Titel: Heginbotham's verbesserte Retorten zur Gasbereitung.
Autor: Heginbotham, William Holme
Fundstelle: 1839, Band 72, Nr. VIII. (S. 23–26)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj072/ar072008

VIII. Verbesserungen an den Retorten zur Gasbereitung, worauf sich William Holme Heginbotham, von Stockport in der Grafschaft Chester, am 31. Jan. 1838 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem London Journal of arts. Febr. 1839, S. 273.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Meine Verbesserungen am Baue der Gasretorten bestehen 1) darin, daß ich in dem Körper der Retorten, deren man sich gewöhnlich zur Destillation der Steinkohlen bedient, einen Apparat anbringe, welcher die Steinkohle durch die Retorte treibt und die verkohlten Kohks aus derselben hinausschafft. Dieser Apparat besteht aus einer durch die ganze Retorte laufenden Welle, um welche eine endlose Schraube gewunden ist, so daß das Innere der Retorte dadurch in schnekenförmige Kammern abgetheilt und die der Behandlung unterliegende Steinkohle noch mehr der Einwirkung der heißen Retortenoberfläche ausgesezt wird. Sie bestehen 2) darin, daß ich dieser endlosen Schraube eine rotirende Bewegung gebe, damit die Steinkohle durch die Retorte getrieben wird. Es ist auf diese Weise ein selbstthätiger Gaserzeuger gebildet, welcher sich selbst leert und füllt, ohne daß man die Retorte zu öffnen brauchte, und ohne daß deren innere Oberfläche der Einwirkung der Luft ausgesezt wird.

Man wird finden, daß dieser Apparat eine höchst vollkommene Zersezung der Steinkohle bewirkt, und daß das erzeugte Gas quantitativ |24| und qualitativ besser ist. Die Umlaufsbewegung der endlosen Schraube in dem Bette der erhizten Retorte wird nämlich, indem sie die Kohle von einem Retortenende zum anderen bewegt, eine sehr rasche und höchst vollkommene Destillation bewirken; während das entwikelte Gas gleichsam filtrirt und verbessert wird, indem es auf seinem Wege zu der an dem Retortenende befindlichen Austrittsröhre von dem ihm beigemengten Theere befreit wird. Eine andere wesentliche Verbesserung, welche durch das Umlaufen der endlosen Schraube erzielt wird, beruht darauf, daß hiedurch die Vertrustung der Retorten mit Kohks oder anderen Stoffen verhütet wird, was den Retorten eine weit größere Dauer sichert. Ferner ist eine regelt mäßige Speisung und Entleerung der Retorte gesichert, und es bleibt, nachdem die Kohks verkohlt worden, nichts von ihnen in der Retorte zurük. Ich habe mit diesen Verbesserungen auch noch einen Apparat in Verbindung gebracht, durch den die Steinkohle, bevor man sie in die verbesserte Retorte einträgt, zerquetscht oder gemahlen werden kann; denn bei dem Baue meiner Retorte bin ich im Stande, auch aus Steinkohlenpulver Gas zu erzeugen, woraus sich eine bedeutende Kostenersparniß ergibt.

Fig. 20 ist ein seitlicher Aufriß einer meinem Systeme gemäß gebauten Gasretorte. Fig. 21 ist ein durch deren Mine geführter Längendurchschnitt. An dem Frontaufrisse, Fig. 22, sieht man zwei Retorten in einem Ofen.

