Titel: Zenneck's Untersuchung verschiedener zukerhaltiger Substanzen.
Autor: Zenneck, Ludwig Heinrich
Fundstelle: 1839, Band 72, Nr. LXIV. (S. 298–307)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj072/ar072064

LXIV. Untersuchung verschiedener zukerhaltiger Substanzen, besonders verschiedener Runkelrübensorten, von Prof. Zenneck in Stuttgart.

Der Zukergehalt einer vegetabilischen Substanz kann bekanntlich, wenn die Zukerart, die sie enthält, überhaupt gährungsfähig ist, vermittelst Gährung bei Hinzufügung einer gehörigen Menge von Hefe und Wasser, Abdestillation des dadurch entstandenen Alkohols und Untersuchung des specifischen Gewichts der alkoholigen Flüssigkeit28) bestimmt werden, indem einer gewissen Quantität absoluten Alkohols, die irgend eine Zukerart liefert, eine gewisse Quantität Zukerstoffs entspricht. Es ist aber auch Jedem, der nach dieser mittelbaren Gährungsmethode schon Untersuchungen gemacht hat, bekannt, daß, wenn die darauf gegründeten Schlüsse sicher seyn sollen, eine nicht unbedeutende Menge von der zukerhaltigen Substanz zur Untersuchung genommen werden muß, daß aber alsdann nicht nur die Gährung, sondern auch die Destillation der erhaltenen alkoholigen Flüssigkeit viel Zeit und Mühe erfordern. Ich ziehe daher einer solchen, mittelbar auf Gährung beruhenden Untersuchungsweise zukerhaltiger Substanzen die unmittelbare vor und messe nur das zunächst sich ergebende Gährungsproduct, die sich entwikelnde Kohlensäure, entweder |299| nach ihrem Gewicht, oder nach dem Volumen, das sie im Gasometer einnimmt. Um aber dieses Gährungsproduct bei Untersuchung von kleinen Quantitäten einer zukerhaltigen Substanz auf eine sichere, bequeme und wenig Zeit raubende Art messen zu können, habe ich mir zweierlei Einrichtungen erdacht, wovon ich die eine statischen Saccharometer nenne, weil bei seinem Gebrauch die gesammte Gährungsmasse vor und nach der Gährung gewogen und aus dem Gewichtsverlust das Gewicht der abgegangenen Kohlensäure geschlossen wird, die andere Einrichtung aber, wobei das Volumen des aufgefangenen kohlensauren Gases gemessen wird, pneumatischer Saccharometer heißen kann. Mit dem ersten Instrument, dem statischen Saccharometer, sind nun alle folgenden Untersuchungen, je in 7–8 Stunden, ausgeführt worden, und seine beigefügte Beschreibung wäre vielleicht nicht unzwekmäßig; da aber die Einrichtung meines pneumatischen Saccharometers noch nicht die von mir gewünschte Vollkommenheit zu seiner Bekanntmachung besizt, so werde ich die Beschreibung des Ersteren späterhin noch mit der Beschreibung des Lezteren folgen lassen.

A. Untersuchung verschiedener Runkelrübensorten auf ihren Zukergehalt.

Um die Runkelrüben nach dem Gährungsprincip vermittelst des statischen Saccharometers zu untersuchen, bereitete ich dieselben Anfangs auf folgende Weise zu: ein Stük Rübe wurde zerrieben, das Zerriebene zuerst mit kaltem Wasser und hierauf mit kochendheißem Wasser in einem Leintuch29) ausgepreßt, die sämmtliche dadurch erhaltene zu große Flüssigkeit bis zu einer gewissen Dichtigkeit (= 1,03 bis 1,05) abgedampft, das Abgedampfte wieder erkaltet und dann erst nach Abwägung einer aliquoten Portion davon mit Hefe zur Gährung gebracht. Bei Wiederholung der Gährungsoperation mit ein paar, einige Tage lang in verschlossenem Gefäß aufbewahrten Rübenflüssigkeiten fand ich aber, daß diese weit weniger Kohlensäure lieferten, als sie vermöge der hiebei genommenen Portion hätten liefern sollen, und daß sie sogar nach 4–5 Tagen in sauren Zustand übergegangen waren; auch kochte ich den getrokneten Rükstand von ein paar behandelten Rüben noch einmal mit Wasser aus, sezte zu diesem Rükstand mit seinem Wasser etwas Hefe und bemerkte dann abermals einige Gährung und Gewichtsverlust, so daß die erste Behandlung mit kaltem und heißem Wasser nicht allen Zuker ausgezogen hatte.

