Titel: de Crouy's Filtrirmethode.
Autor: Crouy, Heinrich
Fundstelle: 1839, Band 72, Nr. XXX. (S. 115–120)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj072/ar072030

XXX. Verbesserte Filtrirmethode, worauf sich Heinrich Graf de Crouy, aus der Picardie in Frankreich, am 12. Decbr. 1838 in England ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions. März 1839, S. 154.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Meine Verbesserung beruht darauf, daß ich in der zum Filtriren bestimmten Vorrichtung mehr als zwei von einander geschiedene Schichten von Filtrirstoffen anbringe, und ihnen eine solche Anordnung gebe, daß ein Theil des unfiltrirten Wassers oder der sonstigen zu filtrirenden Flüssigkeit durch eine oder mehrere dieser Schichten fließt und dadurch filtrirt wird, während ein anderer Theil desselben durch andere Schichten sikert. Sie beruht ferner auf der Erzeugung eines Drukes, damit die Flüssigkeit rascher durch die Filtrirschichten hindurch gelange, so wie auch darauf, daß ich die zu filtrirende Flüssigkeit durch schraubenförmige Zapfen aus Bambusrohr oder einem anderen Materiale, wie sie weiter unten ausführlich beschrieben werden sollen, auf die Filtrirschichten leite. Sie beruht endlich auf einem Verfahren, wonach die Verlegung des Filters durch Unrath verhütet, und dessen Reinigung von solchem bewerkstelligt werden kann.

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Ich nehme einen großen hölzernen Behälter, den man in den beigefügten Zeichnungen, und namentlich in dem Aufrisse Fig. 46, mit A und B bezeichnet sieht, der an beiden Enden mittelst eines unbeweglichen Hauptes luftdicht verschlossen ist, und der von solcher Stärke seyn muß, daß er dem Druke der zu filtrirenden Flüssigkeit zu widerstehen vermag. In diesen Behältern bringe ich mehrere, gewöhnlich 4 Filtrirschichten an, ohne mich jedoch an eine bestimmte Anzahl zu binden. Man sieht diese Schichten in dem senkrechten Durchschnitte, Fig. 48, und in dem horizontalen Durchschnitte, Fig. 49, mit K, H, I, J bezeichnet. Die Filtrirstoffe trage ich durch Löcher ein, welche zu diesem Behufe in dem Dekel des Behälters angebracht sind, und die ich später genau verschließe. Die mit S¹, S², S³, S⁴, S⁵, S⁶, S⁷ und S⁸ bezeichneten Scheidewände, welche die Filtrirschichten umschließen, sind im Inneren des Behälters in Falzen eingelassen und auf dieselbe Weise befestigt, wie dessen beide Enden. Sie bestehen aus durchlöcherten, hölzernen oder eisernen Platten. Ihre Löcher haben beiläufig einen halben Zoll im Durchmesser, und in diese Löcher sind Schrauben aus Bambusrohr oder einem anderen porösen Holze geschraubt. Diese Schrauben brauchen nicht mehr als gegen einen Viertelzoll in der Länge zu haben, weil sie sich sonst zu schnell verlegen. Die Scheidewände oder Platten sollen gewöhnlich über einen Viertelzoll dik seyn. Die Schrauben werden in die gegen das Filtrirmaterial gerichtete Seite der Scheidewand geschraubt, so daß sie an den Raum, in den die zu filtrirende Flüssigkeit bei ihrem Eintritte in den Filtrirapparat gelangt, angränzt. Die Löcher erweitern sich an den gegen die Filtrirschichten zu gerichteten Seiten von einer Tiefe von beiläufig 1/4 Zoll von der inneren Oberfläche angefangen allmählich, damit beim Reinigen des Apparates die Austreibung des Unrathes aus den Löchern dadurch erleichtert werde. Die Poren der Schrauben stehen senkrecht auf der Fläche der Platten. Die Räume L¹, U¹, E, U², L² haben beiläufig eine Weite, welche dem Durchmesser der Röhre, in der die zu filtrirende Flüssigkeit herbeigelangt, gleichkommt; doch kommt es auf deren Größe nicht so genau an. Damit die Platten oder Scheidewände gehörig gestüzt sind und weder dem Gewichte der Filtrirstoffe nachgeben, noch auf eine sonstige Weise in Unordnung gerathen, sind in den zwischen ihnen befindlichen Räumen kleine runde Zapfen angebracht.

Wenn der Behälter mit den Filtrirstoffen ausgestattet worden, so fließt die zu filtrirende Flüssigkeit von dem Behälter A her in der Röhre C, welche, wie die Zeichnung andeutet, längs der einen Seite des Behälters hinläuft, herab, bis sie durch die Hähne 2, 4, 6, 8, 10 in die Räume L¹, U¹, E, U², L² eintritt. Nach der Filtration gelangt |117| sie durch die Hähne 1, 3, 5, 7, 9, welche sich an der anderen Seite der Räume L¹, U¹, E, U², L² befinden, in die für die klare Flüssigkeit bestimmte Röhre N, welche an der anderen Seite des Filtrirbehälters hinauf in den für die filtrirte Flüssigkeit bestimmten Behälter B läuft. Dieser leztere Behälter ist nicht so hoch oben angebracht, wie der Behälter A. An dem oberen Theile des Filtrirbehälters ist in die beiden Räume U¹, U² eine Röhre F eingesezt, in welcher die Flüssigkeit bis zur Höhe des Standes der unfiltrirten Flüssigkeit in dem Behälter A emporsteigt. Die an den gegenüberliegenden Seiten der Räume L¹, U¹, E, U², L² befindlichen Hähne sind nie gleichzeitig geöffnet; so sind z.B. die Hähne 1, 2 nie zugleich offen u.s.f. In welchen der Räume L¹, U¹, E, U², L² die zu filtrirende Flüssigkeit auch immer gelangen mag. so soll am Grunde dieser Räume eine, mit einem Hahne V ausgestattete Röhre, die mit einem mit einem Hahne T versehenen Gefäße P communicirt, angebracht seyn. In der Abbildung ist nur eine dieser Röhren ersichtlich, weil angenommen ist, daß die zu filtrirende Flüssigkeit gewöhnlich in den Raum E eingelassen wird. Wollte man sie jedoch gewöhnlich in einen anderen der genannten Räume einlassen, so müßte dieser mit einer Röhre mit Hahn, welche mit P communicirt, versehen werden. Der Hahn V hat während des gewöhnlichen Filtrirprocesses stets offen, der Hahn T hingegen stets geschlossen zu bleiben. Der Hahn V wird geschlossen, wenn man den Unrath aus P durch den Hahn T zu entfernen wünscht. Ein großer Theil des Unrathes fällt in Folge seiner eigenen Schwere durch die Röhre in das Gefäß P herab, so daß das Filter auf solche Art verhindert ist sich zu verlegen. Die zu filtrirende Flüssigkeit gelangt zwischen zwei der inneren Scheidewände, welche auf die beschriebene Weise durchlöchert und mit Schrauben aus Rohr oder einem anderen Materiale verstopft sind. Sie dringt durch die in dem Rohre befindlichen Haarröhrchen, welche so dünn sind, daß sie den größten Theil der in der Flüssigkeit befindlichen Unreinigkeiten zurükhalten. Die Filtration wird demnach dadurch bewerkstelligt, daß die Flüssigkeit durch die erwähnten Scheidewände und durch die Filtrirstoffe dringt. Die Scheidewände mit den Schrauben verhüten das Entweichen des feinen Filtrirsandes oder des sonstigen, zum Filtriren verwendeten Stoffes, und tragen dadurch sehr zur längeren Erhaltung des Filters in diensttauglichem Zustande bei. Ich bringe den Filtrirbehälter in horizontaler Stellung an, und filtrire ihn tiefer als den Behälter, der die unfiltrirte Flüssigkeit enthält. Ich lasse die Flüssigkeit durch die Röhre C in den Filtrirbehälter treten, welche Röhre, wie in Fig. 47 zu sehen, mit den mit 2, 4, 6, 8 und 10 nummerirten Hähnen ausgestattet ist, damit |118| man die Flüssigkeit eintreten lassen und auch absperren kann. Das eine Ende dieser Röhre C ist genau schließend in den Wasserbehälter A eingepaßt; das andere Ende communicirt durch die eben erwähnten Hähne mit den Räumen L¹, U¹, E, L², U². Es kommt wesentlich darauf an, daß zwischen dem Wasserbehälter A und dem Filtrirbehälter eine ununterbrochene und wasserdicht schließende Communication Statt finde, damit die zu filtrirende Flüssigkeit nirgendwo entweichen kann, sondern gezwungen ist, unter dem Druke der in dem Behälter befindlichen Flüssigkeit durch den Filtrirbehälter zu gehen. Die auf die beschriebene Weise filtrirte Flüssigkeit wird in den Behälter B geleitet, wie dieß noch ausführlicher angegeben werden soll. Ich bringe nämlich an der dem Eintritte der Röhre C und den Hähnen 2, 4, 6, 8 und 10 entgegengesezten Seite des Filtrirbehälters eine Röhre N an, die an dem einen Ende mittelst der Hähne 1, 3, 5, 7, 9 und der an diesen befindlichen Röhren wasserdicht schließend mit dem Filtrirbehälter und namentlich mit den Räumen L¹, U¹, E, L², U² communicirt, während ihr anderes Ende in einen Behälter B eingesezt ist, der zur Aufnahme der filtrirten, mittelst Druk durch den Filtrirbehälter getriebenen Flüssigkeit dient, und der also auch den hiezu erforderlichen Rauminhalt haben muß. Ich bringe diesen lezteren Behälter über dem Filtrirbehälter an, und zwar gewöhnlich beinahe in gleicher Höhe mit jenem Behälter, in welchem sich die unfiltrirte Flüssigkeit befindet.

