Titel: Gillet, über die Verwendung der Kinder in den Fabriken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 72, Nr. XXI./Miszelle 16 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj072/mi072021_16

Gillet, über die Verwendung der Kinder in den Fabriken.

Hr. Gillet, schreibt das Mémorial encyclopédique, hat in einer kleinen Schrift, welche er unter dem Titel: Quelques réflexions sur l'emploi des enfants dans les fabriques et sur les moyens d'en prévenir les abus herausgab, das Wesentlichste dessen, was sich über diesen wichtigen Gegenstand vorbringen läßt, zusammengefaßt. Die Hauptschwierigkeit beruht, wie der Verfasser meint, in der Frage: Kann man die Eltern ausnahmsweise in der Ausübung ihrer elterlichen Autorität hindern? Wenn die Kräfte des Familienvaters |80| nicht mehr zur Ernährung der Seinigen ausreichen, soll ihn dann das Gesez hindern, von seinen Kindern jene Hülfe zu verlangen, die sein erschöpfter Körper bedarf; und ladet die Gesellschaft, wenn sie ihn in der Ausübung seiner natürlichen Rechte hindert, nicht dafür die Verpflichtung auf sich, ihm Ersaz für die Hülfsmittel zu liefern, die sie ihm entzieht? Gegen die auf solche Weise gestellte Frage ließe sich wohl keine Discussion erheben; denn was will man dem Arbeiter antworten, wenn er sagt: „Ihr behauptet, daß ich mein Kind in der Fabrik langsam tödte, um täglich einige Kreuzer mehr Lohn einzunehmen; aber nur mit dieser Hülfe kann ich ihm Brod schaffen und es vor dem Hungertode schüzen; verbietet ihr mir es zu ernähren, so ernährt es selbst!“ Glüklicher Weise, sagt Hr. Gillet, ruht aber dieses Argument auf schwankender Basis. Auf Sismondi sich stüzend sucht er nämlich auszuführen, daß die Verwendung der Kinder für die Erwachsenen ein ganz unerwartetes Resultat gehabt: nämlich eine Verminderung vielmehr als eine Zunahme des Gesammterträgnisses ihrer Arbeit. Man wird dieß einsehen, sagt er, wenn man bedenkt, daß sich der Arbeitslohn zu gewöhnlichen Zeiten und unter gewöhnlichen Umständen nach der Zahl der sich darbietenden Hände richtet. Die Benuzung der Kinder brachte, wie er meint, durch die Concurrenz dem Erwerbe der Erwachsenen Schaden, und der geringe Erwerb der Kinder scheint ihm nichts weniger als ein Aequivalent für das, was die Erwachsenen verdient hätten, wenn sie die Arbeit allein zu vollbringen gehabt hätten. Dieser Theorie nach, die der Verf. durch keine numerischen Daten unterstüzt, wären eigentlich die Kinder gänzlich von der Theilnahme an den Fabrikarbeiten auszuschließen; der Verf. geht jedoch nicht so weit, sondern er verlangt bloß für Frankreich ein Gesez, wie es in England eingeführt wurde, um dem Mißbrauche, der mit den Kindern getrieben wird, zu steuern.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: