Titel: Mitchell's Apparat zum Verdichten der Kohlensäure.
Autor: Mitchell, J. K.
Fundstelle: 1839, Band 72, Nr. XXXIV. (S. 132–140)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj072/ar072034

XXXIV. Beschreibung eines Apparates, um das kohlensaure Gas in flüssigen und festen Zustand zu versezen; von Dr. J. K. Mitchell.

Aus dem Journal of the Franklin Institute, Nov. 1838, S. 239.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Im Jahr 1823 erregten Faraday's gelungene Versuche mehrere sogenannte permanente Gase durch Compression in flüssigen Zustand zu versezen, die öffentliche Aufmerksamkeit in hohem Grade; so fand er z.B. daß das kohlensaure Gas bei 32° F. durch einen Druk von 36 Atmosphären zu einer Flüssigkeit verdichtet wird. Er stellte seine sinnreichen und kühnen Versuche in Glasröhren an und brachte den erforderlichen Druk durch die Entbindung des Gases selbst aus einem geeigneten Gemenge, innerhalb einer geschlossenen Röhre hervor. Hr. Brunel stellte bei seinen Versuchen, die comprimirten Gase als Triebkraft zu benuzen, anderthalb Pinten flüssige Kohlensäure dar, welche er selbst bei hohen Temperaturen in einer Reihe enger Messingröhren von nicht mehr als 1/30 Zoll Metalldike eingeschlossen erhielt.

Erst im December 1835 wurde dieser interessante Gegenstand wieder angeregt, indem es Hrn. Thilorier gelang, das kohlensaure Gas in Masse zu einer Flüssigkeit zu verdichten;17) er fand ebenfalls, |133| daß diese Flüssigkeit bei 32° F. nur unter einem Druk von 36 Atmosphären bestehen kann; bei dieser Temperatur ist ihr specifisches Gewicht 0,830; bei – 4° F. – 0,900 und bei 86° – 0,600. Sie dehnt sich also von 32° bis 86° F. um ihr 3,407faches Volum aus. Von 4° bis 32° F. ist ihre Ausdehnung fast genau gleich derjenigen der Gase. Hr. Thilorier fand auch, daß die Expansivkraft durch die Hize verändert wird, so daß sie bei 86° F. 73 Atmosphären beträgt und bei – 4° F. 26 Atmosphären. Die Dichtigkeit des über der Flüssigkeit bei 86° F. befindlichen Gases ist nach ihm 130 Mal so groß als die Dichtigkeit des unter dem Druk einer Atmosphäre eingeschlossenen Gases. Sein Druk beträgt daher bei 86° F. nicht viel über die Hälfte desjenigen, welchen seine Dichtigkeit anzeigen würde. Im flüssigen Zustande ist die Kohlensäure nach Thilorier nicht mit Wasser und fetten Oehlen mischbar, verbindet sich aber leicht mit Aether, Alkohol, Naphtha, Terpenthinöhl und Schwefelkohlenstoff. Kalium zersezt sie zwar, aber Blei, Eisen, Kupfer und andere leicht oxydirbare Metalle wirken nicht darauf.18)

Die wirkliche Temperatur eines aus dem Behälter ausströmenden Kohlensäurestrahls scheint von Thilorier unrichtig angegeben worden zu seyn, denn da die Temperatur der festen Kohlensäure bei ihrer Bildung nicht unter – 90° F. ist und jeder Dampf sowie jede Flüssigkeit im Moment des Uebergangs in den festen Zustand den höchsten mit der Existenz des festen Körpers noch verträglichen Temperaturgrad beibehält, so kann der Kohlensäurestrahl nicht unter seinen Gefrierpunkt fallen. Sogleich nach ihrer Entstehung fängt aber die schneeförmige Kohlensäure an kälter zu werden und kann an der Luft auf – 109° F. und unter dem Recipient der Luftpumpe auf – 136° sinken; durch Befeuchtung mit Aether sogar auf – 146°.

Um feste Kohlensäure zu erhalten, ließ Thilorier die flüssige Säure in eine Flasche oder eine Büchse entweichen; indem ein Theil derselben auf diese Art plözlich Gasform annahm, gefror der andere durch die hiebei entstandene Kälte. Die feste Kohlensäure ist weiß, leicht, außerordentlich kalt und verdampft an der Luft vollständig. Die Temperatur, wobei die Erstarrung der Kohlensäure Statt findet, |134| schäzt Thilorier auf beiläufig – 148° F.; die Versuche vor dem Ausschuß der Akademie ergaben jedoch nur –124°. Uebrigens hat Thilorier das Verfahren und den Apparat, womit er sich die flüssige Kohlensäure verschaffte, bis jezt noch nicht näher beschrieben.

Ich beschreibe im Folgenden einen von mir mit Beihülfe einiger Freunde construirten Apparat, womit ich die meisten Versuche Thilorier's zu wiederholen und einige seiner Resultate zu berichtigen im Stande war.

Derselbe (Fig. 1) besteht aus einem Kessel (Generator) von Gußeisen A, welcher in dem hölzernen Gestell B ruht; ferner einem Recipient F, ebenfalls aus Gußeisen, welcher durch eine messingene Röhre mit dem Kessel verbunden und durch den mit Schrauben versehenen Bügel K gut daran befestigt ist; H, I, J sind Sperrhähne; G ist die Mündung einer Röhre; L eine mit dem Behälter F verbundene Glasröhre und S, M, R (Fig. 2) ein Manometer.

Der Kessel ist 20 Zoll lang und hat außen 6 Zoll im Durchmesser. Innen ist er 16 Zoll tief und hat nahe 3 Zoll im Durchmesser, so daß er beiläufig 4 Pinten faßt. Das Metall ist also ungefähr 1 1/2 Zoll dik. Oben hat der Kessel eine Oeffnung von 2 Zoll Durchmesser, welche mit einer starken schmiedeisernen Schraube E verschlossen wird, die beiläufig einen Viertelszoll hineinreicht. Im Kopf der Schraube ist ein Loch, durch welches man eine lange und starke Eisenstange steken kann.

Der kupferne Napf N (Fig. 3) ist 1 3/4 Zoll weit und 9 Zoll lang; er faßt beiläufig 12 Unzen Wasser. Oben ist er mit einer kleinen Handhabe und am Boden mit einem Kupferdraht versehen, welcher nicht ganz so lang ist als der Hohlraum des Kessels. Dieser Napf dient zum Hineinbringen der Schwefelsäure.

Die messingene Röhre zwischen dem Kessel und dem Recipient ist in zwei Theile von gleicher Länge getheilt, welche mittelst eines kegelförmigen Gefüges vereinigt und durch den mit Schrauben versehenen Bügel K, K dicht erhalten werden können. Jeden dieser beiden Theile der Röhre kann man mit einem Sperrhahn öffnen oder sperren. Ein solcher Hahn befindet sich bei I und ein anderer bei J; nachdem man also den Recipient von dem Kessel abgesperrt hat, läßt sich der Inhalt in beiden zurükhalten. Die gewöhnlichen Sperrhähne widerstehen dem Druk nicht genug, daher man Schrauben-Sperrhähne anwenden muß. Sie sind so verfertigt, daß sie eine enge Oeffnung mittelst einer kegelförmigen Spize verschließen, und da sie einen doppelten Kegel haben, so kann, wenn auch der Hahn ganz offen ist, doch kein Gas an den Seiten der Schraube entweichen.

Der Recipient F faßt beiläufig eine Pinte. Die bei G rechtwinklich |135| umgebogene Röhre G, G reicht beinahe bis auf den Boden in dem Behälter F hinab. Der Sperrhahn H, G ist gerade so eingerichtet wie die bei I und J. L ist eine an jedem Ende mit einer messingenen Dille verbundenen Glasröhre, welche mit dem Innern von F communicirt; durch sie kann man das Niveau der Flüssigkeit in F beobachten.

Der Manometer (Fig. 2) zum Messen des Druks ist besonders eingerichtet. In eine schmiedeiserne Büchse S sind zwei Ansäze (Dillen) T und U eingeschraubt; jener reicht fast bis auf den Boden der Büchse hinab, die beinahe ganz mit Queksilber gefüllt ist. Durch die Achse der Schraube X geht eine enge Röhre in den Hohlraum von S und ist bis zum oberen Ende desselben fortgesezt, so daß sie über dem Queksilber steht. Zwei starke Barometerröhren R und M sind in U und W gekittet19) und an den oberen Enden hermetisch verschlossen. Diese Röhren sind genau graduirt. In einer derselben U läßt man beim Beginnen des Versuchs eine kurze Queksilbersäule bei Y stehen; die andere bleibt nebst ihrem Ansaz ganz mit Luft gefüllt. Durch eine sehr feine Schraube bei W kann man die Menge der Luft in T reguliren.

Der zinnerne Napf O (Fig. 4), worin man die feste Kohlensäure sammelt, wird mit einem Dekel Z verschlossen, durch welchen eine an ihrem oberen Ende mit vielen kleinen Löchern versehene Röhre P geht. Die Handhabe Q ist hohl, so daß sie in das Ende G der Röhre des Recipienten paßt. Damit man sich beim Anfassen derselben die Hand nicht erkältet, umwindet man sie gut mit Tuch.

Um den Apparat zum Gebrauch herzurichten, entfernt man die Schraube E und bringt 1 3/4 Pfd. Natron-Bicarbonat in den Kessel A, denen man 24 Unzen Wasser zusezt. Nachdem daraus durch Umrühren ein dünner Brei gebildet ist, gießt man 9 Unzen concentrirte Schwefelsäure in den kupfernen Napf N und läßt ihn mittelst eines eingehängten Drahts in den Kessel hinab. Nachdem dann die Schraube E fest zugezogen und der Sperrhahn J geschlossen worden ist, mischt man den Inhalt des Kessels unter einander, indem man ihn auf dem Lager D in dem hölzernen Gestell B, B in horizontale Lage herumdreht. Bei C ist eine Aufhaltstange. Diese Bewegung |136| muß mehrmals wiederholt werden. In beiläufig 10 Minuten ist alle Kohlensäure in Freiheit gesezt und befindet sich in A größtentheils in flüssigem Zustande.

Hierauf befestigt man durch den mit Schrauben versehenen Bügel K, K den vorläufig mit Eis abgekühlten Recipient F an dem Kessel, öffnet langsam die Hähne I und J und sogleich wird die flüssige Kohlensäure in der Röhre L bemerklich. Nach 10 Minuten kann die Verbindung mit dem Kessel abgesperrt werden und man wird dann ungefähr 8 Unzenmaaße flüssige Kohlensäure bei 32° F. in dem Recipient finden.

Läßt man diese Flüssigkeit durch die Röhre G in die Büchse O, so verwandelt sich ein großer Theil derselben augenbliklich in Gas, welches durch die Röhre P entweicht; die hiebei entstehende Kälte macht aber einen anderen Theil der Flüssigkeit erstarren, welcher auf den Boden von O fällt. Auf jede Unze Flüssigkeit erhält man beiläufig eine Drachme feste Substanz.

Das specifische Gewicht der festen Kohlensäure ist wegen ihrer Porosität und Flüchtigkeit schwer zu bestimmen. Gleich nach ihrer Entstehung hat sie ungefähr das Gewicht der kohlensauren Bittererde, und wenn man sie zwischen den Fingern stark zusammendrükt, wird ihre Dichtigkeit fast verdoppelt. Die feste Kohlensäure ist vollkommen weiß, von weichem und schwammigem Gefüge, schwach befeuchtetem und zusammengeballtem Schnee sehr ähnlich. Sie verdampft rasch und wird dabei immer kälter; die entstehende Kälte scheint jedoch ihre Verdampfung etwas zu vermindern, so daß die Masse einige Zeit aufbewahrt werden kann. Eine Quantität von 346 Gran verlor in der Minute anfangs 3–4 Gran, verschwand aber erst in 3 1/2 Stunden vollständig, während die Temperatur der Luft 76° bis 79° F. betrug. Wikelt man sie zusammengepreßt in Baumwolle oder Wolle ein, so kann man sie sehr leicht aufbewahren. Die Temperatur, welche sie sogleich nach ihrer Entstehung hat, ist nicht genau zu bestimmen, weil sie durch die Verdampfung augenbliklich erniedrigt wird. Thilorier scheint der Ansicht gewesen zu seyn, daß der größte Kältegrad zur Zeit der Bildung der festen Kohlensäure erzeugt wird; bei meinen Versuchen beobachtete ich aber eine beständige Abnahme der Temperatur, welche durch einen (die Verdampfung befördernden) Luftstrom beschleunigt wurde. Bei ihrer Entstehung macht die feste Kohlensäure den Thermometer auf ungefähr – 85° F. sinken. Wikelt man sie in Wolle oder rohe Baumwolle ein, so wird ihr abkühlender Einfluß verzögert; sezt man sie der Luft, besonders bewegter, aus, so fällt der Thermometer viel schneller und unter dem Recipient der Luftpumpe erreicht die Wirkung ihr Maximum. Die größte |137| Kälte, welche feste Kohlensäure an der Luft hervorbrachte, war – 109° F., unter einem luftleeren Recipient – 136°; dabei war die natürliche Temperatur auf + 86°.

Eine Beimischung von Schwefeläther, so daß sie wie feuchter Schnee aussah, vermehrte die Kälte, denn die Temperatur sank dann unter der Luftpumpe auf – 146° F.20); dieß ist der höchste Kältegrad, welchen ich erreichen konnte. Man erzielt denselben sehr leicht, wenn man ungefähr zwei Drachmenmaaße Aether in den eisernen Recipient bringt, ehe man ihn beschikt; es entsteht dann eine zusammengesezte Flüssigkeit, welche zwar nicht so viel Schnee liefert, aber viel leichter abkühlt. Anstatt Aether kann man auch Alkohol anwenden, welcher aber nicht so wirksam ist. An der Luft sank das alkoholische Gemisch auf – 106° F. und blieb auf diesem Grad. Als man es anhauchte, sank es auf – 110°; sich selbst überlassen stieg es langsam auf – 106°, unter einer luftleeren Glasgloke aber fiel es auf – 134°.

Alle meine Versuche, die feste Kohlensäure mit Wasser zu befeuchten, schlugen fehl.

Bringt man Queksilber in eine Grube, welche man in fester Kohlensäure gemacht hat, und bedekt es noch mit solcher, so gefriert es in wenigen Secunden. Fast augenbliklich erstarrt aber das Queksilber, wenn man es in einen Teig gießt, welchen man mit fester Kohlensäure und ein wenig Aether angemacht hat. Gefrornes Queksilber sieht aus wie Blei, ist weich und leicht zu zerschneiden; es ist dehnbar, hämmerbar und klingt nicht. In dem Augenblik, wo es anfängt zu schmelzen, wird es spröde oder kurz und bricht unter der Spize eines Messers. In flüssigem Queksilber sinkt gefrorenes schnell unter.

Bei ungefähr – 110° gefriert flüssige schweflige Säure und das Eis sinkt in seiner eigenen Flüssigkeit unter; bei – 130° erhält Alkohol von 0,798 spec. Gew. eine klebrige und öhlige Consistenz, welche bei größerer Kälte zunimmt und bei – 146° gleicht er geschmolzenem Wachs. Alkohol von 0,820 spec. Gewicht gefror leicht.

Schwefeläther wurde bei – 146° nicht im Geringsten verändert.

Drükt man ein Stük fester Kohlensäure an die Haut eines lebendigen Thieres, so vertreibt es die circulirenden Flüssigkeiten und verursacht einen großen weißen Flek; hält man es 15 Secunden hin, |138| so entsteht eine Blase und 2 Minuten später ein tiefer weißer Eindruk mit einem erhöhten Rande.

Das specifische Gewicht der flüssigen Kohlensäure kann man entweder dadurch bestimmen, daß man ein bestimmtes Maaß derselben in einer Röhre abwiegt und das Gewicht der Röhre, sowie des über ihr befindlichen Gases abzieht, oder mittelst kleiner Glaskügelchen. Nach lezterer Methode erhielt ich folgende Resultate im Vergleich mit denen von Thilorier:

Thilorier.
Temper. Fahr. Spec. Gew. Temp. Fahr. Spec. Gew.
32° 0,93 32° 0,83
43°,5 0,8825
51° 0,853
74° 0,7385
86° 86° 0,60

Das spec. Gewicht bei 32° F. wurde mehrmals und mit verschiedenen Kugeln bestimmt, wobei ich es stets gleich oder sehr nahe 0,93 fand, indem die Differenz nie auf 0,005 stieg; nach Thilorier ist das spec. Gewicht bei 32° = 0,83. Die Ausdehnung der Flüssigkeit, wie sie sich aus beiden Versuchsreihen ergibt, ist wirklich auffallend. Nach den meinigen werden 73,85 Theile, wenn die Temperatur von 32° auf 74°, also um 42° steigt, zu 93 Theilen und nehmen also um 19,15 Theile zu, so daß sich die Flüssigkeit beinahe dreimal so stark ausdehnt wie das kohlensaure und jedes andere Gas. Nach Thilorier nehmen 60 Theile durch eine Temperaturerhöhung von 54° um 23 Theile zu, während das gleiche Volum Luft unter denselben Umständen nur um 6,75 Theile zunehmen würde, so daß sich also die Flüssigkeit viermal so stark ausdehnen kann, als die Gasarten.

