Titel: Cooke's und Wheatstone's galvanischer Telegraph.
Autor: Cooke, William Fothergill
Wheatstone, Charles
Fundstelle: 1839, Band 72, Nr. XLVII. (S. 213–221)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj072/ar072047

XLVII. Beschreibung eines Verfahrens, um mittelst elektrischer Ströme an entfernten Orten Signale zu geben, worauf William Fothergill Cooke am Breed's Place, Grafschaft Surrey, und Charles Wheatstone in Conduit Street, Grafschaft Middlesex, am 12. Jun. 1837 in England ein Patent erhielten.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions, Januar 1839, S. 1, und Februar, S. 94.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

(Beschluß von H. 2, S. 144.)

Die Leitungs- oder telegraphischen Drähte können, nachdem sie mit einem geeigneten harzigen Firnisse überzogen wurden, in Canäle gestekt werden, die in einem vierekigen Balken angebracht sind, worauf man sie noch mit einer dachförmig gestalteten Latte bedekt. Man sieht diese Anordnung in Fig. 21, Abtheilung III, abgebildet, und sie ist für den Fall bestimmt, wenn man die telegraphischen Drähte auf Pfosten, die im Boden eingeschlagen sind, befestigen will.

Fig. 22 ist ein Durchschnitt eines anders gestalteten Balkens, worin ebenfalls für jeden Draht ein besonderer Canal angebracht ist; diese Form eignet sich besonders, wenn die Drähte unter den Boden gelegt werden sollen.

Man kann auch die ganze Anzahl der gefirnißten Leitungsdrähte in einen Bündel vereinigen, indem man sie mit grobem Garne umwikelt und dann theert; ein solcher Bündel wird in eine eiserne Röhre eingeschlossen, wie man sie in Fig. 23 abgebildet sieht.

In Fig. 24 ist ein Balken oder eine hölzerne Schiene abgebildet, worauf die Drähte liegen, ohne daß Canäle für sie angebracht wären; hingegen sind sie mit einem eisernen Halbcylinder bedekt, welcher in das Holz eingelassen und darauf gekittet ist.

Die in Fig. h, i, j, Abtheilung I, abgebildeten Knöpfe und Tasten sind anders construirt, als es im Vorhergehenden beschrieben wurde, indem sich die Dillen für die Stiele der Knöpfe nicht in den Tasten selbst, sondern in den zwei Polstangen 26 und 36 befinden, welche leztere sich über den Tasten anstatt unter denselben befinden, und an jedem Ende auf einem auf dem Tastenbrette 18 stehenden Beine aufruhen.

Der in der Abtheilung I abgebildete Apparat gibt alle Signale nur durch die gleichzeitige Bewegung zweier Nadeln, weil jeder der fünf Leitungsdrähte sich um eine der fünf Nadeln auf jeder Scheibe windet, so daß durch ein beliebiges Paar der fünf Drähte immer |214| zwei Nadeln gleichzeitig in Thätigkeit versezt werden. Um jedoch gelegentlich Signale durch eine einzige Nadel geben zu können, muß man noch einen sechsten Draht haben, welcher sich von einer Station zur anderen erstrekt, ohne Windungen um eine Nadel zu machen, und die zwei Enden dieses Drahtes müssen mit einer sechsten Taste verbunden werden, die man der Tastenreihe an jeder Station noch beifügt; leztere Taste wird gerade so wie die übrigen mit zwei Knöpfen versehen. Die sechste Taste kann am Anfange der Reihe der fünf beschriebenen neben der ersten Taste angebracht werden, welche in Fig. H und h, Abtheilung I, mit 31 bezeichnet und mit den Knöpfen 41 und 51 versehen ist; wir wollen die sechste Taste mit 30, ihre zwei Knöpfe, welche als die Nullen der Reihe betrachtet werden können, mit 40 und 50, und den sechsten Draht mit 20 bezeichnen. Es ist klar, daß wenn man einen der Knöpfe 40 und 50 niederdrükt, keine Nadel dadurch bewegt wird; drükt man aber zugleich irgend einen anderen Knopf nieder, so wird sich die ihm angehörige Nadel bewegen, und zwar in der einen oder anderen Richtung, je nach der Reihe, worin der Knopf liegt. Auf der Scheibe Fig. A läßt sich zwar keiner ihrer zwanzig Buchstaben durch eine einzige Nadel signalisiren, man kann aber auf ihrem Rande eine Reihe Ziffern mit rother Schrift verzeichnen, so daß, wenn nur eine Nadel auf Einmal geneigt wird, sie auf eine der rothen Ziffern 1, 2, 3 etc. zeigt. Anstatt sechs Leitungsdrähten kann man auch nur fünf Drähte und fünf Tasten mit zehn Knöpfen benuzen, wie es in Fig. H und h abgebildet ist, aber die fünfte Taste 35 und den Draht 25, welcher mit keiner Nadel verbunden wird, als Nullen betrachten; es wird nämlich eine der fünf Nadeln auf jeder Scheibe ausgelassen und nur vier derselben gebraucht; man sieht eine solche Scheibe, welche sich sowohl zum Signalisiren mit nur einer, als auch mit zwei Nadeln eignet, in Fig. Z, Abtheilung III, abgebildet.