Wenn die zu filtrirende Flüssigkeit durch zwei Lagen oder Schichten des Filtrirmateriales getrieben werden soll, so lasse ich sie gewöhnlich durch den Hahn 6 in den Filtrirbehälter eintreten. In Fig. 47 und 48 ist dieser Fall dargestellt. Die Flüssigkeit gelangt in den zwischen den beiden Scheidewänden S⁴ und S⁵ in der Mitte des Filtrirbehälters befindlichen Raum E. Ein Theil derselben dringt durch eine der Scheidewände S⁴ in das derselben angränzende Filter H; der andere Theil hingegen durch die Scheidewand S⁵ in das an dieser liegende Filter I. Nachdem sie durch diese beiden Filter gegangen, fließt sie durch die Scheidewände S³ und S⁶ in die Kammern U¹, U², um dann von hieraus durch das nachdrükende Wasser in der Röhre F emporzusteigen. Ist die Flüssigkeit in dieser Röhre bis auf die Höhe der Flüssigkeit im Behälter A emporgestiegen, so treibt die in der Röhre F befindliche Wassersäule die durch die Scheidewände S³ und S⁶ getretene Flüssigkeit durch die Scheidewände S² und S⁷ in die Filter K und J, von denen sie durch die Scheidewände S¹ und S⁸ in die Räume oder Kammern L¹, L² gelangt, um dann vollkommen klar und filtrirt in den zu ihrer Aufnahme |119| bestimmten Behälter B emporzusteigen. Bei dieser Operation sind sämmtliche Hähne mit Ausnahme von 6, 1 und 9 geschlossen.

