Titel: Milne's verbesserte Apparate zum Fortleiten des Gases.
Autor: Milne, James
Fundstelle: 1839, Band 72, Nr. LIX. (S. 282–287)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj072/ar072059

LIX. Verbesserungen an den Apparaten zum Fortleiten und Vertheilen des zur Beleuchtung oder Beheizung bestimmten Gases, worauf sich James Milne, Gelbgießer und Gasmesserfabrikant in Edinburgh, am 13. Jul. 1838 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions. April 1839, S. 208.

Mit Abbildungen auf Tab. V.

Meine Erfindung betrifft einen verbesserten Apparat zur Regulirung des Gaszuflusses an die Brenner, sie mögen zur Beleuchtung oder zur Beheizung bestimmt seyn. Ihr Zwei ist Verminderung des Gasverbrauches, und dieser Zwek wird durch einen mehr gleichmäßigen Druk und durch eine mehr gleichförmige Geschwindigkeit des Gaszuflusses erreicht. Zugleich werden hiedurch die Lichter ruhiger und gleichförmiger, welche Veränderungen auch in dem Druke, mit dem das Gas durch die Speisungsröhren getrieben wird, vorgehen mögen. Der Regulirapparat kann aus Weißblech, plattirtem Kupfer, Messing oder einem anderen geeigneten Metalle verfertigt werden, und wird aus folgender Beschreibung erhellen.

In Fig. 26 und 27 ist A das äußere cylinderförmige Gehäuse, in dessen Boden B die Einlaßröhre C eingesezt ist. An diesem Boden befindet sich auch das Verbindungsgefüge. An dem oberen Ende der Röhre C bemerkt man einen kegelförmigen Siz für ein Ventil. E ist ein Hahn, bei dem man das Wasser abläßt, bis es sein gehöriges |283| Niveau erreicht hat. G ist ein Glasmanometer, welcher den Druk andeutet. Der Dekel H kann so eingerichtet seyn, daß er an die Außenseite oder an die innere Seite des Gehäuses oder Cylinders A paßt. In ihm befindet sich bei F ein Loch, durch welches Wasser in das Gehäuse eingegossen wird, und durch welches auch der Druk der Luft wirken kann, wenn der Dekel aufgelöthet oder auf sonstige Weise auf dem oberen Ende des Gehäuses A befestigt worden. In der Mitte des Dekels H befindet sich die Auslaßröhre J, welche durch ein Gefüge mit der an die Brenner führenden Gasröhre verbunden werden kann. An dem Dekel ist ferner ein umgestürzter Cylinder K befestigt, welcher den am Grunde offenen Gasbehälter bildet, und der etwas kürzer ist als das äußere Gehäuse A. Dieser Cylinder K muß luftdicht gearbeitet und sein Durchmesser so berechnet seyn, daß sein innerer Flächenraum, den Flächenraum der Röhre C abgezogen, dem zwischen den beiden Cylindern A und K bestehenden Raume gleichkommt, damit das Wasser in demselben Maaße, in welchem es aus dem Inneren des Gasbehälters K herausgedrängt wird, außer demselben in dem Cylinder A emporsteigt, so daß der Manometer G also den Druk andeutet, mit welchem das Gas aus dem Regulator ausgetrieben wird. L ist ein hohler Schwimmer, welcher aus zwei Cylindern, die mit Boden und Scheitel luftdicht mit einander verbunden sind, gebildet ist, und in dessen Miete ein Loch von solcher Größe angebracht ist, daß er leicht über die Einlaßröhre C geführt werden kann. Die Außenseite dieses Schwimmers L muß sich frei innerhalb des Gasbehälters K bewegen können. Am Scheitel dieses Schwimmers sind die Arme M, M, die über der Mitte der Einlaßröhre C in einem Mittelstüke zusammentreffen, befestigt. N ist der Dekel des Ventilsizes D. Sowohl die Oberfläche dieses Dekels, als auch jene des Ventilsizes muß vollkommen eben seyn. In einigen Fällen, wie z.B. in Fig. 31 angedeutet ist, bediene ich mich zweier Ventile, von denen das kleinere in der Mitte des Ventiles N angebracht ist. Der Zapfen oder Kegel dieses Ventiles ist an dem Mittelstüke der Arme M des Schwimmers L, L, fixirt. An dem Dekel N sind drei Arme befestigt, welche in der Mitte in einem runden Stüke, durch welches ein Loch gebohrt ist, zusammentreffen. Durch dieses Loch bewegt sich mit Leichtigkeit der Zapfen R des kleinen Ventiles P. Unter den Armen S, S ist der Zapfen R so erweitert, daß er eine Schulter T bildet, auf der die Mittelstüke der Arme S, S ruhen. Diese Einrichtung ist getroffen, um beide Ventile durch einen und denselben Schwimmer in Bewegung sezen zu können. Ich erlange hiedurch eine vollkommene Gleichmäßigkeit des Gaszuflusses, das Gas mag für eine größere oder kleinere Anzahl von Lichtern bestimmt seyn; |284| und ebenso erlange ich eine vollkommene Stätigkeit und Ruhe im Spiele der Maschine. Das Spiel dieser Ventile ist nämlich folgendes. Wenn das Wasser auf die später anzugebende Weise bis auf die gehörige Höhe, d.h. so eingefüllt worden, daß es auf einen Zoll Gasdruk einen halben Zoll am Manometer andeutet, so wird der Schwimmer emporsteigen und das Ventil P mit sich führen. Wenn die Schulter T das Mittelstük der Arme S, S erreicht, so wird der Schwimmer den Dekel N des Ventiles D aufheben, wenn mehr Gas erforderlich seyn sollte, als durch das Ventil P strömen kann; denn man wird einsehen, daß, so wie man den Druk des Gases wirken läßt, das Wasser innerhalb des Gasbehälters K herabgedrükt und der Schwimmer ihm folgen wird. Wenn der Verbrauch an Gas größer ist, als ihn das Ventil P zu liefern vermag, so werden sich, wie in Fig. 31, beide Ventile öffnen. Das kleine Ventil wird nämlich ganz offen stehen, und das größere D, N nur so weit, als es nöthig ist, um die nöthige Gasmenge zu liefern. So wie der Gasverbrauch abnimmt, schließt sich das untere Ventil D, N auf die in Fig. 32 ersichtliche Weise, wo dann alles Gas, dessen man bedarf, durch das kleine Ventil P strömt. Vermindert sich der Verbrauch in noch höherem Maaße, so wird der Druk des Gases innerhalb des Gasbehälters größer, das Wasser in dem Behälter K sinkt noch mehr herab und mit ihm auch der Schwimmer. Hiedurch wird das kleine Ventil P, da es an den Schwimmerarmen M, M befestigt ist, herabgesenkt, und hieraus folgt eine solche Verengerung der Ventilöffnung, daß nicht mehr Gas, als durchaus erforderlich ist, entweichen kann. Der Manometer deutet in diesem Falle einen Druk von beiläufig einem Zoll an, indem das Wasser innerhalb des Gasbehälters in Folge des Gasdrukes beiläufig um einen halben Zoll herabgesunken, und dafür außen in dem Gehäuse A um eben so viel emporgestiegen ist. Es erhellt, daß ein Regulator der beschriebenen Art sich für ein Haus oder für ein Gebäude, in welchem man zuweilen eine große, zuweilen aber auch nur eine kleine Anzahl von Lichtern braucht, eignet; denn man kann dann durch das kleine Ventil P den für eine kleine Anzahl von Lichtern nöthigen Gasstrom erlangen, ohne daß man das größere Ventil D, N zu öffnen brauchte.

Nach demselben Principe lassen sich mit einigen Modificationen auch Regulirapparate für Gaswerke herstellen, wie man sie z.B. in Fig. 28, 29, 30 und 32 ersieht. Von diesen Figuren, an denen zur Bezeichnung der einzelnen Theile die schon früher gebrauchten Buchstaben beibehalten sind, ist Fig. 28 ein Längendurchschnitt oder ein senkrechter Durchschnitt eines für ein Gaswerk oder für ein Hauptgasrohr einer Straße bestimmten Regulators, an dessen Boden sich |285| sowohl die Einlaß- als die Auslaßröhre befindet. Die Auslaßröhre J, welche die Form eines Halbkreises hat, hat mit der Einlaßröhre C gleichen Flächenraum, und endigt sich nach Außen in eine länglich vierekige Röhre, die mit der Speisungsröhre gleichen Flächenraum hat. Der äußere Cylinder A, A ist mit B, B, C, C, J, J und mitsammt den Randkränzen a, a, a aus einem Stüke gegossen. Die Einlaßröhre C ist an dem oberen Ende zum Behufe der Aufnahme des Ventilsizes D kegelförmig ausgebohrt. Die Außenseite des unteren Theiles des Ventilsizes ist gleichfalls abgedreht, damit er luftdicht in den oberen Theil der Röhre C paßt. Der Dekel und sein Cylinder K haben den in Fig. 26 beschriebenen Bau, mit dem Unterschiede jedoch, daß die Auslaßröhre C nicht durch ihn geht. Der Durchmesser des Cylinders oder Gasbehälters K wird, wie oben angegeben worden, dadurch bestimmt, daß man den Raum, den die halbkreisförmige Auslaßröhre J und die Einlaßröhre C einnehmen, abzieht, so daß der Raum, den das Wasser innerhalb des Gasbehälters einnimmt, dem Raume gleichkommt, den das Wasser in dem Gefäße A außerhalb des Gasbehälters einnimmt. O ist ein cylindrischer Schwimmer aus Weißblech oder irgend eitlem anderen geeigneten Metalle, welcher mittelst einer Spindel, die durch Leitungsstege, welche sich für sie an dem Cylinder K befinden, läuft, in senkrechter Stellung erhalten wird. Diese Spindel sezt ferner durch den Dekel und endigt sich in einen Knopf b, durch dessen Stand über dem Dekel der Druk des Regulators angedeutet wird, wie dieß aus Fig. 28 und 30 erhellt. Wenn der Schwimmer nicht spielt, so kann man den Knopf herabdrüken, und zu dessen Schuz den Dekel o darüber schlagen. Die punktirten Linien in Fig. 29 deuten die Formen der Ein- und Austrittsröhren an.

Der in Fig. 26, 27 und 31 abgebildete Apparat muß senkrecht gestellt und mittelst des Verbindungsgefüges am Boden gasdicht an der Speisungsröhre befestigt werden. Die Röhre C ist an der von dem Gaswerke herlaufenden Röhre; die obere Verbindungsschraube der Röhre J dagegen an der an die Brenner führenden Röhre zu fixiren. Es erhellt hienach, daß sich der Apparat leicht so stellen läßt, daß man das Gas mit einem beliebig geringeren Druke, als es in den Hauptgasröhren hat, verbrennen kann. Wünscht man z.B. den Regulator mit einem Druke von 3/4 Zoll spielen zu lassen, und enthält der Apparat eine größere Wassermenge, als diesem Druke angemessen ist, so läßt man bei dem Hahne E so lange Wasser ausfließen, bis auf der Scala des Manometers 3/8 Zoll angedeutet werden. Wenn man sodann Gas eintreten läßt, so wird das Wasser im Gasbehälter beinahe um 3/8 Zoll herabsinken, und dafür außer ihm beinahe |286| um ebenso viel emporsteigen und dadurch im Manometer den gewünschten Druk von 3/4 Zoll andeuten. Bedarf man eines stärkeren Drukes, so soll man direct, und ohne das Gas deßhalb abzusperren, Wasser nachgießen, bis dasselbe auf der Scala den gewünschten Stand zeigt. Um einen Gaszufluß, bei welchem das Gas auf die vortheilhafteste Weise verbraucht wird, zu erlangen, scheint wir übrigens folgende Regulirmethode die passendste. Man zünde alle Brenner an, lasse ihnen so viel Gas zufließen, als die Speisungs- oder Hauptgasröhre zu liefern vermag, und bewirke durch das Wasser im Regulator einen so starken Druk, daß die Brenner ihr stärkstes Licht geben. Dann lasse man bei dem Hahne E allmählich und sehr langsam Wasser ausfließen, und beobachte die Wirkung, welche die Abnahme des Drukes auf die Lichter ausübt. Hat man auf diese Weise den Druk ermittelt, bei welchem das Gas das gewünschte Licht liefert, so ist der Apparat gehörig gestellt; er wird in diesem Falle beständig und mit großer Regelmäßigkeit den gewünschten Gasstrom geben. Eine Verminderung und Verstärkung desselben läßt sich übrigens auf die angegebene Weise bewerkstelligen.

Die Regulatoren, Fig. 28, sollen gewöhnlich unter der Erde angebracht werden. Sie sind, wenn sie vollkommen im Niveau auf eine feste Unterlage aus Stein oder Mauerwerk gesezt worden, mit den Gasröhren in Verbindung zu sezen. Zur Herstellung der Verbindung dienen am besten gegossene Zwischenstüke, welche an dem einen Ende ein längliches, mit einem Randvorsprunge versehenes Loch haben, während sich an ihrem entgegengesezten Ende ein Loch befinden soll, womit sie an die Gasröhren passen. Die Füllung dieser Regulatoren findet auf die beschriebene Weise Statt. Der Druk wird durch den Knopf b angedeutet. Sollte die aus dem Regulator zuströmende Gasmenge zu gering seyn, so müßte mehr Wasser in denselben gegossen werden. In großen Regulatoren könnte der Druk mittelst einer eigenen Scala, welche an der Austrittsröhre des Regulators oder an einer von der Hauptröhre herführenden angebracht wäre, adjustirt werden. Durch Beobachtung der Höhe, auf welche der Knopf b steigt, und durch Notirung des Unterschiedes zwischen dieser Höhe und den Andeutungen der Scala, wenn ja ein solcher Unterschied bestehen sollte, wird man zu Daten gelangen, welche für den täglichen Gebrauch von hinlänglicher Genauigkeit sind. Beide Ventile bleiben beinahe geschlossen, bis das Wasser über den Nullpunkt oder den Boden der Scala in Fig. 26 steigt, und bis in Fig. 28 der Knopf des Schwimmers sich über die Fläche des Dekels erhebt.

Um den Druk in Fig. 28 auf 1/8 oder 1/16 zu reduciren, so daß |287| er am Tage, oder wenn die Röhren kein Gas zuführen, dem atmosphärischen Druke widersteht, und um das Ablassen des Wassers zu erleichtern, kann man längs des Regulators ein Gefäß von gehöriger Größe so anbringen, daß sich sein Boden 2 oder 3 Zoll über dem Niveau des Wassers im Kessel befindet. In dieses Gefäß läßt sich das Wasser aus dem Regulator herüberschaffen, indem man das Saugrohr einer kleinen Handpumpe in das Loch F bringt. Von dem Boden dieses Gefäßes, welches eine etwas kegelförmige Gestalt haben kann, soll eine Röhre mit einem Sperrhahne auslaufen, welche Röhre unter der Wasserlinie an dem Regulator zu befestigen ist. Durch Umdrehen des Hahnes wird dasselbe Wasser, welches früher ausgepumpt wurde, wenn es nöthig seyn sollte, wieder in den Regulator zurükkehren.

Aus der Zeichnung und mit Hälfe der hier gegebenen Beschreibung wird man sehen, daß der Gasbehälter K nicht schwimmt und sich nicht bewegt; daß sich die Ventile nach Aufwärts öffnen, und daß beim Reguliren des Gasdrukes der Schwimmer mit dem Wasser steigt oder fällt. Der Druk des Gases auf lezteren regulirt also das Ausströmen des Gases bei der Röhre J.

Die Formen des Apparates und seiner Theile lassen, ohne daß man deßhalb von dem Principe abzugehen brauchte, verschiedene Modificationen zu. Ebensowenig binde ich mich an die Anwendung von Wasser als Medium, in welchem das Gefäß L schwimmen soll, obwohl ich glaube, daß das Wasser im Allgemeinen als das wohlfeilste und beste gelten dürfte.

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