|300|

Ich verließ daher diese nicht nur unsichere, sondern auch sehr umständliche und langwierige Zubereitungsart der Rüben und versuchte unmittelbar nach dem Reiben Saft und Faser in dem Gährungsfläschchen unter Wasserzusaz zu behandeln. Die Gährung ging gut von statten, ungeachtet die Fasermasse eine starke Erhebung der Flüssigkeit bewirkte und ich erhielt auch bei derselben Rübe einen etwas größeren Verlust beim Abgang der Kohlensäure. Da mir aber die Operation des Reibens überflüssig schien, so zerschnitt ich bloß die Rübe in kleine würfelförmige Stükchen, brachte diese mit Wasser und Hefe in dem Gährungsfläschchen zusammen und ließ sie gähren.30) Das Resultat war bei Vergleichung von derselben geriebenen Rübe mit der bloß zerstükelten dasselbe; die gährende Masse hob sich weniger und es schien bloß zwekmäßig, von Zeit zu Zeit das Gährungsfläschchen zu schütteln, um alle Theile der Substanz mit der Hefe in gehörige Berührung zu bringen. An diese lezte Zubereitungsweise der Rüben hielt ich mich daher bei allen nachherigen Versuchen, indem ich je 500 Gr. solcher zerstükelten Rüben mit 500 Gr. Wasser und 30 Gr. Hefe zusammenbrachte und die Gährung innerhalb 5–6 Stunden ausführte. Geschah die Untersuchung mit getrokneten Rüben, so wurden, da 500 Gr. natürlich feuchte Rüben über 400 Gr. Wasser enthielten, 1000 Gr. Wasser zu 100 Gr. (oder auch weniger) trokenen Rüben genommen, und da das Verhältnis der Feuchtigkeit der Rüben zu ihrem trokenen Zustand, je nachdem sie frisch aus der Erde gekommen sind, oder an einem mehr oder weniger feuchten Ort aufbewahrt werden, sehr verschieden ausfällt, eine Vergleichung verschiedener Rüben (oder derselben zu verschiedenen Zeiten) in Bezug auf ihren Zukergehalt aber nur unter Berüksichtigung ihres Feuchtigkeitsverhältnisses31) als richtig gelten kann, so wurden jedesmal bei Untersuchung einer frischen Rübe von den geschnittenen Stükchen 500 Gr. zur Gährung und 500 Gr. zum Troknen bestimmt und leztere, sey es, daß die Troknung auf dem Ofen oder über Wasserdämpfen in blechernem Gefäß vorgenommen wurde, nur dann als troken angenommen, wenn bei wiederholter Wägung sich kein Gewichtsverlust mehr zeigte.

Die Runkelrüben, welche ich im Laufe des vergangenen |301| Spätjahrs (Oktober – December 1838), also nicht sehr lange nach ihrer Herausnahme aus dem Boden, mit dem statischen Saccharometer untersuchte, waren theils Rüben, die von einem benachbarten Bauer zur Viehfütterung gepflanzt, nicht sehr groß waren, eine nach Oben und Unten zugespizte (lanzetartige) Form hatten und aus den bekannten dreierlei Sorten (weißen, rothen und gelben) bestunden, theils solche, die ich aus der Zukerfabrik in Hohenheim erhalten hatte, außer jenen dreierlei Sorten noch eine vierte Sorte (innen weißgrünlich und bloß außen röthlich) enthielten, und bei einer zum Theil bedeutenden Dike insgesammt nach Oben rundlich und breit waren.