Fig. Y, Abtheilung I, zeigt eine Methode eine Magnetnadel 7 abzulenken; wir nehmen an, sie gehöre zur Scheibe Fig. A, und die in Fig. Y abgebildeten Theile befänden sich hinter dem senkrechten Scheibenbrette A an der Stelle der in Fig. D bis G abgebildeten Rahmen 10. U, U, Fig. Y, sind zwei Hufeisenmagnete, wovon sich einer über der Nadel 7 und der andere unter ihr befindet, beide aber in derselben Ebene, worin sich die Nadel zu bewegen hat: die vier Enden der zwei Hufeisen kommen den stritten Aufhältern 14, 14, durch welche die Ablenkung der Nadel auf jeder Seite begränzt wird, sehr nahe. 21 ist der auf die Nadel 7 wirkende Leitungsdraht, welcher sich in Spiralen um die vier Enden der zwei Hufeisen U, U windet; nachdem er nämlich eine hinreichende Anzahl von Umwindungen |215| um den Schenkel r des oberen Hufeisens gemacht hat, läuft er zum anderen Schenkel s desselben hinüber, macht eine gleiche Anzahl von Umwindungen, geht dann zum einen Schenkel t des unteren Hufeisens herab, und nach einer hinreichenden Umwindung desselben zum anderen Schenkel v etc. Wenn nun ein elektrischer Strom durch den Draht 21 und alle seine Umwindungen r, s, t, v geht, so wird die Nadel 7 aus ihrer senkrechten Lage so weit abgelenkt, als es die Aufhälter 14 gestatten, und zwar in der einen oder anderen Richtung, je nach der Richtung des Stromes. Unterbricht man den Strom, so hört der Magnetismus der zwei Hufeisen auf, und die Nadel, deren unteres Ende schwerer als das obere ist, kehrt wieder in ihre senkrechte Stellung zurük. Die zwei Hufeisen U, U sind an der Rükseite des senkrechten Brettes A gehörig zu befestigen, die vier Enden ihrer Schenkel dürfen aber der Nadel, nachdem sie die höchste Abweichung erreicht hat, nicht zu nahe liegen, um nicht störend auf ihre Rükkehr einzuwirken. Die Nadel 7, Fig. Y, entspricht der inneren Nadel 7, Fig. E, E; aber die äußere Nadel von Fig. Y, welche sich auf der Vorderseite der Scheibe befindet, ist bloß ein Zeiger aus Messing oder Kupfer und keine Magnetnadel.