Da unter 32° F. oder bei vermindertem Druk eine Temperaturerhöhung bei weitem keine so bedeutende Ausdehnung bewirkt, so wird es wahrscheinlich, daß die flüssige Kohlensäure unter dem Gewicht von wenigen Atmosphären, wie z.B. wenn sie dem Gefrierpunkt nahe ist, sich durch die Wärme kaum mehr ausdehnt als Wasser. Zwischen – 4° und + 32° beträgt ihre Ausdehnung 0,053, während die der Luft 0,069 ist. Diese Thatsachen machen eine Untersuchung wünschenswerth, ob das Wasser bei sehr hoher Temperatur und sehr hohem Druk vielleicht eine ähnliche bedeutende Ausdehnung erleidet, so daß, wenn sich ein stark erhizter Dampfkessel plözlich damit füllt, bisweilen Explosionen entstehen müssen.

Thilorier gibt den Druk des kohlensauren Gases, wenn es sich über flüssiger Kohlensäure befindet, für 32° F. zu 36 und für |139| 86° zu 73 Atmosphären an. Mittelst des Manometers S, M, R fand ich den Druk folgendermaßen:

32° 36 Atmosphären.
45° 45 –
66° 60 –
86° 72 –

Bei der Einrichtung des Manometers kann man den Druk mit großer Genauigkeit bestimmen; denn da die eine Röhre M den Druk vom Anfang eines Versuches zu bezeichnen beginnt und das Queksilber in der anderen R nicht merklich steigt, bis die erste Röhre einen Druk von mehreren Atmosphären angezeigt hat, so ist die zweite Röhre das Aequivalent einer Röhre von ihrer mehrfachen Länge. Die erste Röhre bestimmt die Größe des Druks, wobei das Queksilber den Anfangspunkt auf der zweiten erreicht und die zweite zeigt hierauf die Multiplicatoren desselben an. Wenn z.B. das Queksilber in M auf fünf Atmosphären ist, und dabei am Einheitszeichen in R, so ist der Werth dieser Einheit Fünf und die den Druk in R anzeigenden Zahlen müssen also mit Fünf multiplicirt werden; R leistet also dieselben Dienste wie eine fünfmal so lange Röhre. Auf diese Art lassen sich sehr kurze Röhren zur Bestimmung eines sehr hohen Druks anwenden. Ungleichheiten in der Temperatur, Unregelmäßigkeiten im Kitt und andere Ursachen können die Capacität des Ansazes T, W abändern, da aber M immer die Einheit für R bezeichnet, so können diese Ursachen keinen Irrthum veranlassen. Natürlich muß das Gewicht der Queksilbersäule in R noch zu dem Product addirt werden. Es ist auch darauf zu achten, daß die Temperatur des die Flüssigkeit enthaltenden Gefäßes niedriger ist, als die des Manometers, weil sich sonst durch Verdichtung Flüssigkeit in den Röhren erzeugt. Dieß begegnete mir auch bei einem Versuche den Druk bei 86° F. zu bestimmen, als die natürliche Temperatur 75° war. Man sah Gasblasen durch eine Flüssigkeit in M bis auf ihre Oberfläche, wenige Zoll unter dem Queksilbercylinder aufsteigen. Für die Glasröhren läßt sich dieß dadurch vermeiden, daß man den Ansaz von M bis in das Queksilber der Schale hinab verlängert, so daß ein Cylinder atmosphärischer Luft zwischen zwei Queksilbercylindern eingeschlossen wird und also gar kein kohlensaures Gas in den Ansaz oder die Glasröhre treten kann. In diesem Falle muß natürlich eine Correction für das Gewicht dieser Säule gemacht werden.

