Titel: Parkes, über die Verdampfung des Wassers in den Dampfkesseln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 71, Nr. LI./Miszelle 1 (S. 247–248)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj071/mi071051_1

Parkes, über die Verdampfung des Wassers in den Dampfkesseln.

Hr. Josiah Parkes hat der Institution of Civil Engineers zu London in der Versammlung vom 6. März 1838 eine Abhandlung vorgetragen, welche dem London Journal zu Folge einen klaren Ueberblik des dermaligen Standes unseres Wissens bezüglich der Kraft der Steinkohlen Dampf aus dem Wasser zu erzeugen gibt. Wir entnehmen demnach das Wesentlichste aus dem Berichte, den das angeführte Journal über diese Abhandlung enthält. – Aus den Versuchen, welche man anstellte, theils um den durch das Entweichen großer Rauchmassen bedingten Verlust zu verhüten, theils um die daraus erwachsenden Unannehmlichkeiten zu beseitigen, ergab sich, daß die zur Verbrennung des Rauches bestimmte Luft direct und ehe sie noch durch das Hinstreichen über entzündetes Brennmaterial verdorben worden, an denselben abgegeben werden muß, und zwar da, wo die stärkste Hize stattfindet, indem zur Entzündung des Rauches wenigstens die Glühhize erforderlich ist. Hr. Parkes will daher die Luft an dem Stege des Ofens eingeleitet wissen. – Bei aufmerksamer Prüfung verschiedener Feuerungsmethoden fand er, daß bei seltnerer Feuerung weniger Rauch entwikelt wird, als bei häufigerer; daß in ersterem Falle bei gleicher Menge Brennmaterial mehr Wasser verdampft wird; und daß sich eine geringere Menge Schlaken bildet. Von diesem Principe ausgehend, will er, daß des Tages nur zwei Trachten Kohlen eingetragen werden sollen: eine des Morgens, und eine des Mittags. Die hiedurch bedingte große Ersparniß an Brennmaterial steigert sich noch höher, wenn man die Oefen so vergrößert, daß sie die für einen ganzen Tag erforderliche Menge Brennstoff fassen. Bei diesem Systeme war nach Parkes von 7 Uhr Morgens an kein Rauch mehr sichtbar; die Register wurden stark niedergezogen, und der Dampf wechselte viele Stunden hindurch um keinen Achtelzoll. Um Mittag wurden die Register so fest geschlossen, als es mit Sicherheit geschehen konnte, und eine große Menge Wasser nachgetragen. Während der Nacht, während der die Maschine still stand, wurde wieder Wasser nachgetragen. Auf diese Weise wurde die Hize der Feuerzüge zu Nuzen gebracht, und da die Kessel eine gute Verkleidung hatten, so ging die Nacht über nur wenig Hize verloren. – Hr. Parkes beschreibt hierauf im Detail die von ihm als die beste befundene Feuerungsmethode, bei der es ihm gelang, mit Einem Pfunde Steinkohlen 10,2 Pfd. Wasser bei einer Temperatur von 212° F. zu verdampfen, während nach dem gewöhnlichen Systeme auf eine gleiche Menge Steinkohlen nur 7 Pfd. Wasser kommen. Die größte Verdampfung war bei 212° F. 18 1/2 Cubikfuß Wasser mit 112 Pfd. Steinkohlen. Wenn |248| man wohlfeil Dampf erzeugen will, so darf die Wasserfläche im Kessel nicht unter 10 Quadratfuß auf die Pferdekraft betragen; im Lancashire gestattet man gewöhnlich nur 7 1/2 Quadratfuß, und Boulton und Watt beschränkten sich gar auf 5 Fuß. Die an den waggonförmigen Kesseln der Hize ausgesezte Oberfläche beträgt, die inneren Feuerzüge nicht mitgerechnet, beinahe das Doppelte. Dieses System, auf welches ein Patent genommen wurde, ward an mehr als 500 Oefen angebracht, kam jedoch großen Theils wieder in Verfall, und zwar einfach aus dem Grunde, weil dabei viel auf den Heizer ankommt, und weil man sich nicht die Mühe geben wollte, sich der Ersparniß einiger Kohlen wegen damit vertraut zu machen. Hr. Parkes geht hierauf auf einige Punkte über, mit denen wir bisher noch gänzlich unbekannt geblieben, obschon sie für die Praxis von höchster Wichtigkeit sind. Hiezu gehört: ein Maaß für die absolute Menge des in einem Pfunde Steinkohlen oder eines anderen Brennstoffes enthaltenen Wärmestoffes; das Verhältniß, in welchem sich Luft und Brennstoff während der Verbrennung miteinander verbinden; die Verhältnisse zwischen dem Brennstoffe und dem Träger der Verbrennung; die relative Heizkraft der festen und gasartigen Bestandtheile der Steinkohlen, und zwar vom Anthracite angefangen bis zur Cannelkohle, welche bekanntlich 85 Procent Gas gibt. Ebenso fehlen uns noch Versuche über die relative Heizkraft von Steinkohle und Kohks. Hr. Parkes fand, daß 75 Pfd. aus 100 Pfd. Steinkohle von St. Etienne gewonnener Kohks eben soviel Wasser verdampfen, als 100 Pfd. dieser Kohle. Die Erklärung hiefür ergibt sich, wenn man erwägt, daß die Hize der Verbrennung nicht bloß von dem Brennstoffe, sondern auch von der Menge Sauerstoff, die sich mit ihm verbindet, abhängt. – Von den Tabellen, welche der Abhandlung beigegeben sind, enthält die erste die Resultate zahlreicher Versuche, welche in London und im Lancashire an gewöhnlichen oder waggonförmigen Dampfkesseln mit dem gewöhnlichen Feuerungssysteme und jenem des Hrn. Parkes angestellt wurden. Sie gibt das Gewicht der Kohle an, welche verbraucht wurde, um das Wasser auf 212° F. zu erhizen und von diesem Punkte aus in Dampf zu verwandeln; und ebenso deutet sie an, welcher Nuzeffect dem gasförmigen und kohligen Bestandtheile zugeschrieben werden muß. – In der zweiten Tabelle findet man die Wassermenge, welche in den lezten 8 Monaten von Cornwalliser Kesseln an den United mines verdampft wurde. Die größte Menge ist 15,3, die geringste 9,6 und die mittlere 11,8 Pfd. Wasser von 212° F. per Pfund Steinkohle. Nach Herwood's Angaben betrug die Quantität 14 Pfd. Wasser per Pfund Steinkohle. – Die dritte auf die Versuche de Pambour's gegründete Tabelle gibt die in Locomotivkesseln verdampfte Wassermenge an. Im mittleren Durchschnitte kommen hier 5 bis 6 Pfd. Wasser auf ein Pfund Steinkohle, vorausgesezt, daß 8/10 Pfd. Kohks an Kraft einem Pfunde Steinkohle gleichkommen. – Die vierte Tabelle enthält eine vergleichende Zusammenstellung, aus welcher hervorgeht, daß nach mittleren Durchschnitten auf 112 Pfd. Steinkohle bei den Versuchen in Cornwallis 24, in Warwik 18 1/2, in London 14, im Lancashire 13 1/2 und an den Locomotiven 40 Cubikfuß verdampftes Wasser von 212° F. kommen. – Endlich gibt Hr. Parkes auch noch den Verlust an, der erwachst, wenn die Kessel und Dampfröhren keine Bekleidung erhalten. Schlüßlich fordert er alle, die sich mit Versuchen über diesen Gegenstand beschäftigen, auf, jedesmal folgende Punkte anzugeben: die Form und Dimensionen der Kessel; den Flächenraum des Rostes; die der Hize ausgesezte Oberfläche, wobei jener Flächenraum, der die ausstrahlende Wärme aufnimmt, zu unterscheiden ist; die Temperatur des in die Kessel eintretenden Wassers; das Gewicht der verbrannten Kohlen; das Gewicht oder das Maaß des verdampften Wassers und die Dauer des Versuches.

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