Die erste Partie von Rüben war es eben, die zuerst zur vergleichenden Untersuchung kam, und wobei nicht nur das oben angeführte spec. Gewicht der kalten und heißen Wasserauszüge (= 1,0303–1,0396), sondern auch das Gewicht der ausgezogenen Rükstände nach Procent der frischen Rüben bestimmt wurde, und das 2,5–3,9 betrug.32) Auch fand sich hier, daß der Wasserauszug aus einer rothen Sorte, wovon 300 Gr. frisch angewandt, 7,5 Gr. Kohlensäure verloren hatten, nach 4–5 Tagen bei gleichem spec. Gewicht (= 1,0429) und bei größerer Menge (= 370 Gr.) der Gährung unterworfen, keine Kohlensäure mehr verlor, daß diese Saftveränderung ebenso bei der Flüssigkeit der gelben Rübe eintrat, und zwar bei dem kalten Auszug von 1,05 spec. Gewicht sowohl, als bei dem nachher gemachten heißen von 1,0155 spec. Gewicht, und endlich, daß die Gallertsäure, die bei dem Rükstand aller Wasserauszüge aus 3 Unzen frischer rother Rübe = 150 Gr. trokene Rübe vermittelst Aezlauge und nachher angewandter Salzsäure gewonnen worden war, 32 Gr. betrug.

Die Procente ihres aus der Menge der Kohlensäure geschlossenen Zukergehaltes betrugen im Verhältniß zu ihrem feuchten Zustand (wie aus der Anmerkung33) zu ersehen ist) 5,2–7,3, im Verhältniß zu ihrem trokenen Zustand aber 40,9–55,0, und es läuft jener Gehalt dem leztern nicht gleich, da die lezte Zahl statt 55,0, 57,4 heißen sollte.

Die Runkelrüben der zweiten Partie (von dem Institut in Hohenheim) wurden insgesammt auf dieselbe oben angegebene Weise |302| zur Gährung vorbereitet, d.h. frisch in kleine Würfel zerschnitten und je 500 Gr. davon nebst 500 Gr. Wasser und 30 Gr. Hefe in die Fläschchen eingetragen; nur wurden noch, außer 500 Gr. jeder Sorte in kleinen Würfeln, auch größere Scheibchen getroknet34) und späterhin von solchen getrokneten Stükchen gleichfalls soviel zur Gährung genommen, als 500 Gr. davon früherhin trokene Rükstände gegeben hatten, als z.B. von der weißen Sorte 80,5 Gr., von der rothen 72 Gr. u.s.f. Die Gährungsresultate der viererlei Sorten35), in ihrem noch frischen Zustand behandelt, wiesen auf einen Zukergehalt, der im Verhältniß zu ihrem feuchten Zustand zwischen 8,0 und 12,5 Proc.; im Verhältniß zu ihrem getrokneten Zustand aber zwischen 50,0 und 65,0 Proc. fiel; und, wie bei der Untersuchung der ersten Partie von Rüben, so waren die Verhältnißzahlen des Zukergehalts bei den feuchten und trokenen Rüben auch hier einander nicht entsprechend.

Das Verfahren, das ich bei allen diesen und den vorhergehenden Rübensorten nach ihrer Zerschneidung in kleine Würfel beobachtete, war kurz folgendes:

1) In einem Fläschchen von 10–12 Kubikzoll wurden 500 Gr. genau abgewogen36), hierauf 500 Gr. Wasser zugegossen und zulezt noch von erprobter37) guter Hefe 30 Gr. in erbsengroßen Stüken hineingebracht, so daß das gesammte Gewicht der Masse (ohne des ins Gleichgewicht gesezten Fläschchens) = 500 + 500 + 30 = 1030 Gr. betrug.

2) Nachdem die Rübenstükchen mit dem zugesezten Wasser und der Hefe untereinander geschüttelt worden waren, wurde das Fläschchen auf dem Saccharometer mit dem Kühltrichter in luftdichte Verbindung gesezt, dieser mit Wasser gefüllt und die Lampe mit ihrer Siebscheibe untergestellt.

3) Schien sich die gährende Masse bei ihrer Erhebung dem Leitungsrohr des kohlensauren Gases zu nähern, so wurde entweder von Oben herab durch das Röhrchen geblasen, um die Gährungsblasen zurükzudrängen, oder das Fläschchen etwas geschüttelt38), um dieselben zu zerstören, oder auch nur die Lampe auf kurze Zeit weggenommen, so daß die zu sehr erhobene Masse bei verminderter Temperatur von selbst sank.

|303|

4) Waren die Zeichen, daß die Gährung aufgehört habe (Hellung der Flüssigkeit, Mangel an aufsteigenden Blasen und Herabsinkung der nach Oben getriebenen Theile) eingetreten, so wurde die Flamme der Lampe etwas verstärkt, damit die in der Flüssigkeit zurükgehaltene Kohlensäure fortgetrieben werden sollte, und wenn das Wasser des Kühltrichters sich etwa dadurch erwärmt hatte, so wurde es (vermittelst eines Hebers) durch kaltes ersezt.

5) Sobald das Fläschchen, nach Hinwegnahme der Lampe, sich wieder abgekühlt hatte, wurde es auf die Waage gesezt und sein Gewichtsverlust durch Zulegung des erforderlichen Gewichts genau ersezt.

Zur Berechnung des krystallisirten Zukers aus der Kohlensäuremenge, welche je 500 Gr. der frischen Rüben, oder auch eine gewisse Quantität von getrokneten Rüben bei der Gährung geliefert haben, legte ich die von Liebig ausgemittelte Verhältnißzahl: 51 (genauer 51,29) Gewichtstheile Kohlensäure39) zu 100 Gewichtstheilen krystallisirtem Zuker zum Grunde, und bezeichnete dieses Verhältniß40) (51 = Kohlensäure und 100 = krystallisirtem Zuker) auch auf meiner Aequivalententabelle; auch bemerkte ich für die gewöhnlichen Fälle (wo ich 500 Gr. von den feuchten Runkelrüben nahm) ebendaselbst für 100 Gr. feuchte Rübe, das Verhältniß von 51 Gr. Kohlensäure zu 20 Gr. = kryst. Zuker, um sogleich die Procente des Zukergehalts zu erhalten, statt unter Beobachtung des obigen Verhältnisses (51 : 100) von der erhaltenen Kohlensäure 1/5 zu nehmen und diesen Quotienten zur Proportion zu gebrauchen. So führten z.B. die 18 Gr. Kohlensäure, welche 500 Gr. der rothen (lanzetförmigen) Runkelrübe überhaupt geliefert hatten, nach der Tabelle auf 35 Gr. (nach der Berechnung auf 35,2) absolute Zukermenge und auf 7,0 (nach der Berechnung auf 7,04) Proc. Zuker der feuchten Rübe. Um aber auch das Proc. Gewicht des Zukers von der |304| trokenen Rübe zu erhalten, so ergab sich dieses aus dem Verhältniß der getrokneten Rübe (von 500 Gr. feuchter) zum absoluten Zukergewicht der feuchten sowohl als trokenen Rübe, z.B. nach der Proportion 64 Gr. trokene Rübe : 35,2 Gr. Zuker = 100 : 55 enthielten die 64 Gr. der trokenen rothen Runkelrübe, da sie in ihrem feuchten Zustand (als 500 Gr.) 35,2 Gr. Zuker überhaupt angezeigt hatten, 55 Procent.

