Titel: Bottomley's verbesserte Webestühle.
Autor: Bottomley, Edwin
Fundstelle: 1839, Band 72, Nr. LVI. (S. 270–272)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj072/ar072056

LVI. Verbesserungen an den mechanischen und Handwebestühlen, worauf sich Edwin Bottomley, Tuchmacher von South Croßland in der Grafschaft York, am 13. Septbr. 1838 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions. April 1839, S. 219.

Mit Abbildungen auf Tab. V.

Meine Verbesserungen an den mechanischen und Handwebestühlen bestehen in einem gewissen Mechanismus oder Apparate, welcher während des Webens eine mehr regel- und gleichmäßige Abgabe der Kette von dem Kettenbaume bewirkt. Die Zeichnung, deren Beschreibung nun gleich folgen soll, wird diesen Apparat versinnlichen.

Fig. 33 zeigt einen Aufriß des Rükens eines Stuhles für die Wollenweberei, an welchem meine Verbesserungen angebracht sind.

Fig. 34 und 35 sind seitliche Ansichten, aus denen die Stellung meines Apparates noch deutlicher erhellt.

Fig. 36 ist ein Grundriß meines Apparates.

Fig. 37 eine seitliche Ansicht desselben in größerem Maaßstabe gezeichnet.

Der Kettenbaum A hat seine gewöhnliche Stellung, und trägt die Kette, welche von ihm aus über die Leitwalze B läuft. Hinter dieser wird sie verwebt, wo sie dann als Gewebe über den Brustbaum C an den Zeugbaum D gelangt. An der Welle E, E ist excentrisch ein Cylinder e, e angebracht, den man am besten aus Fig. 36 sieht, und der der Gabel f, f, welche ihn umfaßt, eine Hin- und Herbewegung mittheilt. Der Arm oder die Verbindungsstange dieser Gabel ist mit einem Zapfenloche oder einer Spalte ausgestattet, durch welche einer der Arme des Winkelhebels g, g geht. An dem entgegengesezten Arme dieses Hebels ist die Verbindungsstange H angebracht, durch welche die Bewegung an den Hebel I, der sich an dem Mittelpunkte der stehenden Welle K schwingt, fortgepflanzt wird. Dieser Hebel I trägt einen kleinen Zapfen, an dem das Getrieb l und auch das Sperrrad M umläuft. Die beiden lezteren sind miteinander verbunden, und das kleine Getrieb l greift in das an der Welle K fixirte Stirnrad N. An leztere Welle ist auch der Wurm O, der das Wurmrad P in Bewegung sezt, angebracht, und auf diese Weise kommt folglich auch der Kettenbaum A, an dem sich das Wurmrad P |271| befindet, in Thätigkeit. Durch das Umlaufen der Welle E wird demnach dem Kettenbaume eine Abgabsbewegung mitgetheilt, welche mit der Zahl der Schläge der Lade in genauem Verhältnisse steht, und welche während der ganzen Dauer des Webeprocesses dieselbe und eine gleichmäßige bleibt. Da es jedoch offenbar ist, daß, so lange der Kettenbaum gefüllt und mithin dessen Durchmesser ein größerer ist, auch eine größere Menge Kette von ihm abgegeben werden würde, so muß die Umlaufsbewegung desselben nothwendig in dem Maaße wachsen, in welchem sein Umfang abnimmt. Denn nur auf solche Weise ist es möglich, daß bei jedem Schlage der Lade, welches auch der Durchmesser des Kettenbaumes seyn mag, eine gleiche Menge Garn abgegeben wird.

Die Zunahme der Geschwindigkeit des Kettenbaumes A bewerkstellige ich nun auf folgende Weise. Eine kleine Walze aus Holz oder einem anderen entsprechenden Materiale, welche in der Abbildung mit T bezeichnet ist, wird von einem senkrechten verschiebbaren Stüke q, welches sich frei in einer Spalte des Gestelles des Webestuhles bewegt, getragen. An diesem Schieber ist eine Zahnstange, welche sich nach Abwärts fortsezt, befestigt. Diese Zahnstange greift in ein Getrieb r, welches an der Welle R aufgezogen ist. An dem entgegengesezten Ende dieser lezteren befindet sich ein mit s bezeichnetes Getrieb, und dieses greift in eine an dem verschiebbaren Wagen U angebrachte Verzahnung. An derselben Welle R bemerkt man auch eine kleine Rolle mit einer Schnur, an welcher ein Gewicht aufgehängt ist, damit auf solche Weise die kleine Walze T beständig gegen die untere Seite der Kette angedrükt wird. Bei dieser Einrichtung kann die Walze T in dem Maaße, als der Durchmesser des Kettenbaumes in Folge des Verbrauches der Kette abnimmt, emporsteigen, woraus dann eine Transversir-Bewegung des Wagens U in der Richtung, welche in Fig. 36 durch einen Pfeil angedeutet ist, folgt. Der Wagen kommt hiedurch dem Mittel- oder Stüzpunkte des Winkelhebels g, g näher, woraus für den entgegengesezten Hebelarm ein größerer Spielraum bei seinen Bewegungen folgt. Es entsteht also hieraus eine größere Schwingung des Hebels I, so daß dieser mittelst des Fängers eine größere Anzahl von Zähnen des Rades M erfaßt, und dadurch die Umlaufsbewegung des Kettenbaumes A beschleunigt. An jenem Arme des Winkelhebels g, g, der mit der Stange H in Verbindung steht, bemerkt man eine Reihe von Löchern. Je nachdem man nun die Stange H mit einem dem Mittelpunkte des Hebels näher liegenden oder weiter davon entfernten Loche in Verbindung bringt, wird die Ausdehnung der Hebelsschwingung größer oder geringer seyn, woraus dann folgt, daß nach jedem Schlage der Lade je nach der Beschaffenheit |272| des zu webenden Fabricates, eine größere oder geringere Kettenmenge von dem Kettenbaume abgegeben wird.

Ich habe hier nur eine einzige Anwendungsweise meines Apparates und dessen Benuzung an einer Art von Webestuhl gezeigt. Es versteht sich jedoch von selbst, daß eine ähnliche Wirkung erlangt werden kann, wenn man die Zahnstange q in entgegengesezter Richtung spielen läßt, und wenn man den Apparat an dem Werkbaume D anbringt. Alle diese Modificationen hängen jedoch von der Beschaffenheit des zu webenden Fabricates und von dem Ermessen des Webers ab.

Von allen den bekannten Theilen, welche der Deutlichkeit wegen in der Zeichnung mit angedeutet sind, gehört keiner mit zu meiner Erfindung; ich erkläre vielmehr als solche bloß den in Fig. 36 und 37 dargestellten Apparat, dessen Eigenthümlichkeit hauptsächlich in der Art und Weise gelegen ist, auf welche der Grad der Schwingungen des Hebels I, von denen die Abgabe der Kette von dem Kettenbaume A abhängt, mittelst der Abnahme des Durchmessers des Kettenbaumes während des Webens regulirt wird.

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