An allen diesen Figuren ist a, a eine Retorte, wie man sich ihrer gewöhnlich zur Gaserzeugung bedient, deren Länge und Durchmesser nach Gutdünken abgeändert werden kann. Diese Retorte ist an jedem Ende mit cylinderförmigen Behältern b, b von durchaus gleichem Durchmesser versehen, welche die Füll- und die Entleerungskammern bilden. Minen durch die Retorte und ihrer ganzen Länge nach läuft die endlose Schraube c, c, c, welche mit ihren Enden in gasdicht schließenden Stopfbüchsen ruht. d, d ist ein Trichter, in dessen oberes Fach Steinkohle von solcher Größe gegeben wird, daß sie durch den Rost e, e fallen kann. Dieser Trichter ist mit einer Klappe oder einem Thürchen f versehen, welches die Kohlenmasse in zwei Theile abtheilt, und welches es möglich macht, daß die in dem unteren Fache befindliche Steinkohle zuerst und für sich allein in die Retorte eingetragen werden kann. Ist dieß bewerkstelligt, so wird die Klappe f nach Außen geschoben, wo dann die Kohle des oberen Faches in das untere Fach herabfällt, so daß zur Füllung des Trichters keine fortwährende Beaufsichtigung von Seite des Heizers erforderlich ist. Die Steinkohle fällt aus dem unteren Fache des Trichters zwischen zwei Walzen, von denen sie vor ihrem Eintritte |25| in die Retorte in Pulver verwandelt wird. An dem Ende der Welle der endlosen Schraube c, c befindet sich eine lose und eine feste Rolle; um leztere ist der Treibriemen g geführt, der von einem gewöhnlichen, längs des Retortenhauses angebrachten Gestänge her seine Bewegung mitgetheilt erhält, und welcher die endlose Schraube in eine langsame Umlaufsbewegung versezt. Durch diese Bewegung wird die in die Retorte gefallene Steinkohle langsam und allmählich durch die Retorte geführt, wobei jedes ihrer Theilchen einer gleichmäßigen Einwirkung der Wärme ausgesezt wird. Es bedarf kaum der Erinnerung, daß die endlose Schraube auch auf irgend eine andere, für zwekdienlich befundene Methode umgetrieben werden kann. Eine fortwährende und regelmäßige Speisung der Retorte wird dadurch unterhalten, daß die zum Zermalmen der Steinkohle bestimmten Walzen mittelst der Zahnräder h, h umgetrieben werden. Die zerkleinerte Kohle fällt in die erste Windung oder in das erste Fach der endlosen Schraube; an dem entgegengesezten Ende dieser lezteren hingegen wird sie, nachdem sie vollkommen verkohlt worden ist, aus der Retorte geschafft.

An dem Retortenende, an welchem die Entleerung geschieht, befindet sich an der inneren Seite der Retortenthür eine kleine Platte oder ein Stab i, i, welcher die umlaufende Schraubenwelle von den ihr anhangenden Kohks reinigt, und dadurch zur Entleerung der Kohks in die Kammer b mithilft. Das am Grunde dieser Kammer befindliche Thürchen k läßt sich nach Auswärts schieben, damit man die Kohks aus ihr beliebig in den für sie bestimmten Behälter l, l fallen lassen kann. Um den losen Boden dieses Behälters herum läuft ein mit Wasser gefüllter Trog m, m, der den Behälter wasserdicht abschließt und das Entweichen von Gas verhindert. Der lose Boden selbst hängt in Angeln, damit man ihn herabfallen lassen und den Behälter l entleeren kann, nachdem er sich mit Kohks gefüllt hat. Von dem oberen Theile der Entleerungskammer b läuft die Austrittsröhre aus, welche das entbundene Gas in das hydraulische Hauptrohr leitet. Vorher zieht jedoch das Gas noch durch den Behälter n, n, in welchem es den Theer oder das Ammoniak, welche allenfalls in ihm enthalten sind, abzusezen hat. Dieser Niederschlag wird mittelst des Hebers o abgelassen, damit er nicht in die Retorte zurükkehren kann.

Ich binde mich an keine bestimmten Dimensionen und Formen des hier beschriebenen Apparates, obwohl ich die angegebenen Formen und die beschriebene Anordnung der Theile für die beste halte. Die Retorten können aus Eisen, Thon oder irgend einem anderen |26| Materiale bestehen, und die endlose Schraube kann wie eine Schneke, wie eine Spirale oder auch anders gebildet seyn.

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