike auch hinreichend ist rüksichtlich des von der Wassersäule ausgehenden Drukes, so bleibt sie doch bedenklich, hinsichtlich der Schwierigkeit ein so bedeutendes Gußstük überall gleich dicht zu erhalten, und der leichter möglichen Beschädigung dieser Maschinentheile bei einem weniger vorsichtigen Transporte oder beim Aufstellen derselben in der Grube.

Windkessel haben bei mehreren anderen Wassersäulenmaschinen dem erwarteten Vortheile nicht entsprochen; ein solcher könnte daher hier vielleicht gespart werden. Was die Anwendung von Bleiröhren betrifft, so sehen wir nicht ein, warum nicht die ganze Röhrenleitung eben so gut aus gußeisernen Röhren bestehen könne, als die untersten 8 Röhrenlängen, um so mehr, da der Kostenanschlag zeigt, daß gußeiserne Röhren billiger seyn würden.

Dieß ist dasjenige, was wir nach beendigtem Studium der vorgeschlagenen Maschine an dem gangbaren Modelle und nach der Beschreibung desselben zu bemerken fanden. Zwar haben wir keinen so wesentlichen Mangel an derselben wahrgenommen, daß wir an dem von ihr versprochenen Effecte zweifeln möchten; aber gleichwohl konnten wir, wie aus dem Angeführten hervorgeht, dieser Maschine doch auch unseren gänzlich unbedingten Beifall in jeder Beziehung nicht zollen. Doch sind wir weit entfernt, unserem Urtheile entscheidendes Gewicht beilegen zu wollen, weßhalb wir wünschen, daß auch die Stimme anderer Sachverständiger in dieser Angelegenheit gehört werden möge. – Die Ausführung dieser Maschine erscheint übrigens um so wünschenswerther, da Hr. Steenstrup dieselbe für 4000 Species herzustellen verspricht, ein Preis, der in keinem Verhältnisse mit dem steht, was Maschinen von solchen Dimensionen bisher gekostet haben.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: