Titel: Pelletan's rotirende Dampfmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 71, Nr. LXIII./Miszelle 2 (S. 330)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj071/mi071063_2

Pelletan's rotirende Dampfmaschine.

Die France industrielle enthält in ihrer Nr. 61 des Jahrgangs 1838 nach den vor der Akademie in Paris zur, Sprache gekommenen Daten eine Notiz über die rotirende Dampfmaschine des Hrn. Pelletan, aus der wir das Wesentliche ausziehen. Die Bewegung der neuen Maschine ist bedingt durch einen Dampfstrahl, der mit bedeutender Geschwindigkeit aus einer geeigneten Mündung entweicht, und der, eine große Menge Luft mit sich fortreißend, eine Strömung erzeugt, welche gegen ein bewegliches Stük anschlägt, dessen Einrichtung so getroffen ist, daß es die Bewegung ganz erschöpft. Dieses Stük, welches eine Art von Gasturbine bildet und einige Ähnlichkeit mit Flügeln hat, bewegt sich ohne Reibung und Geräusch in einem Gehäuse, und zwar an einer Welle, deren Zapfenlager sich außerhalb des Gehäuses befinden und leicht ausgewechselt werden können, da dieß der einzige einer Abnüzung unterliegende Theil der Maschine ist. Die Bewegung der Welle wird durch Zahnräder, Treibriemen oder irgend andere Mittel weiter fortgepflanzt. Die Geschwindigkeit der Umlaufsbewegung des inneren Stükes beträgt an dessen Umfang und an einer Maschine von 80 Centimeter Durchmesser 100 Meter in der Secunde, oder 1 1/2 Stunden in der Minute. Es ist jedoch ein Leichtes diese Geschwindigkeit für Locomotiven z.B. auf 20 Stunden in der Zeitstunde zu reduciren. Dampf, der aus einer Mündung ausströmte, und der entweder durch Stoß auf ein umlaufendes Stük oder durch Reaction wirkte, ward schon öfter, aber stets vergebens angewendet, was theils von der zu geringen Masse, theils von der zu großen Geschwindigkeit, mit der der Dampf ausströmte, und welche gegen 500 Meter in der Secunde betrug, herrührte. Das Wesentlichste der Erfindung des Hrn. Pelletan beruht daher auf Verminderung der Geschwindigkeit bis auf 100 Meter in der Secunde, und auf gleichzeitiger Verzehnfachung der Masse, indem der Dampf eine große Luftmenge mit sich fortzureißen gezwungen wird. Das Gelingen hing zum Theile von der Einrichtung ab, welche getroffen wurde, damit das umlaufende Stük den ganzen Impuls des Dampfstromes aufnehme und dessen Bewegung erschöpfe. – Die ganze Maschine ist sehr leicht; sie unterliegt nicht vielen Störungen und nimmt einen kleinen Raum ein. Ein bei Hrn. Mechaniker Stoltz aufgestelltes Modell soll mit größter Regelmäßigkeit arbeiten, und beinahe um die Hälfte weniger Brennstoff verzehren, als die besten der bisherigen Maschinen. Nach den Berechnungen des Erfinders würde bei dem Betriebe einer Eisenbahn von 50 Stunden Länge durch die Annahme seiner Maschine an den Anschaffungskosten eine Ersparniß von 3 Millionen Franken und an den jährlichen Betriebskosten eine eben so große Ersparniß erzielt werden. Die Zeit wird auch hier bald das Wahre von dem Irrigen oder Uebertriebenen sondern.

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