Wir wollen nun die Vorrichtung beschreiben, um mittelst elektrischer Ströme an entfernten Orten Lärmsignale zu geben. In Fig. R [Fig. ist auf bezeichneter Tafel nicht vorhanden.] , Abtheilung II, ist n ein Uhrwerk mit einer Gloke q, die durch einen Hammer angeschlagen wird, auf welchen ein Räderwerk wirkt; das Räderwerk wird entweder durch Federkraft oder ein Gewicht an aufgewundener Schnur umgedreht und kann durch einen auf einer horizontalen Achse k angebrachten Sperrer p, welcher in irgend einen Zahn des Rades l eingreift, augenbliklich in seiner Bewegung gehemmt werden; es handelt sich hiebei nur darum, den Sperrer p mittelst elektrischer Ströme ein- und auszuheben, wo dann, so oft er den Zahn des Rades verläßt, die Gloke läuten wird. K bedeutet eine Volta'sche Batterie, welche bloß aus einem flachen, mit gesäuertem Wasser gefüllten Gefäße besteht, worin eine Zinkplatte aufgehängt ist. 21 ist ein Leitungsdraht, welcher von einem, in diesem Falle dem positiven Pol 27 der Batterie ausgeht, sich zuerst um den einen und dann um den anderen Schenkel eines Hufeisens U windet, wie es in Fig. S, Abtheilung II, abgebildet ist und dann zu einer geeigneten Stelle fortläuft, wo eine Person das Lärmsignal geben kann; dort ist er mit einer Taste 31 verbunden, deren eines Ende fixirt ist, das andere aber niedergedrükt und dadurch mit einer unter ihm befestigten Polstange 26 in Berührung gebracht werden kann, von welcher ein anderer Leitungsdraht 22 zum negativen Pol 37 der Batterie K ausläuft. Wenn die Taste 31 nicht angedrükt |216| wird, springt sie durch ihre eigene Elasticität auf, so daß sie ihre Polstange 26 nicht berührt und also keine Kette gebildet wird; so lange dieß der Fall ist, wird der Sperrer p des Uhrwerks durch seine eigene Feder m im Zahne des Rades l erhalten, so daß die Gloke nicht angeschlagen wird; durch das untere Ende des Sperrers p geht aber horizontal und parallel mit der Achse p eine Masse weichen Eisens V, deren beide Enden den Enden eines Hufeisens U entgegengesezt und in geringer Entfernung davon befindlich sind, wie es in Fig. 8, Abtheilung II, perspektivisch abgebildet ist; da aber weder das Stük V noch das Hufeisen U magnetisch ist, so ziehen sie einander nicht an. Die Person, welche das Lärmsignal zu geben beabsichtigt, braucht nur die Taste 31 niederzudrüken, so daß dieselbe ihre Polstange 26 berührt, wo dann die erforderliche Kette hergestellt ist und ein elektrischer Strom durch den Leitungsdraht 21 geht, dessen Windungen um die Schenkel des Hufeisens U dasselbe (für diese Zeit) magnetisch machen, so daß es das eiserne Stük V am unteren Ende des Sperrers p anzieht, welches jedoch die Enden des Hufeisens dabei nie ganz berühren kann; das obere Ende des Sperrers wird hiebei aus dem Rade l gehoben, worauf der Lärmapparat seine Gloke anschlägt. Beim Niederdrüken der Taste 31 wird der Lärmapparat so lange forttönen, bis sein Gewicht oder seine Feder abgelaufen ist; läßt man aber die Taste 31 nach, so daß sie aufspringen und von ihrer Polstange 26 sich trennen kann, so wird der Strom unterbrochen, der temporäre Magnetismus des Hufeisens hört auf und es zieht das Eisenstük V nicht länger mehr an, sondern die Feder m des Sperrers p zieht das Stük V von dem Hufeisen U weg und bringt das obere Ende des Sperrers p in einen Zahn des Rades l, so daß er dessen Bewegung hemmt und folglich das Lärmsignal aufhört. Damit sich die Enden des eisernen Stükes V und diejenigen des Hufeisens U nicht berühren können, beschränkt man entweder die Bewegung des Sperrers p um seine Achse k durch geeignete Aufhälter, oder bringt in den Enden des Stükes V kupferne Hervorragungen an, die dann in Berührung mit dem Eisen kommen dürfen.

32, 26, Fig. R [Fig. ist auf bezeichneter Tafel nicht vorhanden.] , stellen die Taste und Polstange eines Duplicats vor; jene ist mit einem Nebendrahte von dem Leitungsdrahte 21 aus und diese mit einem ähnlichen, zum Leitungsdrahte 22 gehenden versehen.