Um nun noch zu erfahren, ob sich der Zukergehalt der vier lezten Zukersorten, die ich in einem ziemlich feuchten Keller als Rükstände der im Spätjahr vorgenommenen Untersuchungen aufbewahrt hatte, durch diesen Aufenthalt vermindert oder vermehrt hatte, oder sich wohl auch gleichgeblieben war, wiederholte ich auf dem statischen Saccharometer ihre Untersuchungen auf eine ganz gleiche Weise und troknete daher gleichfalls von jeder Sorte mit aller Sorgfalt 500 Gr., so daß der Zukergehalt einer jeden nach den verschiedenen Zeiten der Untersuchung, und zwar in Bezug auf den trokenen Zustand wie auf den feuchten, miteinander verglichen werden konnte. Die Resultate dieser zweiten Untersuchung folgen auf der Tabelle41) denen der ersten Untersuchung. Sie widersprechen aber der gewöhnlichen Behauptung, daß die Rüben durch langes Liegen in einem Keller an Zukergehalt verlieren; denn von den vier Sorten hatte jezt (nach 3–4 Monaten) nur die weiße Rübe verloren, die allerdings auch allein auf ihren bloßgestellten Schnittflächen theils Schimmel, theils braune, mehr oder weniger tiefgehende Fleken gezeigt hatte, so daß zu ihrer Untersuchung ein großer Theil weggeschnitten werden mußte.

Ob und was für Veränderungen bei diesen und jenen Rübensorten während ihres Wachsthums im Boden und bei längerem Liegenbleiben an einem trokenen oder feuchten Aufbewahrungsort vor sich gehen, habe ich nicht untersucht und zum Theil auch zu untersuchen noch nicht Gelegenheit gehabt. Indessen zeigen die Resultate der bisherigen Prüfungen dieser Substanzen:

1) daß ohne vorangegangene sorgfältige und gleichartige Troknung keine richtige Vergleichung ihres Zukergehalts Statt finden kann.

2) daß die weißen und gelben Rübensorten, je nach der Art ihrer Cultur und der Form, welche sie dadurch erhalten, eine verschiedene Zukermenge liefern.

3) daß unter allen Sorten die weiße oder grünlichweiße mit rother Oberhaut (röthlichweiße Sorte) am meisten Zuker enthält.

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4) daß eine Verminderung der Rüben an Zukergehalt während des Liegens von einigen Monaten nicht unbedingt angenommen werden kann, sondern durch noch weitere Untersuchungen unter bestimmten Umständen bestätigt werden muß.

5) daß die Runkelrüben (der nachher angeführten Untersuchung zufolge in Bezug auf Zukergehalt den Kürbissen weit vorgehen.

B. Untersuchungen von Malzsorten auf ihren Zukergehalt.

Die Güte des Malzes (gekeimter Gerste, oder Weizen) hängt bekanntlich von der Menge des Zukers ab, in den sich beim Keimen solcher Sämereien die Stärke verwandelt, und da nicht bloß bei den Malzprocessen Fehler vorkommen können, welche auf die Bierfabrication großen Einfluß haben, sondern dasselbe Malz auch während der Zeit seines Lagerns auf den Böden sich mehr oder weniger in seiner Güte verändert, so dürften Anwendungen des Saccharometers auf Untersuchung von dem Zukergehalt eines Malzes manchmal nicht ohne Interesse seyn.

Veranlaßt, über dreierlei Sorten von Gerstenmalz wegen ihrer relativen Güte, die im Streit war, zu entscheiden, untersuchte ich diese dreierlei Sorten mit dem statischen Saccharometer. Die eine von diesen Proben (Nr. 1) ward mir noch warm von der Malzdörre übergeben, die zwei andern hingegen (Nr. 2 und Nr. 3) waren schon abgelegene Sorten. Um sie nun richtig miteinander vergleichen zu können, wurden von jeder Sorte 500 Gr. auf dem Ofen so lange getroknet, bis sich nach wiederholten Wägungen kein Gewichtsverlust mehr gezeigt hatte, und die trokenen Rückstände: 491 Gr. von Nr. 1, 463 Gr. von Nr. 2 und 460,5 Gr. von Nr. 3 in verschlossenen Gläsern aufbewahrt. Hierauf versuchte ich 200 Gr. von einer Sorte in unveränderter Form mit 600 Gr. Wasser und 30 Gr. Hefe in geistige Gährung zu bringen; sie gelang aber bei aller gehörigen Wärme im Verlauf von mehreren Stunden nicht, indem die Körner kaum ein paar Gran Kohlensäure entwikelten. Dann verwandelte ich eine gleiche Menge von Körnern im Mörser in Mehl mit den Hülsenfasern und brachte es mit 1000 Gr. Wasser und 20 Gr. Hefe in einem Gährungsfläschchen zusammen; das untereinander geschüttelte Gemenge gährte alsbald und verlor nach einigen Stunden 20 Gr. Kohlensäure. Noch versuchte ich, dieselbe Sorte Nr. 1 im trokenen Zustand bei gleicher Menge theils im Mörser mit Wasser zusammengerieben, theils in einem Leintuch stark mit kochendem Wasser ausgepreßt der Gährung zu unterwerfen; ich erhielt aber nicht mehr Kohlensäure, als bei der bloßen Mengung der zu Mehl gestoßenen Körner |306| mit Wasser und Hefe in dem Gährungsfläschchen, und behandelte daher auch die zwei anderen auf dieselbe Art. So bekam ich bei Nr. 2 aus 200 Gr. trokenem Malz 22 Gr. Kohlensäure und bei Nr. 3 27 Gr. Kohlensäure, und die Nr. 1 enthielt demnach42) (nach dem trokenen Zustand betrachtet) 22,2 Proc., die Nr. 2 24,4 Proc. und Nr. 3 29,9 Proc. Malzzuker, der dem Traubenzuker oder Krümelzuker gleich ist und bei der Gährung beinahe 45 Gr.43) Kohlensäure aus 100 Gr. Zuker liefert.

Auf der Tabelle (der Zukergehaltsbestimmungen) findet man daher zwar die Gewichte der dreierlei getrokneten Malzsorten (von 500 Gr.), aber nicht ihren Zukergehalt, nach dem feuchten Zustand der Malze, bestimmt, (da ich sie in diesem feuchten Zustand nicht zur Gährung genommen hatte), hingegen sowohl die absoluten, als Procent Zukerquantitäten angegeben. Man sieht übrigens leicht aus den angegebenen Gewichtsverlusten der nichtgetrokneten Sorten beim Troknen, daß, wenn die zwei lezten Sorten (Nr. 2 und 3) im feuchten Zustand zur Gährung gekommen wären, die Resultate ihres Zukergehalts kleiner ausgefallen seyn müßten.

C. Untersuchung einiger Kürbisse auf ihren Zukergehalt.

Da der Zukergehalt der Kürbisse schon gerühmt wurde, so ließ ich mir von einem Gärtner ein Stük von einem kleinen, seit einigen Wochen bei ihm aufbewahrten, geben und ließ davon je 500 Gr. gähren; auch troknete ich 500 Gr. davon und erhielt dann 52 Gr. Eine Portion des ungetrokneten Kürbis wurde in kleine Würfel geschnitten und mit 500 Gr. Wasser nebst 30 Gr. Hefe zur Gährung gebracht; sie hatte aber nur 7 Gr. Kohlensäure entwikelt, und enthielt daher nach ihrem feuchten Zustand 2,75 Proc. Zuker (der Zuker als krystallisirbarer Zuker im Verhältniß von 51 Gr. Kohlensäure: 100 Gr. Zuker berechnet). Eine andere Portion wurde (500 Gr.) gerieben und mit derselben Wasser- und Hefenmenge auf den Saccharometer gebracht; ihr Gasverlust betrug nun zwar etwas mehr, jedoch nur 8 Gr., also 3,11 Proc. Zuker, was in Vergleichung mit dem |307| Zukergehalt der Runkelrüben unstreitig wenig ist, vielleicht aber daher kam, daß der Kürbis schon einige Zeit gelegen war und bereits von seinem früheren Gehalt verloren hatte.

Tabellarische Uebersicht der Resultate von der Untersuchung verschiedener zukerhaltiger Substanzen.