Wenn man eine Glasröhre, welche an einem Ende luftdicht verschlossen, am anderen aber in einen messingenen Ansaz mit Schraube eingekittet ist, an einem beschikten Recipient anbringt und mit Schnee oder zerstoßenem Eis abkühlt, so kann man flüssige Kohlensäure darin |140| sammeln. Dieselbe ist vollkommen farblos und durchsichtig, und man sieht die vorläufig hineingebrachten Glaskugeln (welche das spec. Gew. anzeigen) darin auf- und absteigen, sowie sich die Temperatur ändert. Oeffnet man die so beschikte Röhre, so kommt die Flüssigkeit in heftige Bewegung, entweicht rasch, wird immer kälter und endlich verwandelt sich der Rükstand in feste Kohlensäure, welche ziemlich weiß, dichter als die auf andere Art erhaltene und sehr porös ist. Kühlt man die Röhre in einem Teige aus schneeartiger Kohlensäure und Aether ab, so erstarrt die Flüssigkeit zu einer Masse, welche nicht porös ist, aber in der Flüssigkeit, die durch Schmelzen des festen Körpers wieder gebildet wird, niedersinkt.

Bringt man in solche Röhren vorher Wasser, Aether, Alkohol, Oehle etc. und füllt sie dann mit flüssiger Kohlensäure, so lassen sich die eintretenden Erscheinungen leicht beobachten. Da das Wasser schwerer ist, so bleibt es unter der neuen Flüssigkeit und scheint sich sogar an der Berührungsfläche nicht damit zu vermischen, denn wenn man die Kohlensäure austreten läßt, zeigen sich keine Blasen im Wasser und dasselbe erstarrt auf seiner Oberfläche zu festem Eis.

Bringt man Alkohol oder Aether hinein, so sinkt die entstehende flüssige Kohlensäure in Strömen durch sie hinab, macht sie aber bald durch ihre Beimischung milchig. Die Beseitigung des Druks verursacht ein heftiges Aufbrausen, und gleich darauf sieht man den klaren, farblosen Aether oder Alkohol allein in der Röhre, indem kein fester Körper gebildet wird. War in dem Alkohol Schelllak aufgelöst, so schlägt ihn die Säure in leichten weißlichen Floken nieder, welche sich sogleich wieder auflösen, wenn man die Säure entweichen läßt. Es bleibt nur die durch den Lak braun gefärbte Flüssigkeit zurük.

Wenn die Flüssigkeit in einer Glasröhre gefroren ist, kann man dieselbe am Löthrohr zuschmelzen. Eine solche Röhre enthält immer flüssige oder gasförmige Kohlensäure; flüssige, wenn eine hinreichende Menge davon vorhanden ist, bei allen Temperaturen, – sonst aber bei hohen Temperaturen bloß gasförmige. Ich besize eine solche Röhre, welche sich bei 56° F. mit Feuchtigkeit beschlägt, und worin die Flüssigkeitssäule mit der Abnahme der Temperatur immer zunimmt. Bei 35° ist dieselbe ungefähr einen halben Zoll lang.

Es ist nicht sehr wahrscheinlich, daß man die Kohlensäure als mechanische Triebkraft wird anwenden können, indessen hat das Franklin Institute einen Ausschuß mit der Prüfung dieses Gegenstandes beauftragt, damit man hierüber die genaue Wahrheit erfahre und unsere Landsleute in dieser Hinsicht nicht Zeit und Talent unnüz verschwenden.

|132|

Polyt. Journal Bd. LVIII. S. 313.

|133|

Eine der merkwürdigsten Erscheinungen, welche Hr. Thilorier beobachtete, ist die große Kälte, welche entsteht, wenn man die flüssige Kohlensäure plözlich in gasförmigen Zustand übergehen läßt, indem man sie von dem Druk befreit, welcher sie in flüssigem Zustand erhielt. Durch einen Strom derselben sank der Thermometer auf – 130° F. und ein Gemisch des flüssigen Gases mit Schwefeläther brachte eine noch größere Temperaturerniedrigung hervor.

A. d. O.

|135|

Diesen Kitt bereitete ich mir, indem ich 3 bis 4 Theile Schelllak mit 1 Th. weißem oder rohem Terpenthin bei möglichst niedriger Temperatur zusammenschmolz, so daß keine Blasen im Gemisch entstanden. Derselbe ist sehr stark, wenn man aber die Hize nicht mit großer Sorgfalt regulirt, entstehen darin durch die Verdampfung des Terpenthins Haarröhrchen. Lezterem Fehler läßt sich auf die Art abhelfen, daß man nach dem Erkalten die äußere Kittmasse wegschneidet und etwas Kitt aufgießt, welcher schon bei einer viel niedrigeren Temperatur schmilzt, so daß die Poren verschlossen werden.

A. d. O.

|137|

Da – 146 + 32 = 178, so ist die Kälte fast eben so weit unter dem Eispunkt als 212 – 32 = 180 über ihm ist.

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