Bisweilen dürfte die Länge der Leitungsdrähte 21, 22 so groß werden, daß der im Hufeisen U erregte Magnetismus das eiserne Stük V nicht mehr stark genug anziehen kann, um den Sperrer p aus dem Zahne des Rades l auszulösen; in solchen Fällen ist der |217| Apparat Fig. S vorzuziehen, worin die Volta'sche Batterie K, das Hufeisen U und das eiserne Stük V beibehalten sind, aber anstatt daß man einen Draht von der Batterie K zum entfernten Plaze leitet, wo eine Person das Lärmsignal erwartet, und von dort wieder zurük zur Batterie K, dient hier die Batterie nur dazu, um gelegentlich das Hufeisen U mittelst eines nicht sehr langen Drahtes magnetisiren zu können, indem ein beträchtlicher Theil der Drahtlänge in den Windungen um die Schenkel des Hufeisens angehäuft ist. Den elektrischen Strom, welcher durch den langen, zu der entfernten Station führenden Draht geleitet werden soll, erhält man durch eine besondere Batterie M, Fig. S, und derselbe wirkt nicht direct auf die Lärmvorrichtung, sondern er dient, um die andere Batterie K in Thätigkeit zu bringen, damit sie auf die bereits beschriebene Art das Lärmsignal hervorbringt. Die Batterie M und der elektrische Strom, welcher von ihr durch die lange, aus den Leitungsdrähten 24 und 25 gebildete Kette geht, bringt also die erforderliche Berührung zwischen den Enden der Drähte 21 und 22, Fig. S, hervor, so daß sie eine Kette bilden, damit ein elektrischer Strom vom positiven Pol 27 der Batterie K durch den Draht 21 und dessen Windungen um die zwei Schenkel des Hufeisens U und wieder zurük durch den Draht 22 zum negativen Pol 37 derselben Batterie gehen kann. Diese Verbindung wird dadurch bewirkt, daß man die zwei Enden einer kleinen Gabel 60, Fig. S, in zwei kleine Schalen 61, 62 hinabläßt, die sich am oberen Ende zweier aufrechten Pfeiler 21, 22 befinden, welche als Verlängerungen der Drähte 21, 22 betrachtet werden können. Jede Schale enthält ein wenig Queksilber, und wenn die Gabel darin untertaucht, verbindet sie die Drähte 21, 22 zu einer Kette, wodurch der Lärmapparat ebenso gut in Thätigkeit versezt wird, als beim Niederdrüken der Taste 31, Fig. R [Fig. ist auf bezeichneter Tafel nicht vorhanden.] ; beim Aufheben der Gabel wird hingegen die Kette unterbrochen und der Lärmapparat hört ebenso zu wirken auf, wie beim Loslassen der Taste 31. Man begreift nun leicht, wie die kleine Gabel 60 dadurch gehoben und gesenkt wird, daß man einer Magnetnadel durch einen von der entfernten Batterie M hergeführten elektrischen Strom Bewegung ertheilt. Die Gabel 60 ist aus einem Ende des Hebels 63, 64 gebildet, welcher auf der horizontale Achse 65 einer Magnetnadel befestigt ist, die sich in den Umwindungen befindet, welche der Draht 8 um einen Rahmen 10 gerade so macht, wie es bei Fig. D, G, Abtheilung I, beschrieben wurde. Hier findet nur der Unterschied Statt, daß die Achse 65 der Nadel, anstatt an ihren Enden auf Zapfen zu liegen, durch ausgespannte Pferdehaare aufgehängt ist, welche horizontal in der Verlängerung der Achse 65 |218| von jedem Ende derselben zu kleinen Regulirschrauben 66,66 ausgestrekt sind, die sich an den oberen Enden zweier kleinen Ständer 67,67 befinden, welche auf derselben hölzernen Basis wie die aufrechten Pfeiler 21, 22 für die Schalen 61, 62 errichtet sind; der Rahmen 10 für die Drahtwindungen 8 befindet sich auch auf derselben Basis. Der Rahmen ist aber nicht wie bei Fig. D aus zwei Theilen zusammengesezt, sondern besteht nur aus einem Stük, und von demselben geht horizontal eine kleine Röhre aus, welche die Achse 65 der Nadel aufnimmt und die Drahtwindungen 8 von der Achse entfernt hält. Der Hebel 63,64, woran sich die Gabel 60 befindet, ist rechtwinklich auf der Achse 65 und bildet auch mit der im Rahmen 10, Fig. S, verborgenen Magnetnadel einen rechten Winkel. Das Ende 64 dieses Hebels hat ein kleines Gewicht, welches das Gewicht der Gabel 60 überwiegt, so daß es dieselbe so weit aus den Schalen 61, 62 emporhebt, als es der Aufhälter 14 gestattet, wenn kein elektrischer Strom durch die Windungen 8,8 geht; aber die zwei Enden des Drahtes 8, welcher die Windungen macht, sind bei 75, 76 mit den Enden der zwei langen Leitungsdrähte 24 und 25 verbunden, wie man es deutlich in Fig. S sieht. Der Draht 24 ist mit dem positiven Pol 87 der Batterie M verbunden; und von dem negativen Pol 97 derselben geht ein Verbindungsdraht 36 zur Taste 31 und Polstange 26. Unter dieser Taste ist der Draht 25 damit verbunden, so daß beim Niederdrüken der Taste, wodurch sie mit ihrer Polstange in Berührung kommt, die zwei langen Leitungsdrähte 24 und 25 zu einer Kette vereinigt werden; der elektrische Strom geht nun vom positiven Pol 87 der Batterie M durch den langen Leitungsdraht 24 zum Knopfe 75, dann durch den Draht 8, welcher um den Rahmen 10 der Magnetnadel gewunden ist, von dort zum Knopfe 76, daselbst in den anderen langen Leitungsdraht 25 zur Polstange 26 und ihrer Taste 31, endlich durch den Verbindungsdraht 36 zum negativen Pol 97 der Batterie. Hiebei wird die Magnetnadel von ihrer senkrechten Stellung so weit abgelenkt, daß sie die Gabel in die Schalen treibt, wodurch das Lärmsignal erfolgt; läßt man aber die Taste 31 los, so wird die Kette und somit die Einwirkung des elektrischen Stroms auf die Magnetnadel unterbrochen, und die Gabel muß durch das Gewicht 64 aus den Schalen so weit emporsteigen, als es die Aufhälter 14 gestatten, worauf das Lärmsignal aufhört.