Man kann die Flüssigkeit auch nur durch ein einziges Filter gehen lassen, wo dann innerhalb derselben Zeit eine doppelt größere Menge davon filtrirt werden wird. Ich schließe in diesem Falle sämmtliche, mit der Röhre 6 communicirende Hähne mit Ausnahme von 2, 6 und 10, welche ich zum Behufe des Eintrittes der Flüssigkeit in den Filtrirbehälter offen lasse. Ferner öffne ich die beiden Hähne 3 und 7, durch welche die filtrirte Flüssigkeit in die Röhre N und aus dieser in den Behälter B gelangt. Die durch den Hahn 2 in den Raum L¹ eingetretene Flüssigkeit wird durch den Druk der aus dem Behälter A nachdringenden Flüssigkeit durch die Scheidewand S¹ in das Filtrirlager K und hierauf durch eben diesen Druk durch die Scheidewand S² in den Raum U¹ getrieben, aus dem sie bei dem Hahne 3 in die Röhre N gelangt, um in dieser in den Behälter B emporzusteigen. Die bei dem Hahne 6 in den Raum E eingetretene Flüssigkeit wird zum Theil durch die Scheidewand S⁴ in das Filtrirlager H und dann durch die Scheidewand S³ in den Raum U¹ getrieben, wo sie sich mit der auf die angegebene Weise durch das Filter K getriebenen Flüssigkeit vermischt, und aus dem sie gleichfalls auf die angegebene Weise durch den Hahn 3 und die Röhre N in den für sie bestimmten Behälter B emporsteigt. Zum anderen Theile wird sie durch denselben Druk aus dem Raume E durch die Scheidewand S⁶ in den Raum U² getrieben, aus dem sie durch den Hahn 7 und durch die Röhre N in den Behälter B entweicht. Was die durch den Hahn 10 in den Raum L² eingetretene Flüssigkeit anbelangt, so wird sie durch den Druk der nachdrängenden Flüssigkeit durch die Scheidewand S⁸ in das Filtrirlager J und dann durch die Scheidewand S⁷ in den Raum U² getrieben, in welchem sie sich mit der durch das Filter I gedrungenen Flüssigkeit vermischt, und aus der sie durch den Hahn 7 und die Röhre N in den Behälter B entweicht. Ein ähnliches Resultat ergibt sich, wenn man die Hähne 4 und 8 für den Eintritt und die Hähne 1, 5 und 9 für den Austritt der Flüssigkeit eröffnet, dafür aber alle übrigen Hähne absperrt. Aus dem Gesagten wird man sich auch die Handhabung der verschiedenen Hähne an einem Apparate mit vier oder mehreren Filtrirlagern versinnlichen können. Es ist klar, daß im Allgemeinen eine gerade Zahl von solchen Filtrirlagern den Vorzug verdient; wäre der Apparat mit einer ungeraden Zahl, z.B. mit 3, ausgestattet, so wird die Filtration der an dem einen Ende des Apparates eingetretenen Flüssigkeit durch die drei Lager beschleunigt werden, wenn man die in der Röhre F befindliche Wassersäule mit dem zu beiden |120| Seiten des mittleren Filtrirlagers liegenden Raume communiciren läßt.

Die Reinigung meines Filtrirapparates geschieht auf folgende Weise. Ich schließe an einem Apparate, an dem, wie in der beigegebenen Zeichnung die Flüssigkeit in den Raum E eintritt, die Hähne 2, 4, 6, 8 und 10 und öffne dafür die Hähne V, T, so wie auch die Hähne 1 und 9. Die Folge hievon ist, daß die klare Flüssigkeit in einer Richtung durch die Filtrirlager getrieben wird, die jener, in welcher früher die unreine Flüssigkeit durch sie drang, entgegengesezt ist. Damit jedoch die Reinigung kräftiger von Statten gehe, öffne und schließe ich plözlich einige der Hähne 1, 3, 5, 7, 9; denn durch das plözliche Zuströmen und Absperren der Flüssigkeit entstehen Erschütterungen, und durch diese wird die Reinigung des Apparates sehr begünstigt. Zu demselben Zweke kann man auch die Hähne 2, 4, 8 und 10 plözlich schließen und öffnen. Da der Hahn T geöffnet ist, so entweicht die zur Reinigung der Filter verwendete Flüssigkeit durch ihn. An jenen Filtrirapparaten, an denen das Wasser nicht in den Raum E, sondern in andere Räume eingelassen wird, müssen Röhren vorhanden seyn, die diese Räume mit dem Gefäße P in Communication sezen. Das Reinigungsverfahren bleibt übrigens auch in diesem Falle dasselbe; denn die Flüssigkeit muß gleichfalls stoßweise durch den Apparat getrieben werden, wobei sie, wenn man will, bei dem Hahne T entweicht. Will man den Unrath, der sich in dem Gefäße P ansammelte, beseitigen, so braucht man nur den Hahn V abzusperren und dann das Gefäß auszuleeren.

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