Titel: Ueber die in Westphalen gebräuchlichen Tennen von Zinder.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 71, Nr. XIX./Miszelle 12 (S. 76–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj071/mi071019_12

Ueber die in Westphalen gebräuchlichen Tennen von Zinder.

„In den Gegenden von Westphalen, wo der Steinkohlenbrand eingeführt ist, legt man gegossene Tennen an, welche die schwersten Wagen tragen und so eben sind, daß sich kein Körnchey darauf verliert. Ihre größere oder geringere Dauer hängt vorzüglich von dem Zusammensezen der Materialien und ihrer Verarbeitung ab.“

„Wenn man den nöthigen Zinder (Abfall oder Ueberbleibsel von verbrannten |77| Steinkohlen) bei den Schmieden und Fabriken, welche sich derselben zum Feuern bedienen, gesammelt hat, so wird der Boden der zukünftigen Diele oder Tenne zuerst mit einer Schichte von trokenem Sande gedekt und dieser geebnet. Der Sand reicht bis zu der Höhe, daß für den Zinderguß die gehörige Dike übrig bleibt. Soll die Diele starke Lasten beim Einfahren tragen, so muß der Guß 6–7 Zoll stark seyn, sonst reichen 5, auch 4 Zoll dafür zu. Der Zinder wird durch ein Drahtsieb geworfen, damit die gröberen Schlaken davon getrennt werden; dann rührt man ihn vorerst mit gelöschtem Kalk und Wasser zu einem diken Brei, etwa so wie den Mörtel zum Mauern. Es darf nicht mehr als die Hälfte, und nicht weniger als der vierte Theil an Kalk genommen werden. Dieser muß von der Beschaffenheit seyn, daß er leicht, selbst im Wasser, fest wird. Das Durchrühren der Masse muß in dem Verschlage von einigen Brettern geschehen, und es gehören zwei Mann zu der Arbeit, weil sie schnell vor sich gehen muß.“

„Bei der Anwendung dieses Gusses, welcher sogleich vorgenommen werden muß, damit er nicht steif werde, wird folgendermaßen verfahren. Nachdem, wie gesagt, die Sandunterlage vollführt ist, werden Latten genommen, welche genau die Höhe haben, die man dem Zindergusse zu geben gedenkt. Man sezt sie über dem Sande so weit aus einander, als man denken kann, daß die jedesmal zum Gusse bereitete Masse zur Füllung des Zwischenraumes zureichen werde. In diesen Raum wird also der Guß gebracht und geebnet. Dann wird zur Füllung der zweiten Abtheilung mit einem neuen Zindergusse und so fort mit den übrigen geschritten. Da die Masse gleich zu stehen pflegt, so muß man die Latten frühe genug wegnehmen und die Lüken, welche sie hinterlassen, auf der Stelle zugießen. Dieses geschieht mit derselben, aber etwas verdünnten Masse. Um aber bei diesem Zugießen nicht Fußstapfen auf der Oberfläche zu bilden, legt man ein Brett zum Gehen darüber her. Sobald der nun ganz übergossene Boden den Fußtritt aushält, welches oft schon nach einer Stunde Statt hat, so wird derselbe mit flachen hölzernen Stämpfern allmählich festgestampft. Das Stampfen wird mehrere Tage, und zwar so lange wiederholt, bis sich auf ein und eben derselben Stelle keine Feuchtigkeit mehr auf der Oberfläche äußert; alsdann ist die Diele fertig, deren Dauer und Festigkeit von mehr oder weniger Kalk und besonders vom tüchtigen Durcharbeiten der Masse abhängt. Wenn sie gut bearbeitet ist, muß sie eine durchaus glatte und ebene Fläche bilden.“ (Schwerz's Beschreibung der Landwirthschaft in Westphalen und Rheinpreußen. Stuttgart 1836.)

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