Auf folgende Art läßt sich die Gasentbindung bei der Zersezung des Wassers durch den elektrischen Strom benuzen, um mittelst des Uhrwerks ein Lärmsignal zu geben: A, B in Fig. Q, Abtheilung II, ist ein gläsernes Gefäß, welches wie ein umgekehrter Heber aussieht, |219| dessen einer Schenkel A aber viel weiter als der andere B ist. Der untere Theil des Hebers wird mit Queksilber so hoch angefüllt, daß eine hinreichende Communication zwischen den zwei Schenkeln hergestellt ist, und auf das Queksilber in dem weiten Schenkel A gesäuertes Wasser gegossen. Der obere Theil des Schenkels A ist mit einem Dekel C verschlossen und zwei Platindrähte 75,76 gehen horizontal durch das Glas mitten in das Wasser, worin ihre Enden aufwärts gebogen sind. Die zwei Drähte 75, 76 entsprechen den eben so bezeichneten in Fig. S, und die im Wasser befindlichen Theile derselben entsprechen den Umwindungen 8,8 der Magnetnadel in Fig. S; denn wenn ein elektrischer Strom durch den Draht 75 zum Drahte 76, deren Enden im Wasser einander nicht berühren, geleitet wird, so zersezt er das Wasser in Sauerstoff- und Wasserstoffgas, welche als Blasen in der Flüssigkeit aufsteigen, sich über dem Wasser unter dem Dekel C anhäufen, dann auf die Oberfläche des Wassers drüken und dadurch das Queksilber in dem engen Schenkel B so lange hinauftreiben, bis es das Ende des anderen Platindrahtes 61, welcher in dem engen Schenkel hinabreicht, berühren kann. Dieser Draht 61 entspricht der Schale 61 in Fig. S, und es ist noch ein anderer Platindraht 62 vorhanden, dessen Ende durch den unteren Theil des Glases geht, so daß es immer im Queksilber stekt. Durch diesen Apparat kann man einen elektrischen Strom, welcher durch einen sehr langen Draht geht und folglich nur schwach wirkt, seine Wirkung so lange fortsezen lassen, daß sie endlich hinreicht, die erforderlichen Berührungen herzustellen, wodurch eine Lärmbatterie zu dem in Fig. S beschriebenen Zwek in Thätigkeit versezt werden kann. Während man also bei Fig. S die Knöpfe 75 und 76 mit einander verband, verbindet man bei Fig. Q die Enden der Drähte 75 und 76, und anstatt der zwei Schalen 61 und 62 in Fig. S verbindet man in Fig. Q die Enden der zwei Drähte 61 und 62, worauf der Apparat Fig. Q die Berührung zwischen dem Ende des Drahtes 62 und des Drahtes 61 herstellt. Nachdem dieses geschehen und somit das Lärmsignal erfolgt ist, kann sich die Berührung nicht sogleich von selbst aufheben, weil sich das Gas noch einige Zeit in dem oberen Theile des weiten Schenkels anzuhäufen fortfährt; die Person, deren Aufmerksamkeit durch das Lärmsignal erregt worden ist, muß daher mit dem Finger ein kleines Ventil d im Dekel der Röhre A öffnen, um das Gas auszulassen, worauf das Queksilber auf gleiche Höhe in beiden Schenkeln gelangt und unter den Draht 61 sinkt, wodurch die Kette unterbrochen wird.