Textabbildung Bd. 72, S. 307
|298|

Diese Bestimmungsweise findet sich unter andern Schriften z.B. auch in Peyer's popul. Handb. der industriellen Chemie (übers. von Hartmann. 1838.) S. 92 etc.

|299|

Der trokene Rükstand von den angewandten feuchten Rüben betrug 2,5–3,4 Proc.

|300|

Hiebei wurde die Masse nicht, wie bei den geriebenen Rüben schwärzlich, was ohne Zweifel von der Berührung der gerbstoffhaltigen Substanz mit dem Reibeisen herkam.

|300|

Z.B. 500 feuchte Rüben haben 80 Gran trokene Rüben und 24 Gr. Kohlensäure = 47 Gr. Zuker geliefert, später aber 90 Gr. trokene Rüben und 30 Gr. Kohlensäure = 59 Gr. Zuker; so hätten sie im lezten Fall mehr Zuker geliefert, als nach Verhältniß ihres trokenen Zustandes, da 80 : 90 = 47 : 52, 8 ist.

|301|
Spec. Gew. der ausgepreßten Flüssigkeit. Rükstand des Ausgepreßten.
Weiße Rübe 2,5 Proc. der feuchten.
3,9 – –
Rothe Rübe1,0303
1,0370
3,4 – –
32 – –
Gelbe Rübe1,0366
1,0396
32 – –
32 – –
|301|

S. tabellarische Uebersicht A. I. S. 307.

|302|

Das Troknungsverhältniß dieser Scheibchen (21 1/4 Loth im frischen Zustand zu 72–84 Gr.) war nicht sehr von dem der kleinen Würfel abweichend.

|302|

S. tabellarische Uebersicht A. II. a. S. 307.

|302|

Meine Waage zeigt bei 5–6 Unzen Gewicht noch 1/10 Gr. deutlich an.

|302|

Im Fall, daß ihre Güte zweifelhaft war, mit dem Zymoskop erprobt.

|302|

Um alle Rübenstükchen mit der Hefe in Berührung zu bringen, wurde nach einigen Stunden gleichfalls geschüttelt.

|303|

Diese Zahl 51,29 folgt aus der Analyse des Zukers, als bestehend aus 4 Pfd. Kohlensäure, 2 Pfd. Aether und 1 Pfd. Wasser = C₁₂ H₂₂ O ₁₁, wobei C₁₂ = 42,58 Proc. und daher C₄ (als der Kohlensäure angehörig) = 42,58/3 = 14,193 ist. Wird nun das Verhältniß des Kohlenstoffs zum Sauerstoff in der Kohlensäure = 76,5 : 200 gesezt, so ist der Sauerstoff, welcher hier mit dem Kohlenstoff die Kohlensäure bildet, = (200 : 14,193)/76,5 = 37,105 und die Kohlensäure, welche 100 Theile Zuker liefert = 14,193 + 39,105 = 51,298.

|303|

Wollte man sich auf einer Aequivalententafel streng an die Zahl 51,29 oder 51,3 halten, so müßte jene wegen der Brüche sehr lang seyn; das auf die Zahl 51 gegründete Resultat weicht aber auch in der Berechnung nur wenig von dem auf die Zahl 3,29 gestüzten ab, denn z.B. 51,29 : 100 = 20,5 Kohlensäure : 39,96 Zuker (statt : 40 Zuker, wenn das Verhältniß von 51 : 100 gesezt wird).

|304|

S. tabellarische Uebersicht A. II. b. S. 307.

|306|

Denn 200 Gr. trokenes Malz hatten 20 Gr. Kohlensäure geliefert, also 44,4 Gr. Malzzuker überhaupt und daher 22,2 Proc.

|306|

Vassy (s. Centralbl. d. Pharm. 1836, S. 56) sezt zwar nur 42,52 Proc. Kohlensäure, allein, da nach Liebig (s. Centralbl. der Pharm. 1834, S. 588) der Traubenzuker 36,8 Proc. Kohlenstoff enthält, wovon 1/3 = 12,27 der daraus sich bildenden Kohlensäure angehört, und da diese nach dem Verhältniß von 76,5 : 200 (200 . 12,27)/76,5 = 32,07 Sauerstoff enthält, also selbst = 12,27 + 32,07 = 44,34 seyn muß, so ist Liebig's Annahme von 44,8 (beinahe = 45) Kohlensäure aus 100 Theilen Malzzuker richtiger.

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