Da die langen Leitungs- oder telegraphischen Drähte, welche man bei den verschiedenen Apparaten anwendet, an einer Stelle brechen oder beschädigt werden können, so muß man ein Verfahren besizen, |220| wodurch sich die Stelle, wo die Beschädigung erfolgte, leicht ausmitteln läßt, ohne daß man eine große Länge der eisernen Röhren, Balken oder hölzernen Schienen, worin die Drähte eingeschlossen sind, zu öffnen braucht. Die besonderen Drähte, welche verlezt wurden, machen sich dadurch kenntlich, daß die ihnen entsprechenden telegraphischen Nadeln an den zwei Stationen nicht mehr gehörig in Thätigkeit kommen. In bestimmten Zwischenräumen längs der Linie sollte daher jeder Leitungsdraht mit einem kurzen Seitendrahte versehen seyn, welcher von ihm ausgeht und an einen sicheren Plaz reicht, wo man zu den Enden aller dieser Seitendrähte gelangen kann, wenn es nöthig ist sie zu probiren, um zu erfahren, ob sie unversehrt sind. Die Seitendrähte dienen dazu, um je zwei Leitungsdrähte mit einem Instrumente verbinden zu können, welches wir den Probirer nennen wollen. Auf der Tafel sind zweierlei Probirer abgebildet. Der in Fig. W, Abtheilung III, besteht aus einem Multiplicator mit seinen Magnetnadeln, welcher auf einem Stativ steht und in ein hölzernes Gehäuse mit gläserner Vorderseite eingeschlossen ist; jedes der zwei Enden 8,8 von den Drahtwindungen, welche aus dem Instrumente hervorragen, ist mit einer metallenen Klammer versehen, um damit die Enden zweier Seitendrähte gehörig verbinden zu können, worauf das Instrument also mit den zwei Leitungsdrähten, deren Seitendrähte damit vereinigt wurden, eine geschlossene Kette bildet.

Der andere Probirer, Fig. L, besteht aus einer Glasflasche auf einem hölzernen Stativ, welche zwei von einander getrennte Platindrähte p, p enthält, deren hervorstehende Enden an Kupferdrähte gelöthet sind, wovon jeder am Ende mit einer metallenen Klammer versehen ist. Die Flasche wird, wenn man den Apparat gebraucht, mit verdünnter Schwefelsäure fast ganz gefüllt.

Sollen nun z.B. die zwei Drähte 21, 22 (Fig. W, Abtheilung III), welche sich von einer Station zur anderen erstreken und wovon einer, wie wir voraussezen, bei h brach, probirt werden, so muß man, um die Stelle h ausfindig zu machen, die an einer Station befindlichen Enden der zwei Drähte mit den entgegengesezten Polen der Batterie an dieser Station verbinden. Die Person, welche den Zustand des Leitungsdrahtes, wovon man weiß, daß er gebrochen ist, zu untersuchen hat, verfügt sich an die der Station zunächst gelegene Stelle, wo von dem Leitungsdrahte eine Reihe Seitendrähte ausgeht, und hängt daselbst die Drähte 8,8 eines der beschriebenen Probirer an die Enden der Seitendrähte k, k, welche den mit den Polen der Batterie verbundenen Leitungsdrähten 21, 22 angehören. Wenn der Fehler zwischen der Station und dieser ersten Probirstelle |221| nicht existirt, so wirkt der Probirer an dieser Stelle; wurde nämlich der Probirer W gebraucht, so wird seine Nadel abgelenkt werden, und benuzte man den Probirer L, so entbinden sich durch Zersezung des Wassers Gase an den Platindrähten. Der Probirer muß dann zur nächsten Probirstelle gebracht werden, wo Seitendrähte vorhanden sind, und so fort, bis man an eine Stelle kommt, wo er nicht mehr wirkt und wo sich also der Fehler vorfinden wird, wenn man die Röhren oder Gehäuse, worin die Leitungsdrähte eingeschlossen sind, öffnet.

Fig. ist auf bezeichneter Tafel nicht vorhanden.
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